Login




oder neu registrieren?



Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Tohuwabohu im Bistum Chur: Liturgiemissbrauch und Messsimulationen durch Gemeindeleiterin
  2. Salzburger Erzbischof Lackner verteidigt Jungfrauenweihe im Dom
  3. „Das ging selbst einigen CSD-Fans zu weit und sorgte für Aufregung innerhalb der Homo-Szene“
  4. Papst Franziskus empfängt zum vierten Mal Transsexuelle
  5. Maria 1.0 schreibt offenen Brief an DBK-Vorsitzenden Bischof Bätzing
  6. Georgia ermöglicht steuerliche Begünstigungen für ungeborene Kinder
  7. Archie wurde getauft und in die katholische Kirche aufgenommen!
  8. Theologe: Christen sollten sich bei Kommentaren in den Sozialen Medien zurückzuhalten
  9. Das bundesdeutsche Bermuda-Dreieck der Großideologen
  10. „Gott ist mein Bräutigam“
  11. Psychologin Stefanie Stahl warnt davor, Kinder zu früh in die Kita zu geben
  12. „Gender widerspricht sich selbst“
  13. GENDERIRRSINN bei Audi: "Der_die BsM-Expert_in ist qualifizierte_r Fachexpert_"
  14. Die Synodale Parallelgesellschaft
  15. Ein Blick auf kirchliche Zahlen und Daten zeigt den Grad der Entfremdung

Feier der Messe der Versöhnung

28. Juli 2022 in Aktuelles, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Franziskus: im Licht der Eucharistie. Wir sagen schlicht: Bleib bei uns, Herr, denn wenn du an unsere Seite gehst, verwandelt sich das Scheitern in die Hoffnung des neuen Lebens


Rom (kath.net) Heute Morgen verließ der Papst Franziskus das Erzbistum und fuhr mit dem Auto zum Nationalheiligtum von Sainte-Anne-de-Beaupré.

Bei seiner Ankunft drehte er ein paar Runden im Papamobil unter den Gläubigen. Um 10:00 Uhr (16:00 Uhr römischer Zeit) stand der Heilige Vater der Eucharistiefeier zur Versöhnung vor..

Am Ende, nach dem eucharistischen Gebet der Versöhnung, richtete Kardinal Gérald Cyprien Lacroix, Erzbischof von Quebéc, ein Grußwort an den Heiligen Vater. Anschließend kehrte der Papst mit dem Auto zum Erzbistum zurück, wo er ein privates Mittagessen einnahm.

Im Folgenden veröffentlichen wir die Predigt, die der Papst während der Feierlichkeiten hielt:

Der Weg der Emmausjünger am Ende des Lukasevangeliums ist ein Bild für unseren persönlichen Weg und den der Kirche. Auf dem Weg des Lebens und des Glaubens, wenn wir Träume, Pläne, Erwartungen und Hoffnungen unseres Herzens verwirklichen, stoßen wir auch auf unsere Schwächen und unsere Gebrechlichkeit, erleben Niederlagen und Enttäuschungen und bleiben manchmal wie gelähmt, gefangen im Gefühl, versagt zu haben. Das Evangelium verkündet uns, dass wir gerade in diesem Augenblick nicht allein sind: Der Herr kommt uns entgegen, begleitet uns, geht denselben Weg wie wir mit der Diskretion eines freundlichen Weggefährten, der uns die Augen öffnen und unser Herz wieder zum Brennen bringen will. Und wenn eine die Erfahrung des Scheiterns einer Begegnung mit dem Herrn Raum gibt, dann ersteht das Leben wieder neu in der Hoffnung und wir können uns versöhnen: mit uns selbst, mit unseren Brüdern und Schwestern, mit Gott.

Gehen wir also dem Verlauf dieser Reise nach, die wir vom Scheitern zur Hoffnung nennen könnten.

Da ist zunächst das Gefühl des Scheiterns, das in den Herzen der beiden Jünger nach dem Tod Jesu wohnt. Sie hatten mit Begeisterung einen Traum verfolgt. In Jesus hatten sie all ihre Hoffnungen und Wünsche gesetzt. Jetzt, nach dem Ärgernis des Todes am Kreuz, kehren sie Jerusalem den Rücken, um nach Hause, in ihr altes Leben zurückzukehren. Sie kehren zurück, als wollten sie die Erfahrung vergessen, die ihre Herzen mit Bitterkeit erfüllte: der Messias, der wie ein Verbrecher am Kreuz getötet wird. Sie kehren niedergeschlagen und „traurig“ (Lk 24,17) nach Hause zurück: Die Erwartungen, die sie gehegt hatten, sind ins Leere gelaufen, die Hoffnungen, an die sie geglaubt hatten, haben sich zerschlagen, die Träume, die sie gerne erfüllt hätten, sind der Enttäuschung und der Bitterkeit gewichen.

Diese Erfahrung tritt auch in unserem Leben und auf unserem geistlichen Weg zutage, und zwar immer dann, wenn wir gezwungen sind, unsere Erwartungen zurückzuschrauben und uns mit der Mehrdeutigkeit der Realität, den dunklen Seiten des Lebens und unseren Schwächen auseinanderzusetzen. Das passiert uns jedes Mal, wenn unsere Ideale mit den Enttäuschungen des Lebens k^ollidieren und unsere Vorsätze aufgrund unserer Schwächen scheitern; wenn wir gutgemeinte Pläne hegen, dann aber nicht in der Lage sind, sie zu verwirklichen (vgl. Röm 7,18); wenn wir in unseren Aktivitäten oder Beziehungen früher oder später eine Niederlage, einen Fehler, ein Scheitern oder einen Sturz erleben, wenn wir sehen, wie das, woran wir geglaubt oder wofür wir uns eingesetzt hatten, zerbricht, wenn wir uns von unserer Sünde und dem Schuldgefühl erdrückt fühlen.

So ergeht es Adam und Eva in der ersten Lesung: Ihre Sünde hat sie nicht nur von Gott entfremdet, sondern auch voneinander entfernt: Sie können sich nur gegenseitig anklagen. Und wir sehen es auch bei den Emmaus-Jüngern, deren Unzufriedenheit über das Scheitern von Jesu Vorhaben nur Raum für sterile Diskussionen lässt. Und das kann auch im Leben der Kirche geschehen, der Gemeinschaft der Jünger des Herrn, für die die beiden Jünger von Emmaus stehen. Obwohl sie die Gemeinschaft des Auferstandenen ist, kann es vorkommen, dass sie angesichts Skandals des Bösen und der Gewalt von Golgatha verstört und enttäuscht umherzieht. Sie kann dann nichts anderes tun, als sich mit dem Gefühl des Scheiterns zu konfrontieren und sich zu fragen: Was ist passiert? Warum ist das passiert? Wie konnte das passieren?

Liebe Brüder und Schwestern, dies sind die Fragen, die sich jeder von uns stellt; und das sind auch die brennenden Fragen, die diese pilgernde Kirche in Kanada auf einem mühsamen Weg der Heilung und Versöhnung in ihrem Herzen bewegen. Auch wir, die wir mit dem Skandal des Bösen und dem im Fleisch unserer indigenen Brüder und Schwestern verwundeten Leib Christi konfrontiert werden, haben tiefe Bitterkeit verspürt und die Last des Versagens. Erlaubt mir also, mich geistig mit den vielen Pilgern zu vereinen, die hier die „heilige Stiege“ hinaufgehen, die an die Treppe erinnert, die Jesus zum Prätorium des Pilatus hinaufgestiegen ist, und gemeinsam mit euch als Kirche diesen Fragen nachzugehen, die aus einem Herzen voller Trauer aufsteigen: Warum ist das alles geschehen? Wie kann das in der Gemeinschaft derer geschehen, die Jesus nachfolgen?

Hierbei müssen wir uns jedoch vor der Versuchung der Flucht hüten, die in den beiden Jüngern des Evangeliums vorhanden ist: zurück zu gehen, vom Ort des Geschehens wegzulaufen, zu versuchen, sie zu verdrängen, einen „ruhigen Ort“ wie Emmaus zu suchen, um nicht mehr daran zu denken. Angesichts der Misserfolge im Leben gibt es nichts Schlimmeres, als wegzulaufen, um sich ihnen nicht stellen zu müssen. Das ist eine Versuchung des Feindes, die unseren geistlichen Weg und den Weg der Kirche bedroht: Er will uns glauben machen, dass das Scheitern nun endgültig ist, er will uns durch Bitterkeit und Traurigkeit lähmen, uns davon überzeugen, dass man nichts mehr machen kann und dass es sich daher nicht lohnt, einen Weg für einen Neuanfang zu finden.

Stattdessen zeigt uns das Evangelium, dass gerade in Situationen der Enttäuschung und des Schmerzes, gerade dann, wenn wir wie versteinert die Gewalt des Bösen und die Beschämung der Schuld erfahren, wenn der Fluss unseres Lebens in Sünde und Versagen versiegt, wenn wir von allem entblößt sind und nichts mehr zu haben scheinen, gerade dann kommt der Herr uns entgegen und geht mit uns mit. Auf dem Weg nach Emmaus geht er diskret nebenher, um die resignierten Schritte der traurigen Jünger zu teilen. Und was tut er? Er benützt keine allgemeinen Worte der Ermutigung, keine Gelegenheitsfloskeln und keine oberflächlichen Tröstungen, sondern erhellt durch die Ausdeutung des Geheimnisses seines Todes und seiner Auferstehung in der Heiligen Schrift ihre Geschichte und die Ereignisse, die sie erlebt haben. So öffnet er ihnen die Augen für eine neue Sicht der Dinge. Auch wir, die wir in dieser Basilika gemeinsam an der Eucharistie teilnehmen, können viele Ereignisse der Geschichte neu interpretieren. Auf demselben Gelände standen früher schon dreimal Kirchen; und es gab diejenigen, die vor den Schwierigkeiten nicht flohen, die trotz eigener und fremder Fehler weiterträumten; die sich von dem verheerenden Brand vor hundert Jahren nicht entmutigen ließen und mit Mut und Kreativität dieses Gotteshaus bauten. Und wer von der nahen Abraham-Ebene aus an der Eucharistie teilnimmt, kann auch den Geist derer spüren, die sich nicht vom Hass des Krieges, der Zerstörung und des Schmerzes gefangen nehmen ließen, sondern es verstanden, eine Stadt und ein Land neu zu gestalten.

Schließlich bricht Jesus vor den Emmausjüngern das Brot, öffnet ihnen damit die Augen und zeigt sich erneut als Gott der Liebe, der sein Leben für seine Freunde hingibt. Auf diese Weise hilft er ihnen, sich mit Freude wieder auf den Weg zu machen, neu zu beginnen, vom Scheitern zur Hoffnung zu gelangen. Brüder und Schwestern, der Herr möchte dasselbe mit jedem von uns und mit seiner Kirche tun. Wie können unsere Augen wieder geöffnet werden, wie kann unser Herz wieder für das Evangelium brennen? Was können wir tun, wenn wir von verschiedenen geistigen und materiellen Prüfungen heimgesucht werden, wenn wir den Weg zu einer gerechteren und geschwisterlicheren Gesellschaft suchen, wenn wir uns danach sehnen, uns von unseren Enttäuschungen und unserer Müdigkeit zu erholen, wenn wir hoffen, von den Wunden der Vergangenheit zu heilen und uns mit Gott und untereinander zu versöhnen?

Es gibt nur einen Pfad, einen Weg: Es ist der Weg Jesu, es ist der Weg, der Jesus ist (vgl. Joh 14,6). Glauben wir daran, dass Jesus unseren Weg begleitet, und lassen wir es zu, dass er uns begegnet; lassen wir es zu, dass sein Wort die Geschichte, die wir als Einzelne und als Gemeinschaft leben, deutet und uns den Weg zur Heilung und zur Versöhnung zeigt; brechen wir im Glauben das eucharistische Brot gemeinsam, denn um diesen Tisch herum können wir uns als geliebte Kinder des Vaters wiederfinden, die berufen sind, alle Brüder und Schwestern zu sein. Beim Brechen des Brotes bestätigt Jesus, was die Jünger bereits von den Frauen als Zeugnis erhalten hatten und was sie nicht glauben wollten: dass er auferstanden ist! In dieser Basilika, in der wir der Mutter der Jungfrau Maria gedenken und in der sich auch die Krypta befindet, die der Unbefleckten Empfängnis gewidmet ist, können wir nicht umhin, die Rolle hervorzuheben, die Gott den Frauen in seinem Heilsplan zugedacht hat. Die heilige Anna, die selige Jungfrau Maria, die Frauen des Ostermorgens zeigen uns einen neuen Weg der Versöhnung: Die mütterliche Zärtlichkeit so vieler Frauen kann uns - als Kirche - in eine neue fruchtbare Zeit begleiten, in der wir so viel Unfruchtbarkeit und Tod hinter uns lassen und Jesus, den Gekreuzigten und Auferstandenen, wieder in den Mittelpunkt stellen mögen.

Im Zentrum unserer Fragen, der Kämpfe, die wir in uns austragen, sogar der pastoralen Aktivitäten, dürfen nicht wir selbst und unser Versagen stehen; wir müssen ihn, den Herrn Jesus, in den Mittelpunkt stellen. Ins Zentrum aller Dinge stellen wir sein Wort, das die Geschehnisse erhellt und uns die Augen öffnet, damit wir die wirkmächtige Gegenwart der Liebe Gottes und die Möglichkeit zum Guten auch in scheinbar ausweglosen Situationen sehen; ins Zentrum stellen wir das Brot der Eucharistie, das Jesus heute erneut für uns bricht, um sein Leben mit uns zu teilen, unsere Schwächen anzunehmen, unsere müden Schritte zu stützen und uns Heilung des Herzens zu schenken. Und wenn wir mit Gott, mit den anderen und mit uns selbst versöhnt sind, können auch wir zu Werkzeugen der Versöhnung und des Friedens in der Gesellschaft, in der wir leben, werden.

Herr Jesus, unser Weg, unsere Kraft und unser Trost, wir wenden uns an dich wie die Emmausjünger: »Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt!« (Lk 24,29). Bleib bei uns, Herr, wenn die Hoffnung schwindet und sich die Nacht der Enttäuschung dunkel herabneigt. Bleib bei uns, denn mit dir, o Jesus, ändert sich die Richtung des Weges, und aus den Sackgassen des Misstrauens wird das Wunder der Freude neu geboren. Bleib bei uns, Herr, denn mit dir verwandelt sich die Nacht des Leids in den strahlenden Morgen des Lebens. Wir sagen schlicht: Bleib bei uns, Herr, denn wenn du an unserer Seite gehst, verwandelt sich das Scheitern in die Hoffnung des neuen Lebens. Amen.

Papst Franziskus in Kanada - Hl. Messe in Québec

Mehr dazu auf kathtube:


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu








Top-15

meist-gelesen

  1. „Das ging selbst einigen CSD-Fans zu weit und sorgte für Aufregung innerhalb der Homo-Szene“
  2. Tohuwabohu im Bistum Chur: Liturgiemissbrauch und Messsimulationen durch Gemeindeleiterin
  3. Maria 1.0 schreibt offenen Brief an DBK-Vorsitzenden Bischof Bätzing
  4. Salzburger Erzbischof Lackner verteidigt Jungfrauenweihe im Dom
  5. DRINGEND - Bitte um Ihre Sommerspende für kath.net - DANKE!
  6. Das bundesdeutsche Bermuda-Dreieck der Großideologen
  7. Archie wurde getauft und in die katholische Kirche aufgenommen!
  8. „Gott ist mein Bräutigam“
  9. "Das ist definitiv falsch – wir haben nicht nach einem Drehbuch Dritter gehandelt!"
  10. Edith Stein – Ave, Crux, spes unica
  11. „Gender widerspricht sich selbst“
  12. Papst Franziskus empfängt zum vierten Mal Transsexuelle
  13. Ein Blick auf kirchliche Zahlen und Daten zeigt den Grad der Entfremdung
  14. Priester und späterer Bischof Emil Stehle hatte vertuscht, wird selbst des Missbrauchs beschuldigt
  15. Merz als Cancel-Kandidat

© 2022 kath.net | Impressum | Datenschutz