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Die Morgenröte ohne Schatten

8. Dezember 2025 in Aktuelles, 5 Lesermeinungen
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Wo der unversehrte Anfang als erstes Licht der Erlösung aufbricht. Der Augenblick, in dem der Mensch das Licht vergaß. Die Rückkehr des Prometheus und das Vergessen des Schöpfers? Von Walter Kardinal Brandmüller


Rom (kath.net/wb/as) „Gott sah  alles an, was er gemacht hatte. Und sah - es war sehr gut.“ So endet der Schöpfungsbericht im ersten Buch der Heiligen Schrift. Doch bald spricht Gott zum Menschen: „… ist der Erdboden deinetwillen verflucht… Dornen und Disteln lässt er dir wachsen… Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück“. Das Paradies - nunmehr ein Tal der Tränen. Welch ein schriller Widerspruch! Was war geschehen? Wir wissen es seit Kindertagen: Ein einziges Gebot hatte Gott gegeben, und der Mensch hat es in trotzigem Aufbegehren missachtet – die Schlange hatte verheißen, er werde dann sein wie Gott. Damit hat die Geschichte der Menschheit begonnen, die seitdem von Gier und Hass, von Mord und Lüge, von Leid und Katastrophen, von Unheil belastet ist.

*

In dieses Unheil greift der Schöpfer Gott ein, der sein Werk nicht fü ewig verloren gehen lässt. In diese dunkle Nacht sendet der Barmherzige einen hellen Strahl seines Lichtes: Maria aus dem Hause Davids, frei von Sünde und Schuld – sie sollte als Morgenröte eines neuen Äons aufgehen, die Mutter seines Sohnes werden, der „sein Volk von seinen Sünden erlösen“ würde. Noch im Augenblick des Gerichtes über den Menschen hatte der Schöpfer – so lesen wir im Buch Genesis 3, 15 – zugleich die Verheißung ausgesprochen: „Zur Schlange sagte er: ‚Feindschaft setze ich zwischen dir und der Frau, zwischen deinen Nachkommen und ihrem (!) Nachkommen. Er (!) trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse’“. In diesem Schriftwort erkannten die Väter schon früh Maria angedeutet und im Nachkommen der Frau Jesus, den endgültigen Sieger über Satan und Sünde. Und darin, dass sie vom ersten Augenblick an, da sie von ihrer Mutter empfangen wurde, frei von der unheilvollen Erbschaft der Stammeltern Schuld war, sollte der Sieg über die Schlange bestehen. So würde auf dieser von Dornen und Disteln bedeckten Erde ein heiles Fleckchen Boden erhalten bleiben, darauf der Schlangenzertreter, der verheißene Erlöser, seinen Fuß würde setzen können. Seit frühen Zeiten lehrten darum die Väter die Bewahrung Mariens von dieser unheilvollen Erblast, unter der die ganze Schöpfung seufzte und in Wehen liegt (Röm 8). Schon die frühen Lehrer der Kirche bezogen die Worte aus dem Hohen Lied (4,12) auf Maria, wenn da der Bräutigam zur Geliebten sagt: „Ein verschlossener Garten ist meine Schwester-Braut, ein verschlossener Born, eine versiegelte Quelle…“. Dieses Siegel aufzubrechen hat die Schlange nie vermocht. So grüßte denn Elisabeth Maria: „Du bist gesegnet unter den Frauen“. Die Kirche aber preist sie am heutigen Fest: „Ganz schön bist du, Maria, und der Erbschuld Makel ist nicht an dir“. Wie eine kostbare Schale war Maria „voll der Gnade“.


*

Was aber bedeutet das „voll der Gnade“ – so übersetzen wir das κεχαριτωμένη der Botschaft Gabriels? Wir könnten auch sagen, du bist „die schlechthin Begnadete“, die „im Vollsinn des Wortes Begnadete“. Doch was meint begnadet? Was bedeutet „Gnade“? „Gnade“ bedeutet nicht nur Gottes Wohlwollen gegenüber seinem Geschöpf Mensch, es bedeutet, dass die Liebe Gottes das innerste Wesen des Menschen Gott ähnlich, ihn so zum Kind Gottes macht. Eben dies ereignet sich, wenn ein Mensch zum Glauben gekommen ist, im Sakrament der Taufe. Maria hingegen wurde schon im Augenblick, da ihre Mutter sie empfing, vor der unheilvollen Erblast Adams bewahrt und mit der Fülle der Gnade beschenkt. Schon die frühen Lehrer der Kirche nennen sie darum ganz untadelig, unbefleckt, ganz rein. Auf sie, Maria, bezieht die Kirche darum jenen Jesaja-Vers, mit dem die heutige Messe beginnt: „Von Herzen freue ich mich am Herrn, meine Seele jubelt über meinen Gott. Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils, er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit und schmückt mich köstlich wie eine Braut.“ „Ganz schön bist du, Maria, und der Erbschuld Makel ist nicht an dir“. So war die Jungfrau aus Nazareth in einzigartiger Weise bereit, dem Göttlichen Wort als Mutter zu dienen, da der Schöpfer sein verlorenes Geschöpf zu retten beschloss.

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Dieses Mysterium der Gnade ist es, das die Kirche feiert. Doch welch ein Abgrund tut sich da auf, blicken wir auf diese unsere Welt, in der wir das Fest begehen. Was hat der Mensch aus jener Welt gemacht, von der die Heilige Schrift sagt, „Gott sah, dass es gut war“? In grotesker Weise haben Adams Nachkommen jenen Auftrag des Schöpfers missdeutet: „Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie euch und herrscht über sie“. Der Mensch sah, sieht sich nicht mehr als Krone der Schöpfung, sondern als ihren Herrn, ja als ihren Schöpfer. „Hier sitze ich, forme Menschen nach meinem Bilde“ – was der Dichter vor mehr als zweihundert Jahren meinte, ist in unserer Zeit ebenso faszinierende wie erschreckende Wirklichkeit geworden. Zeugung im Reagenzglas, technische Manipulation des Erbguts zur Erschaffung eines „Menschen nach Maß“, umstandslose Verfügbarkeit über die eigene geschlechtliche Verfasstheit und beliebige Modifikation der geschlechtlichen Zuordnung – genug davon. Der Prometheus von heute hat die Verachtung des Schöpfers, die Gotteslästerung auf die Spitze getrieben. Und eben dies war und ist die unmittelbare Folge der Sünde des Menschen, der sein wollte wie Gott. Die Vertreibung aus dem Paradies war die Folge des Aufstands gegen den Schöpfer – der zur Selbstzerstörung des Menschen – bis heute – führt.

Und nun erscheint vor diesem unheilvollen Hintergrund ein Zeichen der Hoffnung am Himmel: die Jungfrau, die der Schlange den Kopf zertritt, die Mutter, die der Welt den Erlöser bringt. Vor eben diesem heilsgeschichtlichen Horizont verläuft der Lebensweg jedes einzelnen Christen. Es ist ein Weg, der auf „wechselnden Pfaden“ durch „Schatten und Licht“, von Gefahren und Verlockungen bedroht, zum Ziel des Lebens führen soll.

*

Wie tröstlich, dass die Siegerin über die Schlange auch unsere Mutter ist, in liebevoller Sorge ihren Kindern zugewandt. So grüßen wir sie an ihrem Fest, und bitten sie: „vitam praesta puram – iter para tutum“ – Gib ein reines Leben – sich’re Reis“ daneben. Darum können wir aber nur beten, wenn wir zugleich willens, bereit, entschlossen sind, die Gabe eines reinen Lebens auch anzunehmen, sie in unserem Alltag zu verwirklichen und dem sicheren Pfad zu folgen, den Gottes Gebote und die Worte Jesu weisen. Hier sind persönliche, ganz individuelle, unsere Lebensumstände betreffende, in unseren Alltag eingreifende Entschlüsse von Nöten. Wenn immer dazu ehrliche Bereitschaft besteht, können wir vertrauensvoll erwarten, dass unsere Bitte um „reines Leben“ und „sich’re Reis“ Erhörung finden wird.

 


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