Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. These: Der dreifaltige Gott soll in der Liturgie der Messe verkündet werden
  2. Kardinal Woelki zur Polarisierung in der Bischofskonferenz: „Diese Situation ist belastend“
  3. Glaubenspräfekt warnt vor "Internet-Theologen" und Selbstsicherheit
  4. „Jesus ja, Kirche nein? – Das ist wie: ‚Ich bin für Fußball, aber gegen Fußballvereine‘“
  5. Theologe Johannes Hartl: „Woher kommt dieses Konglomerat an Denken, das sich ‚liberal‘ nennt?“
  6. Papst Leo sendet kraftvolle Grußbotschaft an die Teilnehmer des „Marsch für das Leben“/Washington
  7. Seligsprechungsprozess für Pater Alfred Delp SJ wird eröffnet
  8. Öffentlich-rechtlicher Sender SWR konfrontiert Ordensfrau mit obszöner Frage
  9. Erzbistum Paris beruft angesichts der boomenden Konversionen eine Kirchenversammlung ein!
  10. Die Stunde der Heuchler
  11. Bischof von Cordoba: Priester durften bei Zugsunglück Sterbesakramente nicht spenden
  12. Kardinal Müller: „Von der ‚Kirche des Franziskus‘ zu sprechen“, „das ist für mich eine Häresie“
  13. Josef Grünwidl ist neuer Erzbischof von Wien
  14. "Wir sind Zuschauer bei etwas, was einem Völkermord sehr nahekommt"
  15. USA: Breite Mehrheit für Massenabschiebungen – Neue Umfragen stützen Trump-Kurs

Das Gewissen ist kein Nussknacker allgemeiner Normen

17. Mai 2021 in Kommentar, 6 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Diesen Eindruck vermitteln mittlerweile selbst einige Bischöfe, wenn es um das 6. Gebot oder um die Teilnahme am Tisch des Herrn geht, an dem Gaben und Worte geteilt werden - Ein Kommentar von Helmut Müller


Rom (kath.net)

Das Gewissen ist kein Nussknacker um allgemeine, auch kirchliche Normen, zu knacken um mit den Bröseln dann besser leben zu können.  Diesen Eindruck vermitteln mittlerweile selbst einige Bischöfe, wenn es um das 6. Gebot oder um die Teilnahme am Tisch des Herrn geht, an dem Gaben und Worte geteilt werden. Am kürzlich zu Ende gegangenen ÖKT scheint es offenbar Gewissenssache gewesen zu sein, die Gaben zwar miteinander zu teilen, aber „am Tisch des Wortes“ weiterhin uneins sein zu können. Ist vielleicht die Uneinigkeit als Marginalie erklärt worden. Solange ich noch in der Lehre aktiv war, hatte ich meinen Studenten versucht folgendes beizubringen. U. a. wies ich darauf hin, dass die Lehre der Kirche wichtig wäre für die Gewissensbildung jedes einzelnen Gläubigen. Urteilen Sie selbst, in welche Konflikte einzelne Bischöfe alle Gläubigen bringen:

Das Gewissen ist ein „Organ“ in uns, das und helfen soll, unser Leben gelingen zu lassen, insoweit es um sittliche Fragen geht. Die christlichen Kirchen verstehen sich ja als Gemeinschaften, in einem engeren Sinn als regelrechte Gewissensschulen, die dem Menschen zur Seite stehen, dass er seine Weichen möglichst richtig stellt. Die hl. Schrift, die Lehre der Kirche wollen solche Wegweisungen sein. Das Gewissen macht nun diese allgemeinen Wegweisungen in konkreten Fällen, wenn alle allgemeinen Wegweisungen versagen, zu „meinen“ Wegweisungen. Dem Wort Christi: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“, dem Christen seit 2000 Jahren im Raum der Kirche begegnet sind, wird mir in sittlichen Entscheidungen durch das Gewissen als veritas vitae für mein Leben vermittelt. Vielfach wird Gewissen falsch verstanden, so als gäbe das Gewissen einen persönlichen Rabatt auf besonders harte und harsch empfundene allgemeine sittliche Weisungen. Das Gewissen ist kein Nussknacker, mit dem man das sechste Gebot (und auch alle anderen) so knackt, dass man mit den Bröseln ohne größere Anstrengung gut leben kann. Damit ist schon Paulus in Korinth konfrontiert worden. Es gab eine Gruppe von Gemeindemitgliedern, die der Auffassung war, dass ihnen in sexuellen Dingen alles erlaubt sei; was sie mit dem Leib täten würde nicht weiter den Geist beeinträchtigen. Da waren sie aber bei Paulus an den Richtigen geraten. Auf „alles ist mir erlaubt“ (1Kor 6,12), bekommen sie von Paulus zu hören „Doch nicht alles tut gut“ (ebd.), und schließlich ganz détailliert: „Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind? Werde ich nun die Glieder Christi nehmen und sie zu Gliedern einer Dirne machen? Das sei ferne! Oder wisst ihr nicht, dass wer einer Dirne anhängt, ein Leib mit ihr wird? ... Flieht die Unzucht! Jede Sünde, die sonst ein Mensch begeht, ist außerhalb des Leibes, wer aber Unzucht treibt, der sündigt gegen seinen eigenen Leib. Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt; ihn habt ihr von Gott, und nicht euch selber gehört ihr.“ (1Kor 6,15ff.).


    Sie werden jetzt fragen, wie funktioniert denn das Gewissen, das offensichtlich in jedem von uns eingebaut ist? Gibt es eine Gebrauchsanweisung? Wie erschließt es mir den reichen Erfahrungsschatz gelingenden menschlichen Lebens, sodass ich wirklich auch mein Leben darin wieder finde? Wie unterscheide ich schillernde Lebensmöglichkeiten, die viel versprechen und reizend sind, von denen, die wirklich, realistisch meine veritas vitae werden können und mein Leben gelingen lassen? Eigentlich Fragen, die jedem am Herzen liegen müssten, dem sein Leben wertvoll ist. Vielleicht haben die ersten von Ihnen auch schon Schiffbruch erlitten.[Es folgt nun eine direkte Anrede an meine damaligen Studenten] In vielen Gesprächen ist mir immer wieder bewusst geworden, wie sehr auch Ihr Leben schon beschädigt worden sein kann. Manchmal blickt schon ein 25 Jähriger oder eine 25 Jährige[1] auf ein Leben zurück, in dem sich schon so viel Leid und Enttäuschung angesammelt hat, wie in meiner Generation erst mit 40. Andererseits haben Sie mit 25 Lebensmöglichkeiten, aber auch schon Karrieren vor sich, von denen unsereins nur träumen konnte. Das fällt mir besonders auf, wenn ich Gespräche von Betriebswirtschaftsstudenten mitbekomme und höre, wo sie schon überall waren, welche Dienstwagenklassen sie fuhren, was sie verdienen oder wo sie ihre Praktiken ableisten.

    Ist das alles, das Gute und Schöne, das Leidvolle und Belastende allein dem Zufall, einer glücklichen oder unglücklichen Begabung überlassen, dem Schicksal? Wo wird der Maßstab angelegt, wenn man ein Leben als geglückt, bezeichnen kann? Schon Sophokles fragt sich, ob man einen Menschen glücklich nennen könne, solange er noch nicht des Lebens Bahn durchlaufen habe. Das kirchlich gebildete Gewissen kann hier ein Kompass sein, der Mittelstreifen auf der Straße des Lebens. Das Gewissen ist damit die geballte sittliche Vernunft, orientiert am Glauben der Kirche mit Ausrichtung auf mein Leben. In dieser Vorlesung geht es um seine Gebrauchsanweisung.

So weit mein damaliger Vorlesungstext. Die Fragen sind nicht einfach, die Menschen in unserer Zeit gestellt werden. Ich habe den Eindruck, dass der süße Brei des Märchens der Gebrüder Grimm aus der Welt in die Kirche quillt [siehe das Programm des zu Ende gegangen ÖKT’s] und durch kein Zauberwort wie im Märchen daran gehindert wird noch einmal aufhört weiter zu quellen. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass die kleine Minderheit der Bischöfe und auch einige, die bloß in Deckung sind, doch noch dieses Zauberwort wissen. Und dann geht vielleicht abermals der Sauerteig der Kirche in der Welt auf wie zu Anfang. In der heutigen Lesung des 7. Sonntags nach Ostern hat die kleine Jerusalemer Gemeinde mit 120 Leuten schließlich die ganze Welt durchsäuert (Apg 1,15 – 17) Von diesem Sauerteig lebe ich noch heute.

 

[1] So sagte mir einmal eine junge 25 jährige Studentin:  „Ich liege so im Bett und denke, die Beine sind mir so schwer, die Pille nehmen und gleichzeitig rauchen, das ist es eigentlich nicht.“ Irgendwo hat sie vermutlich gehört, dass plötzlicher Tod bei jungen Frauen ab dreißig mit der Kombination Pille und Rauchen eindeutig korreliert.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu







Top-15

meist-gelesen

  1. ISLAND-REISE - KOMMEN SIE MIT! - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  3. Erzbistum Paris beruft angesichts der boomenden Konversionen eine Kirchenversammlung ein!
  4. Kardinal Woelki zur Polarisierung in der Bischofskonferenz: „Diese Situation ist belastend“
  5. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz
  6. Theologe Johannes Hartl: „Woher kommt dieses Konglomerat an Denken, das sich ‚liberal‘ nennt?“
  7. Ein neuer Beginn in der DBK ist möglich
  8. Josef Grünwidl ist neuer Erzbischof von Wien
  9. Papst Leo sendet kraftvolle Grußbotschaft an die Teilnehmer des „Marsch für das Leben“/Washington
  10. Kardinal Müller: „Von der ‚Kirche des Franziskus‘ zu sprechen“, „das ist für mich eine Häresie“
  11. Die Stunde der Heuchler
  12. Neuerlich ein Vandalenakt im Petersdom
  13. These: Der dreifaltige Gott soll in der Liturgie der Messe verkündet werden
  14. Öffentlich-rechtlicher Sender SWR konfrontiert Ordensfrau mit obszöner Frage
  15. Goldensteiner Schwestern: Schwere Vorwürfe um Spendengelder

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz