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Aupetit: „Notre Dame ist auch Symbol für Restaurierung der von Christus selbst gegründeten Kirche“

22. Juni 2021 in Spirituelles, 1 Lesermeinung
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„Einige glauben, sie stehe kurz vor dem Zusammenbruch. Doch Christus sicherte uns zu, dass die Pforten des Todes sie nicht überwältigen würden. Wir glauben fest: Kirche Christi wird wie unsere Kathedrale stehen bleiben.“ Gastbeitrag von Juliana Bauer


Paris (kath.net) Am 16. Juni feierte Erzbischof Aupetit aus Anlass der Altarweihe von Notre Dame mit einer kleinen Gruppe von schutzhelmbehüteten Priestern und Gläubigen, zu denen auch Sän-ger der Maîtrise Vocale gehörten, eine Hl. Messe. Diese fand in der Sankt-Georgskapelle der Ka-thedrale unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und war die zweite Messe in Notre Dame nach dem verheerenden Brand (die erste Messe feierte Mgr Aupetit am 15.Juni 2019 in der Axial-Kapelle, also unmittelbar nach dem furchtbaren Unglück). Nach der inzwischen erfolgten Sicherung des Gotteshauses hatte man unlängst mit seiner Restaurierung begonnen. Was Michel Aupetit auch voller Freude in seiner Predigt thematisierte. Diese sei hier in allen ihren wichtigen Passagen widergegeben.

„Seit Jahrhunderten feiern wir jedes Jahr voll Freude die Weihe dieser Kathedrale, der Ka-thedrale Notre-Dame, unserer geliebten Kathedrale. Die Weihe bedeutet, dass es sich um einen geheiligten Ort handelt, dessen Hauptgastgeber Gott selbst ist. Sie ist das Haus Gottes, also ist sie das Haus aller, denn der Herr macht für niemanden eine Ausnahme. Dieses gött-liche Haus hat schon so unzählig viele Menschen aufgenommen, doch jeder konnte es als sein zu Hause erkennen. Das Haus Gottes auf Erden ist das Zeichen des Himmels, in dem Jesus für jeden von uns einen Platz bereitet, wie er es uns versprochen, wie er es uns ver-kündet hat.


Wir sind so glücklich, dass unsere Kathedrale, die den Ruin riskierte, jetzt gesichert ist. Nun treten wir in die Restaurierungsphase ein. Sie wird schöner denn je und das erfüllt unsere Herzen mit Freude und mit Hoffnung.

Aber diese Kathedrale ist auch das Symbol für die Restaurierung der vor 2000 Jahren von Christus selbst gegründeten Kirche. Einige glauben, sie liege in Trümmern und stehe kurz vor dem Zusammenbruch. Doch Christus sicherte uns zu, dass die Pforten des Todes sie nicht überwältigen würden. Wir glauben fest daran: Die Kirche Christi wird wie unsere Kathedrale stehen bleiben, sie wird aufrecht bleiben.“ Damit knüpft der Erzbischof an seine Worte einen Tag nach dem Brand an, dass mit der Rekonstruktion des Baus auch die „Rekonstruktion der gesamten Kirche“ durch die „Umkehr unserer Herzen“ einhergehen müsse (Le Figaro, 16 avril 2019). Erzbischof Aupetit gibt nie seinen Mut, seine Hoffnung und seine Freude, die tief in Christus gründen, preis – und die rundum ansteckend wirken.

„Die Mitarbeiter“, fährt er fort, „die Seilzugangstechniker, die unsere geliebte Kathedrale restaurieren und mit denen ich zusammentraf, sind voller Begeisterung. Sie wissen sehr gut, dass sie einer Sache dienen, die sie übersteigt, und sie setzen all ihr Talent, ihr ganzes Wis-sen in den Wiederaufbau des Zerstörten ein, für dieses Haus, das allen gehört, weil es Gottes Haus ist … das vielleicht noch größer, herrlicher sein wird, als im 13.Jh. … Aus den großen, prächtigen Eichen, die ihnen (den Technikern und Zimmerleuten) anvertraut sind, werden sie gesägte Balken schaffen, die durch Einpassen der Zapfen, der Zapfenverbindungen und der Gewölbeschlusssteine gehobelt werden.

Der heilige Petrus sagt uns – wir haben es in der 2.Lesung gehört (1 Petr. 2,4-9): Wir sind die lebendigen Steine der Kirche, wir sind dieses Gebäude, das geformt, geheiligt und auf Gott hin ausgerichtet werden muss. Der heilige Augustinus erinnert uns daran, ich zitiere ihn: ‚Was wir hier physisch mit den Mauern erreicht sehen, muss geistig mit der Seele verwirk-licht werden. Was wir hier mit Steinen und Holz geschaffen sehen, muss in unserem Leib mit der Gnade Gottes vollbracht werden.‘

Der Hauptarchitekt ist der Vater; das Vorbild ist Christus; der Regisseur ist der Heilige Geist. Das, was uns zusammenbringen, uns ausrichten und vereinen wird, um eine Kirche zu bauen, die schöner denn je ist, ist die Erfüllung des großen Gebots Christi: Liebet einander, wie ich euch geliebt habe (Joh.13,34).

Voilà, wir sind nun dabei unsere Kathedrale wieder zu errichten. Sie wird schöner denn je nach dieser Trauer, die wir durchmachten, als alles in Flammen stand, die weite Teile zer-störten…unsere Kirche wird wiederaufgebaut werden, schöner, als wir es uns vorstellen …“ Erzbischof Aupetit macht im Weiteren darauf aufmerksam, dass die Arbeit mit dem Holz, mit den Steinen, die in unsere Hände gelegt wurden, mit Gottes Gnade gelinge, dass es ge-nüge, dass wir Gott den Vater, den Sohn und den Hl. Geist wirken lassen… In diesem Kontext verweist er auf die Liebesgemeinschaft des dreifaltigen Gottes, die letztlich die Kirche wie-dererstehen lasse.

So endet er mit Worten des Kirchenlehrers Augustinus, die im Gleichklang zu Notre Dame und der Kirche zu verstehen sind und den er nochmals zitiert: „Ihr wart alt, ihr wart kein Haus für mich, ihr lagt eingestürzt, einem Toten gleich. Um aus eurem alten Zustand, aus euren Ruinen herauszukommen, liebt einander.“

Mgr Michel Aupetit,
Erzbischof von Paris

Homélies – Diocèse de Paris, Homélie de Mgr Michel Aupetit, Fête de la Dédicace de la Cathédrale Notre-Dame de Paris (Weihefest der Kathedrale Notre Dame von Paris) – Mercredi 16 juin 2021
- Notre-Dame de Paris: Homélie pour la fête de la Dédicace, Homélie de Mgr Michel Aupetit, 16 juin 2021, KTOTV
Übersetzung für kath net: Dr. Juliana Bauer
Foto aus der Messfeier: Erzbischof Aupetit ist der zweite von rechts (c) Erzbistum Paris


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