Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Endgültiger Bruch mit Rom droht: Priesterbruderschaft St. Pius X. kündigt Bischofsweihen an
  2. Glaubenspräfekt warnt vor "Internet-Theologen" und Selbstsicherheit
  3. Theologe Johannes Hartl: „Woher kommt dieses Konglomerat an Denken, das sich ‚liberal‘ nennt?“
  4. Bischöfe und Funktionäre im Paralleluniversum
  5. Kardinal Müller: „Von der ‚Kirche des Franziskus‘ zu sprechen“, „das ist für mich eine Häresie“
  6. Kard. Müller nach Gespräch mit Papst Leo: „Atmosphäre ist von wechselseitigem Vertrauen bestimmt“
  7. Öffentlich-rechtlicher Sender SWR konfrontiert Ordensfrau mit obszöner Frage
  8. Bischof von Cordoba: Priester durften bei Zugsunglück Sterbesakramente nicht spenden
  9. Die Stunde der Heuchler
  10. Papst Leo XIV.: 'Abtreibung ist der größte Zerstörer des Friedens'
  11. Ein einziges Depositum der Wahrheit. Die Einheit von Schrift und Tradition
  12. Hunderte Einsprüche gegen Pfarrauflösung in der Diözese Linz - Keine Antworten aus Rom
  13. Massive Medienvorwürfe gegen den Priester Wolfgang Rothe als Mitglied des Betroffenenbeirats
  14. Ist Jesus der Herr?
  15. Nach „Wort zum Sonntag“: Staatsanwaltschaft ermittelt weiter gegen Pastorin Behnken

Angeklagt ist: Die Bibel

7. September 2023 in Kommentar, 8 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


„Ende der vergangenen Woche fand in Finnland der Berufungsprozess zu Päivi Räsänen statt. Im Gericht ging es um nichts weniger als die Frage, ob Christen ihre Überzeugungen in der Öffentlichkeit vertreten dürfen.“ Gastbeitrag von Ludwig Brühl


Helsinki (kath.net) Ende der vergangenen Woche fand in Finnland der Berufungsprozess zu Päivi Räsänen statt. Im Gericht ging es um nichts weniger als die Frage, ob Christen ihre Überzeugungen in der Öffentlichkeit vertreten dürfen.

Der US-amerikanische Bestsellautor und Journalist Rod Dreher („Benedikt Option”) sprach von „der Gerichtsverhandlung des Jahrhunderts.” Denn die christliche Abgeordnete muss sich inzwischen schon in der zweiten Instanz dafür verantworten, ihre christliche Position zu Ehe und Sexualität öffentlich vertreten zu haben.

Räsänen selbst ist Mitglied der finnisch-lutherischen Kirche. Als ihre Kirche 2019 die LGBT-Veranstaltung Pride Parade offiziell unterstützte, richtete sie einen kritischen Tweet an die Hierarchie ihrer Kirche. Darin fragte sie, wie diese Entscheidung mit der Bibel zusammenpassen würde.

Was folgte war keine Entschuldigung der Kirche, sondern eine staatliche Hexenjagd gegen die mehrfache Großmutter und christdemokratische Abgeordnete. Insgesamt 13 Stunden Polizeiverhör musste Räsänen mehrere Monate lang über sich ergehen lassen. Am Ende entschied die Staatsanwaltschaft in drei Fällen Anklage zu erheben.


Konkret hatte Räsänen auf Twitter, im Radio und in einer kleinen Publikation die Auffassung vertreten, dass alle Menschen in Gottes Ebenbild geschaffen seien und daher die gleiche Würde haben. Gleichzeitig steht ausgelebte Homosexualität der christlichen Sicht auf Ehe und Sexualität entgegen.

Mehrmals wurde Räsänen angeboten sich von ihren Aussagen zu distanzieren. Paul Coleman, der leitende Anwalt der Menschenrechtsorganisation ADF International, war in der Berufungsverhandlung und meinte danach: „Der Kern des Kreuzverhörs durch die Staatsanwältin war die Frage: Würde Päivi Räsänen ihren Glauben widerrufen? Die Antwort lautete nein – sie verleugnet nicht die zentralen Punkte ihres Glaubens.” Coleman ist Teil des rechtlichen Verteidigungsteams von Räsänen.

Für Räsänen steht viel auf dem Spiel. Die Anklage fällt in den strafrechtlichen Bereich der „Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“ Die Höchststrafe dafür liegt bei zwei Jahren Gefängnis. Räsänen drohen hohe Geldstrafen und die Zensur ihrer Aussagen.

Die gestandene Politikerin sitzt seit 25 Jahren im Parlament – so etwas hat sie aber noch nie erlebt. Sie ist als Ärztin, ehemalige Innenministerin und Parteichefin der Christdemokraten anerkannt. Erst vor ein paar Monaten gewann sie wieder ihr Parlamentsmandat. Sie äußert sich zu kontroversen Inhalten überlegt, klar und liebevoll. Sätze wie „jeder Mensch hat eine Würde“, und „Gott liebt jeden Einzelnen, unabhängig von seiner sexuellen Orientierung“ spricht sie aus Überzeugung und wiederholte sie auch vor Gericht immer wieder.

Der Prozess selber hielt einige skurrile Überraschungen bereit. Schon in der ersten Instanz hatte die Staatsanwältin alttestamentarische Bibelstellen vorgelesen, um darzustellen, dass die Bibel ‚Hassrede‘ enthält.

Vor dem Berufungsgericht letzte Woche nannte die Staatsanwältin Räsänens Interpretation und Veröffentlichung der Bibelverse „kriminell”. Zu ihrer christlichen Überzeugung meinte die Staatsanwältin: „Der Punkt ist nicht, ob es wahr ist oder nicht, sondern dass es beleidigend ist.”

Obwohl Räsänen letztes Jahr vor dem Bezirksgericht in Helsinki freigesprochen wurde, geht die Staatsanwaltschaft weiter gegen sie vor. Ziel ist die Zensur und Kriminalisierung von bestimmten christlichen Überzeugungen: „Sie können glauben, was Sie wollen, aber Sie sind darin eingeschränkt, welche Überzeugungen Sie zum Ausdruck bringen dürfen“, hieß es am zweiten Prozesstag.

Bei dieser Argumentation fiel ein skurriles Detail kaum mehr ins Gewicht: Das Gesetz, unter dem sie für die kleine Publikation angeklagt ist, trat erst Jahre nach der Veröffentlichung 2004 in Kraft.

Jetzt liegt es an den Richtern Meinungs- und Religionsfreiheit in dem Land zu verteidigen. Bis zum 30. November soll das Berufungsgericht das Urteil verkünden. Die Verteidigung hat vor Gericht alles Mögliche getan. Für den Anwalt Coleman ist klar: „Wir werden Päivi Räsänen weiterhin zur Seite stehen.” Die Wochen der Entscheidung werden zeigen, „ob die Äußerung von christlichen Überzeugungen in Finnland ein Verbrechen ist.”

Der Autor ist Sprecher der christlichen Menschenrechtsorganisation ADF International, die Päivi Räsänen vor Gericht unterstützt. Auf Twitter finden Sie ihn unter @LudwigBruehl


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu







Top-15

meist-gelesen

  1. ISLAND-REISE - KOMMEN SIE MIT! - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. Endgültiger Bruch mit Rom droht: Priesterbruderschaft St. Pius X. kündigt Bischofsweihen an
  3. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  4. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz
  5. Theologe Johannes Hartl: „Woher kommt dieses Konglomerat an Denken, das sich ‚liberal‘ nennt?“
  6. Kard. Müller nach Gespräch mit Papst Leo: „Atmosphäre ist von wechselseitigem Vertrauen bestimmt“
  7. Kardinal Müller: „Von der ‚Kirche des Franziskus‘ zu sprechen“, „das ist für mich eine Häresie“
  8. Nach „Wort zum Sonntag“: Staatsanwaltschaft ermittelt weiter gegen Pastorin Behnken
  9. Öffentlich-rechtlicher Sender SWR konfrontiert Ordensfrau mit obszöner Frage
  10. Die Stunde der Heuchler
  11. Papst Leo XIV.: 'Abtreibung ist der größte Zerstörer des Friedens'
  12. Bischöfe und Funktionäre im Paralleluniversum
  13. Bischof von Cordoba: Priester durften bei Zugsunglück Sterbesakramente nicht spenden
  14. Glaubenspräfekt warnt vor "Internet-Theologen" und Selbstsicherheit
  15. Berichte über neue Wunder des Hl. Charbel in den USA und im Libanon

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz