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„Da müsste das Christentum eigentlich Widerstand leisten“

29. Juni 2020 in Interview, 3 Lesermeinungen
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Schweizer Schriftsteller Giuseppe Gracia im kath.net-Interview: „Ich habe noch nie über das Christentum geschrieben. Das wollte ich nun wagen, in Form eines Thrillers. Jedoch nicht wie Dan Brown, der wohl wenig von Christentum oder Kirche versteht.“


Chur (kath.net) kath.net-Lesern ist der katholische Schriftsteller Giuseppe Gracia keineswegs unbekannt: Nicht nur taucht in Pressemeldungen des Bistums Chur oft sein Name auf, da er der Pressesprecher des Bistums ist. Sondern häufig kommentiert er aktuelle Entwicklungen, beispielsweise beim „Focus“. Doch davon sind die Finger auf seiner Tastatur noch lange nicht müde: er hat bereits mehrere Bücher geschrieben. In seinem soeben erschienenen neusten Roman „Der letzte Feind“ schreibt der Katholik und Familienvater erstmals über das Christentum, „jedoch nicht wie Dan Brown, der wohl wenig von Christentum oder Kirche versteht. Ich wollte möglichst viel Substanz bieten. Aber so, dass auch Glaubensferne und Atheisten fasziniert sein können“.

 

kath.net: Worum geht es in Ihrem neuen Roman?

 

Gracia: Es geht um die Auswirkungen eines neuen, digitalen Turmbau zu Babel, wie wir ihn im Zuge der Globalisierung heute in vielen Ländern erleben. Im Roman heißt es, die Erbauer dieses neuen Utopia hätten ‚den Eckstein der Erbsünde verworfen‘. Das bringt es auf den Punkt: das Versprechen unserer Zeit ist ein multikulturelles, transnationales Wohlstands-Paradies ohne Christentum, auf der Grundlage eines sich selbst erlösenden, digital gerüsteten Menschen. Keine Offenbarung, kein Gott. Aber kann eine solche Gesellschaft überhaupt frei sein und menschlich bleiben? Das ist die Frage, um die sich der Roman dreht.


 

kath.net: Angekündigt wird das Buch als Thriller. Eine Verschwörungsstory à la «Da Vinci Code» und Dan Brown?

 

Gracia: Ich habe Romane über Fremdarbeiter in der Schweiz geschrieben, über Liebe, Freundschaft, Terror. Aber nie über das Christentum. Das wollte ich nun wagen, in Form eines Thrillers. Jedoch nicht wie Dan Brown, der wohl wenig von Christentum oder Kirche versteht. Ich wollte möglichst viel Substanz bieten. Aber so, dass auch Glaubensferne und Atheisten fasziniert sein können.

 

kath.net: Das heißt, Sie verpacken die großen Themen der Postmoderne in Ihre Story?

 

Gracia: Ja, ich bin beeinflusst vom südkoreanischen Philosophen Byung-Chul Han. Der sieht mit unserer Kultur eine Herrschaft der Optimierung heraufziehen, sekundiert von Menschenbörsen, Krippen und chemischen Mitleidstötungen fürs nach-produktive Alter. Wissenschaft und Forschung als Potenzmittel des Handels, die Politik als Gouvernante und Human-Ressources-Abteilung. Eine Totalverwertung des Lebens. Da müsste das Christentum eigentlich Widerstand leisten. Auch gegen moralisch-pädagogische Staatsmächte, die in die Rolle von Aposteln und Propheten schlüpfen. Eliten, die sich humanistisch geben, in Wahrheit aber nicht den realen Menschen lieben, sondern nur ihre eigene, utopische Vorstellung.

 

kath.net: Welche Utopie?

 

Gracia: Der Mensch ohne Erbsünde. Der Mensch als sein eigener Schöpfer. Aber dazu muss die Menschheit eben zuerst umgeformt und optimiert werden, durch Transhumanismus und andere Techniken. Die grossen Weltverbesserer der Geschichte hatten immer den perfekten Plan. Sie waren keine Liebhaber des Lebens an sich. Sie liebten nur ihr Ideal. Und weil die meisten von ihnen, wie auch heute, vermögend waren, konnten sie ihre Visionen lange vor den Zumutungen der Realität abschirmen. Im Privatpark einer Villa lässt sich prächtig über das Hohe und Edle sinnieren.

 

kath.net: Wer ist «Der letzte Feind» gemäß Romantitel?

 

Gracia: Für die Gegner des Christentums ist die Religion der letzte Feind der Freiheit. Und für die Verteidiger des Christentums ist es eine Gesellschaft, die sich von Gott entfernt und unmenschlich wird. Weil es ohne Christentum keine Freiheit, keine wahre Liebe geben kann. Und natürlich muss man hier auch an den Apostel Paulus denken. Er sagt, dass der Tod der letzte Feind ist, der vernichtet wird.

 

Giuseppe Gracia ist sizilianisch-spanischer Abstammung, verheiratet und hat zwei Kinder. Der Schweizer arbeitet als Publizist, Medienberater und Schriftsteller: «Das therapeutische Kalifat» (2018), «Der Abschied» (2017), «Santinis Frau» (2006), «Kippzustand» (2002) u.v.m. Gracia ist fester Kolumnist bei der Schweizer Zeitung «Blick» und publiziert Gastbeiträge in Medien wie NZZ und Focus Online. Als PR-Berater betreut er verschiedene Mandate, u.a. für das Schweizer Bistum Chur.

 

Weitere kath.net-Artikel von und über Giuseppe Gracia.

 

kath.net-Buchtipp:

Der letzte Feind

Roman von Giuseppe Gracia

Taschenbuch, 256 Seiten

2020 Fontis - Brunnen Basel

ISBN 978-3-03848-196-6

Preis Österreich 18.50 EUR


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Lesermeinungen

 Winrod 29. Juni 2020 
 

Präzisierung des Zitats:

Fulton Sheen sagte, der Humanismus sei "eine Verbrüderung, der Tränen fremd sind" oder ...."ohne Tränen".


1
 
 Winrod 29. Juni 2020 
 

Dem Buch ist ein große Verbreitung zu wünschen,

denn es trifft genau den Punkt , an dem die moderne Welt krankt. Vor allem deckt es den Schwindel eines "Humanismus ohne Gott" auf. Fulton Sheen hat ihn beschrieben als einen "Humanismus, dem Tränen fremd sind".


3
 
 Stefan Fleischer 17. Juni 2020 

den Eckstein der Erbsünde verworfen

Je länger je mehr wird mir bewusst, dass es keine vernünftigere Erklärung für den Zustand der Welt und der Kirche, besonders heute, gibt als die Erbsünde. Der Mensch will sein wie Gott. Er will selber wissen, was richtig und was falsch, was gut und was böse ist. Er will letzte Instanz von allem sein. Aber mit Millionen und Abermillionen von «letzten Instanzen» lässt sich sicher keine bessere, friedlichere Welt aufbauen. Deshalb ist so wichtig und prophetisch, was unser Heiliger Vater, Papst Franziskus, zu Beginn seines Pontifikates programmatisch sagte: «Wenn wir ohne das Kreuz gehen, wenn wir Christus ohne Kreuz bekennen, sind wir nicht Jünger des Herrn: Wir sind weltlich, wir sind Bischöfe, Priester, Kardinäle, Päpste, aber nicht Jünger des Herrn.» Doch wer verkündet heute noch dises «Ärgernis des Kreuzes?»


5
 

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