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Als Mutter Teresa im Wiener Stephansdom zu Gebet und Lebensschutz aufrief

vor 4 Tagen in Prolife, keine Lesermeinung
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Eine der markantesten Reden der vor zehn Jahren Heiliggesprochenen war im Rahmen eines Internationalen Familienkongresses 1988 in Wien


Wien (kath.net/KAP) "Eine Familie, die zusammen betet, bleibt vereint": Einmal hat Mutter Teresa (1910-1997) im Zuge ihres damals bereits sechsten Österreich-Besuchs auch im Wiener Stephansdom gesprochen und dabei flammende Appelle an ihre Zuhörer gerichtet. Schauplatz an jenem 23. Oktober 1988 war der damals gerade in Wien tagende internationale Familienkongresses, zu dem rund 3.000 Personen aus dem In- und Ausland gekommen waren. Die in Kalkutta wirkende Ordensfrau und Friedensnobelpreisträgerin, deren Heiligsprechung sich am 4. September zum zehnten Mal jährt, hatte damals den Ehrenschutz der Veranstaltung übernommen und sprach über Familie, Gebet, Nächstenliebe und Abtreibung.

Ausgangspunkt ihrer Ansprache war die Begegnung Marias mit Elisabeth. Das ungeborene Kind im Schoß Elisabeths sei "vor Freude gehüpft". Daraus leitete Mutter Teresa die Bedeutung des ungeborenen Lebens ab: "Wie eigenartig, dass der Herr ein ungeborenes Kind dazu verwendet hat, das Kommen Jesu zu verkünden." Zugleich sagte sie: "Wir wissen, was für furchtbare Sachen heute den ungeborenen Kindern zustoßen. Wie eine Mutter ihr eigenes Kind tötet, und wie Abtreibung heute zum größten Feind und Zerstörer von Liebe und Friede geworden ist."

Die Antwort darauf sah die Ordensfrau nicht allein in politischen Maßnahmen, sondern zunächst in der Familie. "Jesus hat uns die Frohe Botschaft gebracht, dass Gott Liebe ist", sagte sie. Diese Liebe beginne "in unserer eigenen Familie". Daher sei es wichtig, Kinder beten zu lehren und gemeinsam mit ihnen zu beten: Eine Familie, die zusammen bete, bleibe vereint, so die Heilige in einem Satz, der als einer ihrer geflügelten Worte galt ("A family that prays together, stays together").


Für Frieden beten und dienen

Konkret rief Mutter Teresa die Familien auf, den Rosenkranz gemeinsam zu beten und ihre Familien dem Herzen Jesu zu weihen. Auch die eucharistische Anbetung stellte sie in den Mittelpunkt. "Wenn wir zum Kreuz aufblicken, sehen wir, wie sehr uns Jesus geliebt hat. Aber wenn wir den Tabernakel anschauen, sehen wir, wie sehr er uns jetzt liebt." Die Familien sollten deshalb ihre Pfarrer bitten, ihnen "die Freude der Anbetung" zu ermöglichen. Dabei verwies sie auf die Praxis ihrer eigenen Gemeinschaft, der Missionarinnen der Nächstenliebe. Seit 1963 werde dort täglich angebetet. Das habe, so Mutter Teresa, die Liebe zu Jesus vertieft, die Liebe untereinander verständnisvoller und die Liebe zu den Armen mitfühlender gemacht. Auch die Zahl der Berufungen habe sich verdoppelt.

Gebet, Glaube, Liebe, Dienst und Frieden bildeten für sie eine zusammenhängende Kette, so die Ordensfrau in einem ebenfalls zum bekannten Zitat gewordenen Satz: "Die Frucht des Gebets ist ein Vertiefen des Glaubens. Die Frucht des Glaubens ist Liebe, die Frucht der Liebe ist Dienst, und die Frucht des Dienstes ist Frieden." Die Welt habe Frieden "nie so sehr bedurft wie heute". Als Vorbild nannte sie die Heilige Familie: Es sei deshalb "sehr wichtig, dass wir aus unseren Familien ein zweites Nazareth machen". Das gemeinsame Gebet könne auch dazu führen, dass ein Sohn Priester oder eine Tochter Ordensfrau werde.

Plädoyer für Adoption

Ihre Kritik an Abtreibung, die sie wohl am schärfsten bereits in ihrer Nobelpreisrede 1979 formuliert hatte, verband Mutter Teresa mit dem Plädoyer für Adoption. "Wir bekämpfen die Abtreibung durch Adoption", erklärte sie. Kinder, die andernfalls abgetrieben worden wären, könnten Freude in jene Familien bringen, die sie aufnähmen. "Wenn unsere Eltern uns abgetrieben hätten, keiner von uns wäre hier", sagte sie und dankte den eigenen Eltern dafür, "dass sie uns geliebt haben und uns die Freude des Lebens geschenkt haben".

Mutter Teresa verwies zugleich auf Jesu Auftrag zur Nächstenliebe: "Was immer ihr dem Geringsten eurer Brüder getan habt, das habt ihr mir getan." Wer ein Kind in seinem Namen aufnehme, nehme Christus auf. Deshalb sei für sie auch die Abtreibung eine Zurückweisung Christi: "Wie klar ist es, dass wir durch die Abtreibung, dieses Nicht-Aufnehmen des Kindes, Christus selbst zurückweisen."

In den Armen Jesus dienen

Ihre Rede weitete sie schließlich auf die Armen und Ausgegrenzten aus. Hunger bedeute nicht nur Hunger nach Brot, sondern auch "Hunger nach einem Wort Gottes, nach Liebe". Obdachlosigkeit sei nicht nur das Fehlen eines Daches, sondern könne auch bedeuten, aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu sein. "Wir alle wollen in den Himmel kommen, deshalb wollen wir einander lieben mit dieser zärtlichen Liebe, die Jesus uns gebracht hat." Mutter Teresa schloss mit: "Auch heute noch dürstet Jesus - er dürstet nach Liebe." Ihre eigene Gemeinschaft wolle "den Durst Jesu am Kreuz stillen", indem sie den Ärmsten der Armen diene. 

Der Stephansdom war nicht der einzige Ort, an dem Mutter Teresa während ihrer zahlreichen Österreich-Aufenthalte öffentlich auftrat. Sie besuchte unter anderem Jennersdorf, Feldkirch, Heiligenkreuz, Marienfeld und Traiskirchen. In Wien war sie bereits 1985 erstmals nach der Einladung von Kardinal Franz König zur Gründung einer Niederlassung der Missionarinnen der Nächstenliebe gewesen. Bei ihrem letzten Wien-Besuch 1990 besichtigte sie persönlich die Räume des späteren Ordenshauses am Mariahilfer Gürtel.

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