Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Neue Fantasien über das Weiheamt für Frauen?
  2. Leo XIV. möchte bei "Alter Messe" "konkrete und großzügige Lösungen"
  3. Belgischer Bischof Johan Bonny kündigt Weihe verheirateter Männer zu Priestern an
  4. Papst Leo gratuliert der neuen Erzbischöfin von Canterbury
  5. "Vaccine Amen"
  6. „Genau das, was wir heute in Deutschland beim Synodalen Weg erleben, dieselben Themen, Ansichten“
  7. Spanien am moralischen Abgrund
  8. Euthanasie-Skandal in Spanien: Wurde Noelia Castillo Ramos der Widerruf verweigert?
  9. Christliche Werte unerwünscht - Einschränkung der Meinungsfreiheit in Finnland!
  10. 'Erzieherischer Unterton': Harald Schmidt rechnet mit Tagesthemen und Heute Journal ab
  11. Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ wird neuer Bischof von Münster
  12. Dienst, Ordnung, Sendung: Die hierarchische Gestalt der Kirche
  13. Norwegen: Bischof Hansen bittet, dass jeder Gläubige des Bistums Oslo zur Beichte geht
  14. Panik in Magdeburg
  15. Kardinal Eijk zelebriert erstes Hochamt im Vetus Ordo: „Eindrückliches, unvergessliches Erlebnis“

Bei schwerem Fehlverhalten ist Rücktritt angebracht – Warum sind Bischöfe eine Ausnahme?

11. Dezember 2020 in Kommentar, 10 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


„Warum waren in DBK-Studie nicht auch jetzt amtierende Bischöfe miteinbezogen, die ja teilweise vor ihrer Bischofernennung wichtige Ämter z. B. als Offizial oder Personaldirektor innehatten?“ Gastkommentar von Ministerpräsident a.D. Werner Münch


Freiburg (kath.net) Seit Jahren steht die katholische Kirche in der Diskussion wegen sexuellen Missbrauchs von Priestern an Minderjährigen. Obwohl das Problem schon lange bekannt ist, hat es bis 2018 gedauert, bis die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) eine Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ in Auftrag gegeben hat. Bis dahin hat die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs nicht ernsthaft stattgefunden, sondern ist weitgehend verschwiegen, verzögert oder vertuscht worden.

Warum eigentlich waren in der Studie nicht auch die jetzt amtierenden Bischöfe mit einbezogen, die ja teilweise vor ihrer Ernennung zum Bischof in einer Diözese wichtige Ämter z. B. als Offizial oder Personaldirektor innehatten?

2018 war auch das Jahr, in dem der amerikanische Kardinal Theodore McCarrick seinen Kardinals-Titel verlor und ihm jegliche weitere Tätigkeit als Priester untersagt wurde. Jedem war also bekannt, wie das „System Kirche“ versagt hatte und sexuelles Fehlverhalten als „Ausrutscher“ ohne Folgen für die Täter hingenommen wurde. So wie bei Kardinal McCarrick war auch bei vielen anderen das Interesse am Schutz der Täter wichtiger als die Wiedergutmachung von körperlichen und seelischen Verletzungen der Opfer.

Auf das zahlreichen Bistumsleitungen bekannte Problem des sexuellen Missbrauchs durch Priester ihres Bistums hätten die Bischöfe in der ganzen Welt eine sofortige und schonungslose Aufklärung in ihren Diözesen in Gang setzen müssen – natürlich auch in Deutschland. Stattdessen wurde durch die Verantwortlichen die Aufklärung weiterhin vertuscht und verzögert. Jetzt ist in mehreren Diözesen der Sturm losgebrochen, weil die – leider zu spät – Ergebnisse der in Auftrag gegebenen Gutachten vorliegen und vielfältiges Versagen von verantwortlichen Amtsträgern aufgedeckt wird, z. B.:


-    In Köln wird ein Gutachten einer Anwaltskanzlei kritisiert, aber nicht veröffentlicht.

-    In Aachen wird das Gutachten derselben Kanzlei gelobt und gleichzeitig wird vom Vorgänger im Bischofsamt „ein Zeichen der Reue“ gefordert,

-    und in Münster bekennt der amtierende Bischof, dass er „Schuld auf sich geladen“ hat, ohne daraus persönliche Folgerungen abzuleiten.
Ähnlich wird es in anderen Diözesen weitergehen, natürlich begleitet von einer medialen Hatz, teilweise sogar von einem die Grenzen der Fairness überschreitendem Investigationsjournalismus. Hinzu kommt, dass das Unverständnis und der Zorn der Gläubigen immer größer werden. Kann es denn wirklich sein, dass Bistumsleitungen diese Reaktionen bis hin zur Abwendung von der Kirche immer noch nicht sehen oder zu blind, vielleicht sogar unwillig, für ehrliche Reaktionen sind?

Glauben diese Bischöfe wirklich noch im Ernst, dass sie das Problem des sexuellen Missbrauchs durch Priester im „Synodalen Weg“, so wie eine große Mehrheit ihn bisher geht, bewältigen können? Sind sie wirklich der Auffassung, dass die Abschaffung des Zölibats, die Ordination von Frauen, das Schweigen zur Gender-Ideologie und zur Abwendung von einer christlichen Ehe und Familie, so wie sie in langer Tradition im christlichen Abendland verstanden und gelebt wurde, einer Anpassung der kirchlichen Sexuallehre an den Zeitgeist oder der Errichtung von „Diversity-Abteilungen“ mit der Einstellung von Frauen als „Gleichstellungsbeauftragte“ das Problem lösen? Dürfen einem Bischof seine bei der Bischofsweihe abgelegten Weiheversprechen später in der Ausübung seines Amtes völlig egal sein, die z. B. lauten, „das Evangelium Christi treu und unermüdlich zu verkünden“ und das „von den Aposteln überlieferte Glaubensgut...rein und unverkürzt weiterzugeben“? Das sind nur zwei von neun Weiheversprechen, die jeder Bischof abgegeben hat. Spielen bei diesen von der Lehre abweichenden Positionen selbst frühere Erklärungen der Glaubenskongregation und von Päpsten keine Rolle mehr?

Beide genannten Punkte – inakzeptables Aufarbeiten von sexuellen Missbrauchsfällen und Missachtung der früheren Weiheversprechen und damit damit der Lehre der Kirche – sind m. E. so gravierend, dass diejenigen, die so handeln, sich selbst und den Gläubigen gegenüber so ehrlich sein sollten, dass sie als Bischof ihr Amt nicht mehr ausüben können und deshalb ihren Rücktritt anbieten – selbst vollziehen können sie ihn ja nicht. In der Politik, in der Wirtschaft oder in einer Vielzahl von staatlichen oder auch kirchlichen Institutionen sind Rücktritte bei groben Fehlern oder zweifelsfreiem Versagen selbstverständlich. Warum sollten sie bei Bischöfen tabu sein? Wenn es um gravierendes Fehlverhalten geht, gibt es keine Gründe für ein „selbstverständliches Weiter so“. Eine solche Einsicht wäre ein herausragendes Zeichen der Glaubwürdigkeit an die Adresse der Gläubigen und eine konkrete Möglichkeit der Wiedergewinnung von zerstörtem Vertrauen.

Prof. Dr. Werner Münch war von 1973 bis 1978 Rektor der Katholischen Fachhochschule Norddeutschland. Als CDU-Politiker gehörte er von 1984 bis 1990 dem Europäischen Parlament an. 1990 bis 1991 war er Finanzminister des Landes Sachsen-Anhalt, von 1991 bis 1993 ebenda Ministerpräsident. 2009 trat er aus der CDU aus. Der Politikwissenschaftler ist Kuratoriumsmitglied und Schirmherr des Forums Deutscher Katholiken.

 


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu







Top-15

meist-gelesen

  1. kath.net ISLAND REISE im JULI 2026 - ANMELDE-DEADLINE DIESE WOCHE - 25. MÄRZ!!!
  2. Euthanasie-Skandal in Spanien: Wurde Noelia Castillo Ramos der Widerruf verweigert?
  3. Große SIZILIEN-Rundreise mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  4. Spanien am moralischen Abgrund
  5. Eine große BITTE an Ihre Großzügigkeit! - FASTENSPENDE für kath.net!
  6. Leo XIV. möchte bei "Alter Messe" "konkrete und großzügige Lösungen"
  7. Panik in Magdeburg
  8. 'Erzieherischer Unterton': Harald Schmidt rechnet mit Tagesthemen und Heute Journal ab
  9. Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ wird neuer Bischof von Münster
  10. Belgischer Bischof Johan Bonny kündigt Weihe verheirateter Männer zu Priestern an
  11. Neue Fantasien über das Weiheamt für Frauen?
  12. Ein Champion am Galgen – und die Welt sieht weg
  13. Belgischer öffentlich-rechtlicher Sender lässt Moderatoren Marien- und Jesus-Statuen zertrümmern!
  14. Wenn das künftige nominelle Kirchenoberhaupt mit dem eigenen Glauben fremdelt
  15. „Genau das, was wir heute in Deutschland beim Synodalen Weg erleben, dieselben Themen, Ansichten“

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz