Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Fünf weibliche Opfer von Pater Marko Ivan Rupnik schreiben offenen Brief an Papst Leo XIV.
  2. „Der Wahlausgang in Berlin im September 2026 gibt vielen Bevölkerungsgruppen Anlass zur Sorge“
  3. Niederländischer Weihbischof Mutsaerts: „Kirche in der Krise – und wie wir sie nicht retten sollten“
  4. Irreversibel – die Diktatur des Geschehenen. Wenn die Geschichte zum ‚Lehramt‘ wird
  5. "Marsch für das Leben"-Grußwort des DBK-Vorsitzenden Wilmer verfehlt das Thema
  6. Papst Leo singt mit 80.000 Jugendlichen das „Salve Regina“ auf Latein
  7. BDKJ und eine doch getaufte Kandidatin im Bundesvorstand
  8. Salzburg: 1.000 Gläubige bei Adoratio-Kongress zu "Himmlischer Friede"
  9. Bei öffentlichen Anlässen: Kanadas Militärkapläne dürfen nicht über Gott sprechen
  10. US-Bischof Robert Barron: „Der Kommunismus erlebt in unserem Land gerade ein Comeback“
  11. Der Katholik Macron wird bei keiner der drei Papstmessen in Frankreich mitfeiern
  12. Bemerkenswerte Geste: Wenn Papst Leo nach Frankreich kommt, werden alle Kirchenglocken läuten
  13. Mutmaßlicher IS-Anhänger soll Anschlag auf eine Kirche in Bremen geplant haben - Festnahme
  14. Der evangelischen Theologischen Hochschule Basel soll die Akkreditierung entzogen werden
  15. Gender-Ideologie: Katholische Familie kämpft um ihre Tochter

Armenien: Humanitäre Katastrophe um Bergkarabach

14. Jänner 2022 in Weltkirche, 3 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


„Kirche in Not“ finanziert Nothilfeprogramm für Kriegsflüchtlinge


Wien-München (kath.net/KIN)

Am 6./7. Januar nach gregorianischem Kalender feiern viele Christen der Ostkirchen Weihnachten. So auch im Kleinen Kaukasus. Für viele Christen aus Bergkarabach ist es schon das zweite Weihnachten als Flüchtlinge. Seit September 2020 ist der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan wieder aufgebrochen. Der Waffenstillstand unter russischer Aufsicht ist brüchig, der Streit um die Region längst nicht beigelegt. Die Folgen der Kämpfe sind allgegenwärtig: Tausende Soldaten sind gefallen, über 90 000 Menschen mussten flüchten. Nur etwas mehr als ein Viertel von ihnen konnte bislang zurückkehren. Die Mehrheit der Flüchtlinge ist in Armenien gestrandet und kämpft dort ums Überleben. Staatliche Hilfen bleiben aus, auch viele Hilfsorganisationen haben sich zurückgezogen.

 

Unterschlupf in der Industriebrache

 

Mitarbeiter des weltweiten päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“ (ACN) haben sich vor Ort ein Bild gemacht und mit mehreren Flüchtlingsfamilien gesprochen. So auch mit der Familie von Lida. Sie hat in Artaschat Zuflucht gefunden, einer Kleinstadt im Dreiländereck zwischen Armenien, der Türkei und Aserbaidschan. Das Stadtzentrum liegt weit entfernt, lange, staubige Schotterstraßen führen durch verlassene Industrieanlagen – Relikte aus sowjetischer Zeit. Am Ende eines dieser Fabrikgrundstücke steht ein verlassen aussehendes Haus. Doch der erste Eindruck trügt.


 

In der Tür steht Lida, eine Frau mittleren Alters. Sie freut sich über den Besuch, sonst kommt kaum jemand vorbei. Ihre Schwiegertochter Mariam und Enkelin Nané sind bei ihr. „Unser Leben war gut in Bergkarabach“, erinnert sich Lida. Sie hat als Lehrerin gearbeitet. Seit Jahren ist sie verwitwet, zwei Söhne mit Familien lebten bei ihr.

 

Doch das änderte sich schlagartig: „Gleich am ersten Tag des Krieges haben sich meine Söhne zum Militär gemeldet. Sie sind 22 und 24 Jahre alt. Ich war allein mit meiner Schwiegertochter und der Kleinen.“ Dann kam der Krieg ins Dorf – aus der Luft wurde es beschossen und bombardiert. „Zuerst sind wir unter den Küchentisch gekrochen“, erzählt Lida. „Später haben wir uns im Keller versteckt. Strom und fließend Wasser gab es längst nicht mehr.“

 

Schließlich hätte sie der Dorfvorsteher informiert, dass sie ihre Heimat verlassen müssen. Zunächst flohen sie in die Stadt Bedsor, wie viele andere Bewohner von Bergkarabach. Doch schon nach einer Woche mussten sie auch dort weg: „Wir sind in Bussen nach Armenien abtransportiert worden. Wir hatten nur einen Koffer dabei.“ Zuerst kamen sie in Artaschat bei Verwandten unter. Aber die Enge sei belastend gewesen, erzählt Lida. „Das war kein Dauerzustand. Seit einem halben Jahr leben wir jetzt hier, in diesem verlassenen Haus.“

 

Auch in der neuen Unterkunft gibt es weder Strom noch Wasser. In der Zimmerdecke klafft ein Loch, durch das man bis in den ersten Stock schauen kann. Für Esstisch, Stühle, Bett und Schrank mussten die beiden Frauen Schulden machen. „Wir müssen zusätzlich noch einen Kredit abzahlen, den wir in Bergkarabach aufgenommen haben. Die Bank kennt da keine Gnade.“

 

Wo staatliche Hilfen ausbleiben, springt die Kirche ein

 

Staatliche Hilfe in Höhe von umgerechnet etwa 130 Euro gab es nur vier Monate lang. Familien, die einen Angehörigen im Krieg verloren haben, bekamen eine einmalige Zahlung von rund 18 000 Euro. Glücklicherweise kamen Lidas Söhne unversehrt aus dem Krieg zurück, körperlich zumindest. Ihr Ältester, berichtet Lida, sei jedoch schwer traumatisiert und arbeitsunfähig. „Mein jüngerer Sohn hat jetzt wenigstens ein Job in einer Konservenfabrik gefunden. Aber er wird schlecht bezahlt. Den ersten Lohn hat er erst nach einem halben Jahr bekommen.“ Auch Lida versucht etwas zum Unterhalt der fünfköpfigen Familie beizutragen: Sie gibt Nachhilfeunterricht.

 

Wie in vielen anderen Krisenregionen greift die Kirche den Flüchtlingen unter die Arme, wo es kaum staatliche Hilfe gibt. Priester, Ordensfrauen und Mitarbeiter in den Kirchengemeinden leisten geistlichen und psychologischen Beistand, aber sie helfen auch ganz handfest: Sie organisieren behindertengerechten Wohnraum für Kriegsversehrte, helfen bei der Arbeitsplatzsuche oder besorgen Lebensmittel und Medikamente. „Kirche in Not“ finanziert zum Beispiel ein Nothilfeprogramm für 150 Familien in der Stadt Goris nahe der Grenze zu Bergkarabach.

 

Viele Flüchtlingsfamilien haben ihre Haupternährer verloren, auch wenn sie den Kriegseinsatz überlebt haben: Teilweise sind die Männer in Bergkarabach geblieben, um ihr Eigentum zu schützen oder sie durchlaufen Reha-Maßnahmen nach dem Militäreinsatz. Manche Familienväter sind auch nach Russland gegangen und suchen dort Arbeit.

 

Tränen schießen Lida in die Augen, als sie über die aktuelle Situation in Bergkarabach berichtet: „Eigentlich sollen wir zurückkehren. Aber es ist dort nicht sicher. Die an der Grenze stationierten russischen Truppen schließen im Zweifel die Augen. Unser Haus ist außerdem von Aserbaidschanern besetzt. Sie posten das ganz ungeniert auf Facebook.“ Das Leid der Flüchtlinge von Bergkarabach geht weiter – auch am zweiten Weihnachtsfest in Elend und Vertreibung.

 

Foto:  Eine armenische Frau trauert um ihren im Krieg gefallenen Sohn. © Ismael Martinez Sanchez/Kirche in Not


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu








Top-15

meist-gelesen

  1. Die Würde des Menschen kennt keine Grenze: In den Augen Gottes ist niemand unsichtbar
  2. Niederländischer Weihbischof Mutsaerts: „Kirche in der Krise – und wie wir sie nicht retten sollten“
  3. „Die hl. Märtyrer von Międzyrzecz waren Menschen aus Fleisch und Blut, die bereit waren…“
  4. BDKJ und eine doch getaufte Kandidatin im Bundesvorstand
  5. „Der Wahlausgang in Berlin im September 2026 gibt vielen Bevölkerungsgruppen Anlass zur Sorge“
  6. Bemerkenswerte Geste: Wenn Papst Leo nach Frankreich kommt, werden alle Kirchenglocken läuten
  7. Wer ist der Mann auf dem Tuch?
  8. Mutmaßlicher IS-Anhänger soll Anschlag auf eine Kirche in Bremen geplant haben - Festnahme
  9. Programm für Lateinamerika-Reise des Papstes veröffentlicht
  10. "Marsch für das Leben"-Grußwort des DBK-Vorsitzenden Wilmer verfehlt das Thema
  11. Präsident Trump nominiert Tochter von Franklin Graham zur Sonderbotschafterin für Religionsfreiheit
  12. Irreversibel – die Diktatur des Geschehenen. Wenn die Geschichte zum ‚Lehramt‘ wird
  13. Fast der gleiche Glaube?
  14. Gender-Ideologie: Katholische Familie kämpft um ihre Tochter
  15. Slowakei: Papst Leo XIV. grüßt die Teilnehmer des Nationalen Marsches für das Leben in Bratislava

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz