Login




oder neu registrieren?



Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Allein den Betern kann es noch gelingen - Schicken Sie uns Ihr Anliegen!
  2. „Wie Papst Franziskus mit den deutschen Bischöfen umgegangen ist, war eine Meisterleistung“
  3. Homosexualität: Gott-gewollt oder Darwinischer Irrtum?
  4. Zitat: „Explizit wie nie zuvor wird Vielfalt in kirchlichen Einrichtungen als Bereicherung anerkannt
  5. Callboys, Nutten und Drogenjunkies - Wie wärs mit einem (Neben-)Job in der ‚deutschen Kirche‘?
  6. "Maßgebliche Kritiker sprechen offen von einem latenten Schisma"!
  7. Deutsche Bischöfe kehren angeschlagen aus Rom zurück
  8. Der verunglückte Rombesuch der deutschen Bischöfe
  9. Papst an Theologen: Kreative Treue zu Tradition bei Gender-Thema
  10. Roma locuta causa finita
  11. Bitte unterstützen Sie kath.net (nicht nur vor Weihnachten) via AmazonSmile-Programm
  12. Italien: "Singende Nonne" Suor Cristina ist aus ihrem Orden ausgetreten
  13. Hat Kardinal Marx dem Papst erneut den Rücktritt angeboten?
  14. "Bei den einen ist das todesmutig, bei den anderen ganz und gar nicht"
  15. „Ist unsere Verwirrung berechtigt? Fragen zu einer umstrittenen Personal-Entscheidung des Papstes“

„Wie wir als Christen in unruhigen Zeiten die Orientierung nicht verlieren“

vor 4 Tagen in Kommentar, 5 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Phänomene der Gesellschaft im Jahr 2022 – „Leben mit Ewigkeitshorizont! Wir wissen, dieses Leben ist nicht das Letzte. Das Schönste kommt noch: Gottes ewige Welt. Wer vor Gott steht, braucht sich … “ Gastbeitrag von Hartmut Steeb


Stuttgart (kath.net) 1. Krieg, Terror, Menschenrechte

Uns hat der Ukraine-Krieg kalt erwischt. Wer hatte schon vor einem Jahr damit gerechnet? Während wir fast in meiner ganzen Lebenszeit nichts anderes kannten als Frieden, Freiheit und ständig wachsenden Wohlstand, waren Krieg und Kriegsgeschrei weit weg. Nicht, dass es sie nicht gegeben hätte. Aber selbst die Balkankriege schienen irgendwie in einer anderen Zeit und Welt zu sein als der jetzt in der Ukraine wütende. Aber sie waren gefühlt immer weiter weg, wobei das ja entfernungsmäßig nicht stimmt und vermutlich schon viel mehr von uns durch Slowenien gefahren sind und in Kroatien waren als in der Ukraine. Kriege gab und gibt es weltweit freilich ununterbrochen. Von 2020 zu heute stieg die Zahl der Kriege von 15 auf 22. Daneben gäbe es, so sagen uns die Experten, nicht weniger als etwa 350 gewaltsame kriegerische Auseinandersetzungen weltweit.

Und dort, wo derzeit solche Auseinandersetzungen nicht so bewertet werden, herrscht deshalb noch nicht unbedingt Freiheit und werden dort noch lange nicht überall die Menschenrechte beachtet. Ich nenne nur als Beispiele:

- eine neue Welle der Christenverfolgung in Afghanistan. Afghanistan hat im Weltverfolgungsindex jetzt sogar Nordkorea vom dem Platz 1 verdrängt. Was lief da schief, wo wir uns doch 20 Jahre lang für ein anderes Afghanistan mit riesem Engagement eingesetzt haben?

- Hunger, Elend, Konzentrationslager in Nordkorea sind aber nicht vorbei;

- Verfolgung nicht buddhistischer Religionsangehöriger in Vietnam;

- Verfolgungen nicht hinduistischer Religionsangehöriger in Indien;

- Tragödien im Jemen, Sudan, Libanon, im Irak, in Syrien; eigentlich in fast allen Ländern des sogenannten arabischen Frühlings;

- Anarchismus und Terrorismus in Somalia;

- Unterdrückung in Eritrea;

- wöchentliche Entführungen, Terroranschläge und Ermordungen in Nigeria.

Eine der ganz großen Herausforderung ist die Verweigerung der Religionsfreiheit für viele Menschen, in der Hauptsache Christen. Und es gefällt manchen nicht, weil es nicht der „politischen correctness“ entspricht, wenn man feststellt: Die häufigste Ursache der extremen Menschenrechtsverletzungen ist der Islamismus. In allen Staaten mit islamischen Mehrheiten gibt es keine Gleichberechtigung für Menschen anderer religiöser Auffassung und damit keine Chance für die Einhaltung der Menschenrechte.

2. Armut und Hunger

Man geht derzeit von ca. 830 Millionen Menschen aus, die hungern, mehr als 10% der Weltbevölkerung. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen geht nun aber von 130 Millionen Menschen aus, die durch die wirtschaftlichen Niedergänge der Pandemiepolitik zusätzlich an den Rand des Hungertodes geraten. Der Entwicklungshilfeminister der letzten Regierung, Gerd Müller, hat von einer drohenden Hungerpandemie gesprochen, die nur deshalb bei uns nicht gesehen werde, weil die Kameras nicht darauf gerichtet sind. Die Medien geben uns beileibe kein objektives Bild von der Weltlage.

3. Das Recht auf Leben

Die inzwischen ja doch fast allen bekannte Weltgesundheitsorganisation  geht davon aus, dass weltweit jährlich 73 Millionen ungeborene Menschen das „Licht der Welt“ nicht erblicken, weil sie im Mutterleibe abgetrieben werden – wie man das verharmlosend nennt. Absolute Zahlen verwirren oft die Köpfe. Zur richtigen Einordnung braucht man mehr als eine Zahl. Darum ist es gut, sich bewusst zu machen, dass weltweit jährlich ca. 60 Millionen Menschen sterben, also 60 Millionen nach der Geburt und 73 Millionen vor der Geburt; das sind täglich 200.000 (!) Kindestötungen im Mutterleib ist die häufigste vermeidbare Todesursache. Auch das wird uns in den Medien nicht vor Augen gestellt. Ja, die Öffentlichkeit will das gar nicht als Problemsituation erkennen. Die derzeitige Regierungskoalition will sogar für Deutschland noch weitere sogenannte Liberalisierungen. Das Werbeverbot für Abtreibungen ist schon gestrichen. Ein Großteil der Koalition will Abtreibungen aus dem Strafgesetzbuch verbannen, man nennt das dann „ent-kriminalisieren“ – dass bei jeder Abtreibung ein Kind stirbt ändert sich dadurch freilich nicht. Die meisten organisierten Befürworter von Abtreibungen ordnen dies übrigens ein in die sogenannte sexuelle Selbstbestimmung für Frauen. Sie sprechen von reproduktiver Gesundheitsvorsorge. Das klingt besser und verstehen nur noch Experten. Auch die WHO und das Europäische Parlament fordern diese, die dann auch den Zugang zur sogenannten sicheren Abtreibung beinhaltet. Die Tötungen ungeborener Kinder ist nach meiner Auffassung die größte Menschenrechtskatastrophe überhaupt.

Wir Lebensschützer – ich zähle mich gerne dazu; man nennt uns ja meist in der Öffentlichkeit „selbsternannte Lebensschützer“ (haben Sie diesen Zusatz schon mal bei den Klimaaktivisten oder den LSBTTIQ-Lobbyisten gehört?) – sehen der Zukunft des Lebensrechts aber mit großer Sorge entgegen. Dabei geht es nicht nur um die Abtreibungen sondern auch um die Beihilfe zur Selbsttötung, die fortschreitende Bereitschaft zur Euthanasie und vor allem um das, was mit der sogenannten Fortpflanzungsmedizin auf uns zu rollt: Die Abschaffung des Embryonenschutzes, Miet-Mutterschaft, Mehrfachelternschaft, Verwendung von Embryonen zu Arzneimittel- und Kosmetikherstellung und für Forschungszwecke. Das ist alles ein sehr umfangreiches und komplexes Thema. Ich belasse es mal mit diesen Stichworten dazu und halte fest: Die Würde des Menschen ist angetastet – am Anfang und am Ende. Wir haben das Sterben vor der Geburt „privatisiert“, in der Praxis durch eine „Schein-Legitimation“ der tatsächlichen Kontrolle bewusst entzogen. Und gleiches droht nun auch am Lebensende. Das Bundesverfassungsgericht hat im Februar 2020 das unsägliche Urteil gesprochen, dass die vorgesehenen Beschränkungen bei der Beihilfe zur Selbsttötungen verfassungswidrig seien. Jeder Mensch habe das Recht, sich selbst das Leben zu nehmen und wenn er Hilfe brauche, dürfe sie ihm nicht verweigert werden. Was das Parlament mit dieser gesetzlichen Baustelle macht ist noch nicht entschieden. Dabei will ich einen Aspekt betonen: Auch in dem aufgehobenen Gesetz war nur die geschäftsmäßige Hilfe zur Selbsttötung verboten worden. Ich bin der Meinung, es müsste jede Beihilfe verboten werden, auch z.B. die bewusst nicht verbotene im privaten Umfeld. Denn ist nicht die Gewalt im häuslichen Umfeld die weit verbreitetste Gewalt? Nach statistischen Angaben leiden schon etwa 10 % der Alten und Pflegebedürftigen unter Gewalt von Angehörigen. Wir dürfen das Sterben am Ende des Lebens nicht in die private Verfügungsgewalt stellen.

4. Kinderrechte

Ein heißes Thema, das derzeit leiser gekocht wird und in der letzten Legislaturperiode – ich sage glücklicherweise – gescheitert ist, ist die Frage der sogenannten Kinderrechte, die viele ausdrücklich und zusätzlich im Grundgesetz verankert haben wollen. Das klingt gut, ist aber vor allem abzulehnen, weil die Fragestellung völlig ungeklärt ist, wer dann bestimmt, welche Rechte die Kinder haben. Olaf Scholz hat in seiner Zeit als Generalsekretär der SPD gefordert, der Staat müsse die „Lufthoheit über die Kinderbetten“ bekommen. Nehmen Sie jetzt das aktuelle Beispiel im Rahmen der Corona-Maßnahmen: Bestimmt also dann künftig der Staat, dass und welche Impfungen von Kindern dem Kindeswohl entsprechen und setzt das auch gegen die Eltern durch? Werden Eltern, die sich diesem Zwang wiedersetzen wollen, möglicherweise ihrer Kinder sogar beraubt, weil sie eine Gefahr für die Gesundheit der Kinder darstellen würden?

5. Die Postdemokratie

Der britische Politikwissenschaftler und Soziologe Colin Crouch hat die politische Gestaltung unserer Zeit als „post-demokratisch“ beschrieben. Ziele und ihre Durchsetzung werden nicht mehr generell durch die dafür gewählten und benannten Gremien und ihre Mitglieder bestimmt sondern durch sogenannte „Experten“, Interessengruppen, übernationaler und überstaatlicher Natur.

Ich nenne beispielhaft drei Bereiche:

1. Den „Genderismus“. Den Gender-Meinungsmachern ist in 25 Jahren äußerst erfolgreiche Lobbypolitik gelungen – bis hin, dass im Rathaus der Stadt Stuttgart jetzt Menstruationsartikel in den Männertoiletten bereitliegen, um eine der vielen Absurditäten als Spitze der Entgleisungen zu nennen. Wer hat die Einführung dieses Genderismus beschlossen? Unter sehr fragwürdigen Umständen wurde es bei der Weltfrauenkonferenz in Peking 1995 vereinbart. Durch gewiefte Taktik konnten westliche feministische Gruppen ihr Projekt gegen den Einspruch von Frauenrechtlerinnen aus Entwicklungs- und Schwellenländern und aus Staaten katholischer Prägung und mit islamischer Mehrheit durchsetzen. Der Begriff „Gender“ wurde auf den Schild gehoben. Er bezeichnet das „soziale Geschlecht“. Das bisher bekannte biologische Geschlecht – weiblich, männlich – sei ein gesellschaftliches Ordnungssystem, das den hierarchisierten, abgestuften Zugang zu Ressourcen der verschiedensten Art regelt. „Gender Mainstream“ soll der Mainstream staatlichen Handelns sein. Und dazu schafft man gegebenenfalls auch die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse ab. Im Grundsatz müsse jeder sein Geschlecht selbst wählen können. Die Bundesregierung will das ja ernsthaft jedem Bundesbürger erlauben, einmal jährlich neu zu tun.

Wir haben im Sommer unser 20. Enkelkind begrüßen dürfen. Gleich nach der Frage „Wie geht es Mutter und Kind?“ wollen Verwandte und Bekannte wissen: „Und was ist es?“ Mit meiner Antwort „Ja, ein Kind“ geben die sich nicht zufrieden. Sie wollen wissen: „Ist es ein Mädchen oder ein Junge?“ Was würde ich auslösen, wenn ich die Antwort geben würde, dass man das doch jetzt noch nicht festlegen müsse. „Schaun, wir mal, wie er/sie/es sich in 15 Jahren entscheidet“.

Ich weiß nicht, wie das eigentlich Eltern von Kindern, die ganz auf dem Gender-Trip sind, wirklich halten. Aber vielleicht sind es ja die, die ohnehin keine Kinder bekommen wollen, weil es klimaschädlich oder freiheitsbeschränkend ist. Deshalb merken sie auch nicht, welcher Schwachsinn da weiter gegeben wird. Aber die zunehmenden Gendersternchen, auch in den Verwaltungen, auch in den Kirchen und auch schon in evangelikalen Werken, bedienen fleißig diese winzige Klientel. Und in den öffentlich-rechtlichen Medien versucht man uns mit den Genderstern-Sprechpausen dahin gehend zu erziehen. Wer hat die eigentlich dazu ermächtigt?

2. Corona

Man kann ja in unseren Tagen nicht über Phänomene in der Gesellschaft reden und so tun, als ob es den Elefanten im Raum nicht gäbe. Ob eine weltweit sich ausbreitende Infektionskrankheit mit hohen Erkrankungszahlen zur Pandemie ausgerufen wird, entscheidet der Generaldirektor der WHO. Sehr problematisch ist freilich, dass diese Begriffe, was eine Pandemie ist, nicht mit Zahlen und Daten hinterlegt sind. Was „weltweit“ ist, was „starke Ausbreitung“ bedeutet, ab wann es „hohe Erkrankungszahlen“ sind, und was „in der Regel auch mit schweren Krankheitsverläufen“ aussagt, bleibt völlig offen, ist frei interpretierbar und darum natürlich auch nicht wirklich überprüfbar. Und dieser unsicheren internationalen Fakten- und Rechtslage folgt dann die ebenso unsichere Faktenlage für die „nationale epidemische Notlage“ (der Begriff wurde auch im März 2020 für Deutschland erstmal noch schnell kreiert und ins Infektionsschutzgesetz geschrieben). Denn was „dynamische Ausbreitung“, „bedrohlich übertragbare Krankheit“ und „über mehrere Länder“ (also mindestens zwei) faktisch heißt, bleibt ebenso nebulös. Das ist meines Erachtens auch der Grund, dass man offenbar für das Ende der Notlage auch keine Fakten benennt, sondern den Bewertungsmaßstab beliebig festsetzt und beliebig oft verändern kann, wie wir das nun in den letzten 32 Monaten auch erlebt haben. Hier werden nicht Beschlüsse aufgrund von Fakten gefasst sondern Mehrheitsbeschlüsse geben ihr Ja zu anscheinend wissenschaftlich fundierten Einschätzungen. Wer näher hinschaut, stellt freilich fest: Es sind im Wesentlichen unbestimmte Prognosen, Modellrechnungen und Schätzungen, die da als Fakten ausgegeben werden.

Man müsse auf die Wissenschaft hören, hatte die Bundeskanzlerin 2020 und 2021 ständig neu ins Feld geführt. Nur, wer ist die Wissenschaft? Es ist bekannt, dass die Regierung zu Beginn der Pandemie nur ihr gewogene Wissenschaftler zur Beratung einlud, Gutachten im Frühjahr 2020 bestellt hat, die ihre politischen Ansätze untermauern sollten und von Anfang an auf Angst-Mache gesetzt hat. Ein wirklich offener wissenschaftlicher Diskurs fand nicht statt. Und darum nenne ich ein paar Punkte zum persönlichen weiteren Nachdenken.

1. Im Januar und Februar 2020 hat die Bundesregierung Corona als Problem geleugnet. Einzelne, die warnten, wurden als Verschwörungstheoretiker gebrandmarkt. Inzwischen ist es umgekehrt. Wer kritisch nachfragt wird an den Rand gedrückt, als Corona-Leugner oder Querdenker bezeichnet (Querdenker war bis dahin übrigens eher eine Auszeichnung!). Die FAZ hatte mir zum Jahreswechsel 2020/2021 aber immerhin bescheinigt, dass ich mich schon früher – bei der Genderfrage – radikalisiert hätte. Das war tröstlich. Ich fand mich auch in guter Gesellschaft wieder, mit Ulrich Parzany, immerhin als langjähriger CVJM-Generalsekretär ein echter Jugendwerkler. Er hatte sich öffentlich freilich gar nicht kritisch zur Corona-Politik geäußert hatte, wohl aber zu einer überzogenen Gesundheitsideologie. Das reichte offenbar schon. Er hatte schon am 25. März 2020 auf Facebook gepostet – ich zitiere auszugsweise:

„Ich höre und lese, dass die Alten durch den Coronavirus besonders gefährdet sind und deshalb geschützt werden müssen…Ich gebe meinen Altersgenossen einen doppelten Rat:

1. Betet: ‘Unser Leben währet 70 Jahre, und wenn’s hoch kommt, so sind’s 80 Jahre ... Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden’ (Psalm 90,10.12).

2. Bekehrt euch zu Jesus Christus. Dann könnt ihr mit dem Apostel Paulus sagen: ‘Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn’ (Philipper 1,21).

3. Sich ständig ändernde Parameter für ein Ende der Pandemie: Ich erinnere daran, dass die Kanzlerin im März 2020 gesagt hat: „Wenn wir mit der Reproduktionsrate unter 1 kommen, dann haben wir es. Dann könnten wir den Lockdown wieder auflösen. Kanzleramtsminister Braun dann später: „Wenn alle ein Impfangebot haben, dann können die Maßnahmen beendet werden“. Die Kanzlerin auf der Hannover-Messe 2020: „Die Pandemie wird erst beendet sein, wenn alle Menschen weltweit geimpft sind“. Es gab kein Aufschrei: Wie, die Pandemie endet erst, wenn alle Menschen auf der ganzen Welt geimpft sind? Ich habe einem damaligen Spitzenpolitiker in einem Telefonat sagen können, dass ich das für zynisch halte. Sollten wir den Menschen nicht zuerst zu essen geben? Die Zahl der Hungertoten der letzten 32 Monate ist höher als die Zahl der an Corona Verstorbenen!

4. Es gab in Deutschland im Pandemiejahr keine ernstzunehmende Übersterblichkeit. In den ersten 9 Monaten hatten wir in Deutschland laut Statistik etwas über 30.000 an/mit Corona Verstorbenen. Ich sagte schon, dass man Zahlen ins Verhältnis setzen muss, um sie zu verstehen. Die Zahl der Verstorbenen insgesamt lag in dieser Zeit bei etwa 750.000. Die Coronatoten betrugen also ca. 4 %. In den nächsten 9 Monaten 63.000 (wenn sie die weltweiten Zahlen interessieren: 2020 waren es 1,9 Millionen Corona-Tote in 9 Monaten, 2021 3,6 Millionen in 12 Monaten, knapp 50 % mehr) – und ich sage dazu: Seltsamerweise, seit wir mit dem Impfen begonnen haben. Jetzt, in diesem Jahr, haben wir eine Übersterblichkeit in Deutschland von über 12%, obwohl die Corona-Toten erfreulicherweise eher nachlassen. Und wir haben plötzlich einen Geburtenrückgang von über 8% in Deutschland, aber auch in den allermeisten Ländern Europas und weltweit.

5.    Es gab aufs Ganze gesehen nie eine durch Corona bedingte Überlastung des Gesundheitswesens. 2020 waren die Betten in den Krankenhäusern nur zu 69% belegt – historisch-niedrige Bettenauslastung; 2 % der Krankenhausbetten war mit Corona-Kranken belegt, 4 % der Betten auf den Intensivstationen. Durch Finanzierung des Bundes wurden zusätzlich 13.000 neue Intensivbetten gefördert, danach aber gab es aber 9.000 weniger als zuvor. Während der Pandemiezeit wurden 34 Krankenhäuser geschlossen.

6. Impfen wird als die Lösung verkauft – aber es gibt keinen Beweis für die durchschlagende Wirksamkeit. Man kann eben leider nicht anführen: Je höher die Impfquote desto geringer die Corona-Toten – es ist leider so, dass die Zahl der Toten steigen. Die Klagen, dass die Impfschäden nicht ernst genommen werden und darum auch nicht richtig erfasst, reißen nicht ab.

Ich schließe damit das heikle Thema ab und sage nur: Es ist die Frage, ob sich der Staat nicht Dinge anmaßt, die ihn überfordern. Sind Freiheit und Eigenverantwortung Ideale von gestern, die schnell über Bord geworfen werden? Warum?
 
4. Die Klima- und Energiekrise

Auch hier schwingen sich einige zu den Welterklärern auf und denken doch ernsthaft, wir könnten in Deutschland das Welt-Klima verändern und bestimmen, gegebenenfalls mit Gewalt, weil die demokratischen Entscheidungsfindungen anscheinend viel zu lange dauern, wie das jetzt Vertreter der selbsternannten „letzten Generation“ empfinden. Manche von uns sind ja schon ein wenig länger unterwegs und kennen schon manche Fehlalarmierungen: Vor 50 Jahren hat der Club of Rome verkündet, dass das Erdöl in 20 Jahren aus sei – auch deshalb haben ja viele auf Gas umgestellt. Aber das Öl ist immer noch nicht zu Ende und nicht, weil wir weniger verbraucht hätten. 2007 sah der Weltklimabericht vor, dass wir nur noch 13 Jahre Zeit hätten, um die Klimakatastrophe abzuwenden. Wenn das wahr wäre, ist ohnehin schon alles zu spät. Seither geht aber nicht weniger sondern mehr CO 2 in die Atmosphäre. Der Weltklimabericht hatte übrigens zur Abwendung der Katastrophe einen Ausbau der Kernenergie gefordert. Aber wir haben 2011 den frühzeitigen Ausstieg beschlossen. Zeigt das nicht alles überdeutlich: Es gibt kein ganzheitliches Konzept? Man arbeitet sich an einigen kleinen Partikularfragen ab. Nehmen Sie z.B. das Verbot von Plastikstrohhalmen. Die wurden verboten, gleichzeitig haben wir wohl noch nie so viel Plastik produziert wie in der Pandemie, dass die Strohhalme wirklich nur ein Windchen im Gegensatz dazu sind. Und je weniger wirkliches Wissen da ist, desto schärfer werden auch hier die Kritiker angegangen. Stimmt es vielleicht doch, dass das Corona-Krisenmanagement auch die Blaupause für die nächste große und gewiss nie endende Krise ist? Kein Geringerer als der Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat ein Buch zu den Herausforderungen der Klimakrise geschrieben. Da heißt es: „Die Einschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie waren geringfügig und zeitlich sehr begrenzt im Gegensatz zu dem, was wir in der Klimakrise erwarten müssen“. Ich brauche manches Mal auch einen Schuss Sarkasmus. Da könnte man ja eigentlich nur antworten: „Also, nur getrost, es kommt noch schlimmer!“

Freilich, als Christen kann Sarkasmus nicht die letzte Antwort sein. Darum lade ich Sie ein, jetzt mal einfach den Schalter umzulegen und alles aus einer anderen Perspektive heraus zu betrachten.

„Ihr seid das Salz der Erde; Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge ist, nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter. So leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasset euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“ (Matthäus 5, 13 ff).

Das ist doch eine riesige Provokation für uns. Wir sind ja voller Demut und sagen: „Meine Demut ist mein ganzer Stolz“. Und darum hat man die Pietisten ja oft auch die „Stillen im Lande“ genannt. Und wir sind natürlich bibeltreu! Über diesen Begriff wurde viel gestritten und da kann man viel diskutieren. Aber darum geht es jetzt heute nicht. Die Frage ist: Wollen wir unser Licht leuchten lassen und so leben, dass unsere Werke gesehen werden? Wir sind gefordert als Christen in dieser Welt Orientierung zu geben. Und dazu brauchen wir natürlich freilich zuerst auch Orientierung für uns selbst.

Wie gehen wir als Christen mit den Phänomenen unserer gesellschaftlichen Entwicklung um? Was ist dabei unsere Orientierung und wie können wir damit auch zur Orientierung für andere beitragen?

Ich gehe in aller gebotenen Kürze die Gliederung noch einmal durch:

1. Krieg, Terror, Menschenrechte

Wir haben keinen Grund über die Nachrichten zu erschrecken. Jesus hat uns doch nichts anderes vorausgesagt. Ich lese beispielhaft aus Matthäus 24, 6 ff: „Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu und erschreckt nicht. Denn es muss geschehen…Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere; und es werden Hungersnöte sein und Erdbeben hier und dort…Dann werden sie euch der Bedrängnis überantworten und euch töten. Und ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen von allen Völkern…“

Und wir wissen vom biblischen Wort her, dass der Unfriede zwischen den Menschen natürlich daher kommt, dass sich die Menschen aus der Herrschaft Gottes heraus begeben haben. Sie wollten selbst autonom sein. Aber ohne den Schöpfer ist das Geschöpf bald erschöpft, wie das Arno und Andreas schon in einem ihrer Lieder in den 70er Jahren gesungen haben. „Humanität ohne Divinität wird zur Bestialität“ hat der Theologe Schleiermacher gesagt, dem ich sonst selten folge. Frei übersetzt: Menschlichkeit ohne Göttlichkeit führt zur Unmenschlichkeit! Oder wie es Gregor Gysi einmal formulierte: Ich bin kein Christ, aber ich habe Angst vor einer Gesellschaft ohne Gott!

Wenn und weil sich die Menschen von Gott entfernt haben und entfernen, haben wir Krieg auf dieser Welt, bis zum Ende. Es wird geschehen, sagt Jesus. Und Jesus hat seinen Leuten kein Leben auf der Sonnenseite versprochen. Er hat klar gesagt: „Haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen.“ „Siehe ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe“. Das ist ein sehr hartes Bild! Wir sind von der Freiheit verwöhnt. Verfolgung aber ist der Normalzustand der Gemeinde Jesu. Und darum sagt Jesus auch „In der Welt habt Ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“ (Johannes 16,33). Wir haben Angst, ja klar! Aber wir brauchen uns nie von der Angst bestimmen lassen, weil Jesus die Welt und damit die Angst überwunden hat.

2. Armut und Hunger

Natürlich sind und bleiben wir gefordert, Notleidenden zu helfen, sie zu unterstützen, wo wir können. Und ich bin sehr dafür, dass wir uns für eine Generalmobilmachung gegen Armut und Hunger einsetzen. Vor knapp 20 Jahren habe ich mit anderen zusammen in Deutschland die sogenannte „Micha-Initiative“ gegründet. Wir ließen uns u.a. auch von den Entwicklungszielen der Vereinten Nationen herausfordern, die damals eine Halbierung der Armut bis 2015 vorsahen. Wir wurden schwer kritisiert, weil das ein utopisches Ziel wäre. Ich habe gekontert, dass es nicht nur utopisch sondern sarkastisch ist, weil es ja bedeute, dass man akzeptieren wolle, dass weiterhin Millionen Menschen verhungern. Wenn wir erleben, wie seit 2 Jahren mit Milliarden in schwindelerregenden Höhen fast um sich geworfen wird: Ja, die Menschheit könnte sehr viel mehr tun, wenn sie nur entschlossener in dieser Frage handeln würde. Aber es bleibt auch das andere Wort von Jesus „Arme habt Ihr allezeit“ (Johannes 12,8). Es wird nicht geschehen, dass die Armut abgeschafft wird. Utopische Ziele sollen uns im Glauben freilich nie davon abhalten, die möglichen Schritte zu tun. Ich verweise darauf, dass der Missionsbefehl, zuerst an 11 Jünger gerichtet „Gehet hin in alle Welt, und machet zu Jüngern alle Völker“ (Matthäus 28, 18-20) auch ein utopisches Ziel war, aber vom Geist Gottes getrieben haben es die Jünger dennoch angepackt, auch wenn bis heute nicht vollendet. Da bleibt auch uns noch viel zu tun.

3. Lebensrecht

In unserem Staat hat sich die Überzeugung durchgesetzt, dass jeder Mensch unabhängig von seiner genetischen Veranlagung, seiner Herkunft, seinen persönlichen Vorlieben, Menschenwürde hat. Gerade nach der Katastrophe des Dritten Reiches haben unsere Verfassungsgeber deshalb als obersten Rechtsgrundsatz aufgestellt, geradezu klassisch formuliert: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Woher kommt dem Menschen diese Würde? Sie wird ihm nicht von der Gesellschaft zugesprochen sondern sie gründet darin, dass Gott den Menschen geschaffen hat, als Krone der Schöpfung, ja sogar zum Ebenbild Gottes. Weil der Mensch letztlich – ich kenne natürlich auch die Naturgesetzlichkeiten, die zu einem neuen Menschen führen, darum sage ich „letztlich“ - letztlich Gottes Schöpfung ist, unter seinem großen Ja steht, darum ist der Mensch menschlicher Verfügungsgewalt entzogen. In Psalm 8 spricht der Psalmist: "Du hat ihn wenig niedriger gemacht als Gott". Der Mensch steht auf der höchsten Sprosse der Geschöpfe Gottes. In Psalm 139 spricht der Psalmist davon: "Du hast meine Nieren bereitet; du hast mich gebildet im Mutterleib…Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war und alle Tage waren in Dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war." Der Mensch ist Gottes Geschöpf von allem Anfang an. Darum können wir nie einstimmen in eine Art von Selbstbestimmung, die das menschliche Lebensrecht eines anderen beschneidet, weder eines noch nicht geborenen Menschen noch eines alten, kranken, gebrechlichen oder sterbenden Menschen. Darum dürfen wir auch als Orientierung in diese Welt hineingeben: Gott ist der HERR des Lebens. Er gibt es und er nimmt es! Und darum werden wir allen Relativierungen und Verzweckungen menschlichen Lebens widersprechen. Das Lebensrecht des Menschen ist das wichtigste aller Rechte. Ohne das Lebensrecht bleiben alle anderen Rechte nutzlos.

5.    Kinderrechte
 
Der Mensch ist von Gott geschaffen! Nicht ein Produkt des Zufalls sondern gewollte Absicht Gottes, nach Gottes Plan gemacht (1. Mose 1,26). Und er will als aller erstes, dass sich die Menschen vermehren. „Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde“ ist das erste Wort Gottes an die Menschen, also die Erst-Verantwortung. Das gesamte biblische Zeugnis stellt aber auch klar, dass die sexuelle Gemeinschaft zwischen Mann und Frau, aus der Kinder hervorgehen können, in die lebenslängliche Liebes- und Treuegemeinschaft der Ehe eingebunden sein soll. Ich bin davon überzeugt, dass dieses tiefe Wissen auch in das Grundrecht des Artikel 6 des Grundgesetzes Eingang gefunden hat und es deshalb dort zu Recht heißt: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht?“ Und darum dürfen wir heute und in der Zukunft festhalten: Elternschaft ist kein sozialer Konstrukt und deshalb beliebig auswechselbar. Vater und Mutter sind vom Schöpfungsauftrag göttlich zugewiesene Gaben und Aufgaben.

6. Post-Demokratie

Unser Mensch-Sein und unser Christ-Sein ist nicht an die Staatsform gebunden, nicht an die äußeren Umstände von Wohlstand, Freiheit, Frieden, Gesundheit. Insofern können wir auch da gelassen und angstfrei sein. Das Wort von Jesus „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“ (Matthäus 22,21) gilt natürlich auch heute. Aber was heißt das in unserer heutigen kaiserlosen und demokratischen Zeit? „Gebt der Demokratie, was der Demokratie gehört!“ Und was ist das? Nichts anderes als die jedem mögliche aktive Mitwirkung an der Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens, die offensive und aktive Einbringung.

Demokratie ist die derzeit best-denkbare Herrschaftsform. Alle Alternativen bergen mindestens genauso große Gefahren: Diktaturen von „Zufallsherrschern“, Monarchie oder gar Anarchie. Wir müssen die Demokratie nicht verherrlichen, aber dürfen sie erst recht auch nicht verachten. Viel schlechter wäre die moderne Form der Aristokratie (Herrschaft des Adels) als eine „Expertokratie“, eine undurchschaubare Ernennung von Experten, vielleicht von solchen, die am meisten Geld, Macht und Einfluss haben und ihre Sicht der Welt und ihre persönlichen Zielsetzungen der Menschheit aufdrücken. Dann werden Wahrheiten behauptet, gekauft und abweichende Meinungen unterdrückt. Ich fürchte, wir stehen schon in einer Entwicklung, die in diese Richtung drängt.

Hananja, Mischael und Asarja, die drei Freunde Daniels, haben es im heidnischen Staat zu hohen Stellungen gebracht und das, obwohl sie unbestechlich an Gott festhielten und Gott mehr gehorchten als dem babylonischen König Nebukadnezar, vor dessen Bild sie niederfallen und ihn anbeten sollten. Ich finde die Worte dieser drei sollten wir uns stets vor Augen halten: „Wenn unser Gott, den wir verehren, will, so kann er uns erretten aus dem glühenden Ofen; und aus deiner Hand, o König, kann er erretten. Und wenn er’s nicht tun will, so sollst du dennoch wissen, dass wir deinen Gott nicht ehren und das Bild, das du hast aufrichten lassen, nicht anbeten wollen“ (Daniel 3,17.18).

Petrus schreibt in seinem ersten Brief, Kapitel 2,13: „Seid untertan aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen, es sei dem König als dem Obersten oder den Statthaltern als denen, die von ihm gesandt sind“. Grundsätzlich anerkennen wir selbstverständlich die staatliche Gewalt. Dazu hat auch Paulus klar aufgerufen „Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, ist sie von Gott angeordnet. Darum: Wer sich der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Anordnung“ (Römer 13,1.2). Aber es gilt eben auch, dass wir „Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apostelgeschichte 4,19), wie das Johannes und Petrus vor dem Hohen Rat zum Ausdruck bringen. Wenn also irgendwelche Mächte uns gebieten wollen, was Gottes Gebot widerspricht, dann ist die rote Linie überschritten, z.B. Verleumdungen, Lügen, falsche Götter anbeten – wir hängen kaum dem Hinduismus mit seinen zig Gottheiten an. Wir schaffen uns unsere eigenen Götter: Wohlstand, Gesundheit, Klima. Aber wir müssen auch widersprechen sollte das Gebet verboten werden, die biblische Lehre, die Mission – und ich nenne gerade im Blick auf die jüngere Geschichte. Wir dürfen auch nicht akzeptieren: Verbot der Gemeinschaft, Verbot von Gottesdiensten und Zusammenkünften in Hauskreisen, Hauskirchen und sogar Familien, Verbote zu Besuchen von Hilfsbedürftigen, Kranken, Pflegebedürftigen und Sterbenden. Der Staat darf uns nicht zur Inhumanität zwingen, zu unterlassenem Beistand.

Was ist unser Auftrag in dieser verrückten Welt?

Christen haben zuerst den Auftrag zur Mission. Jesus hat seine Leute dazu berufen, dass sie das Evangelium von Jesus Christus, die Gute Nachricht des in diese Welt gekommenen Jesus Christus, verkünden. Wir sind dazu da, andere Menschen diese Heilsbotschaft zu bringen, das Versöhnungsangebot Gottes zu verkünden, zu IHM, dem HERRN aller Herren einzuladen.

Und es gibt einen Ur-Auftrag für alle Menschen, nämlich den Schöpfungsauftrag. Das ist nichts spezifisch Christliches, sondern gilt allen. Ich gehe aber bis zum Beweis des Gegenteils gerne davon aus, dass die meisten Christen auch Menschen sind. Und dieser Gestaltungsauftrag betrifft nicht nur Fragen der Ökologie sondern auch die soziale Gestaltung des Lebens. Das Miteinander in Staat und Gesellschaft!

Ist das die Orientierung, die wir brauchen und die wir geben können? Ist das nicht zu einfach, zu schön, um wahr zu sein?

Ja, wir wissen oft nicht, ob unser Reden und Handeln Erfolg hat. Das gilt für die missionarischen Bemühungen und natürlich auch für unser gesellschaftliches Engagement. Darum sage ich deutlich: Entscheidend ist nie der Erfolg, sondern die Treue im Gehorsam. Bedenken Sie dazu bitte abschließend ein Vierfaches:

1.    Wir hatten nie die Verheißung, dass sich die Welt als Ganzes in eine gute Richtung entwickelt und sich dem Wahren, dem Guten, dem Richtigen, zuwendet. Darum bleibt es dabei: Christen arbeiten nicht erfolgs- sondern verheißungs- und vor allem gehorsamsorientiert.

2.    Wahrheit lässt sich nicht durch Mehrheit entscheiden und auch nicht auf Dauer unterdrücken. Schon Martin Luther hatte nicht die Mehrheit und Dietrich Bonhoeffer auch nicht. Erst später erkannte auch die Welt, dass sie Licht in der Finsternis waren. Wenn wir schon nicht Martin Luther oder Dietrich Bonhoeffer sind: Warum soll’s uns denn besser gehen?

3.    Wir haben nicht die Wahrheit gepachtet. Aber Jesus Christus, der die Wahrheit ist, hat unser Leben in Beschlag genommen. Deshalb sind wir im Gewissen an sein Wort gebunden. Im AT und im NT haben wir den klaren geoffenbarten Willen Gottes im Hinblick auf die Ordnungen des Lebens, im Hinblick auf Gut und Böse - eindeutig, gleich bleibend. Wir können es deshalb nicht lassen, unser Volk davor zu warnen, abseits von den Grundordnungen Gottes das Leben zu suchen.

4. Wir leben mit Ewigkeitshorizont! Wir wissen, dieses Leben ist nicht das Letzte. Das Schönste kommt noch: Gottes ewige Welt. Wer vor Gott steht, braucht sich vor Menschen nicht beugen. Ich erinnere noch einmal an Daniel und seine Freunde. Sie wussten nicht, ob sie jetzt bewahrt werden in der aktuellen Herausforderung. Wir haben auf dieser Welt keine Überlebensgarantie. Aber wir haben eine Gewissheit der Ewigkeit, weil für uns gilt: „Wo mein Haupt durch ist gangen, da nimmt er mich auch mit“. Mit Blick auf die Ewigkeit können wir beten „das uns werde klein das Kleine und das Große groß erscheine, selge Ewigkeit!“

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 Georgiuss vor 3 Tagen 
 

Luther = Licht in der Finsternis???

Erst später erkannte auch die Welt, dass sie (gemeint u.a. Luther) Licht in der Finsternis waren.

www.kath.net/news/71660


0
 
 lakota vor 4 Tagen 
 

Großartiger Artikel

Jeder Satz, den Herr Steeb hier ausgeführt hat, ist ein Volltreffer!
Es tut gut, so etwas zu lesen und zu spüren: ich bin nicht allein -
und JA, das Schönste kommt noch!


1
 
 Tschuschke vor 4 Tagen 
 

Danke

und vergelt‘s Gott für diesen mutmachenden Beitrag! Da werden die großen Probleme unserer Zeit angesprochen und ernstgenommen, aber dann auch eingeordnet - in ihren säkular-irdischen Zusammenhang und dann in den noch größeren heilsgeschichtlichen Zusammenhang. Wir haben wirklich allen Grund zur Zuversicht. „Richtet euch auf und erhebt eure Häupter!“ sagt der Herr (Lk 21,28). In der alten Messe wird am kommenden Sonntag dieses Evangelium gelesen. Der Artikel von H. Steeb ist eine große Hilfe für die Predigt. Danke!
Wolfgang Tschuschke, Pfr.i.R.


3
 
 Chris2 vor 4 Tagen 
 

Absolut großartige Zusammenfassung zentraler Verirrungen

unserer Zeit. Ich konnte zwar noch nicht alles lesen, aber ich gehe davon aus, dass Herr Steeb wie sonst auch da ins Schwarze trifft. Arbeiten wir mit allen zusammen, die sich für das Leben und die körperliche und seeelische Unversehrtheit von Kindern einsetzen, die noch (oder wieder) zentrale Menschenrechte, faktenbasiertes Handeln, Freiheit und den gesiunden Menschenverstand gegen aggressive Ideologien hochhalten. Um so mehr, wenn auf Gott hin ausgerichtete Protestanten wie Hartmut Steeb auch unsere christlichen Grundwerte teilen. DAS ist jetzt die wahre und "nottuende" Ökumene. Gott möge Sie segnen und der Heilige Geist sie führen, Herr Steeb!


2
 
 SalvatoreMio vor 4 Tagen 
 

Fürchte dich nicht, du kleine Herde!

Ihnen, Herr Steeb, tiefster Respekt vor Ihren mutmachenden Gedanken! Nie zuvor ist es mir gelungen, so einen langen Artikel in einem Zug bis zum letzten Wort zu lesen. Es lohnt sich wirklich! - Das Schlimmste, was der Welt passieren kann ist, dass wir unsere Sinne, unsere innere Antenne, nicht mehr klar ausrichten auf den Ursprung und das Ziel allen Lebens: auf den Dreifaltigen Gott! Wir dürfen nicht nachlassen, Christi Botschaft ungekürzt in die Welt zu tragen - trotz aller Hindernisse und Verrücktheiten. "Fürchte Dich nicht, Du kleine Herde, denn Euer Vater hat beschlossen, Euch das das Reich zu geben!


2
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu








Top-15

meist-gelesen

  1. Allein den Betern kann es noch gelingen - Schicken Sie uns Ihr Anliegen!
  2. Warum Sie am 2. April 2023 am Abend in Krakau sein sollten!
  3. „Wie Papst Franziskus mit den deutschen Bischöfen umgegangen ist, war eine Meisterleistung“
  4. Bitte unterstützen Sie kath.net (nicht nur vor Weihnachten) via AmazonSmile-Programm
  5. Der verunglückte Rombesuch der deutschen Bischöfe
  6. Eine einmalige kath.net-Reise ans Ende der Welt - NORDKAP + LOFOTEN
  7. Deutsche Bischöfe kehren angeschlagen aus Rom zurück
  8. "Maßgebliche Kritiker sprechen offen von einem latenten Schisma"!
  9. Homosexualität: Gott-gewollt oder Darwinischer Irrtum?
  10. Callboys, Nutten und Drogenjunkies - Wie wärs mit einem (Neben-)Job in der ‚deutschen Kirche‘?
  11. Italien: "Singende Nonne" Suor Cristina ist aus ihrem Orden ausgetreten
  12. Roma locuta causa finita
  13. "Gott bewahre mich vor jemand, der nur EIN Büchlein gelesen hat" (Thomas von Aquin)
  14. Zitat: „Explizit wie nie zuvor wird Vielfalt in kirchlichen Einrichtungen als Bereicherung anerkannt
  15. „Ist unsere Verwirrung berechtigt? Fragen zu einer umstrittenen Personal-Entscheidung des Papstes“

© 2022 kath.net | Impressum | Datenschutz