Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Vatikan: Erklärung Dignitas infinita über die menschliche Würde
  2. Kirchen müssen die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie aufarbeiten!
  3. Deutscher Geschlechter-Gesetz-Irrsinn - Alle 12 Monate ein 'anderes Geschlecht'
  4. Biograf Peter Seewald korrigiert Papst Franziskus: Papst Benedikt XVI. hat Geschichte geschrieben
  5. Papst Franziskus will Gänswein offenbar zum Nuntius ernennen
  6. Innsbrucker Bischof Glettler fällt den Lebensschützern in den Rücken
  7. Anhaltende Proteste gegen Ausstellung in einer Kirche in Italien
  8. Werden Sie Schutzengerl für kath.net für mindestens 2024 und 2025!
  9. BRAVO! - 6000 Teilnehmer beim Marsch für das Leben in München
  10. Riccardo Wagner wurde katholisch: „Ich wollte nie Christ sein. Ich war Atheist“
  11. Papst wieder mit dem Titel "Patriarch des Westens"
  12. Oster: „Ich danke Ihnen allen sehr für kompromisslosen Einsatz für Schutz des menschlichen Lebens“
  13. Der "leise Mord" an den kleinen Kindern soll in Deutschland zu 100 % vertuscht werden!
  14. Brüsseler Barbarei ist Angriff auf die Menschenrechte und eine Schande für Europa!
  15. Polnische Bischofkonferenz ist der Schirmherr des Polnischen „Marsch für das Leben und die Familie“

Freispruch durch den Obersten Gerichtshof – Das Gefängnistagebuch - Leseprobe 4

9. Dezember 2023 in Buchtipp, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Über die Bedeutung des Leidens im Leben eines Christen. Ein neues Buch von George Kardinal Pell. Leseprobe 4


Linz (kath.net) 

Leseprobe 4

Dienstag der Karwoche, 7. April 2020

Obwohl ich gestern Abend bis gegen Mitternacht gearbeitet und Unterlagen sortiert und gebündelt habe, bin ich nicht fertig geworden und für heute Vormittag bleibt noch einiges zu tun.

Ich habe nicht allzu schlecht geschlafen, obwohl ich schon wach war, als mir um Viertel nach sieben mein Frühstück – wie immer bestehend aus Milch, drei Weetabix-Riegeln, zwei Scheiben Toast, Butter und Marmelade – gebracht wurde.

Das Duschwasser war wie immer heiß, und ich habe mich rasiert. Eine Zeitung gab es heute nicht, die bekomme ich, wie bestellt, immer montags, mittwochs (wegen des wöchentlichen Fernsehprogramms) und samstags, wenn der Weekend Australian erscheint.

Durch eine glückliche Fügung war ich gegen halb zehn mit dem Bündeln, Ordnen und Aussortieren meiner Unterlagen fertig und konnte danach mit meinem Tagesgebet, meinem Brevier, beginnen. Gegen 9.50 Uhr, als ich gerade die Matutin und die Laudes beendet hatte, sagte mir Paolo, der sich im Küchenbereich aufhielt, für Channel 7 halte sich ein Reporter am Gericht in Brisbane auf, da das Urteil bald bekannt gegeben werde.

Es dauerte noch ein oder zwei Minuten, bis ein überraschter und verwirrter junger Reporter erklärte, dass der Berufung stattgegeben und der Schuldspruch aufgehoben worden sei. Er stand unter Schock.

Etwas später erlitt er einen weiteren und noch schlimmeren Schock. Das Urteil war mit „seven-zip“ oder „seven-nil“, mit sieben zu null Stimmen gefällt worden. Ich erinnere mich nicht daran, was er gesagt hat, aber meine gebildeteren Freunde fanden großes Vergnügen daran, das Wort „zip“ zu benutzen, ein Begriff, der mir neu war.

Von irgendwo in der Nähe außerhalb von Trakt 3 erklang lauter Jubel, vermutlich von meinem regelmäßigsten Briefschreiber, der fest von meiner Unschuld überzeugt war. Er ist ein religiöser Mann und hatte eine Vorahnung gehabt, dass ich freikommen würde.


Paolo und Derek kamen beide zu meiner Zelle gelaufen, um mir durch das kleine Fenster in meiner Tür zu gratulieren und alles Gute zu wünschen. Abdullah war in seiner Zelle eingeschlossen, aber ich habe mich von ihm verabschiedet, ehe ich ging.

Ich habe keinen Luftsprung gemacht, aber vor lauter Erleichterung ein paarmal in die Luft geboxt und anschließend das Te Deum, das traditionelle Dankgebet, gesprochen. Leider hatte ich nur eine englische Übersetzung da und konnte mich nicht gut genug an den Wortlaut des lateinischen Originals – ein Meisterwerk! – erinnern. Dann betete ich zum Dank noch einen Rosenkranz, weil ich wieder einmal nicht so sein wollte wie die neun Aussätzigen.

Etwa eine halbe Stunde lang blieb alles ruhig; dann ging meine Zellentür auf und drei Gefängnisbedienstete standen da und sagten nichts. Ich brach das Schweigen und fragte: „Gibt es etwas Neues?“ – „Nein“, lautete die Antwort. „Eigentlich schon“, kam ich ihnen zu Hilfe: „Ich bin gerade freigesprochen worden.“

Daraufhin machten wir uns auf den Weg zum Zentralbüro, und der schweigsame Anführer der drei bemerkte: „Wunder gibt es immer wieder!“ Ich erlaubte mir eine kurze Richtigstellung: „Das war kein Wunder. Das war Gerechtigkeit.“

Ich ging langsam in den Umkleideraum, wo ich erleichtert feststellte, dass mein Anzug auf einem Bügel gehangen hatte und nicht allzu verknittert war. Mein Gürtel lag auch bereit, aber meine Hosenträger fehlten und ich musste sie mir holen lassen, weil meine Hose ohne sie nicht gehalten hätte. Ich hatte 15 Kilo abgenommen.

Ruth, Paul und Kartya waren gekommen, um nach der Entscheidung bei mir zu sein, ganz gleich, wie sie ausfallen würde. Sie waren begeistert und überglücklich und spendeten eine kleine Runde Applaus. Das Team hat mich persönlich und professionell wunderbar unterstützt, sie haben mehr getan, als sie hätten tun müssen, und ich bin sehr dankbar dafür.

Die Gefängnisbediensteten waren freundlich und kooperativ, als Kartya meine Entlassung regelte, und ich ging zumBüro, in dem das Eigentum der Gefangenen aufbewahrt wird, um dort eine überraschend große Menge an Material in Empfang zu nehmen: Briefe, Geschenke, Bücher und Zeitungen.

Ich saß auf dem Rücksitz von Kartyas Wagen, der zwar auch ein gutes Auto war, aber insgesamt einen schlechteren Eindruck machte als Pauls Mercedes, der vor uns herfuhr.

Das Tor schwang auf und gab den Blick auf etwa 20 Kameras und Fotografen frei, die – in gebührendem Abstand, wegen der Coronapandemie – auf der gegenüberliegenden Straßenseite warteten.

Es war wunderbar, die Landschaft zu sehen. Die flache Ebene war grün und lieblich, auch wenn sicherlich niemand sie für einen Teil der Schweizer Alpen halten würde.

Die Polizeiwagen begleiteten uns, da in einigem Abstand die Wagen der Presse folgten, und über uns flogen zwei Hubschrauber. Ich habe ihnen eine heiß ersehnte Ablenkung von den ständigen Coronanachrichten verschafft.

Wir versuchten Paul verständlich zu machen, dass wir hinter der Ausfahrt Burnley über den Eastern Freeway weiterfahren sollten, was auch gelang, nachdem wir kurz angehalten und uns abgesprochen hatten. Doch vergeblich, denn die Presse folgte uns weiterhin aus sicherer Entfernung, bis wir das Karmelitenkloster in Kew erreichten, wo uns bereits weitere Fotografen erwarteten.

Das Kloster ist eine weitläufige Anlage mit hohen Mauern und einem schönen Garten. Die Tore schwangen auf, der Wagen fuhr hinein und ich wurde von der Ehrwürdigen Mutter Oberin begrüßt. Am nächsten Tag war ein aus dem Hubschrauber geschossenes Bild von mir in der Zeitung, als ich die zehn Meter vom Auto zum Haupteingang zurücklegte.

Die Schwestern hätten nicht zuvorkommender sein können, während ich die Wohnung des Hausgeistlichen bezog, die beträchtlich größer und schöner war, als ich es zuletzt gewohnt gewesen bin.

Anschließend feierte ich die Messe in ihrer schönen Kirche, wo die Reliquien der hl. Therese, der Kleinen Blume, und ihrer Eltern, Monsieur und Madame Martin, auf das Ende des Lockdowns warteten. Chris Meney assisistierte mir als Messdiener, und ich dankte Gott für meine Freilassung.

Am Abend gab es als Hauptgang Steak und dreierlei Gemüse. Katrina Lee, die bei der Vorbereitung der Medienberichte so großartige Arbeit geleistet hatte, wollte unbedingt, dass das Interview mit Andrew Bolt möglichst bald stattfinden sollte, aber ich fühlte mich nicht in der Lage, das morgen schon zu erledigen.

Chris hatte eine Flasche Rotwein mitgebracht und ich trank ein Gläschen, während wir uns unterhielten. Obwohl es ein guter Wein war, schmeckte er mir nicht sonderlich. Gebe Gott, dass diese Abneigung nicht von Dauer ist. Das wäre ein Schlag!

Father Vincent Twomey, ein führender irischer Intellektueller und ein überlebensgroßer Kämpfer für die Rechtgläubigkeit, hat mir erneut eine E-Mail gesandt, um mir zu gratulieren. Seine paar Zeilen aus Shakespeares Othello liefern einen passenden Abschluss für den Tag meiner Befreiung in der Karwoche, kurz vor Ostern.

Wer meinen Beutel stiehlt, nimmt Tand; ’s ist etwas
Und nichts; mein war es, ward das Seine nun,
Und ist der Sklav’ von Tausenden gewesen,
Doch wer den guten Namen mir entwendet
​​Der raubt mir das, was ihn nicht reicher macht,
Mich aber bettelarm.

kath.net Buchtipp
Freispruch durch den Obersten Gerichtshof – Das Gefängnistagebuch, Band III
Von George Kardinal Pell                                                 
Gebunden, 416 Seiten
ISBN: 9783947931521
Media Maria Verlag 2023
Preis: 22,70 Euro


Bestellmöglichkeiten bei unseren Partnern:


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu







Top-15

meist-gelesen

  1. Werden Sie Schutzengerl für kath.net für mindestens 2024 und 2025!
  2. Biograf Peter Seewald korrigiert Papst Franziskus: Papst Benedikt XVI. hat Geschichte geschrieben
  3. Vatikan: Erklärung Dignitas infinita über die menschliche Würde
  4. Papst Franziskus will Gänswein offenbar zum Nuntius ernennen
  5. Riccardo Wagner wurde katholisch: „Ich wollte nie Christ sein. Ich war Atheist“
  6. Brüsseler Barbarei ist Angriff auf die Menschenrechte und eine Schande für Europa!
  7. ,Meine letzte Mahlzeit wird das Mahl des Lammes sein‘
  8. Wenn der Pfarrer seine Haushälterin verantwortungsgemeinschaftet
  9. Deutscher Geschlechter-Gesetz-Irrsinn - Alle 12 Monate ein 'anderes Geschlecht'
  10. BRAVO! - 6000 Teilnehmer beim Marsch für das Leben in München
  11. Papst wieder mit dem Titel "Patriarch des Westens"
  12. Innsbrucker Bischof Glettler fällt den Lebensschützern in den Rücken
  13. Der "leise Mord" an den kleinen Kindern soll in Deutschland zu 100 % vertuscht werden!
  14. Schottische Katholiken sind schockiert: Ernannter Bischof stirbt plötzlich vor seiner Bischofsweihe
  15. Lebensrecht ist nicht nur eine religiöse Frage, sondern es geht um die Grundlagen der Menschheit

© 2024 kath.net | Impressum | Datenschutz