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Nach fast 24 Jahren Todeszelle in Pakistan: Der Christ Anwar Kenneth (72) ist frei

25. Oktober 2025 in Weltkirche, 2 Lesermeinungen
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Das Todesurteil wegen Blasphemie war vom Obersten Gerichtshof Pakistans bereits im Juni 2025 aufgehoben worden. Entgegen früheren Berichten wurde Kenneth dabei jedoch nicht freigesprochen.


München (kath.net/CSI) Der christliche Pakistani Anwar Kenneth (72) ist am 21. Oktober 2025, nach 24 Jahren Haft aus dem Zentralgefängnis Faisalabad entlassen worden. Das Todesurteil wegen Blasphemie war vom Obersten Gerichtshof Pakistans bereits im Juni 2025 aufgehoben worden. Entgegen früheren Berichten wurde Kenneth dabei jedoch nicht freigesprochen. Sein von Christian Solidarity International (CSI) unterstütztes Anwaltsteam kämpfte daher weiterhin für seine Rehabilitierung.

Anwar Kenneth war am 14. September 2001 wegen Blasphemie-Anklage gemäß Abschnitt 295-C des pakistanischen Strafgesetzbuches im Alter von 48 Jahren verhaftet worden. Der ehemalige Beamte des pakistanischen Fischereiministeriums hatte zuvor einen Brief an einen muslimischen Religionsgelehrten verfasst, in dem er seine christlichen Überzeugungen darlegte. Er wurde beschuldigt, durch diese Korrespondenz den Propheten des Islam verleumdet zu haben. Am 18. Juli 2002 befand ihn ein Gericht in Lahore für schuldig und verurteilte ihn zum Tode sowie zu einer Geldstrafe von 500.000 Rupien. Das Urteil wurde 2014 vom Lahore High Court bestätigt, jedoch nicht vollstreckt. 


Nachdem seine staatlich bestellten Anwälte ihn im Stich gelassen hatten, reichte Kenneths neues, von CSI unterstütztes Verteidigerteam um Rechtsanwalt Rana Abdul Hameed Khan die Berufung beim Obersten Gerichtshof ein. Das Todesurteil wurde schließlich am 25. Juni 2025 aufgehoben. Die jetzt erfolgte Freilassung ist der Schlusspunkt eines juristischen Kampfes, der fast ein Vierteljahrhundert andauerte. Sein Anwalt bezeichnete den Fall als „den größten Fall in der Rechtsgeschichte Pakistans“. Er betonte, dass Kenneth „ein unschuldiger Mensch sei, der keine Blasphemie begangen hatte“. Der Rechtsbeistand wurde während des Prozesses aufgrund der Brisanz des Falles von verschiedenen Seiten bedroht und unter Druck gesetzt.

Der Fall Kenneth rückt einmal mehr den Missbrauch der strengen pakistanischen Blasphemiegesetze in den Fokus. Diese Gesetze kriminalisieren eine Reihe von Vergehen gegen den Islam, wobei die Beleidigung des Propheten mit der Todesstrafe belegt wird. Seit dem Inkrafttreten der Gesetze im Jahr 1987 wurden einem Bericht aus dem Jahr 2022 zufolge fast 2.000 Menschen der Blasphemie beschuldigt. 86 Personen wurden nach einer Anschuldigung außergerichtlich ermordet. Die Gesetze schaffen ein Klima der Straflosigkeit für religiösen Terror. Falsche Blasphemievorwürfe können leicht als Waffe eingesetzt werden und führen dazu, dass Mobs das Gesetz in die eigene Hand nehmen. Religiöse Minderheiten und Menschen mit niedrigem sozialem Status sind besonders anfällig für den Missbrauch dieser Gesetze und können sich oft keine angemessene Rechtsverteidigung leisten. Die Zahl der Blasphemie-Strafverfolgungen in Pakistan steigt aktuell sprunghaft an – auch bedingt durch eine Zunahme von „Online-Blasphemie“-Vorwürfen, die von Bürgerwehren häufig gegen junge Christen erhoben werden.

Foto: die Hand des Freigelassenen Kenneth, da es ist noch nicht sicher ist, sein Gesicht zu zeigen (c) Christian Solidarity International (CSI)


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