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„Alten und neuen Ritus bestehen lassen. Latein verbieten? Das spielt Rebellen in die Hände“vor 2 Stunden in Weltkirche, 11 Lesermeinungen Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden
Kardinal Gerhard Müller: „Traditionis Custodes hat keine positive Wirkung gezeigt…Sicherlich darf es bei Glaubenssätzen keine Kompromisse geben, aber in der praktischen Seelsorge kann es durchaus ein gewisses Maß an Toleranz geben.“
Vatikan (kath.net/pl) „Restriktive Maßnahmen haben faktisch als Propaganda für die Lefebvre-Anhänger gedient, die diese nutzen konnten, um ihre Argumente zu verbreiten.“ Das erläutert der emeritierte Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller im Gespräch mit Nico Spuntoni in der italienischen Zeitung „Il Giornale“. Die restriktiven Maßnahmen sollten „nicht zuletzt deshalb“ aufgehoben werden, so Müller, „weil die Lefebvre-Anhänger diese Verbote zu einem Symbol des Widerstands gegen Rom machen können“. Sputoni beschreibt den emeritierten Präfekten der Glaubenskongregation als einen „der bedeutendsten lebenden Theologen“ und als „hochangesehenes Mitglied des Kardinalskollegiums“. Das „Il Giornale“-Interview trägt den Titel: „Lassen Sie die alten und neuen Riten nebeneinander bestehen. Latein verbieten? Das spielt den Rebellen in die Hände“. Müller plädiert dafür, die Ära der Beschränkungen für die tridentinische Messe – die 2021 mit der Veröffentlichung von Traditionis Custodes begann – zu beenden und zur Liberalisierung der alten Liturgie zurückzukehren, ganz im Sinne Ratzingers. 
Traditionis Custodes hat nach Einschätzung des früheren Präfekten der Glaubenskongregation „keine positive Wirkung gezeigt. Mit autoritären Methoden blinden Gehorsam zu verlangen, entspricht nicht unserem Stil – es ist nicht der christliche Weg. Sicherlich darf es bei Glaubenssätzen keine Kompromisse geben, aber in der praktischen Seelsorge kann es durchaus ein gewisses Maß an Toleranz geben.“
Benedikt XVI. habe „mit Summorum Pontificum eine gute Lösung gefunden, indem er den alten Ritus voll und ganz anerkannt“ hatte, dies habe großen Frieden in die Kirche gebracht. Zum wiederholten Male erinnert der Kardinal daran, „dass die Kirche über verschiedene Riten verfügt, die auch unterschiedliche Formen annehmen. Man kann den Ritus in seiner überlieferten Form nicht einfach verbieten.“
Nach Traditionis Custodes habe „das autoritäre Vorgehen vieler Bischöfe, die nur an Verbote dachten“, sicher nicht geholfen, erläutert Müller, dies entspreche auch „nicht dem Stil eines guten Hirten. Ich glaube, hier ist etwas Selbstkritik angebracht. Die Behauptung, jeder, der den überlieferten Ritus bevorzugt, lehne das Zweite Vatikanische Konzil ab, ist falsch. Nach derselben Logik könnte man sagen, dass nicht jeder, der den Novus Ordo bevorzugt, das Konzil akzeptiert: Man denke nur an die Situation in Deutschland, wo sich manche Bischöfe zwar gern auf das Konzil berufen, dessen Lehre dann aber konsequent ablehnen.“
Spuntoni fragte, wie man jenen begegnen sollte, die der Ansicht sind, die sogenannte Lateinische Messe schade der Einheit? Kardinal Müller antwortete darauf: „Wie kann sie schaden, wenn doch die Heiligen und die Kirchenväter in dieser Form gefeiert haben? Und das Zweite Vatikanische Konzil hat niemals erklärt, die bis dahin gefeierte Form sei falsch gewesen! Vergleicht man die beiden Formen, so erkennt man auf einen Blick, dass es sich um denselben Ritus handelt, der sich nur in sehr geringen Nuancen unterscheidet.“
Der emeritierte Präfekt der Glaubenskongregation führte gegenüber „Il Giornale“ weiter aus: „Ich feiere die Liturgie in der neuen Form, hatte aber keinerlei Bedenken, Einladungen anzunehmen, für jene Gruppen und Vereinigungen zu feiern, die der Kirche voll und ganz treu sind. Vor einigen Jahren feierte ich die Abschlussmesse der traditionellen Wallfahrt nach Chartres vor 22.000 jungen Menschen. Wie könnten wir ihnen sagen, sie müssten zu Hause bleiben, wenn sie die Messe in der überlieferten Form bevorzugen?“
Dezidierte Nachhilfe bei Fehleinschätzungen gibt Müller auf Nachfrage: „Es gibt innerhalb der Kirche bereits Vereinigungen und Gruppen, die rechtmäßig die überlieferte Form feiern und das Konzil voll anerkennen – in Einheit mit dem Papst und dem Bischofskollegium. Tatsächlich würde ich sagen, dass die uneingeschränkte Zulassung dieser liturgischen Form und die Förderung der Akzeptanz des Konzils eine Lösung für jene bieten, die – nach dem Ungehorsam im Zusammenhang mit den Weihen der Priesterbruderschaft St. Pius X. – in die volle Einheit mit dem Papst zurückkehren möchten, der das bleibende Prinzip der Einheit und das Fundament der Kirche ist.“
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Lesermeinungen| | rosenstaedter vor 15 Minuten | | | | Ist das Lesen der Heiligen Messe in Latein verboten? Früher konnte ich oft die Jesuitenkirche in Luzern besuchen, bei Hochfesten wurde oft Latein verwendet!
Pater Roman Bannwarte leitete die "Schola" und Latein war dort Pflicht!
Auch im Kloster Einsiedeln wird die Liturgie an hohen Festtagen in Latein zelebriert! |  0
| | | | | Wilolf vor 27 Minuten | | | | @Hardenberg: Dass der nicht reformierte Ritus spaltet?? Damit behaupten Sie das genaue Gegenteil von Kardinal Müller.
Und damit setzen Sie die Alte Messe mit der Piusbruderschaft gleich. Genau so, wie die FSSPX das haben will „ohne FSSPX keine Alte Messe“. Aber: Ist das die Wahrheit? |  0
| | | | | Christine vor 45 Minuten | |  | Auszug aus dem Kirchenrecht Can. 838 — § 1.
Die Regelung der heiligen Liturgie steht allein der kirchlichen Autorität zu: sie liegt beim Apostolischen Stuhl und, nach Maßgabe des Rechts, beim Diözesanbischof.
Die Liturgie hat damit übrigens keinen dogmatischen Charakter.. |  0
| | | | | Christine vor 47 Minuten | |  | Auszug aus dem Kirchenrecht - Sakrament der Einheit Can. 837 — § 1.
Die liturgischen Handlungen sind nicht private Handlungen,
sondern Feiern der Kirche selbst, die das „Sakrament der Einheit" ist als das unter den Bischöfen geeinte und geordnete heilige Volk;
die liturgischen Handlungen gehen daher den ganzen Leib der Kirche an, stellen ihn dar und erfüllen ihn;
seine einzelnen Glieder aber berühren sie in unterschiedlicher Weise gemäß der Verschiedenheit der Weihen, der Aufgaben und der tatsächlichen Teilnahme. |  0
| | | | | Paddel vor 1 Stunden | |  | @Cosmas Ungeduld ist keine Tugend:)...
"nicht drum rum kommen".
Papst Leo ist gerade mal etwas über einem Jahr im Amt... Er lernt nachts Deutsch, weil er tagsüber nicht dazu kommt. Warum wohl lernt er Deutsch?
Zum einen weil er Papst Benedikt sehr schätzt und zum anderen, weil man die Sprache der Feinde kennen muss...
Alles zu seiner Zeit... |  0
| | | | | Antonius Bacci vor 1 Stunden | | | | Persönlichkeit von Papst Franziskus Man sollte nicht vergessen, dass Traditionis custodes auch de geistig-kulturelle Haltung von Papst Franziskus und seinem Umfeld widerspiegelt. Papst Franziskus war in vielem, gerade was die Liturgie angeht, von den Idealen der theologischen 68er geprägt. Er hatte keinen Bezug zu einer feierlichen Liturgie, auch nicht im Novus Ordo. Somit konnte er gar nicht verstehen, dass der Vetus Ordo junge Menschen anspricht. Der Bruch innerhalb der Liturgie ist in Südamerika besonders stark und dies alles hat zu seiner Entscheidung geführt. Es war auch mangelnder Sensus für eine Schönheit, die zu Gott führt. Dies hat man auch bei eigenen Zelebrationen sehr deutlich gemerkt, nicht nur in der Wahl seiner Paramente. Sein Hauptthema waren eher soziale Kategorien. |  0
| | | | | Cosmas vor 2 Stunden | | | | Das ist überfällig und wurde und wird von Papst Leo tragischerweise bis dato versäumt! Traditiones Custodes gehört wohl zu den Punkten, an die Kard. Camillo Ruini in seinem geistlichen Testament dachte. Er sprach nämlich davon, dass es ihm schwerfalle, "einige Ausrichtungen zu verstehen, die mir scheinen, Wunden wieder zu öffnen, die nach dem Konzil kaum vernarbt waren". Eine dieser Wunden war zweifellos die Frage der Alten Messe, die PF mit Trad. Custod. brutal wieder aufgerissen hat. Bis dato hat auch Papst Leo keinerlei Anzeichen erkennen lassen, diesbezüglich nach einem Wundverband zu greifen. Irgendwann wird er nicht mehr darum herumkommen, in dieser Frage Farbe zu bekennen. |  0
| | | | | Stefan Fleischer vor 2 Stunden | |  | Das wäre m.E. ein Entgegenkommen für die Freunde der "Tradition", welche uns einen grossen Schritt vorwärts bringen könnte, nicht nur in Richtung Wiedervereinigung mit der Piusbruderschaft, sondern andererseits auch auf dem Weg zur dringend nötigen Neuevangelisation. |  0
| | | | | Hardenberg vor 2 Stunden | | | | Nachdenklich Also in keiner der Diözesen, in denen ich lebte, waren lateinische Messen (Proprium und Ordinarium des Gesang, Gebete, Lesungen auf Latein) verboten. Wer den reformierten und den nicht reformierten Ritus kennt, wird kaum einen Unterschied bei den Texten feststellen. Der Unterschied ist doch der zwischen einer (weitgehend) still gelesenen und einer hörbar gefeierten Messe.
Das Zerwürfnis mit den Piusbrüdern zeigt doch, dass die Diagnose von Franziskus ärgerlicherweise richtig war: Dass der nicht reformierte Ritus spaltet. Und zwar nicht, weil er böse oder falsch wäre, sondern weil er insbesondere von den Piusbrüdern ideologisch aufgeladen wurde, was er bis 1970 nie war. Mir tut Benedikt XVI. leid - solche Großzügigkeit so bestraft. |  1
| | | | | Wilolf vor 2 Stunden | | | | Vergelt’s Gott, Eminenz. Und wenn ich ergänzen darf: Es gab nicht nur „viele Bischöfe, die nur an Verbote dachten“, sondern auch viele Bischöfe (durchaus nicht nur „konservative“), die den bewährten Messorten der Alten Messe keinerlei Steine in den Weg gelegt haben. Dafür möchte ich auch mal ein Dankeschön sagen. |  0
| | | | | Christine vor 2 Stunden | |  |
Kardinal Müller ist ein sehr weiser Mann! |  0
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