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Palästinensertuch und Christkind aus Vatikan-Krippe entfernt

11. Dezember 2024 in Aktuelles, 38 Lesermeinungen
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Bei Generalaudienz am Mittwoch mit Papst Franziskus war umstrittenes Tuch nicht mehr zu sehen - Wiener Dogmatiker übt schwerste Kritik an Papst Franziskus - Der Papst habe die diplomatische Balance verloren


Vatikanstadt  (kath.net/KAP) Das umstrittene Palästinensertuch in der Krippe in der vatikanischen Audienzhalle, das in den vergangenen Tagen für große Aufregung gesorgt hatte, ist mitsamt dem Christkind entfernt worden. Bei der Generalaudienz am Mittwochmorgen mit Papst Franziskus war das "Kufiya" genannte Stück Stoff nicht mehr zu sehen - auch das Jesuskind fehlte. Das schwarz-weiße Tuch in der von zwei Künstlern aus Bethlehem gestalteten Krippe lag bei der Übergabe am Samstag an den Papst unter der Figur des Kindes. Dies löste teils heftige Kritik vor allem von Vertretern des Judentums aus, die dem Vatikan einseitige Parteinahme zugunsten der Palästinenser vorwarfen. Die Kufiya ist eine Kopfbedeckung, die im gesamten arabischen Kulturraum traditionell von Männern als Schutz gegen Sonne, Sand und Wind getragen wurde und auch heute noch weit verbreitet ist. Ihren Ursprung hat sie in der irakischen Stadt Kufa. Eine politische Bedeutung erhielt der Stoff, als sich die Städter im arabischen Kampf gegen die britische Mandatsmacht in den 1930er Jahren der Landbevölkerung anschlossen. Die Einheitlichkeit stärkte das Nationalgefühl und erschwerte es den Briten, Aufständische zu identifizieren. Kultstatus erhielt die Kufiya mit Palästinenserführer Jassir Arafat (1929-2004). Die schwarz-weiße palästinensische Variante wurde zum Symbol für die palästinensische Sache und neu als Schal getragen, darunter neu auch von Frauen. International wurde das "Pali-Tuch", "Palästinensertuch" oder "Arafattuch" vor allem in der linken Szene sowie in der 68er-Studentenbewegung zum Symbol der Solidarität mit den Palästinensern im Kampf um nationale Unabhängigkeit. Proisraelische Stimmen sehen in dem Tuch ein Symbol palästinensischen Terrors. "Auftrumpfende Geschmacklosigkeit"


Der Wiener Dogmatiker Prof. Jan-Heiner Tück hat im Blick auf die Krippen-Causa in einem aktuellen Beitrag auf dem Internetportal "communio" sowohl die vatikanische Friedensdiplomatie als auch Papst Franziskus persönlich heftig kritisiert. Das Jesuskind mit der Kufiya öffentlich zu präsentieren, sei ein "Akt der politischen Instrumentalisierung - für die palästinensische Sache". Es sei "wichtig und richtig", mit den unschuldigen Opfern des Krieges Solidarität zu zeigen und sich mit allen Mitteln für Frieden einzusetzen, so Tück. "Das Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung schreit zum Himmel und muss ein Ende haben. Aber darf darüber vergessen werden, welche Rolle in diesem Krieg die monströse Attacke der Hamas einnimmt?" Die Explosion der Gewalt, die auf israelischem Staatsgebiet stattgefunden hat, sei nicht nur für die Geiseln und ihre Familien, sondern die ganze israelische Bevölkerung zum Trauma geworden. Das dürfe Franziskus nicht ausblenden, "wenn er Freund der Juden bleiben will", so Tück.

Die "auftrumpfende Geschmacklosigkeit", ein Jesuskind im Palästinenserschal zu verehren, widerspreche der Zuneigung zu Israel, die Franziskus auch in seinem Schreiben "Evangelii Gaudium" allen Christen ans Herz gelegt hat. Papst Franziskus aber "tut sich gegenwärtig sichtlich schwer, Zeichen der Zuneigung zu setzen", befindet Tück: Nach der monströsen Attacke der Hamas am 7. Oktober 2023 habe Franziskus lange gezögert, den Aggressor klar zu verurteilen und das Selbstverteidigungsrecht des Staates Israel anzuerkennen. Der Grundsatz der Neutralität, der die Friedensdiplomatie des Heiligen Stuhls leitet, sei dafür als Grund angeführt worden. Doch schon damals sei fraglich gewesen, ob die Beanspruchung von Neutralität gegenüber dem Terror neutral sein könne. Seitdem würden sich die Anzeichen mehren, dass der Papst im Gaza-Krieg die diplomatische Balance verloren habe. In seinem "Brief an die Katholiken im Nahen Osten" habe er den 'locus classicus' des kirchlichen Antijudaismus, eine Stelle aus dem Johannes-Evangelium (Joh 8,44), zitiert und jüngst in einem Interviewbuch gefordert, den Genozid-Vorwurf gegenüber dem Staat Israel juristisch zu prüfen, was zu Unverständnis in der jüdischen Welt geführt hat, so Tück.

 

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