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Journalist Mathias Döpfner: „Wir brauchen eine Null-Toleranz-Politik gegenüber offenem Judenhass“

vor 4 Stunden in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Antisemiten ausweisen, wo möglich – Antisemitismus in sozialen Netzwerken gezielt bekämpfen – „Deutschland und Europa sollten eine bevorzugte Immigration und Einbürgerung für jüdische Familien einführen“


Berlin (kath.net/pl) „Unter dem Deckmantel von ‚Dekolonisierung‘, ‚Antirassismus‘ und vor allem des grünen Klimaaktivismus wird heute oft purer Judenhass verbreitet. Auf dem Spiel steht dabei das Überleben des freien Westens.“ Das stellt Mathias Döpfner fest, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE und renommierter Journalist, in seinem Kommentar in der „Welt“, „Wir müssen die Woke-Ideologie als trojanisches Pferd entlarven“, bereits im Untertitel fest.

„Seit dem 7. Oktober 2023“, das Döpfner als das „grausamste Pogrom gegen Juden nach der Shoah“ einordnet, „erleben wir keine Solidarität, sondern eine globale Explosion des Judenhasses“, schildert der Journalist. Er weist darauf hin, dass dieser 7. Oktober „kein militärischer Zwischenfall“ gewesen war, kein „Konflikt“, sondern „ein Pogrom. Menschen wurden ermordet, weil sie Juden waren. Männer wurden bestialisch gefoltert. Frauen vergewaltigt. Kinder gelyncht. Familien ausgelöscht. Weil sie Juden waren.“

Döpfner beschreibt die ummittelbaren Folgen mit spürbarer Fassungslosigkeit: „Kaum waren die Bilder der Opfer zu sehen, begannen die Relativierungen. Kaum waren die Namen der Ermordeten bekannt, begannen die Rechtfertigungen. Israel wurde beschuldigt, noch während es angegriffen wurde.“ Er  zitiert eine Formulierung des UN-Generalsekretärs António Guterres, wonach man anerkennen müsse, „dass die Angriffe der Hamas nicht in einem Vakuum passierten“. Döpfner entlarvt diese Behauptung durch Umformulieren: „Schuld sind wieder die Juden“. 


Dieser Antisemitismus habe sich auch nicht erst nach Monaten von Vergeltungsmaßnahmen seitens Israel an die Hamas entwickelt, sondern habe sofort nach dem 7. Oktober begonnen., so Döpfner. Er beschreibt den 7. Oktober als „Wendepunkt. Als hätte der Terror der Hamas eine Schleuse geöffnet. Antisemitismus ist kein schwarzer Schatten aus Österreich und Deutschland mehr. Er ist seither zum globalen Exportschlager geworden. Besonders erfolgreich unter jungen Menschen. Modernisiert und verjüngt, fast wie ein Phänomen der Popkultur, breitet er sich rasend schnell in den Vereinigten Staaten aus, in ganz Europa, in Universitäten, in der Kunst- und Kulturszene, in den sozialen Medien und auf den Straßen unserer Städte – in Worten und Taten. Der Antisemitismus hat weltweit ein neues Ausmaß erreicht. Es ist eine neue Dimension, die seit 1945 unvorstellbar war, eine neue Situation, die neues Denken, neuen Geist und vor allem: neues Handeln erfordert.“ 

Auch Greta Thunberg kümmere sich „kaum noch um die CO₂‑Bilanz, aber immer leidenschaftlicher um das Schüren antisemitischer Vorurteile. Die Woke-Bewegung ist seit Langem von Islamisten unterwandert und geprägt“ und betreibe „die Umwertung aller Werte“. In der woken Gesellschaft habe derjenige die Macht, „der bestimmt, wer Opfer ist. Und die toxische Woke-Bewegung hat beschlossen: die Opfer sind die Antisemiten.“ Deshalb gelte, so Döpfner: „Be awake against woke! Wo im Namen einer woken Weltordnung ‚From the river to the sea‘ skandiert wird, wo Israel das Existenzrecht abgesprochen wird, wo jüdische Studenten auf Campusgeländen belästigt und angegriffen werden – dort endet die Aufklärung. Da beginnt die Hölle.“

Dass man in Deutschland – auch seitens des Staates – gegen Antisemitismus stehe, funktioniere in der Theorie besser als in der Praxis, so Döpfner. Er führt dafür ein Beispiel an: Am 13. April 2026 wurde in Berlin ein Gerichtsurteil im Fall Mustafa A. verkündet, der den Studenten Lahav Shapira brutal zusammengeschlagen hatte. Das Gericht konnte kein antisemitisches Motiv erkennen – denn der Täter hätte sein Opfer ‚einfach so‘ krankenhausreif geschlagen, antisemitisch aber wäre die Tat nach Auffassung des Gerichts nur dann gewesen, wenn er seinen Judenhass vorher ausdrücklich angekündigt hätte“, beschreibt Döpfner und kritisiert: „Als ob Hass ein Formular ausfüllen müsste, bevor er zuschlägt.“ Dann schildert Döpfner weiter, dass zwar auf dem Handy des Täters ein Video gefunden worden sei, in dem es heißt: „Musti hat diesen Judenhurensohn totgeschlagen“ – doch dies habe dem Gericht nicht als Indiz genügt. Er lädt zu einem „Gedankenexperiment“ ein, dem Vertauschen der Namen und Religionen: „Wie hätte die Reaktion der Medien ausgesehen? Entsetzen. Skandal. Solidarität mit dem Opfer Mustafa. In Wirklichkeit – mit Shapira als Opfer – nichts. Schweigen.“

Dann widmet sich Döpfner dem Thema „Zionismus“. Er bekennt eigens: „Ich bin Goy“ – also Nichtjude – und gleichzeitig Zionist. Er sei Zionist „aus vollem Herzen, aus Überzeugung und mit Leidenschaft. Israel ist die einzige nicht perfekte Demokratie in einer Region, die von ziemlich perfekten, also sehr brutalen Diktaturen dominiert wird. Israel ist ein Brückenkopf westlicher Werte im Nahen Osten. Israel ist ein Land des Wissens und der Wissenschaft. Trotz allem ein Land der Freiheit und der Toleranz. Und der selbstbewussten und erfolgreichen Verteidigung der Werte der Aufklärung. Unserer Werte.“ Dabei sei Zionismus keineswegs ein Schimpfwort, vielmehr „die logische Konsequenz aus der Geschichte. Das Recht eines Volkes, in Sicherheit zu leben. Das Recht, sich selbst zu verteidigen. Das Recht, nicht wieder abhängig zu sein von der Gnade anderer.“ Er mahnt: „Wer diese Rechte infrage stellt, stellt nicht nur Israel infrage – sondern die Prinzipien, auf denen freie Gesellschaften beruhen.“

Scharfe Kritik äußert Döpfner auch am UN-Menschenrechtsrat. Zunächst gratuliert er dem „World Jewish Congress“, der 1936 in Genf gegründet wurde, „von Herzen zum 90. Geburtstag“. Doch Genf sei auch „Sitz des UN-Menschenrechtsrats, in dem Israel seit Jahren mit Abstand am häufigsten verurteilt wird – öfter als Syrien, Nordkorea, Iran und Venezuela zusammen. Man setzt sich auch lieber mit angeblichen Menschenrechtsverletzungen in Island auseinander als mit dem Morden in Diktaturen wie Russland oder China oder dem Iran. Das Gremium der UN ist ein Menschenrechtsverdreherrat geworden“, so lautet sein schwerwiegender Vorwurf.


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