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„Trägt der synodale Prozess dazu bei, die Seelen Christus und dem ewigen Heil näherzubringen?“

vor 2 Stunden in Kommentar, 3 Lesermeinungen
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Niederländischer Weihbischof Rob Mutsaerts schreibt Offenem Brief an Papst Leo XIV. zum Thema „Synode über die Synodalität“ – Der Brief in voller Länge in kath.net-Übersetzung!


’s-Hertogenbosch (kath.net/Blog Paarse Peppers/pl) „Erlauben Sie mir die unbequeme Frage: Was hat all das tatsächlich gebracht? Nicht: Wie viele Treffen wurden organisiert? Nicht: Wie viele Berichte wurden verfasst? Nicht: Wie viele Menschen haben teilgenommen? Sondern: Ist der Glaube stärker geworden? Wurde Christus klarer verkündet? Hat sich die katholische Identität vertieft? Haben sich mehr Menschen bekehrt? Ist die Sonntagsmesse besser besucht? Gibt es mehr Priesterberufungen? Ist die Katechese wirkungsvoller geworden? Ist eine größere Ehrfurcht vor der Eucharistie entstanden? Ist die Morallehre der Kirche klarer geworden? Hat der missionarische Mut zugenommen?“ Das fragt Weihbischof Rob Mutsaerts in seinem Offenen Brief an Papst Leo XIV. in Reflexion über die Früchte der vatikanischen „Synode über die Synodalität“.

kath.net dokumentiert den offenen Brief  von Rob Mutsaerts, Weihbischof der Diözese ’s-Hertogenbosch (Niederlande), an Seine Heiligkeit Papst Leo XIV. wegen seiner Wichtigkeit in voller Länge in eigener Übersetzung:

Heiliger Vater,

in Ehrfurcht vor dem Amt, das Ihnen als Nachfolger des heiligen Petrus anvertraut wurde, und in Gemeinschaft mit der Kirche, die Christus auf den Aposteln gegründet hat, wende ich mich mit diesem offenen Brief an Sie. Ich tue dies nicht leichtfertig. Was mich dazu bewegt, diese Worte öffentlich zu sprechen, ist ein Anliegen, das letztlich alle anderen kirchlichen Belange übersteigt: das Seelenheil. Salus animarum suprema lex – das Seelenheil ist das höchste Gesetz. Meine Frage ist einfach und ernst: Trägt der synodale Prozess tatsächlich dazu bei, die Seelen Christus und dem ewigen Heil näherzubringen? Das ist für mich die entscheidende Frage.

Heiliger Vater, ich bin mir der Verantwortung des Petrusamtes vollkommen bewusst, von der jemand außerhalb dieses Amtes nur eine vage Ahnung haben kann. Genau aus diesem Grund schreibe ich diese Worte nicht aus Mangel an Ehrfurcht vor dem Papstamt, sondern aus Liebe zu ebendiesem. Schließlich empfing Petrus von Christus nicht nur den Auftrag, die Brüder zu einen, sondern auch, sie im Glauben zu stärken: „Und du, wenn du dich einmal bekehrt hast, stärke deine Brüder.“ Letztlich gewinnt die Welt wenig von einer Kirche, die lediglich wiederholt, was die Welt selbst bereits denkt. Sie braucht eine Kirche, die sie mit Liebe, aber ohne Furcht, auf Christus hinweist.

Meine Bedenken hinsichtlich der Synode über die Synodalität müssen in diesem Licht verstanden werden. Und vor allem frage ich mich, was all dies für den einfachen Gläubigen bedeutet, der von seiner Kirche keinen permanenten Prozess erwartet, sondern Klarheit über den Weg zu Gott.

Dieser Brief ist daher keine Anklage gegen Einzelpersonen. Auch möchte ich die guten Absichten der vielen, die sich aufrichtig dem synodalen Prozess gewidmet haben, nicht leugnen. Gute Absichten verdienen Anerkennung. Doch gute Absichten entbinden uns nicht von der Pflicht, die Früchte zu prüfen. Christus selbst hat uns dafür ein einfaches Kriterium gegeben: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ Deshalb glaube ich, dass nach Jahren synodaler Beratungen, Treffen, Berichte und Dokumente die Zeit gekommen ist, offen nach diesen Früchten zu fragen. Nicht aus Zynismus, sondern aus Liebe zur Kirche. Nicht aus Nostalgie für eine idealisierte Vergangenheit, sondern aus Sorge um ihre Zukunft. Und nicht, um einen kirchenpolitischen Kampf zu führen, sondern weil hinter allen Diskussionen eine unendlich viel wichtigere Wirklichkeit steht: das ewige Heil der Seelen, die Christus seiner Kirche anvertraut hat. Aus dieser Sorge heraus, Heiliger Vater, präsentiere ich Ihnen die folgende Betrachtung.

Die Synode über die Synodalität

Wer die Synode über die Synodalität allein nach ihren Zielen beurteilt, kann leicht eine positive Geschichte schreiben. Es wurde zugehört. Es wurde gesprochen. Tausende von Menschen wurden befragt. Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien kamen zusammen. Es wurde über Gemeinschaft, Teilhabe und Mission gesprochen. Es entstand sogar ein neues kirchliches Vokabular: Synodalität, Zuhören, Unterscheidung, Teilhabe, Gespräch im Heiligen Geist, Prozesse in Gang setzen. Man kann dieselbe Geschichte aber auch aus einer ganz anderen Perspektive betrachten. Erlauben Sie mir die unbequeme Frage: Was hat all das tatsächlich gebracht? Nicht: Wie viele Treffen wurden organisiert? Nicht: Wie viele Berichte wurden verfasst? Nicht: Wie viele Menschen haben teilgenommen? Sondern: Ist der Glaube stärker geworden? Wurde Christus klarer verkündet? Hat sich die katholische Identität vertieft? Haben sich mehr Menschen bekehrt? Ist die Sonntagsmesse besser besucht? Gibt es mehr Priesterberufungen? Ist die Katechese wirkungsvoller geworden? Ist eine größere Ehrfurcht vor der Eucharistie entstanden? Ist die Morallehre der Kirche klarer geworden? Hat der missionarische Mut zugenommen?

Wenn man solche Fragen stellt, kann man die Synode unmöglich als Erfolg betrachten. Gleichzeitig gibt es noch etwas anderes zu bedenken: Das synodale Unterfangen ist noch nicht wirklich abgeschlossen. Die offizielle Umsetzungsphase läuft weiter und muss über diözesane, nationale und kontinentale Treffen schließlich in einer kirchlichen Versammlung in Rom im Oktober 2028 gipfeln. Im Mai 2026 veröffentlichte der Vatikan erneut einen umfassenden Fahrplan hierfür. Das macht die Kritik umso berechtigter. Was einst als Synode für 2021–2024 geplant war, droht, zu einer permanenten Form der Kirchenleitung zu werden.

Eine Synode über eine Synode

Der erste bemerkenswerte Aspekt liegt bereits im Namen: Synode über Synodalität. Traditionell wurde eine Synode einberufen, weil die Kirche über ein bestimmtes Thema sprechen musste – etwa über Evangelisierung, Ehe und Familie, das Priestertum, die Eucharistie, die Heilige Schrift, eine Häresie, eine pastorale Krise oder ein konkretes Problem. Bei der Synode über Synodalität wird der Prozess selbst zum Gegenstand gemacht. Man könnte dies mit einer Besprechung vergleichen, die endlos tagt, um zu erörtern, wie man künftig Besprechungen abhalten soll.

Die Kirche kennt Konzilien und Synoden seit der Antike. Die Apostel versammelten sich in Jerusalem. Bischöfe berieten miteinander. Päpste konsultierten Bischöfe. Die großen ökumenischen Konzilien sind ohne gemeinsames kirchliches Beraten und Entscheiden undenkbar. Doch das unterscheidet sich von der Synodalität als dauerhaftem kirchlichen Paradigma. Die klassische Synode war ein Mittel zum Zweck. Im heutigen synodalen Diskurs droht die Synodalität zum Selbstzweck zu werden. Und genau hier beginnt aus klassisch katholischer Sicht das Problem.

Die Kirche ist kein Gespräch, sondern eine empfangene Wirklichkeit

Denn die Kirche beginnt nicht mit unserem Dialog. Sie beginnt mit Christus. Das klingt selbstverständlich, hat aber weitreichende Konsequenzen. Christus hat keine Diskussionsgruppe gegründet. Er hat Apostel berufen. Er hat ihnen Vollmacht verliehen. Er hat sie ausgesandt, um zu verkünden, zu taufen und zu lehren: „Geht also hin und macht alle Völker zu Jüngern.“ Die Richtung ist hierbei grundlegend. Glaube entsteht nicht dadurch, dass die Kirche zunächst eine Bestandsaufnahme dessen macht, was die Menschen glauben, und dann aus all diesen Erfahrungen eine gemeinsame Überzeugung destilliert. Der Glaube wird empfangen. Paulus verwendet hierfür beständig Begriffe wie empfangen, überliefern und bewahren. Die Kirche besitzt die Offenbarung nicht, weil sie sie sich ausgedacht hat, sondern weil sie sie empfangen hat. Das bedeutet, dass das Christentum seinem Wesen nach nicht demokratisch sein kann. Nicht weil Demokratie als Regierungsform schlecht wäre, sondern weil Wahrheit nicht durch Mehrheitsbeschluss entsteht. Wenn morgen 90 Prozent der Katholiken nicht mehr an die Realpräsenz Christi in der Eucharistie glauben würden, wäre Christus deshalb nicht weniger wahrhaftig gegenwärtig. Wenn 80 Prozent eine bestimmte Morallehre ablehnen, wird diese Lehre nicht automatisch unwahr. Wahrheit wird nicht durch Konsens erzeugt. Dies bildet das erste große Spannungsfeld rund um das synodale Projekt.


Zuhören: wem? Ein Schlüsselwort während des gesamten Prozesses war das Zuhören (als hätten wir das noch nie zuvor getan). Dagegen ist an sich nichts einzuwenden. Ein Bischof muss zuhören. Ein Priester muss zuhören. Christen müssen einander zuhören. Ein Hirte, der nie auf seine Herde hört, ist kein guter Hirte. Doch sogleich stellt sich die Frage: Auf wen muss die Kirche vor allem hören? Die traditionelle Antwort lautet: auf Christus, auf die Heilige Schrift, auf die apostolische Tradition, auf die Heiligen, auf das Zeugnis von zwanzig Jahrhunderten Christentum, auf das Lehramt. Und natürlich auch auf die Gläubigen.

In manchen synodalen Texten scheint sich diese Rangfolge jedoch leicht umzukehren. Man beginnt bei den Erfahrungen, Wünschen, Frustrationen und Erwartungen der Menschen von heute und fragt dann, wie die Kirche darauf reagieren soll. Das mag pastoral ansprechend wirken, birgt aber eine Gefahr in sich. Denn was geschieht, wenn die Wünsche des modernen Menschen mit dem Evangelium kollidieren? Dann ist es nicht das Evangelium, das sich ändern muss; dann muss sich der Mensch ändern. Im Christentum nennt man das Umkehr. Und genau dieses Wort hört man in vielen modernen kirchlichen Diskussionen erstaunlich selten.

Der große Abwesende: die Umkehr

Hier liegt die tiefste Schwäche des gesamten Projekts. Die Kirche existiert nicht in erster Linie, um die Menschen in dem zu bestärken, was sie bereits sind. Sie existiert, um sie zu Christus zu führen. Die ersten Worte der öffentlichen Verkündigung Jesu lauten nicht: „Sagt mir erst einmal, was ihr von den aktuellen kirchlichen Strukturen haltet.“ Sondern: „Kehrt um und glaubt an die Frohe Botschaft.“ Das ist weitaus weniger bürokratisch. Und weitaus radikaler.

Die Kirche der Märtyrer veränderte die römische Welt nicht dadurch, dass sie Gesprächsrunden darüber organisierte, wie die Römer die christliche Gemeinschaft als inklusiver empfinden könnten. Sie verkündete Christus. Petrus verkündete Christus. Paulus verkündete Christus. Franziskus verkündete Christus. Dominikus verkündete Christus. Franz Xaver verkündete Christus. Johannes Maria Vianney verkündete Christus. Mutter Teresa verkündete Christus. Johannes Paul II. verkündete Christus. Zweifellos hörten sie den Menschen zu. Doch das Zuhören war niemals das Endziel. Das Endziel war die Umkehr zu Christus.

Der Elefant im Synodalsaal

Darüber hinaus besteht eine auffällige Diskrepanz zwischen den im Synodalprozess ausführlich erörterten Problemen und der tatsächlichen Krise, in der sich insbesondere die westliche Kirche befindet. Die grundlegenden Probleme der Kirche in den Niederlanden, Belgien, vor allem in Deutschland, aber auch in weiten Teilen Westeuropas sind unschwer zu erkennen. Kirchen leeren sich. Pfarreien werden zusammengelegt. Klöster verschwinden. Ordensleute überaltern. Das Wissen um den katholischen Glauben nimmt ab. Die Beichte ist für viele Katholiken praktisch verschwunden. Die Zahl der Priesterberufungen bleibt vielerorts niedrig. Viele Getaufte glauben kaum noch an die wesentlichen Glaubenswahrheiten. In großen Teilen der katholischen Gemeinschaft ist das sakramentale Leben stark geschwächt. Angesichts dieser Entwicklung würde man von einer weltweiten kirchlichen Tätigkeit erwarten, dass sie sich vor allem mit einer Frage auseinandersetzt: Wie können wir die Welt für Christus zurückgewinnen?

Doch die Aufmerksamkeit richtet sich vor allem auf Strukturen, Partizipation, Entscheidungsprozesse, die Verantwortung von Frauen, Inklusion, Machtverhältnisse und die Funktionsweise kirchlicher Gremien. Das sind durchaus berechtigte Themen. Doch ein brennendes Haus hat andere Prioritäten als Angelegenheiten häuslicher Natur.

Ein Parkinsonsches Gesetz der Kirche

Institutionen, die ihren ursprünglichen Zweck aus den Augen verlieren, beginnen oft, immer intensiver über ihre eigene Organisation zu sprechen. Unternehmen reden dann endlos über Prozesse. Universitäten über Governance. Regierungen über Partizipationsmodelle. Und kirchliche Organisationen über Strukturen. Je weniger Evangelisierung, desto mehr Komitees zur Evangelisierung. Je weniger Berufungen, desto mehr Dokumente über Berufungen. Je weniger Menschen in die Kirche kommen, desto länger werden die Treffen über das Wesen der Kirche. Das klingt zynisch, doch dahinter steckt ein ernster Gedanke: Bürokratie kann den Anschein von Aktivität erwecken, während die Realität das Gegenteil zeigt. Man navigiert ohne Kompass. Die Erwartungen, die nicht erfüllt werden können.

Der synodale Prozess hat die Erwartungen geweckt. Dies geschah vor allem deshalb, weil in den verschiedenen Konsultationsphasen Themen angesprochen wurden, die Bereiche berührten, zu denen die Kirche bereits eine klare Lehre besitzt: der Diakonat der Frau, das Priestertum, Sexualmoral, homosexuelle Beziehungen, das Verhältnis zwischen Laien und Klerus, kirchliche Autorität, Dezentralisierung und die Stellung der Frau. Werden solche Themen jahrelang „diskutiert“, entsteht naturgemäß der Eindruck, dass sie sich letztendlich auch ändern ließen. Schließlich würde man sonst nicht endlos darüber sprechen.

Dies führt zu einem pastoralen Paradoxon. Die Menschen werden gebeten, ihre Erwartungen zu äußern. Anschließend erweisen sich einige Erwartungen als unerfüllbar, ohne die Kontinuität mit der katholischen Lehre zu gefährden. Was geschieht dann? Weitverbreitete Enttäuschung. Die Kirche hat somit selbst Erwartungen geweckt, die sie letztlich nicht erfüllen kann. Das ist kein pastoraler Gewinn, sondern ein Rezept für Frustration.

Die Protestantisierung des katholischen Kirchenbegriffs

Darüber hinaus zeigt sich hier aus traditionalistischer Sicht eine historische Ironie. Einige Elemente der modernen Synodalkultur weisen tatsächlich Ähnlichkeiten mit Entwicklungen auf, die in protestantischen Kirchen seit Jahrzehnten zu beobachten sind: mehr Betonung der Partizipation, mehr administrativer Einfluss, mehr konsultative Strukturen, mehr Gewicht für die Ortsgemeinden, mehr Fokus auf individuelle Erfahrungen, mehr Diskussionen über den Wandel gesellschaftlicher Ansichten und weniger Selbstverständlichkeit hierarchischer Autorität. An sich muss das nicht falsch sein. Doch die historische Frage drängt sich auf: Hat dieses Modell zu einer spektakulären christlichen Erweckung in der protestantischen Welt geführt? In weiten Teilen Westeuropas lautet die Antwort eindeutig: nein. Warum also sollte die katholische Kirche gerade jene administrativen und pastoralen Muster von Konfessionen übernehmen, die oft dieselbe Säkularisierung sogar noch früher und gravierender durchlaufen haben? Ein Patient wird selten gesund, indem er die Medizin des Patienten im Bett neben ihm nimmt, dem es noch schlechter geht.

Die vergessene Alternative: das Streben nach Heiligkeit

Die großen katholischen Reformen begannen fast nie mit Strukturen. Sie begannen mit Heiligen. Auf Zeiten der Verderbnis folgten Reformer: Benedikt, Bernhard, Franziskus, Dominikus, Katharina von Siena, Ignatius von Loyola, Teresa von Ávila, Karl Borromäus, Franz von Sales, Johannes Bosco, Thérèse von Lisieux, Maximilian Kolbe, Johannes Paul II. Ihr Programm war überraschend einfach: heilig werden.

Denn ein Heiliger besitzt eine missionarische Kraft, mit der kein Strategiepapier konkurrieren kann. Eine Pfarrei mit einem heiligen Pfarrer hat eine bessere Zukunft als eine Diözese mit zwanzig Arbeitsgruppen zur Synodalität und hochbezahlten Managern. Ein Kloster mit zehn eifrigen Ordensleuten evangelisiert mehr als hundert Seiten kirchlichen Jargons. Ein Priester, der am Altar sichtbar glaubt, vor Gott zu stehen, kann mehr Menschen zum Glauben führen als eine Konferenz über partizipative Liturgie.

Hierin liegt vielleicht die Alternative, die von der Synode zu wenig betont wurde: nicht weniger Zuhören, sondern mehr Heiligkeit. Nicht weniger Teilhabe, sondern mehr Umkehr. Nicht weniger Dialog, sondern mehr Verkündigung. 

Die Liturgie als Lackmustest

Aus klassischer Sicht fällt zudem auf, dass die Krise der Liturgie vergleichsweise wenig zentrale Aufmerksamkeit erhielt. Denn wer den Zustand einer Kirche wirklich verstehen will, muss auf ihren Gottesdienst blicken. „Lex orandi, lex credendi“ – wie man betet, darin kommt der Glaube zum Ausdruck.

Wenn Katholiken kaum noch verstehen, dass die Messe das sakramentale, gegenwärtige Opfer Christi ist; wenn das Gespür für das Heilige schwindet, die Stille verschwindet, die Beichtstühle leer bleiben und die eucharistische Anbetung an den Rand gedrängt wird – dann hat die Kirche kein Problem der Leitungsstruktur. Dann hat sie ein Glaubensproblem. Eine neue Struktur der Teilhabe kann das nicht lösen. Auch keine neue Versammlung. Eine Wiederentdeckung Gottes hingegen vielleicht schon.

Das Paradoxon der Teilhabe

Das synodale Projekt betont die Teilhabe. Doch hier zeigt sich ein seltsames Paradoxon. Die Menschen, die sich intensiv an kirchlichen Beratungsprozessen beteiligen, sind nicht unbedingt repräsentativ für die gesamte Kirche. Der stille Katholik, der jeden Morgen zur Messe geht, den Rosenkranz betet und seinen Enkeln Katechismusunterricht erteilt, verfasst in der Regel keinen Synodenbericht. Der junge Katholik, der drei Stunden Fahrt auf sich nimmt, um eine traditionelle Liturgie zu besuchen, sitzt meist nicht in der diözesanen Arbeitsgruppe. Eine sechsfache Mutter, die versucht, ihre Familie katholisch zu erziehen, hat womöglich kaum Zeit für „Gesprächsrunden“ (Listening Sessions). Eine kontemplative Ordensschwester füllt keinen Fragebogen aus. Doch ihr Glaube mag tiefer verwurzelt sein als jener der professionellen Teilnehmer an kirchlichen Versammlungen. Wer nur auf jene hört, die ans Mikrofon treten, vergisst leicht, dass das Volk Gottes weit größer ist als der Kreis um den Beratungstisch.

Synodalität oder Kollegialität?

Vielleicht würde sich ein Teil der Verwirrung auflösen, wenn man wieder präziser spräche. Die katholische Tradition kennt ein klares Konzept: die Kollegialität. Die Bischöfe bilden gemeinsam mit und unter Petrus das Bischofskollegium. Daneben gibt es Priesterräte, Pastoralräte, Synoden, Kapitel, Ordensgemeinschaften und unzählige weitere Formen der Beratung. Warum bedurfte es hierfür einer neuen, alles umfassenden Kategorie: der Synodalität?

Gerade weil der Begriff so weit gefasst ist – eine Definition ist kaum möglich –, kann jeder etwas anderes darunter verstehen. Für den einen bedeutet er Zuhören. Für den anderen Dezentralisierung. Für einen Dritten Demokratisierung. Für einen Vierten pastorale Erneuerung. Für einen Fünften eine Reform des kirchlichen Amtes. Für einen Sechsten eine andere Sexualmoral. Ein Begriff, der alles bedeuten kann, bedeutet letztlich nichts. Deshalb ist die Frage nach der Verhältnismäßigkeit berechtigt. Wie viel Energie soll hierfür noch aufgewendet werden? Wie viele Sitzungen? Wie viele Synodalteams? Wie viele Berichte? Wie viele Auswertungen von Auswertungen? Und vor allem: Was würde geschehen, wenn man dieselbe Menge an Zeit, Geld, geistiger Energie und bischöflicher Aufmerksamkeit in Katechese, Priesterseminare, katholisches Bildungswesen, Liturgie, Beichte, eucharistische Anbetung, Ehepastoral und direkte Evangelisierung investieren würde? Das ist, so scheint mir, eine rhetorische Frage.

Das tiefste Problem: die Ekklesiologie

Im Grunde geht es in der Diskussion also nicht wirklich um das Zusammenkommen. Es geht um die Frage: Was ist die Kirche? Ist sie vor allem eine Gemeinschaft, die gemeinsam danach sucht, was sie werden soll? Oder ist sie primär eine göttliche Wirklichkeit, die bereits empfangen hat, was sie sein soll? Die katholische Antwort kann nur Letzteres lauten. Die Kirche muss sich zwar ständig bekehren, doch sie ist auf den Aposteln aufgebaut. Sie bewahrt einen Glauben, den sie nicht selbst erfunden hat. Daher muss jede Synodalität letztlich durch etwas begrenzt sein, das nicht Gegenstand synodaler Diskussionen sein kann: die von Christus offenbarte Wahrheit.

Die Welt wartet nicht auf eine synodale Kirche

Und hier liegt vielleicht die größte Tragödie. Die moderne Welt steckt in einer außergewöhnlichen geistlichen Krise. Die Menschen suchen nach Sinn. Junge Menschen suchen nach Identität. Die Einsamkeit nimmt zu. Familien zerbrechen. Die Technologie dringt immer tiefer in die menschliche Existenz ein. Pornografie verzerrt die Sexualität. Materialismus macht nicht glücklich. Der Klimawandel wird für viele zu einer Ersatzreligion. Die Menschen fürchten den Tod, wissen aber kaum noch, wofür sie leben. Und inmitten dieser Welt besitzt die Kirche etwas Außergewöhnliches. Sie besitzt das Evangelium. Die Sakramente. Die Eucharistie. Die Beichte. Zweitausend Jahre Weisheit. Die Heilige Schrift. Die Kirchenväter. Thomas von Aquin. Augustinus. Die Mystiker. Die Heiligen. Eine unvergleichliche Tradition von Kunst, Musik, Philosophie, Moral und Spiritualität. Und vor allem: Jesus Christus.

Die Welt wartet nicht auf noch eine weitere Organisation, die ihr zuhört. Davon gibt es schon genug. Die Welt wartet auf jemanden, der ihr sagt, wozu sie erschaffen wurde.

Von Emmaus nach Jerusalem

Vielleicht bietet das Evangelium von den Emmausjüngern letztlich das beste Modell für eine authentische katholische Synodalität. Christus geht mit den Jüngern. Er hört tatsächlich zu. Er fragt, was sie bewegt. Er lässt sie zu Wort kommen. Ihrer Enttäuschung wird Raum gegeben. Bis zu diesem Punkt könnte jedes Handbuch zur Synodalität begeistert zustimmen. Doch dann kommt der entscheidende Moment. Christus bestätigt ihre Deutung nicht. Er korrigiert sie. Er erschließt ihnen die Schrift. Er lehrt sie, die Ereignisse zu verstehen. Und schließlich erkennen sie Ihn am Brechen des Brotes. Das ist katholische Synodalität in ihrer reinsten Form. Und danach bleiben die Jünger nicht endlos in Emmaus versammelt, um ihre Wandererfahrung auszuwerten. Sie stehen auf. Sie kehren nach Jerusalem zurück. Sie gehen hinaus, um zu verkünden. Der synodale Prozess ist in Emmaus steckengeblieben, und die Frage ist, ob man dort überhaupt noch herausfindet. Wir sind so sehr damit beschäftigt zu diskutieren, wie die Kirche gemeinsam unterwegs sein soll, dass wir manchmal vergessen, wohin sie eigentlich unterwegs ist.

Letztlich braucht die katholische Kirche keine dauerhafte Synode über sich selbst. Sie braucht Heilige. Bischöfe, die lehren. Priester, die beten. Ordensleute, die radikal für Gott leben. Eltern, die den Glauben weitergeben. Junge Menschen, die entdecken, dass die Wahrheit mehr ist als eine bloße Meinung. Eine Liturgie, in der Gott wahrhaft im Mittelpunkt steht. Beichtstühle, in denen Sünder Vergebung finden. Priesterseminare, in denen Männer geformt werden, die bereit sind, ihr Leben Christus zu schenken. Katholiken, die nicht ständig fragen, wie sich die Kirche an die Welt anpassen soll, sondern die den Mut haben, die Welt einzuladen, sich von Christus verwandeln zu lassen. Denn letztlich hat Christus seine Kirche nicht mit den Worten in die Welt gesandt: „Geht hinaus und organisiert überall synodale Prozesse.“ Er sagte: „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung.“ Damit nahm die Kirche ihren Anfang. Und wann immer sie wahrhaft erneuert wurde, begann sie dort von Neuem.

Heiliger Vater,

gestatten Sie mir, diesen Brief mit demselben Gedanken zu beschließen, mit dem ich ihn begonnen habe: dem Heil der Seelen. Ich hoffe und bete, dass unter Ihrem Pontifikat wieder mit großer Klarheit sichtbar wird, dass die Kirche nicht dazu berufen ist, endlos über sich selbst zu diskutieren, sondern Christus zu verkünden; nicht den Zeitgeist widerzuspiegeln, sondern die Welt zum ewigen Leben zu führen.

Gerade vom Nachfolger Petri dürfen die Gläubigen erwarten, dass er inmitten der Verwirrung unserer Zeit die Brüder im Glauben stärkt. Dass er uns daran erinnert, dass die von der Kirche verkündete Wahrheit kein Besitz ist, über den wir nach Belieben verfügen können, sondern ein kostbarer Schatz, den wir empfangen haben und unversehrt weitergeben müssen. Möge er jenen Mut zusprechen, die ihre Berufung treu erfüllen: den Priestern, den Ordensleuten, die ihr Leben Gott geweiht haben, den Eltern, die versuchen, ihre Kinder gegen den Strom katholisch zu erziehen, und den jungen Menschen, die sich gerade in einer Zeit des Relativismus nach Wahrheit, Heiligkeit, Schönheit und dem radikalen Abenteuer eines Lebens mit Christus sehnen.

Meine Bitte an Sie ist daher einfach: Schenken Sie uns Klarheit. Wenn die Welt voller Ungewissheit spricht, lassen Sie Petrus klar sprechen. Wenn die Kirche der internen Diskussionen müde wird, weisen Sie uns den Weg zurück zu Christus. Wenn wir uns in Prozessen und Strukturen verlieren, erinnern Sie uns an unsere Sendung. Wenn wir davor zurückschrecken, das Evangelium in seiner Fülle zu verkünden, weil es den modernen Menschen vor den Kopf stoßen könnte, erinnern Sie uns an die Worte des Petrus selbst: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Deine Worte sind Worte des ewigen Lebens.“

Heiliger Vater, ich schreibe dies in aufrichtiger Ehrfurcht vor Ihrem Amt und aus Liebe zur Kirche. Meine Kritik am synodalen Prozess entspringt nicht dem Wunsch, Zwietracht zu säen, sondern der Sorge, dass wir kostbare Zeit verlieren, während so viele Menschen Christus nicht mehr kennen. Die Ernte ist groß. Die Arbeiter sind wenige. Die Kirchen des Westens leeren sich, während gleichzeitig neue Generationen auf der Suche nach Wahrheit und Transzendenz zu sein scheinen. Gerade jetzt brauchen wir keine zögerliche Kirche, sondern eine missionarische Kirche, die um ihren Schatz weiß und keine Angst davor hat, diesen Schatz der Welt zu zeigen.

Deshalb bete ich darum, dass Ihr Pontifikat von einer erneuerten Konzentration auf das geprägt sei, was letztlich das Herz jeder echten kirchlichen Reform ausmacht: Christus, Umkehr, Heiligkeit, Eucharistie, Evangelisierung und das Heil der Seelen. Denn wenn alle Synoden abgeschlossen, alle Dokumente verfasst, alle Gremien aufgelöst und unsere eigenen Namen vergessen sind, bleibt nur die Frage, auf die es wirklich ankommt: Haben wir die uns anvertrauten Menschen Jesus Christus nähergebracht?

Möge der heilige Petrus für Sie Fürbitte einlegen. Möge Unsere Liebe Frau, „Mater Ecclesiae“, Sie unter ihrem Schutz bewahren. Und möge der Herr Ihnen Weisheit, Mut und väterliche Entschlossenheit schenken, um seine Kirche in Wahrheit und Liebe zu führen.

In aufrichtiger Ehrfurcht und im Gebet verbunden,
in Christo,
+Rob Mutsaerts
Weihbischof der Diözese ’s-Hertogenbosch

Weitere kath.net-Beiträge über Weihbischof Mutsaerts: siehe Link

Archivfoto Bischof Mutsaerts (c) Bistum ‘s-Hertogenbosch


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Lesermeinungen

 Mensch#17 vor 32 Minuten 
 

Danke! - Ein genialer Brief!

Ich habe den Brief mit wachsender Begeisterung gelesen. Er spricht mir aus dem Herzen und analysiert die Lage treffend.

Mein ausdrücklicher Dank gilt dem hwst. Herrn Weihbischof Rob Mutsaerts.

Diesem Brief ist eine weite Verbreitung zu wünschen.

Heiliger Petrus und heiliger Paulus, bittet für uns!


1
 
 naiverkatholik vor 1 Stunden 
 

Treffer! Versenkt!

Hoffentlich kommt das Thema irgendwiebald an ein Ende, so dass die Kräfte in die Verkündigung Christi hineinfließen, in die Reform der Katechese, vor allem der Sakramentenkatechese.
Synode, Syondalität, Synodalitätät.Synodalitätätärätätä..


2
 
 Parcival vor 1 Stunden 
 

Eine Stimme, die Hoffnung macht

Dieser Brief ist bemerkenswert. Nicht, weil Weihbischof Mutsaerts Probleme benennt, die unbekannt wären, sondern weil er in einer kirchlichen Situation, in der man gerade in Europa bisweilen müde werden kann, mit großer Klarheit die Frage nach den Prioritäten stellt. Vieles scheint eine eigentümliche institutionelle Eigendynamik entwickelt zu haben: Prozesse generieren neue Prozesse, Strukturen beschäftigen sich mit Strukturen, während die eigentliche Krise unübersehbar fortschreitet. Mutsaerts unterbricht diese Selbstreferentialität und fragt nach den Früchten. Darin liegt für mich die eigentliche Bedeutung seines Briefes: nicht in einer weiteren Kritik am synodalen Prozess, sondern in der Rückgewinnung des Maßstabs, an dem kirchliches Handeln sich prüfen lassen muss. Dass eine solche Stimme aus dem europäischen Episkopat kommt, gibt mir Hoffnung. Ich wünsche mir sehr, dass weitere Bischöfe sich zu Wort melden. Meinem eigenen Bischof werde ich den Brief jedenfalls weiterleiten.


5
 

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