Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Die Alte Messe braucht die Piusbruderschaft nicht
  2. Leo XIV. über Piusbruderschaft: „Wenn sie sich dafür entscheiden, bedauere ich das. Aber…“
  3. "Wir haben kleines Gebet gesprochen, weil wir glauben, daß Jesus durch das Spiel verherrlich wird"
  4. „Alles, was auch nur entfernt katholisch aussieht, zu hinterfragen, davor zu warnen“
  5. Bischof Algermissen: kfd-Positionspapier zu § 218 StGB ist nicht katholisch
  6. Linksfeministinnen haben einst katholischen Verband übernommen
  7. „NMECHA hat mehr für den christlichen glauben getan als die letzten kirchentage der @EKD“
  8. Moskauer Patriarch Kyrill könnte auf EU-Sanktionsliste kommen
  9. Erzbischof von Mailand feiert Messe für LGBT-Gruppe am Fest des Heiligsten Herzens Jesu
  10. Besorgniserregende antidemokratische und gewaltaffine Haltungen bei jungen Muslimen
  11. Die Menschenwürde hat keinen Reisepass
  12. ‚Jedes Knie soll sich beugen‘: Erzbischof Fisher ruft zum Knien vor der Eucharistie auf
  13. Verbrechen gegen Menschlichkeit und gegen das Christentum durch Russland!
  14. ‚Das Christentum ist in Deutschland inzwischen fast so bedroht wie das Auerhuhn‘
  15. Voodoo-inspirierte Installationen in Kirchen? „Wie konnte das Erzbistum Paris so etwas genehmigen?“

Armenien: Humanitäre Katastrophe um Bergkarabach

14. Jänner 2022 in Weltkirche, 3 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


„Kirche in Not“ finanziert Nothilfeprogramm für Kriegsflüchtlinge


Wien-München (kath.net/KIN)

Am 6./7. Januar nach gregorianischem Kalender feiern viele Christen der Ostkirchen Weihnachten. So auch im Kleinen Kaukasus. Für viele Christen aus Bergkarabach ist es schon das zweite Weihnachten als Flüchtlinge. Seit September 2020 ist der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan wieder aufgebrochen. Der Waffenstillstand unter russischer Aufsicht ist brüchig, der Streit um die Region längst nicht beigelegt. Die Folgen der Kämpfe sind allgegenwärtig: Tausende Soldaten sind gefallen, über 90 000 Menschen mussten flüchten. Nur etwas mehr als ein Viertel von ihnen konnte bislang zurückkehren. Die Mehrheit der Flüchtlinge ist in Armenien gestrandet und kämpft dort ums Überleben. Staatliche Hilfen bleiben aus, auch viele Hilfsorganisationen haben sich zurückgezogen.

 

Unterschlupf in der Industriebrache

 

Mitarbeiter des weltweiten päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“ (ACN) haben sich vor Ort ein Bild gemacht und mit mehreren Flüchtlingsfamilien gesprochen. So auch mit der Familie von Lida. Sie hat in Artaschat Zuflucht gefunden, einer Kleinstadt im Dreiländereck zwischen Armenien, der Türkei und Aserbaidschan. Das Stadtzentrum liegt weit entfernt, lange, staubige Schotterstraßen führen durch verlassene Industrieanlagen – Relikte aus sowjetischer Zeit. Am Ende eines dieser Fabrikgrundstücke steht ein verlassen aussehendes Haus. Doch der erste Eindruck trügt.


 

In der Tür steht Lida, eine Frau mittleren Alters. Sie freut sich über den Besuch, sonst kommt kaum jemand vorbei. Ihre Schwiegertochter Mariam und Enkelin Nané sind bei ihr. „Unser Leben war gut in Bergkarabach“, erinnert sich Lida. Sie hat als Lehrerin gearbeitet. Seit Jahren ist sie verwitwet, zwei Söhne mit Familien lebten bei ihr.

 

Doch das änderte sich schlagartig: „Gleich am ersten Tag des Krieges haben sich meine Söhne zum Militär gemeldet. Sie sind 22 und 24 Jahre alt. Ich war allein mit meiner Schwiegertochter und der Kleinen.“ Dann kam der Krieg ins Dorf – aus der Luft wurde es beschossen und bombardiert. „Zuerst sind wir unter den Küchentisch gekrochen“, erzählt Lida. „Später haben wir uns im Keller versteckt. Strom und fließend Wasser gab es längst nicht mehr.“

 

Schließlich hätte sie der Dorfvorsteher informiert, dass sie ihre Heimat verlassen müssen. Zunächst flohen sie in die Stadt Bedsor, wie viele andere Bewohner von Bergkarabach. Doch schon nach einer Woche mussten sie auch dort weg: „Wir sind in Bussen nach Armenien abtransportiert worden. Wir hatten nur einen Koffer dabei.“ Zuerst kamen sie in Artaschat bei Verwandten unter. Aber die Enge sei belastend gewesen, erzählt Lida. „Das war kein Dauerzustand. Seit einem halben Jahr leben wir jetzt hier, in diesem verlassenen Haus.“

 

Auch in der neuen Unterkunft gibt es weder Strom noch Wasser. In der Zimmerdecke klafft ein Loch, durch das man bis in den ersten Stock schauen kann. Für Esstisch, Stühle, Bett und Schrank mussten die beiden Frauen Schulden machen. „Wir müssen zusätzlich noch einen Kredit abzahlen, den wir in Bergkarabach aufgenommen haben. Die Bank kennt da keine Gnade.“

 

Wo staatliche Hilfen ausbleiben, springt die Kirche ein

 

Staatliche Hilfe in Höhe von umgerechnet etwa 130 Euro gab es nur vier Monate lang. Familien, die einen Angehörigen im Krieg verloren haben, bekamen eine einmalige Zahlung von rund 18 000 Euro. Glücklicherweise kamen Lidas Söhne unversehrt aus dem Krieg zurück, körperlich zumindest. Ihr Ältester, berichtet Lida, sei jedoch schwer traumatisiert und arbeitsunfähig. „Mein jüngerer Sohn hat jetzt wenigstens ein Job in einer Konservenfabrik gefunden. Aber er wird schlecht bezahlt. Den ersten Lohn hat er erst nach einem halben Jahr bekommen.“ Auch Lida versucht etwas zum Unterhalt der fünfköpfigen Familie beizutragen: Sie gibt Nachhilfeunterricht.

 

Wie in vielen anderen Krisenregionen greift die Kirche den Flüchtlingen unter die Arme, wo es kaum staatliche Hilfe gibt. Priester, Ordensfrauen und Mitarbeiter in den Kirchengemeinden leisten geistlichen und psychologischen Beistand, aber sie helfen auch ganz handfest: Sie organisieren behindertengerechten Wohnraum für Kriegsversehrte, helfen bei der Arbeitsplatzsuche oder besorgen Lebensmittel und Medikamente. „Kirche in Not“ finanziert zum Beispiel ein Nothilfeprogramm für 150 Familien in der Stadt Goris nahe der Grenze zu Bergkarabach.

 

Viele Flüchtlingsfamilien haben ihre Haupternährer verloren, auch wenn sie den Kriegseinsatz überlebt haben: Teilweise sind die Männer in Bergkarabach geblieben, um ihr Eigentum zu schützen oder sie durchlaufen Reha-Maßnahmen nach dem Militäreinsatz. Manche Familienväter sind auch nach Russland gegangen und suchen dort Arbeit.

 

Tränen schießen Lida in die Augen, als sie über die aktuelle Situation in Bergkarabach berichtet: „Eigentlich sollen wir zurückkehren. Aber es ist dort nicht sicher. Die an der Grenze stationierten russischen Truppen schließen im Zweifel die Augen. Unser Haus ist außerdem von Aserbaidschanern besetzt. Sie posten das ganz ungeniert auf Facebook.“ Das Leid der Flüchtlinge von Bergkarabach geht weiter – auch am zweiten Weihnachtsfest in Elend und Vertreibung.

 

Foto:  Eine armenische Frau trauert um ihren im Krieg gefallenen Sohn. © Ismael Martinez Sanchez/Kirche in Not


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu







Top-15

meist-gelesen

  1. SIZILIEN-Rundreise mit Kaplan Johannes Maria Schwarz - ANMELDUNG nur noch bis 22. JUNI!!!
  2. Die Alte Messe braucht die Piusbruderschaft nicht
  3. Leo XIV. über Piusbruderschaft: „Wenn sie sich dafür entscheiden, bedauere ich das. Aber…“
  4. "Wir haben kleines Gebet gesprochen, weil wir glauben, daß Jesus durch das Spiel verherrlich wird"
  5. Neuer Trend in den USA: Abkehr von nüchternen Kircheninnenräumen
  6. Linksfeministinnen haben einst katholischen Verband übernommen
  7. ‚Das Christentum ist in Deutschland inzwischen fast so bedroht wie das Auerhuhn‘
  8. „Alles, was auch nur entfernt katholisch aussieht, zu hinterfragen, davor zu warnen“
  9. Bischof Algermissen: kfd-Positionspapier zu § 218 StGB ist nicht katholisch
  10. Rückflug des Papstes von Teneriffa nach Rom um mehrere Stunden verzögert
  11. ‚Jedes Knie soll sich beugen‘: Erzbischof Fisher ruft zum Knien vor der Eucharistie auf
  12. 'Ein Akt der Hoffnung': US-Bischöfe weihen die USA dem Heiligsten Herzen Jesu
  13. „NMECHA hat mehr für den christlichen glauben getan als die letzten kirchentage der @EKD“
  14. Voodoo-inspirierte Installationen in Kirchen? „Wie konnte das Erzbistum Paris so etwas genehmigen?“
  15. Fünf Mythen über den Heiligen Geist

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz