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| ![]() „Du trägst Gottes Bild“vor 1 Stunden in Spirituelles, keine Lesermeinung „Manchmal haben wir den Eindruck, unser Leben bestehe vor allem darin, Erwartungen zu erfüllen…Und wenn es abends still wird, bleibt die Frage: Habe ich heute genug getan?“ Predigt von Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer Eichstätt (kath.net/pl) Predigt zum 29. Sonntag im Jahreskreis A (Mt 22,15–21) 1. Bei Gott dürfen wir aufatmen Unter dieser Frage liegt oft eine tiefere Sehnsucht: Wer sieht mich mit meiner Mühe, meiner Müdigkeit, meinem guten Willen? Bei wem darf ich einfach da sein? Das Evangelium führt uns heute zu dieser wesentlichen Frage. Zunächst aber geht es um eine Fangfrage nach der Steuer: Darf man dem römischen Kaiser zahlen? Jesu Gegner wollen ihn festlegen. Ein Ja könnte ihn als Freund der Besatzungsmacht erscheinen lassen; ein Nein als Aufrührer. Jesus lässt sich eine Münze zeigen. „Wessen Bild und Aufschrift ist das?“ – „Des Kaisers.“ Darauf antwortet er: „So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“ Mit diesen Worten lenkt Jesus den Blick über die Münze hinaus. Und jetzt sind wir bei der wesentlichen Frage: Was gehört Gott? Wem gehört unser Leben in seinem tiefsten Grund? 2. Du trägst Gottes Bild Du trägst Gottes Bild. Deine Würde wurzelt in seiner Liebe. Bevor du etwas leisten kannst, bist du von ihm gewollt und zur Gemeinschaft mit ihm gerufen. Diese Liebe trägt dich auch dann, wenn deine Kräfte nachlassen und du selbst keinen Weg mehr siehst. Eine misslungene Prüfung, der Verlust der Arbeit, eine zerbrochene Beziehung können tief verwunden. Doch Gottes Ja zu dir bleibt. Auch wenn du auf Hilfe angewiesen bist, bleibst du ihm kostbar. Du darfst dich seiner Treue anvertrauen, gerade mit dem, was in deinem Leben wund und unfertig ist. „Gott gehören“ heißt: In seiner Liebe hast du Heimat. Wie diese Liebe aussieht, zeigt uns Jesus. Er beugt sich zu den Füßen seiner Jünger, sucht die Nähe der Übersehenen und eröffnet Sündern einen neuen Anfang. Am Kreuz schenkt er sich uns ganz. So weit geht Gott, um uns nahe zu sein. Diesem Gott dürfen wir uns anvertrauen. Vor ihm können wir aufhören, unseren Wert beweisen zu müssen. Seine Barmherzigkeit richtet uns auf; in seiner Nähe lernen wir, frei zu werden und zu lieben. Darum darf keine menschliche Macht grenzenlos über einen Menschen verfügen. Jeder trägt eine Würde, die aller Verfügung entzogen ist: Er ist Gottes Bild, von ihm geliebt und seiner Treue anvertraut. 3. Gott gibt sein Bild nicht auf Der heilige Athanasius von Alexandrien hilft uns mit einem Bild: Ein auf Holz gemaltes Porträt ist durch Schmutz unkenntlich geworden. Doch die Tafel wird um des Bildes willen bewahrt. Der Dargestellte kommt erneut, damit sein Bild auf demselben Holz wiederhergestellt werden kann. So kommt Christus zu uns, sagt Athanasius, um den nach Gottes Bild geschaffenen Menschen zu erneuern (Über die Menschwerdung 14). Gott gibt sein Bild nicht auf. Er erkennt uns auch dort wieder, wo wir uns selbst fremd geworden sind. In Christus kommt er uns entgegen und eröffnet uns Zukunft. Wir sind doch sein Eigentum und niemand kann uns seiner Hand entreißen (Joh 10,28–29; 1 Kor 6,19–20). Darum dürfen wir mit unserer Schuld zu ihm kommen. Seine Vergebung hilft uns, ehrlich zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Ein Eingeständnis, eine Bitte um Verzeihung, die Beichte können der Anfang einer neuen Freiheit sein. Auch die Wunden, die andere uns zugefügt haben, nehmen uns unsere Würde nicht. Was ein Mensch uns angetan hat, darf nicht das letzte Wort darüber behalten, wer wir sind. Manches braucht Zeit, Begleitung und geduldige Heilung. Christus bleibt uns auf diesem Weg nahe. Seinem liebevollen Blick dürfen wir mehr vertrauen als unserem härtesten Urteil über uns selbst. 4. Gottes Bild im anderen achten Vom Wüstenvater Antonius ist der Satz überliefert: „Gewinnen wir den Bruder, so gewinnen wir Gott“ (Sprüche der Väter, Antonius 9). Einen Menschen gewinnen: Das beginnt damit, dass er bei uns Vertrauen fassen darf. Vielleicht legen wir das Handy zur Seite und hören wirklich zu. Vielleicht lassen wir einen alten Menschen seine Geschichte erzählen, obwohl wir sie schon kennen. Oder wir verzichten im Streit auf das letzte verletzende Wort und halten die Tür zum Gespräch offen. So kann durch uns etwas von Gottes Güte erfahrbar werden. Wir ehren ihn, wenn wir seinen Geschöpfen mit Achtung begegnen. Diese Haltung reicht über unser privates Leben hinaus. Zum Glauben gehört die Verantwortung für das Gemeinwohl: ehrlich zu handeln, gerecht zu teilen und für Menschen in Not einzutreten. Wo Menschen nur noch als Kostenfaktor gelten oder verächtlich gemacht werden, braucht ihre Würde unsere Stimme. Wir dürfen mit dem Menschen beginnen, dem wir heute beistehen können. Unsere Kräfte sind begrenzt, und doch kann unsere Zuwendung für ihn viel bedeuten. 5. Aus der Geborgenheit leben Das löst nicht alle Schwierigkeiten. Aber es kann verändern, wie wir ihnen begegnen: mit etwas mehr Geduld mit uns selbst und einem offeneren Herzen für andere. Auch wer kaum noch Kraft hat, kann aus dieser Geborgenheit leben. Hilfe anzunehmen darf ein Ausdruck des Vertrauens sein. Unsere Würde bleibt, wenn wir auf die Hände anderer angewiesen sind. In der Eucharistie schenkt Christus uns seine Nähe. Zu ihm bringen wir unser Leben, auch das Unfertige und Wunde. Er gibt sich uns zur Speise und stärkt die Liebe, die in uns oft so müde geworden ist. „Gebt Gott, was Gott gehört.“ Wir dürfen ihm uns selbst anvertrauen, so wie wir heute vor ihm stehen. Wir dürfen ihm auch all‘ diejenigen anvertrauen, die uns anvertraut sind. - Bei ihm findet unser aller Leben Halt; aus seiner Nähe erwächst der Mut und die Kraft zum nächsten Schritt. Erneuere dein Bild in uns und lehre uns, einander mit deinen Augen zu sehen. Gib uns den Mut zum Guten, das heute durch uns geschehen kann. Amen. Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer ist der Gründungsrektor des Collegium Orientale in Eichstätt. Er ist Theologe mit Schwerpunkt auf ökumenischer Theologie, ostkirchlicher Ekklesiologie und ostkirchlicher Liturgiewissenschaft. Er studierte in Eichstätt, Jerusalem und Rom, war in verschiedenen Dialogkommissionen tätig. Er veröffentlicht zu Fragen der Ökumene, des Frühen Mönchtums, der Liturgie der Ostkirchen und der ostkirchlichen Spiritualität. Weitere kath.net-Beiträge von ihm: siehe Link. Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() LesermeinungenUm selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen. Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. 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