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Pius XII. und die Juden, sein Eintreten für die in Rom verhafteten Juden

2. Oktober 2021 in Aktuelles, 1 Lesermeinung
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Pius XII. richtete ein Netzwerk ein, das sich für die verhafteten Juden einsetzte. Die historischen Dokumente bezeugen eine Wahrheit, über die bisher wenig gesprochen wurde. Von Andrea Gagliarducci


Vatikan (kath.net/ACI Stampa)

Er hat nicht geschwiegen, Pius XII., denn während des Krieges hat er seine Stimme, seine Proteste, seine Sorgen auch durch seine Radiobotschaften zu Gehör gebracht, das mächtigste Instrument der damaligen Zeit, mit dem er ein Zeichen setzte. Aber er war auch nicht untätig. Ein bisher vielleicht noch wenig erforschter Bereich sind die Interventionen Pius' XII. zugunsten der in Rom verhafteten Juden vor und nach der Razzia im Ghetto.

Diakon Dominiek Oversteyns hat Primärquellen verglichen, nach Originalzeugnissen gesucht und sich, was die Daten über die verhafteten oder ermordeten Juden betrifft, auf das monumentale "Buch der Erinnerung" von Liliana Picciotto, auf das Generalarchiv der Salvatorianer in Rom und auf die bereits zugänglichen Archive des Heiligen Stuhls über das Pontifikats von Pius XII. gestützt.

Seine Forschungen haben ein noch umfassenderes Bild der Interventionen Pius' XII. zugunsten der Juden in Rom gezeichnet als bisher angenommen. Anhand der Zahlen lässt sich mit Sicherheit sagen, dass Pius XII. angesichts der Tragödie der Juden nicht untätig geblieben ist.

Wenn man die Zahlen liest, stellt man fest, dass Pius XII. über die vatikanischen Institutionen und Pater Pancrazio Pfeiffer, Generalprokurator der Salvatorianer, zwischen dem 10. September 1943 und dem 4. Juni 1944 236 Mal zugunsten der in Rom verhafteten und deportierten Juden interveniert hat.[1] In 18 Fällen griff der Papst sogar zweimal ein, einmal offiziell und einmal inoffiziell.

Für Pius XII. war dies nichts Ungewöhnliches, denn er wandte dieselbe Strategie bei den von den Nazis verhafteten römischen Italienern an. Es gibt viele Beispiele, in denen Pius XII. doppelt für italienische oder jüdische Häftlinge interveniert hat: Auf offiziellem Wege wandte er sich an Monsignore Giovanni Battista Montini (den späteren Papst Paul VI.), der im Staatssekretariat des Heiligen Stuhls arbeitete und die Anträge um Freilassung an die deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl, die Ernst von Weizsäcker geführt wurde, weiterleitete, während Pius XII. auf inoffiziellem Wege Pater Pancrazio Pfeiffer einsetzte: Dieser fungierte als Vermittler zu Herbert Kappler, dem Leiter der Gestapo in Rom, der das Massaker an den Fosse Ardeatine und anderen organisierte und durchführte.

Durch das Eingreifen von Pius XII. wurden 42 verhaftete Juden freigelassen, während bei 138 anderen die Interventionen von Pius XII. und seinen Mitarbeitern ihre Deportation nicht verhindern konnten. Von den 173 Anträgen auf Freilassung kann man sagen, dass Pius XII. und seine Mitarbeiter sie unterstützt hatten. Es ist daher unzutreffend, zu behaupten, dass der Papst nicht eingegriffen habe. Von 33 Interventionen zeigen die primären Dokumentenquellen explicit, dass Pius XII. die Forderung nach Befreiung direkt oder indirekt unterstützt hat.


Neben dem Weg des Staatssekretariats (über den damaligen Stellvertreter Giovanni Battista Montini) nutzte Pius XII. auch den informellen Weg mit Pater Pfeiffer.

Pius XII. und Pater Pfeiffer setzten sich sehr für die Rettung der Juden ein, die immer wieder verhaftet wurden. Die beiden führten 151 Interventionen für 125 Juden durch, von denen 39 befreit und 86 deportiert wurden.[2]

In der Liste der 151 Interventionen von Pater Pfeiffer zusammen mit Pius XII.[3] wird deutlich, dass oft mehr als eine Intervention zugunsten vieler verhafteter römischer Juden erfolgte.

Ein Beispiel dafür ist Clara Sereno, die am 16. Oktober 1943 in Rom verhaftet wurde. Pater Pfeiffer beantragte auf Ersuchen von Pius XII. direkt beim italienischen Außenministerium ihre Freilassung vor dem 22. Oktober 1943. Am 22. Oktober 1943 bat Monsignore Montini die deutsche Botschaft um die Freilassung von Clara Sereno. Am 22. November 1943 wiederholte Pater Pfeiffer seine Bitte um ihre Freilassung gegenüber dem italienischen Ministerium für auswärtige Angelegenheiten. Leider waren die drei Interventionen nicht erfolgreich: Clara Sereno wurde in Auschwitz ermordet.

Die Familie von Mario Segré bestand aus drei Personen. Am 5. April 1943 wurden sie alle auf einmal verhaftet. Um sie zu befreien, haben Bischof Montini und Pater Pfeiffer fünfmal interveniert vor dem 18. April, als sie noch lebten. Es waren die Nazis und der Nazi-Botschafter von Weizsäcker, die die Anträge auf ihre Freilassung blockierten und sie nicht nach Berlin schicken wollten. Die drei wurden am 23. Mai 1944 in Auschwitz ermordet. 

Drei Juden wurden nach einer zusätzlichen Intervention des Vatikans vom 16. Oktober 1943 bis zum 22. Oktober freigelassen. Diese Information stammt aus den Listen von Pius XII. und Monsignore Montini, welche die Namen von 73 Juden enthalten, für die mindestens 85 Interventionen durchgeführt wurden.[4]

Eine der Forderungen, die erwähnt werden sollte, ist die nach der Freilassung von Emilio Segré.[5] Es war Pater Pfeiffer, der die Anfrage weiterleitete. Emilio Segré zog 1938 in die Vereinigten Staaten. Er war im Vatikan gut bekannt, aber sie wussten nichts von seiner Auswanderung von Italien in die USA. Auf jeden Fall zeigt diese Intervention, dass Pius XII. und seine Mitarbeiter sofort an seiner Rettung interessiert waren.

42 verhaftete Juden wurden freigelassen. Hier sind einige Beispiele: Isabella Natalia Daninos, wurde am 25. Oktober 1943 in Rom verhaftet. Am 26. Oktober wurde Pater Pfeiffer von der Kongregation der Priesterseminare und Universitäten beauftragt, die Nazibehörden in Rom um ihre Freilassung zu bitten: Sie wurde freigelassen!

Die Brüder Armando De Angelis und Dante De Angelis wurden am 29. Dezember 1943 auf der Isola Farnese in der Nähe von La Storta verhaftet.[6] Noch am selben Tag wies das Staatssekretariat Pfeiffer an, bei den NS-Behörden um ihre Freilassung zu ersuchen, was auch gewährt wurde.

Kurz gesagt, in dem Maße, in dem Pater Pfeiffer um die Freilassung eines römischen Juden so schnell wie möglich nach seiner Verhaftung bei den NS-Behörden ansuchte, gab es eine größere Chance, die Freilassung der verhafteten Person zu erreichen.

Bei der Lektüre der Entlassungsgesuche fällt auf, dass die Nazis nie Angaben über den Verbleib der verhafteten Juden machten. Aus diesem Grund baten viele Angehörige den Heiligen Stuhl um Fürsprache für ihre inhaftierten Angehörigen, auch wenn diese leider schon vor langer Zeit getötet wurden.[7]

Das Staatssekretariat des Vatikans forderte auch die Freilassung von Gruppen verhafteter Juden. Am 18. Oktober 1943, vor ihrer Deportation, wurde bei der deutschen Botschaft ein Antrag auf Freilassung von 29 verhafteten römischen Juden gestellt!

Die Situation der deportierten Juden war dramatisch: Einmal deportiert, war ihre Freilassung unmöglich. Ersuchen um die Freilassung von Juden, die weit entfernt von Rom verhaftet worden waren, brachten keine großen Ergebnisse, auch weil der Schriftverkehr Monate dauerte.

Nehmen wir den Fall des Oberrabbiners von Bologna, Alberto Orvieto, der am 17. Dezember 1943 in Florenz zusammen mit seiner Frau Margherita Cantoni verhaftet wurde. Am 3. Januar 1944 schrieb er aus seinem Gefängnis in Florenz einen Brief an Papst Pius XII. und bat ihn, sich für ihre Freilassung einzusetzen. Sein Brief wurde Pius XII. etwa einen Monat später, am 3. Februar, übergeben. Erst um den 1. April 1944 herum erhielt Kardinal Ildefonso Schuster, Erzbischof von Mailand, das Schreiben von Pius XII., in dem er im Namen des Papstes um die Freilassung des Rabbiners bat, und die gleiche Bitte wurde an Bischof Dalla Zusanna von Carpi gerichtet. Es war nicht sicher, ob Rabbi Orvieto und seine Frau Margherita in Mailand oder Carpi festgehalten wurden.

Am 5. April 1944 antwortete Kardinal Schuster in einem Brief an den Papst, dass der Rabbiner und seine Frau nach Deutschland deportiert worden seien, und der Brief wurde am 5. Mai 1944 an das Staatssekretariat weitergeleitet. Noch am selben Tag wies Monsignore Montini den Nuntius in Berlin an, die offiziellen Behörden um die Freilassung von Rabbi Orvieto und seiner Frau zu bitten. Die beiden wurden jedoch am 31. Januar 1944 nach Auschwitz deportiert und dort am 6. Februar 1944 ermordet.

All dies zeigt, dass Pius XII. und seine Mitarbeiter den Willen hatten, die Juden in ihrer Not zu befreien, zu retten, ihnen zu helfen und beizustehen.

Einige haben diese Fakten in Frage gestellt und darauf hingewiesen, dass nur drei Treffen zwischen P. Pfeiffer und Pius XII. dokumentiert werden konnten. Heute sind jedoch bereits 11 verschiedene Begegnungen zwischen dem Papst und dem Salvatorianer nachgewiesen, und die Zahl wird sich mit weiteren Archivrecherchen sicherlich noch erhöhen. Pater Pfeiffer half nicht nur verhafteten römischen Juden, sondern setzte sich auch in Hunderten von Fällen für die von den Deutschen verhafteten römischen Italiener ein.

So belegen die Primärquellen im Detail, dass Pater Pfeiffer während der acht Monate der nationalsozialistischen Verfolgung in Rom durchschnittlich jeden zweiten Tag das Staatssekretariat aufsuchte. Bei diesen Treffen berichtete er über seine Interventionen zugunsten der Freilassung der Verhafteten und nahm neue Anträge auf Freilassung entgegen. Und von dort war es nur noch ein kleiner Sprung zu Pius XII. ...

Kurzum, der Vorwurf, Pater Pfeiffer habe Pius XII. nicht häufig besucht, ist unbegründet. Pater Pfeiffer hingegen war sehr oft beim Papst, und man kann sagen, dass er tatsächlich sein Kaplan war.

 

[1] Dominiek Oversteyns, http://www.papapioxii.it/wp-content/uploads/2019/09/Fig-3.4-Tabella-con-gli-interventi-di-Pio-XII-Padre-Pfeiffer-e-Montini-per-gli-ebrei-arrestati-e-deportati.pdf.

[2] Dominiek Oversteyns, http://www.papapioxii.it/wp-content/uploads/2019/09/Fig-3.4.1a-Tabella-con-interterventi-fatto-da-Pio-XII-insieme-con-Padre-Pfeiffferfei-per-aiutare-gli-ebrei-arrrestati-deportati.pdf.

[3] Dominiek Oversteyns, http://www.papapioxii.it/wp-content/uploads/2021/06/Fig.-3.4.1.1.-V6W-22-maggio-2021-Lista-con-151-interventi-Pio-XII-con-Pfeiffer.pdf.

[4] Dominiek Oversteyns, http://www.papapioxii.it/wp-content/uploads/2019/09/Fig-3.4.2a-Tabella-test-con-gli-interventi-fatto-da-Pio-xII-insieme-con-Mons.-Montini-per-salvare-gli-ebrei-roman-arrestati.pdf.

[5] Dominiek Oversteyns, http://www.papapioxii.it/wp-content/uploads/2021/06/Fig.-3.4.1.1.-V6W-22-maggio-2021-Lista-con-151-interventi-Pio-XII-con-Pfeiffer.pdf.

[6] Dominiek Oversteyns, http://www.papapioxii.it/wp-content/uploads/2021/06/Fig.-3.4.2.1.-V6W-22-maggio-2021-Lista-con-85-interventi-Pio-XII-con-Montini.pdf.

[7] Johan Ickx, https://holocaustremembrance.com/sites/default/files/inline-files/Refugee%20Policies%20Publication.pdf, p. 67 – 93.


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Lesermeinungen

 Chris2 2. Oktober 2021 
 

Ein Historiker erzählte einmal

von einer Diskussion unter Fachkollegen zum Thema. Während er anhand von Dokumenten die "Schwarze Legende" widerlegte, rief man ihm zu: "Das will doch keiner wissen!". Wohlgemerkt: Alles Historiker...


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