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Versöhnen wir uns mit der Kirche!

29. Juni 2008 in Spirituelles, keine Lesermeinung
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Kommentar zum Hochfest Peter und Paul am kommenden Sonntag von P. Raniero Cantalamessa.


Rom (www.kath.net/ Zenit)
Aus Anlass des Paulusjahres (28. Juni 2008 - 29. Juni 2009) wird die Feier des Hochfests Peter und Paul, das in diesem Jahr auf den Sonntag fällt, feiert der Heilige Vater zusammen mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. die Liturgie.

Der Prediger des päpstlichen Hauses, Pater Raniero Cantalamessa OFM Cap., sieht das Gedenken der Apostelfürsten als Anruf an jeden einzelnen Gläubigen, über die eigene Beziehung zu Papst und Kirche nachzudenken. In seinem Kommentar zum Hochfest lädt er deshalb alle dazu ein, sich mit der Kirche zu versöhnen, falls das nötig sein sollte.

***

Du bist Petrus!

Das heutige Evangelium ist das Evangelium von der Übergabe der Schlüssel an Petrus. Auf diese Stelle hat sich die katholische Tradition von jeher gestützt, um die Autorität des Papstes für die ganze Kirche zu bekräftigen. Jemand könnte einwenden: Was hat denn der Papst mit all dem zu tun?

Hier die Antwort der katholischen Theologie: Wenn Petrus als „Grund“ und „Fels“ der Kirche dienen soll, so muss – wenn die Kirche weiter Bestand hat – auch ihr Grund weiterhin vorhanden sein. Es ist undenkbar, dass so feierlich verkündete Vorrechte („Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben“) sich nur auf die ersten 20 oder 30 Jahre des Lebens der Kirche bezogen hätten, dass sie mit dem Tod des Apostels aufgehört hätten zu bestehen. Die Rolle des Petrus setzt sich also in seinen Nachfolgern fort.


Für das ganze erste Jahrtausend wurde dieses Amt des Petrus universal von allen Kirchen anerkannt, auch wenn es im Osten und im Westen ziemlich unterschiedlich interpretiert wurde. Die Probleme und die Spaltungen sind entstanden, als das erste Jahrtausend zu Ende gegangen war. Und heute geben auch wir Katholiken zu, dass sie nicht nur durch die Schuld der anderen entstanden sind, der so genannten Schismatiker: zuerst der Orientalen und dann der Protestanten.

Der von Christus eingesetzte Primat wurde – wie es ja bei allen menschlichen Dingen der Fall ist – einmal gut und einmal weniger gut ausgeübt. Mit der geistlichen Macht vermischte sich Schritt für Schritt eine politische und irdische Macht, und so kamen Missbräuche hinzu. Der Papst selbst, und zwar Johannes Paul II., stellte in seiner Enzyklika zur Ökumene Ut unum sint die Möglichkeit in Aussicht, konkrete Formen zu überdenken, mit denen der Primat des Papstes ausgeübt wird, um so erneut die Eintracht aller Kirchen möglich zu machen.

Als Katholiken müssen wir es uns erhoffen, dass auf diesem Weg der Umkehr und der Versöhnung mit immer größerem Mut und größerer Demut vorangegangen wird – insbesondere dadurch, dass die vom Konzil gewollte Kollegialität unter den Bischöfen vermehrt wird.

Was wir uns nicht wünschen sollten ist, dass der Dienst des Petrus selbst als Zeichen und Faktor der Einheit der Kirche abhanden kommt. Man würde sich so eines der wertvollsten Geschenke berauben, das Christus seiner Kirche gemacht hat – einmal abgesehen davon, dass dann seinem eindeutigen Willen widersprochen würde.

Zu denken, dass es der Kirche genüge, die Bibel und den Heiligen Geist zu haben, mit dem sie ausgelegt wird, um das Evangelium leben und verbreiten zu können, wäre so, als sagte man, dass es für die Gründer der Vereinigten Staaten ausreichend gewesen wäre, die amerikanische Verfassung zu schreiben und auf den Geist hinzuweisen, mit dem sie interpretiert werden sollte, ohne eine Regierung für das Land vorzusehen. Gäbe es da noch die Vereinigten Staaten?

Was wir alle sofort tun können, um den Weg zur Versöhnung unter den Kirchen zu ebnen, ist, dass wir anfangen, uns mit unserer Kirche zu versöhnen. „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ Jesus sagt „meine“ Kirche – im Singular, nicht „meine Kirchen“.

Er hat an die eine Kirche gedacht und diese gewollt, nicht eine Vielzahl von unabhängigen Kirchen oder – was noch schlimmer wäre – eine Vielzahl von Kirchen, die untereinander zerstritten sind.

„Mein“ ist neben der Tatsache, dass es im Singular steht, auch ein Possessivpronomen. Jesus erkennt also die Kirche als die „Seine“ an. Er sagt „meine Kirche“ in der Art, wie ein Mann von „seiner Braut“ oder von „seinem Leib“ spricht. Er identifiziert sich mit ihr; er schämt sich ihrer nicht. Auf den Lippen Jesu hat das Wort „Kirche“ nichts von jenen subtilen negativen Konnotationen, die wir hinzugefügt haben.

In diesem Wort Jesu liegt ein starker Aufruf an alle Gläubigen, sich mit der Kirche zu versöhnen. Die Kirche zu verleugnen ist so, als verleugne man seine eigene Mutter. „Der, der die Kirche nicht zur Mutter hat, kann Gott nicht zum Vater haben“, sagte der heilige Cyprian. Es wäre ein schönes Ergebnis des Festes der heiligen Apostel Petrus und Pauls, wenn auch wir lernen würden, von der katholischen Kirche, zu der wir ja gehören, zu sagen: „meine Kirche“.


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