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‚Ich bin es - fürchtet euch nicht‘. Christus im Sturm der Geschichte

vor 2 Stunden in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Leo XIV.: Die Jünger auf dem See als Bild der Kirche in der Geschichte. Christus inmitten von Angst, Dunkelheit und Bedrängnis. Die Kirche in Kamerun als lebendige Gemeinschaft der Hoffnung. Von Armin Schwibach


Yaoundé (kath.net/as) Zum Abschluss seiner Apostolischen Reise nach Kamerun feierte Papst Leo XIV. vor seiner Abreise nach Angola auf dem Gelände des Flughafens Yaoundé-Ville die heilige Messe mit rund 500.000 Gläubigen. In seiner Predigt dankten er zunächst für die Aufnahme und erinnerte an die gemeinsamen Tage des Glaubens und der Begegnung.

Ausgehend vom Evangelium über die Jünger auf dem See Genesaret stellte der Papst die Erfahrung von Angst und Bedrängnis in den Mittelpunkt. Die Jünger hätten im Gegenwind gekämpft und sich in der Dunkelheit gefürchtet, doch Jesus sei zu ihnen gekommen und habe gesagt: „Ich bin es, fürchtet euch nicht“. Diese Worte seien auch für die Kirche und für die Gläubigen in jeder Zeit gültig. Der Papst erklärte, dass der Glaube nicht vor Schwierigkeiten bewahre, aber die Gewissheit gebe, dass Christus gegenwärtig sei. Auch in Situationen von Unsicherheit und Gefahr bleibe er an der Seite der Menschen. Daraus folge die Aufforderung, nicht in Angst zu verharren, sondern im Vertrauen weiterzugehen.

Mit Blick auf das Leben der Gemeinschaft betonte Leo XIV. die Bedeutung der Solidarität. Niemand solle in den Schwierigkeiten allein gelassen werden. Gemeinschaften seien aufgerufen, Strukturen der Hilfe und der gegenseitigen Unterstützung zu schaffen, damit alle in Zeiten von Krise Beistand finden könnten. Unter Bezug auf die Apostelgeschichte erinnerte der Papst an die erste Krise der Urkirche. Die Apostel hätten gemeinsam beraten, gebetet und neue Wege gefunden, um den Bedürfnissen der Gemeinschaft gerecht zu werden. Auf diese Weise sei aus einer schwierigen Situation eine neue Form des Dienstes entstanden. Der Papst hob hervor, dass auch heute Veränderungen notwendig sein könnten, um die Würde des Menschen zu schützen und Ungleichheiten zu überwinden. Dabei verwies er auf die besondere Verantwortung gegenüber den Armen und Schwachen.

Zum Abschluss rief der Papst die Gläubigen dazu auf, die erfahrene Gemeinschaft im Alltag weiterzuleben. „Die Kirche in Kamerun ist lebendig, jung, reich an Gaben und Begeisterung, lebendig in ihrer Vielfalt und wundervoll in ihrer Eintracht“, so der Papst „Lasst sie mit der Hilfe Mariens, unserer Mutter, immer weiter gedeihen, und macht auch aus den Gegenwinden, die im Leben nie fehlen, Gelegenheiten, um im freudigen Dienst an Gott und den Geschwistern voranzukommen, im Miteinanderteilen, im Zuhören, im Gebet und im Wunsch, gemeinsam zu wachsen“.

kath.net veröffentlicht die Predigt von Papst Leo XIV. bei der Heiligen Messe des Heiligen Vaters,Yaoundé, Flughafen Yaoundé-Ville

Liebe Brüder und Schwestern, der Friede sei mit euch! Der Friede Christi, dessen Gegenwart unseren Weg erhellt und die Stürme des Lebens besänftigt.


Wir feiern diese heilige Messe am Schluss meines Besuchs in Kamerun, und ich bin euch sehr dankbar dafür, wie ihr mich aufgenommen habt, sowie für die Augenblicke der Freude und des Glaubens, die wir gemeinsam erlebt haben.

Wie wir im Evangelium gehört haben, bewahrt uns der Glaube nicht vor Unruhe und Bedrängnis, und in manchen Augenblicken mag es scheinen, dass die Angst die Oberhand gewinnt. Wir wissen jedoch, dass Jesus uns auch in solchen Momenten nicht im Stich lässt, so wie es die Jünger auf dem See Gennesaret erfahren haben.

Gleich drei Evangelisten schildern die Episode, die wir gerade gehört haben, jeder auf seine Weise und mit einer anderen Botschaft, je nach den Lesern, an die er sich wendet. Der heilige Markus (vgl. 6,45–52) beschreibt, wie der Herr zu den Jüngern kommt, während diese wegen des Gegenwinds nur mühsam vorankommen; doch der Wind legt sich, sobald Jesus zu ihnen ins Boot steigt. Der heilige Matthäus (vgl. 14,22-33) fügt ein Detail hinzu: Petrus möchte auf den Wellen zum Meister gehen. Sobald er jedoch aus dem Boot ausgestiegen ist, lässt er sich von der Angst überwältigen und beginnt unterzugehen. Christus ergreift ihn bei der Hand, rettet ihn und tadelt ihn wegen seines Kleinglaubens.

In der Fassung des Evangelisten Johannes, die heute verlesen worden ist (vgl. Joh 6,16–21), nähert sich der Erlöser den Jüngern, indem er auf dem Wasser geht, und sagt: »Ich bin es, fürchtet euch nicht!« (V. 20), und der Evangelist betont, dass »es […] schon dunkel geworden [war]« (V. 17). In der jüdischen Tradition spielen die „Wasser“ aufgrund ihrer Tiefe und ihres Geheimnisses oft auf die Unterwelt, das Chaos, die Gefahr und den Tod an. Zusammen mit der Dunkelheit stehen sie für die Mächte des Bösen, die der Mensch aus eigener Kraft nicht bezwingen kann. Zugleich werden sie aber in Erinnerung an die wunderbaren Ereignisse beim Auszug aus Ägypten auch als ein Ort des Durchgangs wahrgenommen, als eine Furt, durch die Gott sein Volk mit Macht aus der Knechtschaft befreit.

Die Kirche hat auf ihrem Weg durch die Jahrhunderte oft Stürme und „Gegenwinde“ erlebt, und auch wir können uns vielleicht manchmal in die Gefühle der Angst und des Zweifels hineinversetzen, die die Jünger während der Überfahrt über den See Gennesaret empfanden. Das ist es, was wir in den Momenten empfinden, in denen wir unterzugehen scheinen, überwältigt von widrigen Kräften, wenn alles dunkel zu sein scheint und wir uns allein und schwach fühlen. Doch es ist nicht so. Jesus ist bei uns, immer, stärker als jede Macht des Bösen; in jedem Sturm kommt er zu uns und sagt uns erneut: „Ich bin hier bei dir: Fürchte dich nicht.“ Deshalb stehen wir nach jedem Sturz wieder auf und lassen uns von keinem Sturm aufhalten, sondern gehen stets mutig und vertrauensvoll weiter. Und dank ihm ehren, wie Papst Franziskus sagte, so »viele Männer und Frauen […] unser Volk, […] unsere Kirche […]: stark im Voranbringen ihres Lebens, ihrer Familie, ihrer Arbeit, ihres Glaubens« (Katechese, 14. Mai 2014, 2).

Jesus ist uns nahe: Er stillt nicht sofort die Stürme, aber er kommt inmitten der Gefahren zu uns und lädt auch uns ein, in Freuden und Leiden wie die Jünger solidarisch im selben Boot zu bleiben; nicht aus der Ferne auf die Leidenden zu sehen, sondern ihnen nahe zu sein und zusammenzustehen. Niemand darf allein gelassen werden bei der Bewältigung der Widrigkeiten des Lebens und jede Gemeinschaft hat zu diesem Zweck die Aufgabe, Strukturen der Solidarität und gegenseitigen Hilfe zu schaffen und zu unterhalten, in denen alle angesichts von Krisen – seien sie sozialer, politischer, gesundheitlicher oder wirtschaftlicher Natur – Hilfe geben und empfangen können, entsprechend ihren Fähigkeiten und ihren Bedürfnissen. Die Worte Jesu „Ich bin es“ erinnern uns daran, dass in einer Gesellschaft, die auf der Achtung der Würde des Menschen gründet, der Beitrag aller wichtig ist und einen besonderen Wert hat, unabhängig vom Status oder der Stellung eines jeden in den Augen der Welt.

Die Aufforderung »Fürchtet euch nicht« erhält also eine umfassende Bedeutung, auch auf sozialer und politischer Ebene, als Ermutigung, Probleme und Herausforderungen – insbesondere jene, die mit Armut und Gerechtigkeit zusammenhängen – gemeinsam, mit Bürgersinn und zivilem Verantwortungsbewusstsein anzugehen. Der Glaube trennt das Geistliche nicht vom Sozialen, sondern gibt dem Christen vielmehr die Kraft, mit der Welt in Beziehung zu stehen, um auf die Bedürfnisse der anderen, insbesondere der Schwächsten, einzugehen. Für das Heil einer Gemeinschaft reichen die individuellen und isolierten Bemühungen einzelner Menschen nicht aus: Es bedarf einer gemeinsamen Entscheidung, die die geistliche und ethische Dimension des Evangeliums in das Herz der Institutionen und Strukturen integriert und sie zu Werkzeugen für das Gemeinwohl macht statt zu Schauplätzen von Konflikten, Eigeninteressen oder fruchtlosen Kämpfen.

Davon berichtet uns die erste Lesung (vgl. Apg 6,1-7), in der wir sehen, wie die Kirche ihre erste Wachstumskrise bewältigt. Die rasche Zunahme der Anzahl der Jünger (V. 1) bringt für die Gemeinschaft neue Herausforderungen im Hinblick auf ihr karitatives Engagement mit sich, dem die Apostel allein nicht mehr gerecht werden können. Manche werden bei der Essensausgabe vernachlässigt, weshalb das Murren zunimmt und ein Gefühl der Ungerechtigkeit die Einheit bedroht. Der tägliche Dienst an den Armen war eine wesentliche Praxis in der Urkirche und zielte darauf ab, die Schwächsten zu unterstützen, insbesondere Waisen und Witwen. Sie musste jedoch mit den ebenso dringenden Erfordernissen der Verkündigung und der Lehre in Einklang gebracht werden, und die Lösung war nicht einfach. Die Apostel versammelten sich also, tauschten ihre Sorgen aus, beratschlagten im Lichte der Lehren Jesu und beteten gemeinsam, wodurch es ihnen gelang, Hindernisse und Missverständnisse zu überwinden, die auf den ersten Blick unüberwindbar schienen. Auf diese Weise schufen sie etwas Neues, indem sie »Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit« (V. 3) auswählten und sie durch Handauflegung zu einem praktischen Dienst bestimmten, der zugleich eine geistliche Mission war. Indem sie auf die Stimme des Heiligen Geistes hörten und auf den Schrei der Leidenden achteten, haben sie nicht nur einen Bruch innerhalb der Gemeinschaft verhindert, sondern diese auch durch göttliche Inspiration mit neuen und für ihr Wachstum geeigneten Mitteln versehen. So verwandelten sie einen Moment der Krise in eine Gelegenheit der Bereicherung und Entwicklung für alle.

Manchmal erfordert das Leben einer Familie und einer Gesellschaft auch dies: den Mut, Gewohnheiten und Strukturen zu verändern, damit die Würde des Menschen stets im Mittelpunkt bleibt und Ungleichheiten und Ausgrenzungen überwunden werden. Im Übrigen hat sich Gott, indem er Mensch wurde, mit den Geringsten identifiziert, und dies macht die vorrangige Sorge für die Armen zu einer grundlegenden Option unserer christlichen Identität, wie Papst Franziskus mehrfach betont hat (vgl. Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 198).

Brüder und Schwestern, heute nehmen wir voneinander Abschied. Ein jeder kehrt zu seinen gewohnten Aufgaben zurück, und das Schiff der Kirche setzt seine Reise zum Ziel dank der Gnade Gottes und durch das Engagement eines jeden fort. Bewahren wir eine lebendige Erinnerung an die schönen Momente, die wir gemeinsam erlebt haben, in unseren Herzen; und schaffen wir auch inmitten von Schwierigkeiten weiterhin Raum für Jesus, indem wir uns Tag für Tag von seiner Gegenwart erleuchten und erneuern lassen. Die Kirche in Kamerun ist lebendig, jung, reich an Gaben und Begeisterung, lebendig in ihrer Vielfalt und wundervoll in ihrer Eintracht. Lasst sie mit der Hilfe Mariens, unserer Mutter, immer weiter gedeihen, und macht auch aus den Gegenwinden, die im Leben nie fehlen, Gelegenheiten, um im freudigen Dienst an Gott und den Geschwistern voranzukommen, im Miteinanderteilen, im Zuhören, im Gebet und im Wunsch, gemeinsam zu wachsen.

 


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