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Jeder Angriffskrieg ist ein Verbrechen15. Mai 2023 in Deutschland, 5 Lesermeinungen Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden
Bischof Helmut Dieser begrüßt Karlspreis-Verleihung an Wolodymyr Selenskyj: "Die Ukraine verteidigt die europäische Zivilisationsordnung gegen den Überfall des russischen Regimes und gegen dessen imperialistische Ideologie"
Aachen (kath.net/pm) Helmut Dieser, der Bischof von Aachen, hat die Verleihung des Internationalen Karlspreises der Stadt Aachen an den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk ausdrücklich begrüßt. „Die Ukraine verteidigt die europäische Zivilisationsordnung gegen den Überfall des russischen Regimes und gegen dessen imperialistische Ideologie, mit der die Propaganda des Regimes den Angriffskrieg begründen will“, erklärte Dieser in seiner Predigt beim Pontifikalamt im Aachener Dom aus Anlass der Karlspreis-Verleihung. Zugleich verurteilte er den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine scharf und distanzierte sich auf das Deutlichste von der Positionierung des Moskauer Patriarchen Kyrill. „Es kann keine christliche Ideologie eines russischen Imperiums geben, in das hinein Völker gegen ihre freie Wahl gezwungen und kriegerisch unterworfen werden dürften!“, mahnte der Bischof. „Das Reich Christi ist nicht von dieser Welt. Nur der Staat trägt das Schwert, nicht aber die Religion!“ Wo immer Staat, Nation und Kirche eins würden und keine kritisch-konstruktive Distanz mehr zueinander wahrten, drohten alle Niederlagen der Menschlichkeit, wie sie zurzeit in der Einflusssphäre der russischen imperialen Ideologie zu beklagen seien, so Dieser.
In seiner Ansprache unterstrich Dieser, dass jeder Angriffskrieg ein Verbrechen sei und auch als solches bezeichnet werden müsse. „Ihn zu akzeptieren oder gar akzeptabel machen zu wollen durch beschwichtigendes oder wahrheitswidriges Appeasement, verletzt und verlässt die Höhe der Zivilisationsgeschichte Europas und der Europäischen Einigung“, machte der Bischof mit Nachdruck deutlich. Volk und Präsident der Ukraine erlitten brutalste Gewalt, Zerstörung und schwerste Kriegsverbrechen durch Russland und in all dem unsägliches Leid. Die Verteidigung ihres Landes gelte wirklich dem eigenen Überleben, aber sie verteidigten auch uns alle in Europa als Menschen, die freiheitlich, demokratisch und friedliebend leben wollten, wie es in der Begründung der diesjährigen Preisverleihung heiße.
Wie Dieser des Weiteren ausführte, beschränke sich die Verleihung des Karlspreises aber nicht nur auf eine europäische Solidarität mit der Ukraine. „Denn die Verteidigung der Ukraine hält diese Idee Europas ja auch offen für Russland selbst, für Belarus und für alle anderen Länder, deren Regime die imperialistische Aggression Russlands unterstützen“, führte der Bischof aus. „Auch die Menschen in diesen autoritär oder totalitär beherrschten Ländern dürfen sich der europäischen Idee anschließen, ,freiheitlich, demokratisch und friedliebend´ leben zu wollen.“ Wie Papst Franziskus neulich in Ungarn gesagt habe, gehöre es zur europäischen Idee, niemanden für immer zum Feind zu erklären. Denn damit verbunden seien ja die politischen Prinzipien von Freiheit, Herrschaft des Rechtes, demokratischer Willensbildung, unantastbaren Menschenrechten inklusive der Religionsfreiheit und des politischen und ökonomischen Multilateralismus.
Dieser hob hervor, dass die christliche Religion jeden Rückfall in Gewalt als Mittel der Politik ausschließen müsse. Krieg sei eine Niederlage der Menschlichkeit. Die Gewalttätigkeit des Menschen habe ihren Ursprung allerdings nicht etwa in der Religion selbst, sondern im Herzen des Menschen. „Jahrtausende der europäischen Geschichte hat es gebraucht, bis wir das strikte Gewaltmonopol des Staates erreicht hatten“, so Dieser. Zu dieser zivilisatorischen Errungenschaft gehöre es, dass ausschließlich Polizeikräfte und das Militär Gewalt einsetzen dürften, dies aber wiederum nur im Rahmen des Rechtsstaates zur Sicherung und Durchsetzung des Rechts im Inneren und zur Verteidigung der staatlichen Sicherheit nach außen im Rahmen des Völkerrechts. Die Verbindung der Religion mit Gewalt sei nämlich das schwerwiegendste Argument gegen sie. Leider müsse er bekennen, dass auch die Geschichte des Christentums an vielen Stellen von dieser Last vergiftet sei, und sogar der Namensstifter des Karlspreises, Karl der Große, könne davon nicht ausgeschlossen werden, räumte der Bischof ein. „Der Karlspreis beruft sich aber nicht auf das kriegerische Erbe, sondern auf die kulturellen Leistungen dieses Frankenherrschers. Karl der Große gilt zu Recht als Wegbereiter der europäischen Zivilisation. Und der Karlspreis thematisiert die heutige Höhe dieser Zivilisierungsgeschichte.“ 
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