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Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen

18. November 2007 in Spirituelles, keine Lesermeinung
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"Ein Mensch, der zu Lebzeiten eine sehr niedrige Arbeit verrichtet, kann sehr viel mehr "wert" sein als der, der prestigeträchtige Posten eingenommen hat" – Ein Kommentar zum Evangelium von P. Raniero Cantalamessa.


Rom (www.kath.net/Zenit)
Der Prediger des Päpstlichen Hauses, Pater Raniero Cantalamessa OFM Cap., geht in seinem Kommentar zu den Lesungen des XXXIII. Sonntags der Frage nach, was die menschliche Arbeit auch im Hinblick auf das ewige Leben wertvoll macht.

„Es ist nicht so sehr von Bedeutung, welche Arbeit einer verrichtet, sondern wie er sie verrichtet“, bekräftigt er mit dem Hinweis darauf, dass die Arbeit bereits vor dem Sündenfall zur menschlichen Natur gehörte. Und mit Worten des heiligen Paulus bekräftigt auch der Kapuzinerpater: „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“

***

Das Evangelium dieses Sonntags ist Teil der berühmten Reden über das Ende der Welt, die für die letzten Sonntage des Jahreskreises charakteristisch sind. Es scheint, dass es in einer der ersten christlichen Gemeinden, in jener von Thessaloniki, Gläubige gegeben hat, die aus diesen Reden Jesu falsche Schlüsse zogen: Es nütze nichts, sich abzumühen; es nütze nichts, zu arbeiten und zu produzieren, da sowieso alles zu Ende gehe.

Besser sei es, in den Tag hinein zu leben, ohne langfristige Verpflichtungen zu übernehmen – indem man möglicherweise auf kleine Notbehelfe zurückgreift, um zu überleben.

Ihnen antwortet der heilige Paulus in der zweiten Lesung: „Wir hören aber, dass einige von euch ein unordentliches Leben führen und alles Mögliche treiben, nur nicht arbeiten. Wir ermahnen sie und gebieten ihnen im Namen Jesu Christi, des Herrn, in Ruhe ihrer Arbeit nachzugehen und ihr selbst verdientes Brot zu essen.“

Zu Beginn des Abschnitts erinnert Paulus an die Regel, die er den Christen von Thessaloniki gegeben hat: „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“

Das war für die Menschen der damaligen Zeit eine Neuheit. Die Kultur, zu der sie gehörten, verachtete die manuelle Arbeit. Sie hielt sie für entwürdigend und glaubten deshalb, dass sie den Sklaven und den Ungebildeten zu überlassen sei. Die Bibel aber bietet eine andere Sicht.

Von der ersten Seite an stellt sie Gott vor, der sechs Tage arbeitet und am siebten Tage ruht. All dies noch ehe die Bibel von der Sünde spricht. Die Arbeit ist somit Teil der ursprünglichen Natur des Menschen, nicht Teil von Schuld und Sühne.

Die manuelle Arbeit ist genauso viel wert wie die intellektuelle und geistige Arbeit. Jesus selbst widmete ersterer ungefähr 20 Jahre seines Lebens (unter der Annahme, dass er mit 13 Jahren zu arbeiten begonnen hat), der zweiten nur ein paar Jahre.

Ein gläubiger Laie hat geschrieben: „Welchen Sinn und welchen Wert hat unsere Arbeit als Laien vor Gott? Es ist wahr, dass wir Laien uns auch vielen guten Werken widmen (Nächstenliebe, Apostolat, Volontariat); den größten Teil der Zeit und der Kraft unseres Lebens müssen wir der Arbeit widmen.

Wenn also die Arbeit keinen Wert für den Himmel hat, so werden wir für die Ewigweit nicht viel in der Hand haben. Alle Menschen, die wir gefragt haben, konnten uns keine zufriedenstellende Antwort geben. Sie sagten uns: ‚Opfert alles Gott auf!‘ Reicht das aber?“

Ich antworte: Nein, die Arbeit ist nicht nur aufgrund der „guten Absicht“ wertvoll, die man in sie hineinlegt, oder aufgrund des Opfers, das man Gott morgens darbringt; sie ist auch als Arbeit selbst wertvoll, als Teilhabe am Schöpfungs- und Erlösungswerk Gottes und als Dienst an den Brüdern.

„Durch seine Arbeit“, so sagt das Zweite Vatikanische Konzil, „erhält der Mensch sein und der Seinigen Leben, tritt in tätigen Verbund mit seinen Brüdern und dient ihnen; so kann er praktische Nächstenliebe üben und seinen Beitrag zur Vollendung des Schöpfungswerkes Gottes erbringen. Ja, wir halten fest: Durch seine Gott dargebrachte Arbeit verbindet der Mensch sich mit dem Erlösungswerk Jesu Christi selbst, der, indem er in Nazareth mit eigenen Händen arbeitete, der Arbeit eine einzigartige Würde verliehen hat“ (Gaudium et spes, 67).

Es ist nicht so sehr von Bedeutung, welche Arbeit einer verrichtet, sondern wie er sie verrichtet. Das stellt unter den (manchmal ungerechten und skandalösen) Unterschieden zwischen den verschiedenen Formen von Arbeit und Entlohnung wieder eine gewisse Gleichheit her. Ein Mensch, der zu Lebzeiten eine sehr niedrige Arbeit verrichtet, kann sehr viel mehr „wert“ sein als der, der prestigeträchtige Posten eingenommen hat.

Die Arbeit, so sagten wir, ist Teilhabe am Schöpfungswerk Gottes und am Erlösungswerk Christi. Sie ist Quelle persönlichen und sozialen Wachstums, sie bedeutet aber auch Anstrengung, Schweiß, Mühsal. Sie kann veredeln, aber auch entleeren und aufreiben. Das Geheimnis liegt darin, das Herz in das zu legen, was die Hände tun. Es ist nicht so sehr die Last oder die Art der verrichteten Arbeit, die ermüden, sondern vielmehr der Mangel an Enthusiasmus und Motivation.

Den irdischen Motivationen zur Arbeit fügt der Glaube eine ewige hinzu: Unsere Werke, so heißt es in der Offenbarung des Johannes, werden uns begleiten (vgl. Off 14,13).



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