Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Wie die Piusbrüder - Linker belgischer Bischof plant weiterhin verbotene Weihen
  2. Gefeuert wegen AfD-Kandidatur: Deutsche Caritas-Erzieherin zieht vor Gericht
  3. Papst Leo singt mit 80.000 Jugendlichen das „Salve Regina“ auf Latein
  4. Asymmetrisch blinder Blick auf die deutsche Landschaft
  5. Sechs Messdiener mit Down-Syndrom ministrierten bei der historischen Papstmesse in Paris
  6. Es gibt drei Erzengel, die vor Gottes Thron für uns eintreten
  7. Wort-Gottes-Feier in katholischer Kirche mit Liedern von Taylor Swift
  8. „Wenn wir den wahren missionarischen Geist, den richtigen Weg finden, gibt es in Deutschland noch…“
  9. „Das Ende von Maria 2.0“
  10. Ein Erzbischof auf Staatsbesuch
  11. US-Bischof Robert Barron: „Der Kommunismus erlebt in unserem Land gerade ein Comeback“
  12. Einbürgerung als Wahlstrategie? Linke profitiert massiv von muslimischen Wählern in Berlin
  13. Bekannte US-Influencerin und Mutter von neun Kindern konvertierte zum Katholizismus
  14. Die Deutsche Bischofskonferenz will keine 'Demontage' des deutschen Staatsfunks
  15. Politisch aber auch innerkirchlich „gibt es derzeit wieder viel Konfliktpotenzial“

Anständig oder politisch korrekt?

20. Juni 2017 in Kommentar, 6 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Anstand gilt im zwischenmenschlichen Bereich, politische Korrektheit regelt den öffentlichen Diskurs - Diakrisis am Dienstag von Sebastian Moll


Linz (kath.net)
„Was heute als politische Korrektheit verachtet wird, wurde früher als Anstand geachtet.“ Derartige Bemerkungen sind derzeit viel bei den Verteidigern der politischen Korrektheit zu lesen oder zu hören. Die politische Korrektheit ist also nur ein neuer Name für eine alte Art zu denken? Aber warum wurde dieser Begriff dann überhaupt erfunden? Und warum hat der Begriff ‚Anstand‘ dennoch überlebt? In Wirklichkeit sind Anstand und politische Korrektheit zwei verschiedene Dinge, weil sie sich auf verschiedene Sphären beziehen. Anstand gilt im zwischenmenschlichen Bereich, politische Korrektheit regelt den öffentlichen Diskurs. Einige klassische Beispiele mögen dabei helfen, diesen Punkt zu verdeutlichen.

1. Geschlechterverhältnis

Die erste nachweisebare Verwendung des Begriffs „politically correct“ findet sich im Jahre 1970 bei einer feministischen Autorin aus den USA. Das Wort stammt also aus den Vereinigten Staaten und ist im Rahmen der Frauenbewegung entstanden, wo es sich offenbar bis heute recht wohl fühlt. Als politisch inkorrekt wurde und wird in diesem Zusammenhang jedwede Äußerung empfunden, mit der die vollkommene Gleichartigkeit von Männern und Frauen in Frage gestellt wird. Die Regeln des Anstands hingegen beinhalten keine derartige Weltanschauung, sondern gebieten mir als Mann, Frauen nicht in irgendeiner Weise verächtlich zu behandeln bzw. mich ihnen gegenüber – Verzeihung, hier bin ich etwas altmodisch – zuvorkommend zu verhalten.


2. Sexuelle Orientierung

Hier verhält es sich ähnlich wie bei der Geschlechterdebatte. Dass man einem Homosexuellen mit demselben Respekt begegnet wie jedem anderen Menschen und ihn nicht mit „Du schwule S*“ anspricht, gebietet der Anstand. Will man sich zusätzlich politisch korrekt verhalten, so muss man politische Maßnahmen wie die Einführung der Homo-Ehe befürworten sowie jedweden grundlegenden Unterschied zwischen verschiedenen sexuellen Orientierungen leugnen.

3. Nation und Kultur

Ein anständiger Mensch wird, wenn er in einem anderen Land zu Gast ist, sich entsprechend verhalten und die Regeln und Bräuche der gastgebenden Kultur respektieren. Will er hingegen politisch korrekt sein, muss er öffentlich bekennen, dass es keinerlei qualitative Unterschiede zwischen seiner eigenen Kultur und anderen gibt. Diese Facette der politischen Korrektheit ist besonders faszinierend. Einerseits machen es sich die politisch Korrekten zum Ziel, ihre eigenen Wertvorstellungen mit allen Mitteln gegen Andersdenkende zu verteidigen. Gleichzeitig besteht man aber darauf, dass die eigenen Wertvorstellungen nicht besser seien als die anderer. Man verteidigt also die Gleichberechtigung der Frau, findet es aber auch richtig, wenn andere Kulturen Frauen bis zum Kopf im Sand verbuddeln, um sie anschließend zu steinigen.

"Das Private ist politisch“ – so lautete ein Schlachtruf der Frauenbewegung, der in etwa zur selben Zeit entstand wie der Begriff ‚politisch korrekt‘. Zufall? Mitnichten! Denn wie soeben erläutert ist der Übergang vom Privaten zum Politischen identisch mit dem Übergang vom Anstand zur politischen Korrektheit. Es ist daher wohl ebenfalls kein Zufall, dass die politische Korrektheit ihre Anerkennung eher bei der politischen Linken findet, die seit jeher ein kollektives Gesellschaftsverständnis pflegt, während sie vom bürgerlichen Lager, das stets mehr Wert auf das Individuelle und das Persönliche legte, eher kritisch betrachtet wird.

Gegner der politischen Korrektheit wehren sich keineswegs gegen Anstandsregeln, wie das eingangs erwähnte Zitat suggeriert. Vielmehr wehren sie sich gegen eine staatliche Gesinnungsüberwachung, die eine ehrliche Debatte über strittige Themen mitunter unmöglich macht. So gesehen ist politische Korrektheit dem Anstand sogar direkt entgegengesetzt. Denn Anstand gebietet Wahrhaftigkeit.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Diakrisis

  1. Moderne Gnosis
  2. Polens Kirche und ein Geheimtipp
  3. Kann denn Lachen Sünde sein?
  4. Maskenzeit
  5. Die Kirche der Narren?
  6. Sternenlicht aus Bethlehem: eine Sehnsucht für 2018
  7. Das Christentum kennt keine Speiseverbote
  8. Die Kraft des Wortes
  9. Der Islam stellt eine Bedrohung für unseren freiheitlichen Staat dar
  10. Die „Homo-Ehe“ und der Grenzverlust







Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. Papst Leo an 80.000 Jugendliche im Stade de France: "Wer mit Gott lebt, ist frei"
  3. „Wenn wir Eucharistie feiern, dürfen wir mit allem zu ihm kommen, was in uns unvollendet ist“
  4. Neuer Schülerkreise Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI. bestätigt bisherigen Vorstand im Amt
  5. Nordische Bischofskonferenz beendet Herbstvollversammlung in Paderborn
  6. Zwischen Stein und Geheimnis: ‚Ohne die Liturgie würde Notre-Dame ihre Seele verlieren‘
  7. Die Menschheitsfamilie zwischen Babel und Pfingsten
  8. Der Mensch ist mehr als eine Maschine - Die Würde des Menschen vor dem Angesicht Gottes
  9. Bischof Erik Varden: „Den Fremden willkommen heißen“
  10. Leo an Bischöfe: „Liebe Brüder, wir müssen immer wieder in die Schule des Kreuzes zurückkehren“
  11. Chefredakteur Philippe Marie: „Ich werfe dem Erzbistum Paris vor, die Pressefreiheit zu verletzen“
  12. Dem Leben verpflichtet: Johanna Gräfin von Westphalen
  13. Kurienkardinal Parolin nennt „Lebensschutz“ eines der Schwerpunktthemen von Leos Frankreichreise
  14. USA: Medienbischof Fulton Sheen ist nun seliggesprochen!
  15. 'Amoris Laetitia' oder das Lehramt, das sich selbst abschafft

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz