Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Wie die Piusbrüder - Linker belgischer Bischof plant weiterhin verbotene Weihen
  2. Ist der Islam ‚eine alternative Form des byzantinischen Christentums‘?
  3. Gefeuert wegen AfD-Kandidatur: Deutsche Caritas-Erzieherin zieht vor Gericht
  4. Papst Leo singt mit 80.000 Jugendlichen das „Salve Regina“ auf Latein
  5. Asymmetrisch blinder Blick auf die deutsche Landschaft
  6. Sechs Messdiener mit Down-Syndrom ministrierten bei der historischen Papstmesse in Paris
  7. Es gibt drei Erzengel, die vor Gottes Thron für uns eintreten
  8. Wort-Gottes-Feier in katholischer Kirche mit Liedern von Taylor Swift
  9. Die Deutsche Bischofskonferenz will keine 'Demontage' des deutschen Staatsfunks
  10. „Wenn wir den wahren missionarischen Geist, den richtigen Weg finden, gibt es in Deutschland noch…“
  11. „Das Ende von Maria 2.0“
  12. Ein Erzbischof auf Staatsbesuch
  13. 'Amoris Laetitia' oder das Lehramt, das sich selbst abschafft
  14. Einbürgerung als Wahlstrategie? Linke profitiert massiv von muslimischen Wählern in Berlin
  15. Politisch aber auch innerkirchlich „gibt es derzeit wieder viel Konfliktpotenzial“

Heaven is waiting!

17. Jänner 2020 in Kommentar, 5 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Fühlst du dich manchmal wie Sisyphos? Die Story, die Gott mit dir schreibt, hat ein Ende. Und sie ist gut! BeneDicta am Freitag von Petra Knapp-Biermeier.


Linz (kath.net) Mahagonirot sind sie jetzt, ihre Haare. Sie hat Veränderung gebraucht, sagt sie, presst die Lippen zusammen, lächelt. Ihre Augen fliegen jetzt weiter, erzählen mir diese never ending story, wo sich seit vielen Jahren nie was ändert, seitdem wir uns kennen. Da ist immer der gleiche Mann, der sympathisch und erfolgreich aber abwesend ist, weil er so viel arbeitet.

Und da ist die Kinderlast, die sie weitgehend alleine trägt, sich abschleppt, mit all den Zahnspangen-, Lern- und Kindergruppenterminen. Und regelmäßig regt sich dann was in ihr, bricht aus, rebelliert. Jetzt sind es gerade die Haare, damals war es der Yoga-Kurs, später der zweite Nebenjob und immer die regelmäßigen Wellnessurlaube.

Wieso hält eigentlich nie was? Warum wirken unsere Lebensoptimierungsmethoden immer nur vorübergehend? Ihre Augen flattern noch durch die klirrende Winterluft, bleiben dann irgendwo hängen, fast erfroren. Es ist einer dieser schneelosen, öden Jännernachmittage. Das Unausgesprochene lastet schwer zwischen uns.

Ja, es ist so schmerzhaft, permanent seine Verletzungen zu kaschieren, sich abzukämpfen wie Sisyphus, der endlich mit diesem verdammten Felsblock am Gipfel angelangt ist, da entgleitet er ihm schon wieder, und sein wahnsinniger, halb irrer Blick hängt an der Bewegung, die er schon tausend Mal jetzt gesehen hat, und die ihn, Sisyphus, das ganze Leben kostet: das langsame und immer schneller werdende Poltern, das ihn verhöhnt und dem er gleich schreiend nachtrotten wird, brüllend und dann ganz still. Abgetötet wird das Leben des armen, gefangenen Sisyphus, mit jedem sinnlosen Aufstieg mehr.


Vor drei Wochen war ich auf der MEHR-Konferenz, und ein Satz ist mir nachhaltig hängen geblieben. Die Therapeutin Friedegard Warkentin erzählte davon, wie sie sich in einer Jugendgruppe von einem jungen Mann gestört fühlte, der regelmäßig zu spät kam. „Der macht mir jeden Abend kaputt“, war ihre innere Reaktion. Sie habe schließlich begriffen, dass Jesus sie herausfordere und bitte, diesen jungen Mann zu lieben. „Mach ein bisschen Platz für ihn, dann liebe ich ihn durch dich!“

Die Geschichte könnte man überhören. Sie wirkt so schlicht. So banal. Aber für mich stecken da zwei Dinge drin, die so wahr sind. Erstens: Jesus will uns auffüllen mit Liebe, damit wir andere lieben können. Also nicht jene, die wir ohnehin mögen, wo es uns leicht fällt. Nein: Jene, die uns nerven, die in uns Stress, Angst oder Zorn auslösen. Dies ist aus eigener Kraft unmöglich und wir brauchen das, was wir aus uns nicht haben: die Liebe Jesu.

Zweitens: Voraussetzung dafür ist, dass wir Jesus unsere Wunden hinhalten. Wer anderen helfen will, sich jedoch nicht seinen eigenen Verletzungen stelle und Jesus um Heilung bitte, der scheitere irgendwann, das ist die Erfahrung Warkentins. „Du trägst vieles heimlich mit dir rum“, sagt die Therapeutin. Aber: „Die ungeheilten Wunden sind Zielscheiben des Feindes, sind Trigger, wo er seine Pfeile hinein setzt.“ Wenn dich Kleinigkeiten immer wieder aus der Spur bringen, dann sei das ein Merkmal dafür, dass da etwas Unheiles ist. Eine gute Frage, um sich selber auf die Spur zu kommen, sei: „Wenn du unter Druck kommst, was kommt da raus aus dir?“

Dass Gott uns zuerst liebt, vor aller Leistung, vor irgendetwas, das wir ihm dafür zurückgeben - das anzunehmen, ist eine echte Herausforderung. „Belong – believe – behave“ In diesen Schritten entwickelt sich unser Glaube, erinnerte Patrick Knittelfelder, Leiter der „Home Mission Base“ in Salzburg, vor längerem an einem „Sunday Morning“. Viele von uns haben dieses Muster tief drinnen, dass es umgekehrt ist: Erst wenn man sich richtig „benimmt“, alle Vorschriften befolgt und glaubt, was es halt zu glauben gibt, gehört man dazu.

Aber Gott sieht es genau umgekehrt: Er ist nicht an deiner Moral interessiert und ob du gerade alles aus eigener Kraft hinkriegst. Er will dich einfach lieb haben, so wie du bist. So wie du jetzt bist. Ertragen wir das eigentlich? Diesen Gedanken, dass Gott uns liebt, so wie wir jetzt gerade sind? Kommt da nicht gleich ungläubiges Kopfschütteln und der Gedanke „Also ein bisschen bessern muss ich mich schon…“ Kommt da nicht Scham und Angst vor den Leichen in deinem Keller?

Es ist so wahr und kann nicht oft genug ausgesprochen werden: Gott liebt dich bedingungslos. Er kann nicht anders. Und nur diese Liebe wird dein Leben in die einzigartige Spur bringen, die Gott sich für dich ausgedacht hat. Nur diese Liebe wird deine Verletzungen ans Licht holen und heilen. Nur in dieser Liebe kannst du dich zurücklehnen, mit oder ohne neuem Haarschnitt, mit oder ohne Wellnessurlaub.

Wenn der Hunger deines Herzens gestillt ist, dann ist alles andere eine wunderbare Draufgabe. In der Story, die Gott mit dir schreiben will, da ist bedingungslose Liebe, da ist Zugehörigkeit, da ist Heilung, da ist Entwicklung, Abenteuer und ein Platz, der von dir eingenommen werden will. Da rollen Steine nicht zurück, sondern werden platziert. Da wird aufgebaut, da wird Land gewonnen. Deine Geschichte hat ein definitives Ende in der besten aller Welten. Heaven ist waiting!


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

BeneDicta

  1. Wenn das Nein nicht mehr zählt
  2. Technisch brillant, geistig obdachlos
  3. Beschließen ohne zu entscheiden?
  4. Die große Täuschung
  5. Hoffnung schlägt Optimismus
  6. Kirche zwischen Riss und Rückbindung
  7. Freu dich, Gott liebt dich
  8. 'Sommer ist, was in deinem Kopf passiert'
  9. Denn der Glaube ist kein Leistungssport
  10. Das Glück dieser Welt kauft man nicht mit Geld







Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. Europa kann nur aus seinem Gedächtnis Zukunft gewinnen
  3. Grenzen überwinden, ohne die Wahrheit zu verlieren
  4. Ein Erzbischof auf Staatsbesuch
  5. Lichterprozession in Lourdes: Papst betet in Lourdes den Rosenkranz auf Latein
  6. Meloni kündigt Burka- und Niqab-Verbot, Ausländerquoten an Italiens Schulen an
  7. Eucharistische Evangelisationsbewegung ‚Adore Him‘ in den USA
  8. Papst Leo XIV. trifft Missbrauchsbetroffene in Lourdes
  9. Die Würde des Menschen kennt keine Grenze: In den Augen Gottes ist niemand unsichtbar
  10. Den Willen Gottes für den Menschen bedenken und tun
  11. Buße, Hoffnung, ewiges Leben: Lourdes ruft zur Umkehr
  12. Papst Leo zu den Bischöfen: „Die Kirche in Frankreich liegt dem Papst sehr am Herzen!“
  13. Französische Bischöfe: Papst Leo hat das Herz der Franzosen berührt
  14. Er ist der dritte amtierende Papst in der Grotte von Massabielle/Lourdes: Leo XIV.
  15. Das Houellebecq-Szenario: Wenn die politische „Mitte“ die Ränder großfüttert

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz