Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Nicht mehr ernst zu nehmen
  2. Der Vatikan ringt um die Definition der "Umweltsünde"
  3. Bischof Timmerevers legt sein Amt als Bischof von Dresden-Meißen nieder
  4. 'Ruft AfD-Wähler auf, sich die Kirchensteuer zu sparen'
  5. Die umstrittene Synodalkonferenz der Kirche in Deutschland wurde leise abgesagt
  6. Matthäi am Letzten will Bischof Feige nicht mehr
  7. Papst äußert sich skeptisch zu fundamentalen Risiken der KI
  8. ‚Tritt hinter mich!’ Der Weg des Messias führte über das Kreuz
  9. „Synodalität wird den Katholizismus zerstören“
  10. Regierung von Pennsylvania will Begriffe ‚Mutter‘ und ‚schwangere Frau‘ streichen
  11. Die Vision der Hölle und warum wir dringend die Göttliche Barmherzigkeit anrufen sollten
  12. Die konzilswidrige deutsche Synodalkonferenz
  13. US-Diözese errichtet Pfarre, die dem Märtyrer Matthew Ayariga geweiht ist
  14. Wenn die Erinnerung bleibt, aber der Glaube schwindet
  15. Musikvideo zeigt Frau bei ‚Abtreibungsritual‘ auf der Toilette

„Wird bei der Taufe das Stirnchakra verschlossen?“

20. September 2021 in Kommentar, 18 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Das christliche Basiswissen bei Eltern von Täuflingen (beider Großkonfessionen) wird immer geringer. Kommentar von Petra Lorleberg


Frankfurt a.M. (kath.net/pl) „Wird bei der Taufe das Stirnchakra verschlossen?“ So lautet der Titel eines Beitrags in „evangelisch.de“, dem offiziellen Internetportal der EKD („Evangelische Kirche in Deutschland“). Wer meint, sich hier über „evangelisch.de“ ärgern zu müssen, ist allerdings mit dem falschen Dampfer unterwegs. Denn das Internetportal greift eine Leserfrage auf und „evangelisch.de“-Mitarbeiter Pfr. Frank Muchlinsky beantwortet sie durchaus sensitiv und mit behutsamer Hinführung zum christlichen Glauben: Es gehe beim Kreuzzeichen auf der Stirn des Täuflings darum, „das Kreuz als Symbol der Gemeinschaft der Christenheit und als Zeichen für den Tod und die Auferstehung Jesu Christi an dem Täufling sozusagen ‚anzubringen‘.“ Der Pfarrer bzw. die Pfarrerin spreche zum Stirnkreuz die Worte: „Nimm hin das Zeichen des Kreuzes. Du gehörst Christus, dem Gekreuzigten.“ Oder alternativ „Ich zeichne dich mit dem Kreuz. Jesus Christus hat dich erlöst.“

Bemerkenswert bei diesem Beitrag von „evangelisch.de“ ist nicht die Antwort des Pfarrers, sondern vielmehr die Frage eines Vaters. Er habe sich anlässlich der Taufe seines Kindes im Internet informiert und sei auf dieses Thema des Verschließens des Stirnchakras gestoßen, schildert der Vater „Hans-Werner“. Was er nicht schildert, ist allerdings, wo er diese merkwürdigen Informationen gefunden hat, denn eine normale Googlesuche zum Stich wort "Taufe, evangelisch" befördert das Thema der Stirnchakren nur selten auf den Monitor. War der Vater im Internet vielleicht auch sonst fleißig in esoterischen Themenkreisen unterwegs und hatte sich Google dieser Vorliebe bereits angepasst?


Bemerkenswert ist obendrein, dass dieser Vater mit seiner Frage – offenbar problemlos – in die Religionsvermischung gleitet. Der evangelische Pastor Muchlinsky reagiert auch hier pastoral behutsam, formuliert aber dankenswert klar: „Die Chakren spielen in der christlichen Religion keine Rolle. Es soll also auch nicht verschlossen werden.“

Bemerkenswert ist aber vor allem, dass es Eltern von Täuflingen gibt, die eine solche Frage – bzw. ähnlich verirrte Fragen – ernsthaft stellen. Die Kindertaufe sieht sowohl bei Protestanten wie auch bei Katholiken eigentlich vor, dass gläubige, praktizierende Eltern ihr Kind dem Heiland und Erlöser Jesus Christus anvertrauen und dass sie von Herzen bereit sind, es in den (selbstpraktizierten!) christlichen Glauben hinein zu erziehen. Wenn jemand ernsthaft die Frage nach dem Verschließen eines „Stirnchakras“ stellt, zeigt er damit, dass es am christlichen Glaubenswissen und an seinem klaren Bekenntnis zum christlichen Glauben (etwa im Credo) letztlich fehlt. Das können durchaus Fehler in der christlichen Verkündigung sein, die hier zur Auswirkung kommen. In beiden Konfessionen werden ja Basics des Glaubens oft genug vernachlässigt.

Dennoch ist an dieser Frage durchaus positiv bemerkenswert: Immerhin FRAGT der Vater. Immerhin macht er sich Gedanken und lässt nicht einfach alles wie Wasser an Wachs an sich abgleiten. Obendrein: Der Vater geht immerhin davon aus, dass bei der Taufe auf der spirituellen Ebene etwas geschieht. Spürbar traut er dem Sakrament der Taufe Wirkmacht zu. Möglicherweise glaubt er damit sogar noch mehr als so manche Familie (egal, ob protestantisch oder katholisch), die die Taufe nur noch als Lebensabschnittsfeier und Anlass zur Begrüßung eines neuen Mitglieds im Kreis ihrer Verwandten ansehen.

Ob es wohl an der Zeit wäre, dass die Evangelische Kirche in Deutschland – ebenso übrigens wie die katholische Kirche in Deutschland – über ihr System der Glaubenskatechese nachdenkt, das als „fertige Endprodukte“ einfach zu wenige wirklich praktizierende Gläubige hervorbringt? (Oder ist das Ziel der gegenwärtigen Glaubenskatechese möglicherweise gar nicht, Gläubige hervorzubringen, sondern soll es vielmehr nur künftige Kirchensteuerzahler produzieren?) Wo bleibt der grundlegende Impuls zur Neuevangelisierung, bsp. in Synoden- und Pfarreiversammlungen beiderlei Konfession? Wo bleiben ernsthafte geistliche Vertiefungsangebote mit intellektuellem und spirituellem Niveau? Denn es gilt für die Evangelische Kirche in Deutschland ebenso das, was der spätere Papst Benedikt XVI. 1958 als blutjunger, frisch habilitierter Theologe Joseph Ratzinger hellsichtig mit Blick auf die katholische Kirche so kritisierte: Eine „Kirche von Heiden, die sich noch Christen nennen“. (Siehe Link)

Anmerkung: In der EKD gilt die Taufe als eines von zwei Sakramenten. Die evangelisch-landeskirchliche Taufe wird von katholischer Seite her voll anerkannt, bei einer späteren Konversion wird nicht bedingungsweise nachgetauft, vielmehr werden dem Neukatholiken nur noch die Firmung und die Erstkommunion gespendet.

 


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu







Top-15

meist-gelesen

  1. EILT - Sommerspende für kath.net - Bitte helfen SIE uns JETZT!
  2. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  3. Vatikan-Außenminister zieht positive Bilanz seiner Moskau-Reise
  4. Matthäi am Letzten will Bischof Feige nicht mehr
  5. Matthäi am Letzten will Bischof Feige nicht mehr
  6. Die umstrittene Synodalkonferenz der Kirche in Deutschland wurde leise abgesagt
  7. Polen - Erzbischof Galbas: „Es gehört auch zum Auftrag der Kirche zu sagen: ‚Du darfst nicht‘“
  8. „Synodalität wird den Katholizismus zerstören“
  9. Jüngerschaft in Wien und darüber hinaus
  10. ‚Wir steuern auf eine Katastrophe zu‘: Warnung vor gescheiterter Integration in Deutschland
  11. Polizei in Papst-Städtchen auf E-Bikes im Einsatz
  12. ‚Tritt hinter mich!’ Der Weg des Messias führte über das Kreuz
  13. Goethes Lieblingsheiliger: Ein Meister der Freude und der Seelenschau
  14. Ein Mensch auf den Knien ist mächtiger als die Welt
  15. Papst äußert sich skeptisch zu fundamentalen Risiken der KI

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz