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Syrischer Ordensmann: "Wie die Musiker auf der sinkenden Titanic"8. Oktober 2023 in Österreich, 1 Lesermeinung Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden
Oberer des Franziskanerklosters in Aleppo, P. Bahjat Karakach, in Schreiben an Linzer Hilfswerk ICO: Inflation treibt Menschen ins Elend - Kirche hilft, so gut es geht.
Damaskus/Linz (kath.net/ KAP)
Die enorme Inflation treibt in Syrien auch die Letzten der einfachen Bevölkerung ins Elend. Das hat der Obere des Franziskanerklosters in Aleppo, P. Bahjat Karakach, in einem Schreiben an das Linzer Hilfswerk ICO festgehalten, das die ICO nun auf ihrer Website veröffentlichte. Allein im August habe die Inflation in Syrien 80 bis 90 Prozent betragen, die Preise für Öl seien sogar um 130 Prozent gestiegen. Dazu gebe es kaum noch Strom. Schon die einfachsten Dinge des Alltags seien für die meisten Menschen nicht mehr leistbar. Immer mehr litten unter psychischen Problemen wie Angstzuständen, die seelischen Belastungen für die Familien würden immer unerträglicher. Die Kirche versuche freilich ungebrochen, den Menschen zu helfen, so gut es geht.
Er sei einmal darauf angesprochen worden, dass die Kirche in Aleppo dem Orchester auf der sinkenden Titanic gleiche. Trotz der sich anbahnenden Katastrophe bzw. des bereits sinkenden Schiffs hätten die Musiker unbeirrt weiter ihre Aufgabe erfüllt und gespielt. In gleicher Weise lasse auch die Kirche in ihren Bemühungen für die Menschen nicht nach. Einen Unterschied zur Titanic sieht der Ordensmann freilich schon, wenn er von seiner Überzeugung schreibt, dass die Hilfe der Kirche eine Art "Rettungsleine" für viele Familien sei.
Die Franziskaner in Aleppo sind langjährige Projektpartner der ICO. Das Hilfswerk finanziert etwa die Suppenküche der Franziskaner in der Stadt. Mehr als 300.000 Mahlzeiten wurden in den vergangenen zwei Jahren zubereitet und an Bedürftige ausgegeben. Nach dem verheerenden Erdbeben im Februar 2023 wurden kurzfristig jeden Tag mehr als 5.000 Leute versorgt.
Ein zweiter Schwerpunkt der aktuellen ICO-Hilfe in Aleppo liegt in der Renovierung von Wohnungen und Häusern, die beim Erdbeben beschädigt wurden. Die Franziskaner wollen insgesamt in Aleppo und der Küstenstadt Latakia 170 Wohnungen wieder instandsetzen. Dabei werden sie u.a. von der ICO unterstützt. Anfang September überzeugte sich auch der Linzer Bischof Manfred Scheuer bei einem Besuch in Aleppo von der Notwendigkeit der Hilfsprojekte. 
Neuer apostolischer Vikar für Aleppo
Erfreut zeigte sich P. Bahjat in seinem Schreiben an die ICO über die Ernennung seines Mitbruders Hanna Jallouf zum neuen apostolischen Vikar für Aleppo. Die Ernennung durch Papst Franziskus war am 1. Juli erfolgt, der Präfekt des Dikasteriums für die orientalischen Kirchen, Erzbischof Claudio Gugerotti, spendete Jallouf am 17. September in der Franziskanerkirche in Aleppo die Bischofsweihe. Mitkonsekratoren waren der Apostolische Nuntius in Syrien, Kardinal Mario Zenari, und der lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa.
P. Jallouf war einer der beiden Priester, die während der Kriegsjahre den wenigen verbliebenen Christen in der Provinz Idlib beistanden, die bis heute von muslimischen Extremisten beherrscht wird. Als das Gebiet unter die Kontrolle der Islamisten geriet, flohen die meisten Christen und auch die Geistlichen. Nur Jallouf und ein Mitbruder blieben vor Ort. Die verbliebenen Christen hatten schwer unter der Herrschaft der Islamisten zu leiden. Alles, was außerhalb der Kirche auf das Christentum hinweisen könnte, wurde verboten. Einmal wurde der Pater auch von Bewaffneten der Al-Nusra-Front entführt und einige Tage festgehalten. Die verbliebene christliche Minderheit in Idlib zählt laut dem vatikanischen Fides-Pressedienst etwas mehr als 200 Familien - rund 600 Personen-, die der katholischen, armenisch-apostolischen und griechisch-orthodoxen Kirche angehören.
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