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„Synodalität wird den Katholizismus zerstören“

vor 6 Tagen in Kommentar, 8 Lesermeinungen
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„Auf dem Spiel steht das, was die katholische Kirche zur katholischen Kirche macht: ein verbindliches, nicht verhandelbares Glaubensgut, gehütet von einem Lehramt, dessen Vorgaben für alle Gläubigen bindend sind.“ Von Brad Miner/The Catholic Thing


Washington DC (kath.net/The Catholic Thing – Mit freundlicher Erlaubnis/red) Die katholische Kirche hat sich stets von anderen christlichen Gemeinschaften durch den Anspruch unterschieden, im Besitz eines von den Aposteln überlieferten Glaubensschatzes zu sein und an diesen gebunden zu sein. Die Kirche stammt von Christus; sie erfindet ihr Lehramt – jene autoritative Anwendung des „depositum fidei“ (Glaubensschatzes) – weder neu, noch überarbeitet sie es oder lässt darüber abstimmen. Sie empfängt, bewahrt und weitergibt diesen alten Glauben. Die Lehre kann sich zwar in dem von John Henry Newman beschriebenen Sinne weiterentwickeln – an Klarheit und Anwendungsmöglichkeiten gewinnen, so wie aus einer Eichel eine Eiche wird –, doch sie kann nicht durch Mehrheitsstimmungen oder zeitgenössische Begeisterung neu ausgehandelt oder gar rückgängig gemacht werden.

Der Anspruch, die Wahrheit empfangen zu haben und sie zu bewahren, bildet die Daseinsberechtigung der Kirche und unterscheidet sie von einer bloßen freiwilligen religiösen Vereinigung. Doch die Synodalität führt – ungeachtet dessen, was ihre Befürworter suggerieren – einen Mechanismus ein, der diesen Anspruch auflösen kann: einen dauerhaften, unscharf definierten und partizipativen Prozess zur Erzeugung endloser, zeitgenössischer kirchlicher Konsense. Diese fungieren zunehmend als konkurrierende Autoritätsquellen neben – und aus Sicht der Neuerer sogar vor – dem feststehenden Glaubensschatz und dem zu dessen Schutz eingesetzten Lehramt.

Die Unschärfe, die wir bislang im synodalen Prozess erlebt haben, ist kein Zufall. Sie ist ein wesentliches Merkmal, kein Fehler im System. Selbst nach mehreren synodalen Versammlungen verfügt die Kirche noch immer über keine feste Definition von Synodalität – es gibt lediglich Beschreibungen eines „Stils“, eines „Prozesses“ oder eines „Instinkts“. Diese Unfähigkeit, Synodalität klar zu definieren, ist kein bloßes Versäumnis.

Dies erinnert an den ersten Wahlkampf von Barack Obama, dessen Agenda mit einem einzigen Wort definiert wurde: „Change“ (Wandel). Damals bedeutete es nichts Konkretes; ebenso wenig bedeutet „Gemeinsam unterwegs sein“ heute etwas Greifbares. Wo ist unser Fixpunkt?


Thomas von Aquin und andere – darunter frühe Kirchenväter und diverse Konzilien – haben der Kirche einen Fixpunkt sowie eine gemeinsame Fachsprache gegeben, die präzise genug ist, um die Entscheidung über alle echten Streitfragen zu ermöglichen. Die Synodalität hat dem nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen. Das Verfahren beruht auf „individueller Unterscheidung“ und dem „Gespür der Gläubigen“ – Kategorien, die sich einer Falsifizierung entziehen: Was auch immer das versammelte Gremium beschließt, wird im Nachhinein so umgedeutet, als sei jeder neue Vorschlag genau das, was der Heilige Geist schon immer sagen wollte! Endlich, so heißt es, hören wir zu!

Doch ein Prozess ohne feste Korrekturkriterien ist keine geistliche Unterscheidung; es ist Konsensfindung, der man ein theologisches Vokabular übergestülpt hat – wie die Aufkleber, die meine Enkelkinder auf scheinbar alles pappen, sogar auf Opas Gesicht.

Die Geschichte zeigt, wohin das führen wird. Die Church of England ist das institutionelle Gegenstück, das dem am nächsten kommt, und sie demonstriert genau, wie sich dieser Prozess im Laufe der Zeit entwickelt: synodale Gremien, die Klerus und Laien in die Entscheidungsfindung einbeziehen; Autonomie der Provinzen unter einer lockeren Zentralgewalt; und eine stetige Abfolge von Veränderungen, die jeweils als bescheidene, „pastorale“ Zugeständnisse eingeführt werden – Wiederverheiratung nach Scheidung, Frauenordination, Segnung gleichgeschlechtlicher Verbindungen, Billigung künstlicher Empfängnisverhütung, Unklarheit bei der Abtreibung. All dies verändert im Laufe der Zeit die anglikanische Lehre und spaltet die Einheit der Kirche.

Ganze anglikanische und episkopale Provinzen weigern sich mittlerweile, die Positionen der jeweils anderen Seite zur gleichgeschlechtlichen „Ehe“ und zur Frauenordination anzuerkennen. Die Amtseinführung von Sarah Mullally als Erzbischöfin von Canterbury hat ein Schisma innerhalb des Anglikanismus ausgelöst.

Doch es ist der Mechanismus – und nicht irgendeine einzelne Entscheidung –, der schon immer die eigentliche und fortwährende Gefahr darstellte und weiterhin darstellt.

Genau dieser Mechanismus ist jeder katholischen Ausprägung von Synodalität inhärent. Der deutsche Synodale Weg strebt einen dauerhaften Synodalen Rat an, der den Laien gemeinsam mit den Bischöfen Entscheidungsgewalt über Glaubenslehre und Disziplin übertragen würde. Rom ist direkt eingeschritten, um dies zu unterbinden, doch etliche deutsche Bischöfe widersetzen sich weiterhin offen den Warnungen des Vatikans. Wer weiß, wie das ausgehen wird? Doch eine „Nationalkirche“, die versucht, exakt das anglikanische Modell innerhalb katholischer Strukturen zu institutionalisieren, wurde bislang nur durch ein direktes Eingreifen Roms gebremst. Dies ist ein fragiles Korrektiv, keine strukturelle Garantie. Und „Synodalität“ bleibt ein zentrales Thema von Leo XIV.

Unterdessen wurde jener traditionelle Filter, der das Lehramt einst vor der Eigendynamik synodaler Prozesse schützte, von innen heraus geschwächt: Durch die Reform des synodalen Verfahrens im Jahr 2018 kann ein Papst das Abschlussdokument einer Synode nun unmittelbar in sein „ordentliches Lehramt“ übernehmen. Dabei entfällt das nachsynodale Schreiben, das es Päpsten historisch ermöglichte, synodale Vorschläge neu zu interpretieren oder abzulehnen. Dieser Filter funktionierte wie vorgesehen, als Papst Franziskus den Vorschlag der Amazonas-Synode bezüglich verheirateter Priester ablehnte. Anders verhielt es sich jedoch bei der Synodenversammlung von 2024: Deren Abschlussdokument wurde – ohne das besagte Zwischenschreiben – sofort Teil der kirchlichen Lehre. Eben jene Schutzmaßnahme, auf die sich die Verfechter der Synodalität als Beweis dafür berufen, dass das System nicht außer Kontrolle geraten könne, liegt nun im Ermessen des Papstes. Sie ist somit keine strukturelle Absicherung, sondern hängt allein von der Person ab – und gilt nur so lange, wie der jeweilige Amtsinhaber sich entscheidet, sie zu nutzen (oder eben nicht).

Man erinnere sich zudem daran, wie Papst Franziskus auf Bedenken hinsichtlich der Formulierungen in „Amoris Laetitia“ (2016) reagierte – jenem Dokument, das (unter der Voraussetzung der „Unterscheidung“) wiederverheirateten Geschiedenen den Empfang der Eucharistie ermöglichte. Den argentinischen Bischöfen, die um Klarheit baten, beschied er: „Es gibt keine anderen Interpretationen.“ Damit setzte er das Kirchenrecht außer Kraft und lieferte einen Vorgeschmack auf den synodalen Prozess.

Hinzu kommt das passiv-aggressive Dokument „Fiducia supplicans“ – jener innovative pastorale Mechanismus zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, der eingeführt wurde, während man zugleich an der althergebrachten Definition der Ehe festhält. Genau das ist der Ablauf, der in jeder protestantischen Glaubensgemeinschaft einer lehrmäßigen Veränderung vorausging: Zuerst ändert sich die Praxis – unter dem Deckmantel der Seelsorge –, während die Lehre offiziell als unverändert gilt ... bis diese Fiktion nicht mehr aufrechterhalten werden kann.

Deshalb ist die synodale Entwicklung eine existenzielle Bedrohung. Auf dem Spiel steht nicht bloß diese oder jene Lehraussage, sondern das, was die katholische Kirche zur katholischen Kirche macht: ein verbindliches, nicht verhandelbares Glaubensgut, gehütet von einem Lehramt, dessen Vorgaben für alle Gläubigen bindend sind.

Eine Kirche, die sich nach dem Prinzip des synodalen Konsenses steuert, ist eine völlig andere Institution als jene, die seit zwei Jahrtausenden existiert, um das weiterzugeben, was sie empfangen hat. Sie mag ihren Namen, ihre Gebäude und sogar ihre hierarchische Struktur behalten. Was sie jedoch zwangsläufig verliert, ist jener Anspruch, der es überhaupt erst lohnenswert machte, katholisch zu sein. Und dieser Verlust wäre – sobald der Mechanismus erst einmal voll zum Tragen gekommen ist – wohl kaum durch eine weitere Abstimmung rückgängig zu machen.

 


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Lesermeinungen

 Parcival vor 5 Tagen 
 

@SalvatoreMio - 2000 Jahre Kirchengeschichte lehren Vertrauen

Sie schreiben selbst: „Die Kirche muss nicht von uns gerettet werden.“ Dieses Vertrauen scheint jedoch dort brüchig zu werden, wo gegenwärtige Entwicklungen die Sorge nähren, die Kirche könne grundsätzlich vom rechten Weg abkommen. Gerade wir haben es heute leichter: 2000 Jahre Kirchengesch. bestätigen Christi Verheißung. Saeculum obscurum, massive Verweltlichung, Avignon, das Abendländische Schisma mit zeitweise 3 Päpsten, unwürdige Männer auf dem Papstthron – nichts davon vermochte die Kirche zu zerstören. Die seit Jahrzehnten permanente Kirchenkritik erschwert diesen Blick: Sorge kann in Misstrauen, Misstrauen in fundamentale Kritik + schließlich in Widerstand übergehen – bis hin zu Pius oder Sedisvakantismus. Auch der Synodalismus wird ≠ leisten, woran zwei Jahrtausende schwerster Krisen gescheitert sind. Der KKK formuliert es unmissverständlich: Die Kirche „ist unzerstörbar“ (KKK 869). Was letztlich bleibt, ist eine Glaubensfrage: Vertrauen wir Christi Verheißung – ja oder nein?


2
 
 SalvatoreMio vor 6 Tagen 
 

Die Kirche muss nicht von uns gerettet werden ...

@Parcival: Nein, Christus hat sie uns geschenkt, damit wir gerettet werden. Aber sie hat eine klare Struktur, die uns die zwei Jahrtausende geführt hat. - Warum soll nun plötzlich eine "synodale Kirche" entstehen? - Sie sprechen von "Vertrauen auf das Wirken des hl. Geistes und dass Christus seine Braut nicht verlasse" usw. Aus diesem Vertrauen heraus hat die Kirche bislang immer gewirkt. - Und was für ein Vertrauen in den Hl. Geist soll es also sein, wenn plötzlich eine synodale Struktur ersonnen wird? Für mich ist das nicht einleuchtend.


4
 
 Johannes14,6 vor 6 Tagen 
 

Papst Leo wünscht eine "synodale Kirche"

„Ordensangehörige sind in besonderer Weise dazu berufen, Experten für Synodalität zu werden – sowohl aufgrund der Möglichkeiten, diese im Gemeinschaftsleben zu praktizieren, als auch aufgrund der Art und Weise, wie Ihre Kongregationen organisiert sind“, sagte Leo in einer Botschaft an die Jahresversammlung 2026 der *Leadership Conference of Women Religious* in den USA..
Leo äußerte seine Freude darüber, dass die Versammlung „eine synodale Methode des Zuhörens, der Diskussion und der Unterscheidung“ beinhalten würde."

Grussbotschaft des Papstes:

https://www.youtube.com/watch?v=Wnu1h2SsQ8c

www.lifesitenews.com/news/pope-leo-says-religious-are-called-to-be-experts-in-synodality/


1
 
 SarahK vor 6 Tagen 
 

Ich finde es gut, dass es mal gesagt wird

in Deutschland predigte man ja lange genau andersherum. Denn aus meinem persönlichen, katholischen Glauben rettet nicht ein Reformprozess, nicht ein Synodaler Weg und auch nicht eine kirchliche Institution die Kirche – Christus ist ihr Herr und ihr Erlöser. Reformen können bestenfalls der Kirche dienen oder ihr Schaden; sie können niemals an die Stelle von Umkehr, Glaube, Sakramenten und der Treue zu Christus treten. Wird das aber geglaubt- und da bin ich mir bei vielen Bischöfen und Priestern nicht mehr sicher - dann schadet es der Kirche als Institution gewaltig und man wird es erst langfristig sehen, denn dann bewegt sie sich hin zu einer S*kte oder was waren die Piusbrüder nochmal in den Augen vieler?


4
 
 Smaragdos vor 6 Tagen 
 

Dekonstruktion der Kirche

Eine hervorragende Analyse. Das Ziel von "Synodalität" ist klar: die Dekonstruktion der katholischen Kirche durch die Dekonstruktion ihrer hierarchischen Autorität. Die absoluten Glaubenswahrheiten sollen schrittweise durch den lehrmässigen Relativismus ersetzt werden.


5
 
 Parcival vor 6 Tagen 
 

Die katholische Antwort: Vertrauen

Augustinus wusste um das „corpus permixtum“: Die Kirche trägt bis zum Ende Heiligkeit + menschl. Versagen, Weizen + Unkraut in sich. Kath. Glaube erwartet deshalb nicht die makellose Institution + verzweifelt auch nicht an ihren menschl. Abgründen. Er hält diese Spannung aus.
Darin bewähren sich die Tugenden: Glaube an Christi Verheißung, Hoffnung wider den Augenschein + Vertrauen auf das Wirken des Hl. Geistes. Die Kirche muss nicht von uns gerettet werden. Christus verlässt seine Braut nicht. Auch deshalb verlangt Kritik Wissen + sorgfältige Prüfung, nicht vorschnell nachgeplappertes Urteil. Kath. sein heißt auch: aushalten können, ohne zu verzweifeln – weil der Hl. Geist die Kirche führt.


3
 
 Bilbo B. vor 6 Tagen 
 

Der achtsame kirchengeschichtliche Blick

Der achtsame kirchengeschichtliche Blick auf den Protestantismus, den Anglikanismus und den sog. „Alt-Katholizismus“ zeigt, dass der Synodalismus Konfessionen in teils unzählige Fraktionen aufsplittert und dann zertrümmert: Ist dies mit dem Synodalismus bewusst so gewollt oder sind die Synodalistinnen und Synodalisten schlichtweg naiv?


3
 
 girsberg74 vor 6 Tagen 
 

Die Überschrift sagt schon alles;

es geht um miteinader unvereinbare Prinzipien.


3
 

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