Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. „Die Berufung auf die Tradition gegen die Kirche von Rom ist ein Widerspruch in sich“
  2. Ein unvermeidliches Schisma?
  3. Der deutsche Frauenweiheämterstuhlkreis
  4. Nach Schisma der FSSPX: Frankreichs altrituelle Katholiken stehen zu Papst Leo XIV.
  5. Christian Würtz ist neuer Bischof von Eichstätt!
  6. Bischof Würtz ist offen für Frauenordination
  7. „Die große Würde des Priestertums besteht …“
  8. Bischof Hansen von Oslo will Angebot für 'Alte Messe' ausbauen
  9. Busfahrer rollt seinen Gebetsteppich aus, betet Richtung Mekka und unterbricht die Fahrt minutenlang
  10. Heute ist es eine finnische Abgeordnete und Großmutter; morgen könnten es leicht Sie sein!
  11. Kardinal Rouco/Madrid: Der Synodale Weg in Deutschland umgeht das Kirchenrecht
  12. Bereits vierte Kirchenübergabe an Kopten in Wien
  13. Kirche SOS
  14. Bischöfe aus aller Welt werden in Rom über Familien in Krisen sprechen
  15. Das sakrale Abenteuer als Zukunft der Kirche

Theologe Beck zu Ukraine: "Das größere Übel ist zuzuschauen"

27. Februar 2023 in Chronik, 4 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Wiener Moraltheologe Beck zum russ. Angriffskrieg auf die Ukraine: Im Falle einer Verletzung der Grenzen völkerrechtlich souveräner Staaten gelte die Regel des Thomas von Aquin: "Wenn du angegriffen wirst, darfst du dich verteidigen."


Wien  (kath.net/KAP) Innerhalb eines Krieges gibt es keine gute Lösung, sondern nur Verlierer. Es sei eine Dilemmasituation, bei der es "nur schlecht und noch schlechter" gebe, ist der Wiener Theologe und Ethiker Matthias Beck überzeugt. Krieg und Töten seien schlicht "ohne Sinn", so der Moraltheologe im Interview mit den "Salzburger Nachrichten" (SN) am Samstag. Am Beispiel der Ukraine, wo ein souveräner Staat überfallen, Frauen vergewaltigt und Kinder ermordet wurden, komme aber auch für Christen ein Punkt, an dem Verteidigung legitim sei. "Das größere Übel ist zuzuschauen, das kleinere Übel ist, etwas zu unternehmen", so Beck.

Die Frage, die sich angesichts des Jahrestags (24.2) des Angriffs Russlands auf die Ukraine stelle, sei, ob man die Freiheit verteidigen wolle oder nicht, meinte der Ethiker. Die Alternative sei, "man lässt den russischen Angriffskrieg laufen", das ukrainische Volk unterwerfe sich und lebe unter der Diktatur von Russland. Im Falle einer Verletzung der Grenzen völkerrechtlich souveräner Staaten gelte jedoch die Regel des Thomas von Aquin: "Wenn du angegriffen wirst, darfst du dich verteidigen."


Die Diskrepanz zwischen dem völkerrechtlichen Verteidigungsrecht und dem ethischen Tötungsverbot lasse sich jedoch moralisch nicht auflösen, mahnte Beck. So sei es zwar unter keinen Umständen gut, einen Menschen zu töten, es könne aber gerechtfertigt sein, sich in Notwehr zu verteidigen. "Das heißt, dass man sein eigenes Menschsein aufrechterhält gegen einen moralisch nicht begründeten Überfall." Und weiter: "Wenn man sich verteidigen könnte, ohne zu töten, wäre das natürlich besser."

Folglich seien parallele Friedensverhandlungen von größter Bedeutung. Der Theologe wies auch auf die Asymmetrie des Krieges hin, da Angreifer und Verteidiger nicht auf der gleichen Ebene stünden. So führe nicht die Ukraine Krieg gegen Russland, sondern Russland Krieg gegen die Ukraine. Für beide Seiten gelte jedoch, dass jeder tote Soldat einer zu viel sei, so Beck.

Letztlich gehe es nicht um einen Sieg der Ukraine über Russland, da Siegen eher ein Begriff für die Angreifer sei, argumentierte Beck. Im Krieg gebe es "keine Sieger, sondern nur Verlierer". Und weiter: "Es kann nur darum gehen, dass die Ukraine instand gesetzt wird, ihr souveränes Land, das völkerrechtlich anerkannt ist, und die Menschen, die darin leben, zu verteidigen."

Freiheit ein sehr hohes Gut

Die Freiheit und Achtung der Menschenwürde jedes einzelnen Menschen stelle ein sehr hohes Gut dar. Darunter falle etwa, "dass wir offen miteinander sprechen können, dass wir wahrscheinlich nicht abgehört werden, dass wir nicht diskriminiert werden, wenn wir den Staat kritisieren, dass wir Demonstrationsfreiheit haben, dass wir die Menschenwürde respektieren und jeder einzelne Mensch ein Recht auf Leben hat". All diese Werte wolle Beck nicht missen.

Dilemma und Drama

Auf die Frage, ob eine militärische Verteidigung auch den Tod Hunderttausender Soldaten in Kauf nehmen müsste, meinte der Theologe, dass die Verteidigung der Freiheit nicht "den Tod eines einzigen Soldaten wert" sei. Es ist laut Beck ein unauflösbares Drama und Dilemma. Der Theologe mahnte dabei auch vor der missbrauchten Rede vom Heldentod und einem Heldenpathos. So bedeute selbst der Opfertod Jesu am Kreuz nicht, dass der Tod eines Soldaten als Opfer glorifiziert werden solle. "Dennoch kann man dankbar sein für die Verteidigungsleistung." In puncto der Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen im Falle der Ukraine, meinte Beck, dass die Freiheit der Gewissensentscheidung oberstes Gebot und zu respektieren sei. So müsse zwar nicht jeder sein Land verteidigen, die Menschen darin gelte es aber trotzdem zu schützen. "Wenn ich mich aus meinem Gewissen heraus weigere, auf einen Menschen zu schießen, muss es im Kriegsfall jemand anderer tun." Als Alternative nannte Beck die Möglichkeit, dass sich alle ergeben; dies geschehe aber nicht, "auch deshalb, weil wir sonst die Schutzlosen im Stich lassen".

 

Copyright 2022 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich (www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu







Top-15

meist-gelesen

  1. Christian Würtz ist neuer Bischof von Eichstätt!
  2. „Die Berufung auf die Tradition gegen die Kirche von Rom ist ein Widerspruch in sich“
  3. Der deutsche Frauenweiheämterstuhlkreis
  4. Heute ist es eine finnische Abgeordnete und Großmutter; morgen könnten es leicht Sie sein!
  5. Nach Schisma der FSSPX: Frankreichs altrituelle Katholiken stehen zu Papst Leo XIV.
  6. Busfahrer rollt seinen Gebetsteppich aus, betet Richtung Mekka und unterbricht die Fahrt minutenlang
  7. Papst zieht auch in Castel Gandolfo zurück in seinen Palast
  8. Bischof Würtz ist offen für Frauenordination
  9. Ein unvermeidliches Schisma?
  10. Bischof Hansen von Oslo will Angebot für 'Alte Messe' ausbauen
  11. Niederlande: Erstmals Tötung eines Kindes unter zwölf Jahren im Rahmen der aktiven Sterbehilfe
  12. Kirche SOS
  13. Kardinal Rouco/Madrid: Der Synodale Weg in Deutschland umgeht das Kirchenrecht
  14. „Die große Würde des Priestertums besteht …“
  15. Leo XIV. überarbeitet Franziskus-Reform für Diözese Rom

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz