
Bistum Limburg: Franziskaner verlassen nach mehr als 150 Jahren Kloster Marienthalvor 2 Stunden in Deutschland, keine Lesermeinung Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden
Die Wallfahrt in Marienthal geht laut Überlieferung auf ein Ereignis im Jahr 1309 zurück. Diese soll aber fortgesetzt werden
Marienthal (kath.net/pm) Im August verlassen die sieben noch verbliebenen Franziskanerbrüder aus Altersgründen – alle sind um die 80 Jahre alt – das Kloster Marienthalt und beenden damit eine über 150-jährige Präsenz in dem Rheingauer Wallfahrtsort , die den Pilgernden, Wallfahrenden und Besuchenden bis zum Schluss Halt und Orientierung bot.
Seelsorge in ihrer reinsten Form leisteten die Franziskaner in Marienthal. Wer an der Klosterpforte klingelte, wurde eingelassen und eingeladen mit der Gemeinschaft zu leben. Von Menschen in Nöten, über Leute, die sich eine Weile zurückziehen wollten, bis hin zu Wandernden und Pilgernden wurden alle aufgenommen. Diese Gastfreundschaft habe ihn in Marienthal sehr geprägt, sagt Pater Paul.
Die Wallfahrt in Marienthal geht laut Überlieferung auf ein Ereignis im Jahr 1309 zurück, als der Jäger Hecker Henn bei einem Unfall sein Augenlicht verlor. Er ließ sich daraufhin in das Waldtal bringen, in dem an einem Baum ein Vesperbild befestigt war. Das Gnadenbild von Marienthal ist ein kleines Vesperbild. Es stellt Maria dar, wie sie nach der Kreuzabnahme ihren toten Sohn auf dem Schoße trägt. Nachdem der Jäger zur Gottesmutter gebetet hatte, konnte er wieder sehen. Inzwischen befindet sich das Vesperbild in der Wallfahrtskirche, wo es bis zum heutigen Tag verehrt wird. Zahlreiche Platten an der Kirchenwand, versehen mit Ort und Datum, bezeugen: „Maria hat geholfen! Maria wird weiter helfen!“
Am 1. Mai 1873 bezogen die ersten Franziskaner, auf Einladung von Bischof Peter Josef Blum, Marienthal. Mitten im Kulturkampf war es nicht leicht den Standort zu erhalten. Bereits im August 1875 mussten die Patres Marienthal wieder verlassen, nur Pater Guido Keller blieb vor Ort – offiziell als Verwalter, doch sein Auftrag war, die Wallfahrt zu erhalten. Eine Marmortafel mit seinem Namen erinnert im Park des Wallfahrtsgeländes an seinen segensreichen Einsatz. 1888 kehrten dann die Franziskaner nach Marienthal zurück.
Mit dem Abschied der Franziskaner endet ein prägendes Kapitel in Marienthal. Zugleich ist allen Beteiligten bewusst, welche religiöse, kulturelle und emotionale Bedeutung der Ort für viele Menschen in der Region und darüber hinaus hat. Deshalb richten sich die Gespräche nun darauf, die Wallfahrt und den Charakter Marienthals als Ort des Gebets, der Begegnung und der Hoffnung verlässlich in die Zukunft zu führen.
Das sieht auch Pater Paul so: „Marienthal soll ein Ort des Gebets, der Begegnung und der Gastfreundschaft bleiben. Ich wünsche mir, dass es weitergeht.“ Inzwischen hat sich ein Förderverein gegründet, der das Wallfahrtswesen unterstützen möchte. Auch das Bistum Limburg arbeitet an einer guten Zukunft für den Wallfahrtsort. „Die Wallfahrt wird fortgeführt“, sagt Susanne Gorges-Braunwarth, Fachbereichsleitung Seelsorge und Entwicklung. Zwei Vinzentiner, die in Eibingen wohnen werden, übernehmen ab dem ersten Advent die Seelsorge im Wallfahrtsort. Die Übergangszeit wird von der Pfarrei Heilig Kreuz Rheingau, von Pfarrer Michael Pauly und Pfarrer Marcus Fischer, moderiert.
Das Bistum blickt dabei auch dankbar auf die Bereitschaft von Schloss Johannisberg, als Eigentümer der Liegenschaften Verantwortung für Gebäude und Gelände übernehmen zu wollen. Schloss Johannisberg steht hierzu im positiven Austausch mit der Pfarrei Heilig Kreuz Rheingau und dem Bistum Limburg und möchte so „zum Erhalt des traditionsreichen und kulturell bedeutsamen Ortes beitragen.“

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