Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Antwerpens Bischof Bonny droht jetzt dem Papst
  2. Vatikan genehmigte 2025 in 34 Diözesen die Feier der Alten Messe in Pfarrkirchen
  3. Ist der Islam ‚eine alternative Form des byzantinischen Christentums‘?
  4. Zehn Jahre ‚Amoris laetitia‘ – Die Kunst, eine Lehre zu ändern, ohne sie zu ändern
  5. Tschechischer Bischof Holub meint: Neuer Ritus ist 'wesentlich' für Synodalität
  6. Papst verkündet neuen Friedensappell der Weltreligionen in Assisi
  7. 25 Jahre KATH.NET: Kardinal Müller wird Schirmherr, Peter Seewald journalistischer Berater!
  8. ‚Der Segen für Marie-Garance war auch ein Segen für ihre biologischen Eltern‘
  9. Bischöfe beauftragen Familien als Missionare
  10. US-Diözese führt Rosenkranzwochenende ein
  11. Papst versetzt umstrittenen Kurienkardinal Gambetti vom Petersdom in die Provinz
  12. „Meine Lieben! Darum soll der Rosenkranz nicht vergessen auf dem Boden einer Schublade liegen“
  13. Zehn Jahre Amoris laetitia: die Schule des Zuhörens
  14. Vatikan bestätigt Sexualverbrechen des toten Ordensgründers Buela
  15. Das Houellebecq-Szenario: Wenn die politische „Mitte“ die Ränder großfüttert

Organspende: Einsame Entscheidung

26. April 2012 in Aktuelles, 9 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Nachdrücklich macht die Autorin der WDR-Reportage zum Thema Organspende „darauf aufmerksam, dass letztendlich jeder allein vor der Entscheidung steht“. Von Heide-Marie Göbbel (KNA)


Köln (kath.net/KNA) Jeder Bundesbürger wird demnächst von seinem Arzt oder der Krankenkasse gefragt werden, ob er im Falle des Falles einer Organspende zustimmen möchte. Warum diese Entscheidung so schwer ist und warum man sie deswegen nicht den Angehörigen überlassen sollte, zeigt Justine Rosenkranz in der aufrichtigen Reportage «Menschen hautnah: Spenderorgan gesucht... - Warum das Geben so schwer fällt». Sie wird am 26. April um 22.30 Uhr im WDR-Fernsehen ausgestrahlt.

Die Autorin dokumentiert anhand zweier Schicksale, dass es in dieser Frage kein Richtig oder Falsch geben kann. Nachdrücklich macht sie darauf aufmerksam, dass letztendlich jeder allein vor der Entscheidung steht. Sie zeigt aber auch, dass es helfen kann, sich vorher gut zu informieren, um nicht eines Tages von der emotionalen Wucht der Situation überrannt zu werden.

Rosenkranz nimmt sich dabei selbst nicht aus. Sie fragt, warum so viele Menschen, wie auch sie selbst, Organspenden richtig finden und trotzdem davor zurückschrecken. Die Autorin will die Beteiligten kennenlernen: diejenigen, die einen Angehörigen verlieren und einer Organspende zustimmen, die Ärzte, die den Hirntod feststellen, und die Empfänger der Organe. Den zwölfjährigen Torben im evangelischen Krankenhaus in Hamm traf sie im vergangenen November. Er hatte Leukämie und konnte durch eine Knochenmarkspende seiner Schwester gerettet werden. Doch dann entwickelte sich durch die Spende eine lebensbedrohliche Immunkrankheit, die seine Lunge zerstörte. Für Torben muss eine neue Lunge gefunden werden.


Doch wie sieht es mit den anderen Betroffenen aus? Torbens Schwester macht sich Vorwürfe, weil ihre Zellen jetzt die seinen zerstören. Während Torben auf eine neue Lunge hofft, spricht die Autorin in der Uniklinik Hannover mit einem erfahrenen Arzt, der Kindern eine neue Lunge transplantiert. Er habe nicht nur Erfolge, erzählt er offen; einige Patienten seien während oder nach der Operation gestorben. Auch habe er Eltern erlebt, die Transplantation, Krankenhaus und Schmerzen für ihr Kind ablehnten, und die Zeit, die ihnen blieb, lieber zu Hause verbringen wollten.

Für eine Organspende zu votieren, das war auch für das Ehepaar Greinert eine Selbstverständlichkeit. Ihr 15-jähriger Sohn starb bei einem Fahrradunfall. Erst auf dem Friedhof begann Renate Greinert an ihrer Entscheidung zu zweifeln. Im Nachhinein sei ihr Sohn im Krankenhaus für sie nicht tot gewesen, sondern sterbend, dessen sei sie sich inzwischen sicher. Bis heute könnten es sich die Eltern nicht verzeihen, nicht bis zum letzten Atemzug bei ihm gewesen zu sein, sondern einer Organspende zugestimmt zu haben, erzählt die Autorin weiter. Renate Greinert schrieb inzwischen ein Buch über ihre traumatischen Erfahrungen und gründete einen Verein, um mit anderen kritisch über die Organspende zu sprechen.

Der Lungenarzt aus Hannover plädiert dafür, dass sich alle Menschen ausdrücklich für oder gegen eine Organspende aussprechen. Andere, wie der Arzt und Wissenschaftsjournalist Werner Bartens, sind gegen jeden Zwang. Er plädiert für mehr Aufklärung über den Prozess des Sterbens. Der Hirntod, meint er, sei schließlich erst erfunden worden, als man Organe entnehmen konnte. Und die Vorstellung, dass der Verstorbene nach der Organspende keinen vollständigen Körper mehr habe, sei nicht für jeden zu verkraften. Weder potenzielle Organspender noch die Angehörigen wüssten, was da wirklich auf sie zukäme. Zu bedenken wäre auch, dass die Empfänger mit den neuen Organen unter Umständen nur wenige Jahre leben könnten, und dazu lebenslang auf teure Medikamente angewiesen wären, an denen die Pharmaindustrie gut verdiene.

Die Entscheidung für oder gegen eine Organspende, das zeigen die unter die Haut gehenden Beispiele, muss letztlich jeder selbst treffen. Rosenkranz kommt zu dem Schluss, dass die Spende eines Organs in jedem Fall eine schwere, einsame Entscheidung bleibt. Doch durch eine gründliche Information könne man sich vieles leichter machen. Dazu trägt auch ihre Reportage bei.

Hinweis: «Menschen hautnah: Spenderorgan gesucht...». Warum das Geben so schwer fällt. Reportage von Justine Rosenkranz. WDR- Fernsehen, Do 26.4., 22.30 - 23.15 Uhr.


Weiterführendes Interview mit Prof. theol. Joseph Schumacher, Organspende: Hat ein Toter lebendige Organe?

Dr. med. Regina Breul, Silvia Matthies: Tot oder doch lebendig? Dokumentation über die Organspendeproblematik


(C) 2012 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Organspende

  1. Klinisch tot nach Herzstillstand: Hirnaktivität noch Minuten, sogar Stunden messbar
  2. Organspende - "Schweigen bedeutet keine Zustimmung"
  3. Staat greift aus Sicht der CDL selbstherrlich in Leben und Tod ein
  4. Nein zur Widerspruchslösung bei Organspende
  5. Papst wirbt für Organspende
  6. Mutter trägt todgeweihtes Baby aus: Für Organspende
  7. „Die ‚doppelte Widerspruchslösung‘ ist ein dreifacher Betrug“
  8. Organspende „berührt das Tötungstabu“
  9. Ablehnung der Organspende ist nicht weniger christlich als Zustimmung
  10. Der blinde Fleck in der Debatte um die Organspende







Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. Papst versetzt umstrittenen Kurienkardinal Gambetti vom Petersdom in die Provinz
  3. US-Diözese führt Rosenkranzwochenende ein
  4. Das Houellebecq-Szenario: Wenn die politische „Mitte“ die Ränder großfüttert
  5. Vatikan bestätigt Sexualverbrechen des toten Ordensgründers Buela
  6. Vatikan genehmigte 2025 in 34 Diözesen die Feier der Alten Messe in Pfarrkirchen
  7. ‚Der Segen für Marie-Garance war auch ein Segen für ihre biologischen Eltern‘
  8. Warum der Todestag des Franz von Assisi nicht sein Gedenktag ist
  9. Wo der Mensch nicht berechenbar ist
  10. Wenn das Nein nicht mehr zählt
  11. USA: Frauen klagen Planned Parenthood wegen Druck in Richtung Abtreibung
  12. Ist der Islam ‚eine alternative Form des byzantinischen Christentums‘?
  13. Erschütterndes Historiendrama: Netflix-Serie „Fauda“ verarbeitet den Terror des 7. Oktober
  14. Muslimische Organisation: ‚In 45 Jahren wird Frankreich wieder katholisch‘
  15. Studium zwischen Verstand, Erinnerung und Glauben. Das Herz der Wahrheit

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz