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Papst an Pfadfinder: „Ihr verbindet auf kluge Weise das Buch der Natur mit dem Wort Gottes“

2. Juni 2026 in Jugend, 4 Lesermeinungen
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Leo XIV. empfängt Katholische Pfadfinder Europas/Italien: „Ihr begleitet Jungen und Mädchen hin zur Begegnung mit Jesus, dem Meister des guten Lebens, dem treuen Freund, dem gerechten und starken Wegführer auf unserer Reise“ - Text in voller Länge


Vatikan (kath.net/pl) kath.net dokumentiert die Ansprache von Papst Leo XIV. an die Mitglieder der italienischen Vereinigung der Katholischen Pfadfinderinnen und Pfadfinder Europas in der Audienzhalle am Montag, 1. Juni 2026 in voller Länge in eigener Übersetzung:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Der Friede sei mit euch!

Liebe Brüder und Schwestern, guten Morgen und herzlich willkommen!

„Wenn Gott es will – für immer!“ Dies ist das Motto, das ihr für das fünfzigjährige Bestehen eurer Vereinigung gewählt habt. Da ich das Vergnügen habe, euch nur wenige Tage nach dem Hochfest Pfingsten zu begegnen – dessen Name wörtlich „der Fünfzigste“ bedeutet –, hoffe ich, dass dieses freudige Jubiläum für euch wie ein neues Pfingsten sein wird. Möge der Heilige Geist auf jeden Einzelnen von euch herabkommen, so wie er auf die im Abendmahlssaal versammelten Apostel herabkam (vgl. Apg 2,1). Die Apostelgeschichte erinnert uns daran, dass die Gabe des Geistes das Leben belebt, uns für die Sendung öffnet und Verständnis zwischen verschiedenen Sprachen schafft (vgl. Apg 2,4): Tatsächlich hilft uns die Gabe des Auferstandenen Christus, immer neue Wege zu finden, um Zeugnis für die Schönheit des Glaubens abzulegen. Diese Verkündigung des Heils ist voller Hoffnung und ermutigt uns, bei jeder Entscheidung, die wir im Leben treffen, und bei all unseren Werken recht zu handeln.

In den vergangenen fünfzig Jahren hat die Italienische Vereinigung der Katholischen Pfadfinderinnen und Pfadfinder Europas einen spezifischen pädagogischen Ansatz gefestigt, um das Zeugnis des Glaubens zum Ausdruck zu bringen. Unter Verwendung der Werkzeuge, die ganz im Sinne der Vision von Baden-Powell entwickelt wurden, begleitet ihr Jungen und Mädchen hin zu einer Begegnung mit Jesus – dem Meister des guten Lebens, dem treuen Freund, dem gerechten und starken Wegführer auf unserer Reise.


Das Leben unter freiem Himmel und der Kontakt zur Natur sind unverzichtbare Dimensionen eurer Tätigkeit; sie künden von der Güte Gottes durch jene Spuren, die der Schöpfer selbst in der Schöpfung hinterlassen hat.

Ihr verbindet auf kluge Weise das Buch der Natur mit dem Wort Gottes, das dem Lauf der Geschichte ihren Sinn bewahrt und uns trägt, wenn der Lebensweg uns auf die Probe stellt. Wie aus einer Quelle frischen Wassers lade ich euch ein, aus der Heiligen Schrift zu schöpfen, um eure Erfahrungen des menschlichen und geistlichen Wachstums zu erhellen und zu stärken – sowohl auf persönlicher Ebene als auch innerhalb der Gemeinschaft. Wie Papst Franziskus sagte: „Ich lade euch ein, [das Evangelium] stets bei euch zu tragen – als euren Wegweiser; denn das Evangelium ist der wahre Wegweiser für die Reise des Lebens –, und es jeden Tag aufzuschlagen, denn das Evangelium ist die Landkarte für das Leben“ (Ansprache an die Internationale Union der Pfadfinderinnen und Pfadfinder Europas, 3. August 2019).

Liebe Pfadfinderleiterinnen und -leiter, das Evangelium ist weit mehr als nur ein Buch: Es ist die Person Christi selbst – eine Frohe Botschaft für eine Menschheit, die durch so viel Übel verwirrt, getäuscht und desillusioniert ist. Er stillt unseren Durst nach Gerechtigkeit und Wahrheit und schenkt uns den Mut, beharrlich das Gute zu tun und uns ganz persönlich in den Dienst unserer Nächsten zu stellen. Ihr legt Zeugnis ab für dieses Engagement zugunsten der jungen Menschen, die eurer Obhut anvertraut sind: Die Konsequenz eures Lebenswandels und die Reife eurer Entscheidungen sind in ihren Augen ein überaus wichtiges Vorbild, das ihnen hilft, zu wachsen. Lebt daher gemeinsam mit ihnen die Schönheit des Glaubens im täglichen Handeln und im gemeinsamen Gebet, in den Sakramenten und in der Unterscheidung der persönlichen Berufung eines jeden Einzelnen. Antwortet großherzig auf den Ruf Christi, der euch einlädt, die Gipfel zu erklimmen, die Segel zu setzen und gemeinsam den Weg der Tugend zu beschreiten.

Die Priester, die euch als Assistenten zur Seite stehen, sind ein Garant für die Verbundenheit zwischen der Kirche und eurem Verband: Sie üben ihren priesterlichen Dienst im Dienst an den jungen Menschen und an eurer Leitung aus und teilen mit euch die Verantwortung für die pädagogische Arbeit sowie für das geistliche Wachstum der Jugend.

Die Pfadfindermethode stellt den Menschen in den Mittelpunkt und widmet sich sorgsam allen Aspekten seiner Beziehungen und seines menschlichen Reichtums. Die pädagogische Ausrichtung eures Verbandes findet in diesem Zusammenhang ihren Ausdruck in der Erziehung in getrennten Gruppen für Jungen und Mädchen, um jeder Gruppe eine ganz spezifische Aufmerksamkeit widmen zu können. Auf diese Weise die grundlegenden Wesensmerkmale des Frau- und Mannseins zu erkunden, stellt einen vorbereitenden Schritt hin zu einer authentischen und bewussten Begegnung mit dem „Anderen“ dar – eine Begegnung, die das gegenseitige Wachstum fördern kann. Die Heranbildung guter Christen und guter Staatsbürger ist das Ziel der Pfadfindermethode; erreicht wird dieses Ziel durch die Erziehungspartnerschaft zwischen den Leitern und jedem einzelnen Mädchen und Jungen auf den verschiedenen Etappen ihres Weges. In diesen historisch komplexen Zeiten schätze ich zudem Ihre Entscheidung als Verband, ein Gefühl europäischer Identität zu fördern – nicht auf politischer, sondern auf kultureller Ebene –, indem Sie Ihr Engagement für den Aufbau eines Europas der Völker – und nicht bloß der Wirtschaft – erneuern, das durch die höchsten Werte des christlichen Humanismus geeint ist.

In diesem Sinne ist der Dienst jenes Element, das alle Bestandteile der Methode Baden-Powells miteinander verbindet: Er steht im Herzen seiner pädagogischen Philosophie. Dienen bedeutet, seine Fähigkeiten und seine Zeit anderen zur Verfügung zu stellen – vollkommen freiwillig und ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Durch den Dienst werden Altruismus, Solidarität, die Sorge um andere sowie ein Gefühl für soziale Verantwortung entwickelt. Im Glauben gelebt, befreit uns der Dienst von der Neigung zu Ichbezogenheit, Gleichgültigkeit und Verschlossenheit; er öffnet uns für die Erfahrung von Gemeinschaft und für das Bewusstsein der Verantwortung – von den kleinen Dingen, die gut getan werden, bis hin zur gegenseitigen Fürsorge. Das Abenteuer des Pfadfindertums hilft uns zu entdecken, wie unsere Menschlichkeit durch das Wirken Gottes – des wahren Erziehers unser aller – erhellt und aktiviert wird.

Foto aus dieser Veranstaltung (c) Vatican Media


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