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4. Dezember 2025 in Kommentar, 17 Lesermeinungen
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„Das Paderborner Bischofswort zum Advent ist leider mal wieder nichts anderes als der Versuch einem die Abrissbirne als das primäre Element des großen Aufbruchs zu verkaufen. Danke, aber danke, nein.“ Von Peter Winnemöller


Paderborn (kath.net/Blog Katholon/pw) Der Erzbischof von Paderborn spendet den Menschen in seinem Bistum ein "Wort des Erzbischofs". Es ist ein Trauerspiel. Für alle aber, die MEHR wollen, gibt es am Ende einen Tipp.  

Früher schrieben Bischöfe Hirtenbriefe, in denen sie die Gläubigen unterwiesen, wie in einer bestimmten Frage zu glauben oder zu handhaben ist. Manchmal ganz konkret, manchmal eher grundsätzlich, mal dogmatisch, mal moralisch, mal caritativ. Sie waren auch früher zuweilen eher ein Ausbund an Langeweile. Nichtsdestotrotz gab es darunter auch mal echte Highlights. Am ersten Advent bekam man als Gläubiger im Erzbistum Paderborn ein „Wort des Erzbischofs“. Das aktuelle Wort zum Advent befasst sich mit der Bistumsreform, an deren Ende nur noch 30 bis 40 Pfarreien in 25 Pastoralen Räumen übrig sein werden. Jedes dritte Gebäude des Erzbistums wird verschwinden. Dafür gibt es jede Menge Pastoralneusprech. Und so ist auch das „Wort des Bischofs“ hauptsächlich in Pastoralsprech verfasst, den kein nomaler Mensch versteht. Am Ende vermittelt das Wort einen „ich-weiß-auch-nicht-so-recht“-Eindruck. Ganz sicher ist es durchgestylt von Werbebotschaften ist (Ich.Will.Mehr).

Der Erzbischof von Paderborn ist derzeit ein Reisender in Sachen Bistumsreform. Wäre er Staubsaugervertreter, hätte ich ihm bis dato nicht einmal einen Staubsaugerbeutel abgekauft, von einem neuen Gerät ganz abgesehen. Darum ist es vermutlich besser, dass er Erzbischof und nicht Staubsaugervertreter ist. Aber zumindest hat er verstanden, dass die jungen Menschen mehr wollen. OK, aber Konsequenzen? Fehlanzeige.

Die Abrissbirne ist der neue Aufbruch

Das Bischofswort zum Advent ist leider – mal wieder – nichts anderes als der Versuch einem die Abrissbirne als das primäre Element des großen Aufbruchs zu verkaufen. Danke, aber danke, nein.

Man soll einen Brief beantworten. Das soll primär geschehen:

Ihren Brief vom 29.11.2025 haben wir am 30.11.2025 dankend erhalten und müssen Ihnen leider mitteilen, dass wir an Ihrem Angebot nicht interessiert sind.
Wir wünschen Ihnen bei Ihren Projekten weiterhin viel Erfolg.
Hochachtungsvoll
Nach Diktat verreist
Nun ein Blick auf einige Beispiele:

Zur Eucharistie beispielsweise sagt der Erzbischof von Paderborn:

    „Wir werden künftig an weniger Orten regelmäßig Eucharistie feiern, dafür aber mit mehr Möglichkeiten, an bestimmten Orten und zu bestimmten Zeiten Eucharistie als echten „Kristallisations- und Höhepunkt“ des kirchlichen Lebens zu gestalten (vgl. Lumen gentium 11). Mit mehr geistlicher Strahlkraft und mit mehr Qualität – konzentrierter, lebendiger und intensiver durch mehr Feierlichkeit, mehr Mitfeiernde, mehr musikalische Möglichkeiten, mehr liturgische Dienste.“

Dem sei an dieser Stelle die Aussage eines älteren Herrn gegenüber gestellt:


    „Wenn die hier am Ort die Kirche dicht machen, ist Feierabend. Die brauchen nicht glauben, dass ich in den Nachbarort zur Messe fahre.“

Punkt!

Als Katholik stellt sich die Frage, ob man nicht ein paar Kilometer für die Messe fahren kann. Die Realität ist der Satz oben. Deal with it, Erzbischof!

Die Messe ist eine sonntägliche Pflicht. Wenn mir der, der sie mir auferlegt, (also die Kirche) nicht die Möglichkeit schafft, sie zu erfüllen, dann hat sich das mit der Pflicht erledigt. Willkommen in der Wirklichkeit einer Kirche, in der nur eine verschwindend geringe Minderheit in ihrem Leben überhaupt je eine Chance erhalten hat, eine Beziehung zu Jesus aufzubauen. Die Kirche, das war ein Ort der religiösen Pflichten, die man zu absolvieren hatte, um in den Himmel zu kommen. Im Gegenzug erfüllte die Kirche ihre Versorgungspflicht.

Wie um alles in der Welt soll so eine Beziehung zur Eucharistie wachsen?

Ein Faktencheck

Man macht ja heute so gerne Faktenchecks. Wer sich die liturgische Wirklichkeit in der Fläche anschaut, wird doch nicht ernsthaft glauben, dass man bei geschlossener Kirche im Ort irgendwo in den Nachbarort fährt und dann – wie der Erzbischofs glaubt – eine Liturgie mit

    „mehr geistlicher Strahlkraft und mit mehr Qualität – konzentrierter, lebendiger und intensiver durch mehr Feierlichkeit, mehr Mitfeiernde, mehr musikalische Möglichkeiten, mehr liturgische Dienste“

erlebt. Der Organist in Muckelshausen wird nicht durch Schließung der Kirche nebenan zum A-Organisten. Der Kirchenchor wird eher abgeschafft als größer und besser werden. Wenn heute noch 30 Menschen in die Kirche kommen werden es in 10 Jahren keine 20 mehr sein. Nachbarorte mitgerechnet. Und mehr liturgische Dienste? Woher und wozu? Wer einmal in der Diaspora in Norddeutschland war, kann es kennen, wie es nach der großartigen Bistumsreform aussehen wird. Alle 14 Tage kommt ein frustrierter Priester in eine kalte verstaubte Kirche, bereitet ohne Küster die Messe vor, zelebriert ohne Lektor und Ministranten und krächzt mit drei älteren Damen ein Lied. Mehr geht nicht. Pardon, wer soll den diesen Mist glauben, dass man durch Verdünnung die Qualität steigert?

Weiter der Erzbischof:

    „Wenn wir an weniger Orten Eucharistie feiern, dann braucht es aber mehr Vielfalt anderer gottesdienstlicher Feiern an vielen Orten – nicht als „billigen Ersatz“, sondern als Ausdruck des gottesdienstlichen Reichtums unserer Kirche und näher an der Lebenswirklichkeit und auch der Sprache der Menschen.“

Verbindlichen Dank! Aber Danke, nein. Ich habe die Stundenbuch-App auf meinem Smartphone. Da kann ich Liturgie der Kirche feiern, selbst wenn ich mutterseelenallein irgendwo in der Pampa sitze. Diese sogenannte Vielfalt an neu erfundenen Gottesdiensten ist nichts anderes als billiger Ersatz, in dem man irgendwelchen Selbstdarstellern die Möglichkeit gibt, sich zu verkleiden und den Priester*glucks*in light zu geben. Wo keine Messe ist, kann man entweder den Rosenkranz beten oder das Stundenliturgie der Kirche. Dazu braucht es weder „Lebenswirklichkeit“ noch die „Sprache der Menschen“ beides sind wieder nur so Floskeln aus der Werbewirtschaft.

Wäre dem so, wie der Erzbischof es sich herbeifantasiert, dann hätten wir in den Disaporaregionen eine blühende Landschaft alternativer Gottesdienstformen. Gesehen hat sowas noch keiner. Was sich bilden wird, das sieht man auch in der real existierenden Disapora: winzig kleine Messzentren, wo regelmäßig die Heilige Messe gefeiert wird und ansonsten der Rosenkranz und gelegentlich die Anbetung gepflegt werden.
Kirchliches Stakeholder Value

Das weitere Wort des Erzbischofs besteht aus einem Durchdeklinieren des „Wir werden viel weniger haben, aber werden viel besser und viel glücklicher sein“. Man könnte meinen, hier sei eine wirtschaftspolitische Degrowth-Strategie, nämlich das Stakeholder value in Pastoralsprech übersetzt worden. Werden Bischöfe neuerdings nach Davos eingeladen? Selbst nach dreimaliger Lektüre bleibt der Eindruck einer entsetzlichen Leere. Der Erzbischof hat mir nichts zu sagen. Er hat kein Evangelium zu verkünden. Der Advent ist das Warten auf den Niedergang. Die Botschaft ist: Wir lassen die Abrissbirne kreisen, dass die Schwarte kracht, und bei jedem Kirchturm, der fällt, feiern wir das als großen Aufbruch in eine glorreiche Kirche der Zukunft. Den Paderborner Katholizismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf. Ups …

Endlich einmal ehrlich

Was würde ich darum geben, schriebe ein deutscher Bischof mal einen ehrlichen Brief. Der könnte ungefähr so aussehen:

Wir haben vor rund 55 Jahren die Katechese aufgegeben. Wir haben damals im Gehorsam gegen die Würzburger Synode den Religionsunterricht zu einem Laberfach gemacht. Wir haben nach dem Konzil und der nachkonziliaren Liturgiereform die Liturgie verflacht und sie zur Spielwiese von Selbstdarstellern verkommen lassen. Wir haben die Kirchengebäude, selbst die alten und schönen, in Orte kalter Hässlichkeit verwandelt, indem wir Betonklötze vor die Altäre gebaut haben. Wir haben die gute, tragende Gregorianik durch Häppi-Kläppi-Lieder ersetzt. Wir haben es aufgegeben, den Gläubigen die katholische Wahrheit zu sagen. Wo wir als Bischöfe widerständig hätten sein müssen, haben wir uns der Welt angepasst. Wo wir den Klerus hätten disziplinieren oder wegen Verbrechen hätten bestrafen müssen, da haben wir ihn geschont und die Laien die uns anvertraut sind, vernachlässigt und verraten.

In den vergangen 55 Jahren haben uns die Menschen die Antwort auf unsere Versäumnisse durch eine Abstimmung mit den Füßen gegeben. Jahr für Jahr haben mehr Menschen aufgehört, am Sonntag in die Kirche zu gehen. Jahr für Jahr haben mehr Menschen aufgehört, mit ihren Kindern zu beten und ihnen von Gott zu erzählen. Jahr für Jahr haben uns mehr Jugendliche deutlich gemacht, dass sie uns nichts mehr glauben. Jahr für Jahr sind mehr Menschen aus der Kirche ausgetreten, weil sie in unserer von Gott entleerten Botschaft keinen Sinn mehr fanden. Jahr für Jahr haben mehr Menschen aufgehört, über ihre Berufung nachzudenken.

Die große Leere

Nun sind die Kirchen leer. Die Seminare sind leer. Die Klöster leer.

Am schlimmsten: die Herzen der Menschen sind leer. Wir haben die Hoffnung zerstört, der Himmel ist uns davongeflogen.

Wir haben Gott aus der Welt und aus dem Herzen der Menschen vertrieben.

Und nun sucht ihn niemand mehr. Nun will niemand mehr sein Evangelium hören. Es war uns anvertraut. Wir haben es verraten.

Auch in unseren eigenen Herzen hören wir Gott immer weniger.

Wir würden so gerne umkehren. Wir würden gerne zu den Menschen über Gott reden. Aber wie kann das gehen? Wir werden uns aufmachen und lernen, die Menschen zu lehren mit Gott zu reden und wir wollen den Glauben in uns suchen, indem wir ihn so feiern, als trüge uns nichts anderes so sehr, wie dieser Glaube an Gott. Es ist ein seidener Faden, an dem alles hängt, aber wir wollen uns im Vertrauen mit unserem ganzen Gewicht daran hängen, in einem Vertrauen auf dass Gott ein starkes Seil aus dem Faden werden lasse.

Wir wollen die Sakramente so feiern, dass sie die Gnadenmittel sein dürfen, als die sie Gott uns geschenkt hat.

Wir wissen nicht, ob die Umkehr gelingen wird, aber wir bitten Gott von Herzen darum und wir bitten Sie: beten Sie für uns!

Das wird so nicht passieren? Das hat es nie gegeben? So etwas ist beispiellos?

Nö, das ist es nicht. Ich empfehle Nehemia 8 zu lesen.
MEHR könnte man haben, man muss nur wollen

Noch einmal der Erzbischof zum Reformprozess im Bistum:

    „Man sehnt sich nach ‚mehr‘, erlebt aber ‚weniger‘: immer weniger, die den Glauben mit uns teilen; immer weniger, die sich engagieren für das Gemeinsame; immer weniger Hauptberufliche und Ehrenamtliche in der Seelsorge; immer weniger Präsenz in der Fläche; immer weniger Gottesdienstbesuche; immer weniger junge Menschen. Wo führt das hin?

    Das hat Folgen: Die einen wollen diese Realität nicht wahrhaben und sagen einfach: „Weiter so, bis es halt nicht mehr geht.“ Die anderen sind frustriert und geben der Zukunft keine Chance. Wieder andere sehen deutlich, was sich ändern muss, sind aber verunsichert, wie es konkret gehen kann.“

Deutlicher kann man doch die eigene Hilflosigkeit kaum ausdrücken. Warum dann nicht ein Akt des Bekenntnisses und der Umkehr? Warum dieses leere Gerede? Warum der Versuch den Abbruch als Aufbruch zu verkaufen? Man weiß es nicht.

So lange der höhere und niedere Klerus noch mit seiner Nabelschau beschäftigt sind, hier ein Tipp für die jungen Menschen:

Ihr wollt MEHR? Nichts einfacher als das. Es soll noch Karten geben. Wir sehen uns.

NOCH NIE (Veronika Lohmer & Band) - MEHR Glaubensfestival Live


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