Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Kissler-Kritik an Papst Leo XIV.: „Fatale Botschaft“ bei Lampedusa-Besuch
  2. "Ein Schisma und mein Ausstieg aus der Priesterbruderschaft St. Pius X."
  3. Medjugorje: Brandanschlag und Schändungen kurz vor Jugendfestival
  4. Die US-Bischöfe fördern die natürliche Familienplanung
  5. INSA-Umfrage: Relative Mehrheit der Deutschen lehnt Leihmutterschaft ab
  6. Festnahme nach Schändungen in Medjugorje - Bischof ruft zu Gebet auf
  7. Neues Video bringt Sea-Watch unter schweren Verdacht: Zusammenarbeit mit bewaffneten Schleusern?
  8. Pax tecum – Wenn der Papst über Frieden spricht
  9. Gänswein wird 70: Kirchenkarriere wohl noch nicht am Ende
  10. 'Weihnachten im Juli': Der Gedenktag der Heiligen Drei Könige
  11. Vatikan stuft schottische Mönche nach unerlaubter Bischofsweihe als exkommuniziert ein
  12. Ahmad Mansour: „Nennen wir es beim Namen: Es ist der Islamismus“
  13. Vatikan dementiert Berichte über Ende des Rupnik-Verfahrens
  14. Papst Leo: „So können wir als Christen das Alter leben: gebrechlich, aber zugleich berufen“
  15. Papst ruft zu christlichem Lebensstil im Urlaub auf

Jesuit: Russisches Gas und Öl dürfen nicht Europas Werte sein

22. November 2024 in Weltkirche, 1 Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Lemberger Ordensmann P. Stanchyshyn fordert Umdenken Europas und auch des Vatikans hinsichtlich Putins Angriffskrieg auf die Ukraine - "Keine Versöhnung ohne Reue möglich"


Wien (kath.net/KAP) Als einen "Kampf um Freiheit, Würde und Demokratie - Werte, die Europa und die Ukraine verbinden" bezeichnet der ukrainische Jesuit P. Mykhailo Stanchyshyn den nun bereits 1.000 Tage dauernden Angriffskrieg Russlands auf sein Heimatland. Angesichts des immensen Leids, welche der Krieg verursacht habe, sei ein Umdenken Europas und auch des Vatikans hinsichtlich der Einschätzung Russlands und der möglichen Wege zum Frieden vonnöten: "Russisches Gas und Öl dürfen nicht die Werte Europas sein", forderte der Ordensmann in einem aktuellen Interview mit dem Medienbüro der Österreichischen Ordenskonferenz.

In einem auf Facebook veröffentlichten Brief hatte der katholische Priester auch Papst Franziskus kritisiert. Dessen Aufruf zur Versöhnung komme verfrüht, da wichtige Vorbedingungen dafür wie echte Reue und Wiedergutmachung nicht stattgefunden hätten. "Wer von Versöhnung spricht, sieht die frischen Wunden nicht, die täglich gerissen werden. Die Mutter, die ihren Mann und den Vater ihrer Kinder begraben hat, will keine Versöhnung hören, wenn keine Reue gezeigt wird", so P. Stanchyshyn. Ein tieferes Verständnis für die Realität in der Ukraine sei somit in Europa und auch vom Vatikan vonnöten.

Die Wurzeln des Krieges lägen durchaus auch im Umgang Europas mit Russland in den vergangenen Jahrzehnten, sei dessen Präsident Wladimir Putin doch lange "hofiert" oder als "Demokrat" bezeichnet worden - letzteres etwa vom ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder unmittelbar nach den Tschetschenienkriegen. Dies habe laut dem Jesuiten Putin in seinem Handeln bestärkt. Er wolle mit dem Krieg erreichen, "dass das Ukrainische aufhört zu existieren, aber er hat sich verschätzt. Die Ukraine lebt - und kämpft", so der Geistliche, der sich von einem weiter bestehenden "unerschütterlichen Willen der Ukrainer" beeindruckt zeigte.


Freilich: Die Situation in der Ukraine sei im angebrochenen dritten Kriegswinter erbärmlich und schlimmer denn je. 1.000 Tage Angst durch ständige Bombenalarme und Flucht in die Dunkelheit der Keller oder U-Bahnstationen habe die Bevölkerung schwer gezeichnet, besonders die Kinder und Jugendlichen. "Viele Kinder fingen mit zehn oder zwölf Jahren wieder an, ins Bett zu machen, weil sie ständig Angst hatten", berichtete P. Stanchyshyn. Er selbst leide bis heute an Schlafstörungen, nachdem er die Explosion einer Bombe direkt vor seiner Wohnung im April 2022 - der Priester war damals im mehrmonatigen humanitären Hilfseinsatz in Charkiw - glücklich überlebte.

Während man im Westen oft an die seit Februar 2022 getöteten Zivilisten denkt - offiziellen Zahlen zufolge über 12.000 - sind für den Ordensmann besonders auch die getöteten Soldaten relevant. Über 70.000 Gefallene gebe es auf ukrainischer Seite, dazu 300.000 Schwerverwundete. "Es sind meine Brüder, die ihr Leben für unsere Freiheit gegeben haben", so der Jesuit. Westlichen Schätzungen zufolge könnte die Zahl jedoch auch über 80.000 ukrainische Gefallene und eine halbe Million Verwundete betragen, auf russischer Seite belaufen Schätzungen auf 115.000 gefallene Soldaten. Allein am Lemberger Friedhof gebe es 1.000 neue Gräber, berichtete P. Stanchyshyn.

Wie groß das seelische Leid der Menschen sei, erlebe er als geistlicher Begleiter tagtäglich, so der Lemberger Priester weiter. Eine Mutter habe ihm gesagt: "In was für einer Zeit leben wir eigentlich, dass eine Mutter sich freut, eine Leiche begraben zu können?" Hintergrund sei, dass Familien sonst oft nur knapp über den Tod ihrer Männer, Väter oder Söhne benachrichtigt würden. Von einer anderen Frau habe er zu hören bekommen, sie sähe ohne ihre kleinen Kinder keinen Grund mehr zum Weiterleben. "Ich höre zu, bleibe bei ihnen und wische die Tränen ab", so der Priester über den Umgang mit den trauernden Hinterbliebenen.

Copyright 2024 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
(www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 Gotteskind29 22. November 2024 
 

Vergeben

Es stimmt, es gibt keine Versöhnung ohne Reue, aber man kann trotzdem vergeben, denn die Vergebung ist ein Willensakt, im Namen Jesu.


2
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu







Top-15

meist-gelesen

  1. Medjugorje: Brandanschlag und Schändungen kurz vor Jugendfestival
  2. Sommerspende für kath.net - Bitte helfen SIE uns jetzt JETZT!
  3. Kissler-Kritik an Papst Leo XIV.: „Fatale Botschaft“ bei Lampedusa-Besuch
  4. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  5. "Ein Schisma und mein Ausstieg aus der Priesterbruderschaft St. Pius X."
  6. Gänswein wird 70: Kirchenkarriere wohl noch nicht am Ende
  7. DANKE JUSTIN! - Kanadischer Sänger bringt Stadion während WM-Finale mit „Halleluja“ zum Schweigen!
  8. Festnahme nach Schändungen in Medjugorje - Bischof ruft zu Gebet auf
  9. Krebs und Paradies – Das Leben des 17-jährigen David Buggi
  10. Leo beruft den lehramtstreuen US-Erzbischof Cordileone in die Apostolische Signatur
  11. Ahmad Mansour: „Nennen wir es beim Namen: Es ist der Islamismus“
  12. Auf der Intensivstation zum ständigen Diakon geweiht: Pino Cannavò
  13. INSA-Umfrage: Relative Mehrheit der Deutschen lehnt Leihmutterschaft ab
  14. Erzdiözese Wien bestätigt Pensionierung von Dompfarrer Faber
  15. Birkenstock springt auf "Nun Girl Summer"-Trend auf: Animierte Filz-Nonne in Birkenstock-Sandalen

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz