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Kirche zwischen Riss und Rückbindung

3. Oktober 2025 in Kommentar, 7 Lesermeinungen
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Oder: Einheit ist keine Strategie, sondern eine geistliche Aufgabe - BeneDicta am Freitag von Dorothea Schmidt


Regensburg (kath.net)

Ruhig, klar und tiefgründig navigiert Papst Leo die Kirche durch das aufgewühlte Meer der Zerreißproben und ruft zurück zur Mitte, zu Christus. Er macht deutlich: Kein Reformpapier dieser Welt kann die Einheit schaffen und Kirche lebendig machen wie Er es vermag.

Das erste große Interview, das Papst Leo XIV. gegeben hat, war kein lautes, es war kein Paukenschlag, kein medialer Pomp. Und doch wirkt es überall nach – tief, weitreichend, fast wie eine leichte seismische Erschütterung zieht es seine Kreise — wird im synodalkirchlichen Lager in Deutschland unter der Führung von DBK-Chef Georg Bätzing jedoch (wieder) missinterpretiert. Kaltschnäuzig behauptete Bätzing, die deutsche Praxis stelle „in keinster Weise (sic!) einen Gegensatz“ zu den Interviewaussagen des Papstes in Bezug auf Segensfeiern dar. Einem Journalisten warf er sogar eine falsche Wahrnehmung vor.

Diesen Aussagen sind erstaunlich: Ein kleines Lager innerhalb der Weltkirche versteht den Papst anders als der Rest der Kirchenwelt und behauptet richtig zu liegen, ja sogar, das entscheidende Zugpferd zu sein, dass die Kirche in die Zukunft zu führen vermag. Potenziale hat dieses Lager: ein rosarotes und regebogenfarbenes — und damit das Potenzial, sich von der weltweiten communio zu entfernen, zu spalten, was zu der Frage führt: Wie kann die Kirche noch zusammenbleiben, ohne durch innere Risse auszubluten?

Ob auf weltkirchlicher Bühne oder im deutschen Kontext: Die Versuchung, die Kirche wie ein politisches Feld zu denken – mit Lagern, Flügeln, Mehrheiten und Machtoptionen –, ist in Deutschland längst zur Gewohnheit geworden. Aus Gewohnheiten werden Haltungen und Einstellungen, die automatisierte, unbewusste Reaktionen hervorrufen und somit die Art und Weise beeinflussen, wie eine Person die Welt wahrnimmt und darauf reagiert.


Diese Situationen haben wir in Deutschland. Wir haben genau das, wofür Papst Franziskus gewarnt und Leo wiederholt hat: dass Kirche keine Parteienlandschaft sein darf, kein Parlament. Beiträge wie jeder von Bätzing während der Herbstvollversammlung wirken aber wie parteipolitische Taktik.

Auf der anderen Seite stehen die Hüter einer starren Orthodoxie, die über eine angebliche Weichheit klagen, dabei Gefahr laufen, sich über andere zu erheben (Stolz) und zu vergessen, dass Treue zur Tradition auch darin besteht, sich Jesus demütig anzuvertrauen und lebendiger Zeuge von Jesu Gegenwart im eigenen Leben zu sein.

Jede Seite will mehr oder weniger ihre „Lesart“ durchsetzen. Im deutschen Sprachraum wird Papst Leo (wie vorher schon Franziskus) gern so interpretiert, als unterstütze er – wenigstens indirekt – den Synodalen Weg. Nicht nur Bätzing bemüht sich regelmäßig darum, Leos Worte in diese Richtung zu deuten.

Doch Leo sagt etwas anderes. Er spricht von Hören, von geistlicher Unterscheidung, von der Einheit mit dem Lehramt der Weltkirche und nicht von nationalkirchlichen Sonderwegen oder von „Zukunftskonzilen“, die alte Lehren abwickeln wollen. Bischof Stefan Oster aus Passau wies unlängst darauf hin, dass es Jesu Wunsch sei, „sich so von Seiner Gegenwart erfüllen zu lassen, dass sich unser Herz verändert; dass wir … Versöhnung suchen, statt Spaltung. Dass wir lernen, Wahrheit zu sagen und damit rechnen, auch falsch liegen zu können. Dass wir Menschen werden, die wirklich zuhören… .“ und — so will man ergänzen — zuschauen, wie Gott wirkt.

Wir müssen Ihm wieder mehr zutrauen, dass er allmächtig ist und seine Kirche doch besser als jeder andere nicht nur theoretisch aus dem Schutt herausziehen und neu aufbauen kann, sondern es längst auch tut. Bischof Heinrich Timmerevers aus Dresden sagte bei der letzten Bischofskonferenz während der Vesper: Das Schönste im Osten sei, „dem lieben Gott bei der Arbeit zuschauen zu dürfen“:  335 Erwachsene hätten sich dort in diesem Jahr bereits taufen lassen. Auch in Frankreich geht die Zahl der Erwachsenentaufen durch die Decke. In den Niederlanden erzählen Bischöfe, wie Menschen, die ohne Gott aufgewachsen sind, plötzlich vor den Kirchen stehen und getauft werden wollen. Fazit: Gott wirken zu lassen ist effektiver und zielführender als eigene Programme durchzusetzen.

Die Antwort auf die Frage, wie wir es gemeinsam in der einen Kirche aushalten und zueinander finden können, in der zwei Lager sich bekriegen und Debatten das Gebet ersetzen, lautet: Christus. Er allein kann zusammenführen. Wir brauchen keine vermeintlich klugen, den Humanwissenschaften huldigenden Kompromisse, sondern radikale Christusbezogenheit. Nicht tausend Worte, sondern Gebet, nicht irgendeine Reformagenda und lautstarke Parolen, sondern stille Anbetung. Wobei wir Christus nicht für die eigene Agenda beanspruchen dürfen, sondern ihn zum Maßstab unseres eigenen Herzens machen müssen.

Papst Leo hat im Interview davor gewarnt, Kirche zu „parteiförmig“ zu denken: „Die Kirche ist keine politische Organisation mit Flügeln. Sie ist Leib Christi. Wer ihr dienen will, muss zuerst auf Christus hören – nicht auf den Applaus oder den Widerstand der Zeit“, sagte er. Dieses Gespräch war keine kirchenpolitische Kampfansage oder strategische Positionierung, sondern eine geistliche Standortbestimmung. In seiner ruhigen, sorgsamen und integrativen Weise beschrieb er den Zustand der Kirche und sprach über das Hirtenamt, das er verkörpert. Seine Sorge gilt nicht einem nationalkirchlichen Sonderweg, sondern dem universalen Glauben der Kirche, der in Einheit mit Rom stehen muss. Nur mit Rom gibt es den Glaubenssinn des Volkes, der in Deutschland gern gegen das Lehramt ausgespielt wird statt mit ihm zu gehen. Ohne die Weltkirche und ohne den Papst, der die Letztverantwortung trägt, gibt es auch keinen Glaubenssinn des Volkes. Keine einzelne Person, auch keine noch so große Gruppe, kann einfach das Lehramt ändern.

Leo appelliert an synodale Haltungen wie Hören, Umkehr und geistliche Unterscheidung, nicht an synodale Strukturen, die sich über Glaubenslehre hinwegsetzen. Dies ist der kleine, aber wesentliche Unterschied zu Vorgängen in Deutschland. Einheit ist keine Strategie, sondern eine geistliche Aufgabe.

Leo ist ein Papst der Mitte. Er meidet Polemik, aber nicht die Klarheit. Mitten in den Zerreißproben der Kirche steht er wie ein Fels in der Brandung, standhaft und deutlich. Das provoziert, denn Klarheit schafft Unterscheidung – und das führt unweigerlich zu Reaktionen an den Rändern — was wiederum ein Zeichen dafür ist, dass Papst Leo etwas richtig macht. Denn das Evangelium fordert heraus, nicht nur den jeweils „anderen“, sondern jeden von uns.


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