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„Christen in Europa sehen sich zunehmend Hass und Diskriminierung ausgesetzt“

9. Februar 2026 in Aktuelles, 4 Lesermeinungen
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„Welt“: In Deutschland wies die Polizeistatistik 2024 337 christenfeindliche Straftaten aus, 22 Prozent mehr als im Jahr zuvor – Dunkelziffer vermutlich noch deutlich höher – Vandalismus: in Kirchen, Brandstiftung, Einschüchterung, körperliche Gewalt


Berlin-Wien (kath.net) „Die Zahl der christenfeindlichen Straftaten“ ist „in den letzten Jahren stark gestiegen“. Das erläutert Anja Tang, Direktorin der „Beobachtungsstelle für Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen in Europa (OIDAC Europe)“, im Interview mit der „Welt“. Allein im vergangenen Monat habe es vier Brandanschläge auf Kirchen gegeben. „Die Aufklärungsquote bei Vandalismus liegt in Deutschland aber gerade einmal bei einem Prozent. Viele Fälle werden gar nicht öffentlich bekannt. Über die Hintergründe erfahren wir oft wenig, außer bei Einzelfällen, wo Täter auch Botschaften hinterlassen. Gesellschaftlich vielleicht noch relevanter finde ich jedoch die Frage der Diskriminierung oder auch, wie es so häufig bezeichnet wird, eine zunehmende antichristliche Stimmung im Land.“

Sie fasst das Problem noch weiter und weist darauf hin, dass es „im gesellschaftlichen Diskurs und der verbreiteten Weltanschauung … inzwischen diese Idee“ gebe, „dass der Mensch nur dann gut leben kann, wenn er total selbstbestimmt ist und erst gar nicht mit anderen Meinungen konfrontiert“ werde. „Im postchristlichen Weltbild scheint die Tatsache, dass es eine Institution gibt, mit der man nicht darüber verhandeln kann, ob es vielleicht doch mehr als zwei Geschlechter gibt, unerträglich.“ Dies führe „manchmal zu politisch motivierten Angriffen“, stellt Tang fest. Aber es führe „auch zu Selbstzensur unter Christen, zum Beispiel am Arbeitsplatz, wenn bestimmte Meinungen nicht erwünscht sind“. Es seien inzwischen „viele Christen … aus Angst vor Konsequenzen sehr vorsichtig geworden“, „was sie sagen“.


Tang geht auf die gesellschaftlichen Großströmungen ein und erläutert, dass manche Menschen vermutlich deshalb „mit den katholischen Inhalten weniger anfangen“ könnten, „weil sie ihnen inzwischen zu konservativ erscheinen“. Dann erläutert sie aber explizit, dass sich „die katholische Lehrmeinung zur Menschenwürde“ „in den vergangenen 2000 Jahren nicht verändert“ habe. „Dass die katholische Kirche für den Schutz des ungeborenen Lebens ist oder sagt, dass die Familie der beste Ort ist für Kinder, um aufzuwachsen, sollte also eigentlich nichts Neues sein. Wenn sich die Kirche aber heute zu diesen Themen äußert, wird es medial oft so dargestellt, als gäbe es jetzt einen Rechtsruck in der Kirche, weil sie gegen Abtreibung ist.“ In Realität sei es aber „eher die Gesellschaft, die ihre Positionen zu diesem Thema verändert“ habe.

Gefragt nach „einer zunehmend negativen Darstellung des Christentums in den Medien“ antwortet Tang, dass Deutschland „hier leider besonders im Fokus“ stehe. Sie führt einige Beispiele „sogenannter Reportagen“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im vergangenen Jahr an, die den Eindruck vermittelt hätten, dass es „eher aktivistisches Lobbying“ gegangen sei. Man merke dies „schon an Überschriften, wie ‚Kreuzzug von Rechts‘, ‚Radikale Christen‘ oder ‚Mit Jesus gegen die Freiheit?‘“ Hier sei das Framing schon klar, bevor die Doku überhaupt losgehe. „Wenn man aber die Orte oder die Betroffenen kennt, die in diesen Reportagen thematisiert werden, merkt man sofort, dass das ins falsche Licht gestellt wird.“

In der Berichterstattung sei für sie „eine rote Linie überschritten“ worden, „als das öffentliche Gebet des brasilianischen Fußballers Kaká als gefährlicher Missionierungsversuch dargestellt wurde“. Tang erläutert dazu im „Welt“-Interview: „Wenn man beginnt, die öffentliche Bekundung des Glaubens grundsätzlich zu problematisieren, geht das gegen die Grundrechte und alles, wofür wir in einer pluralistischen Gesellschaft stehen. Als aber der muslimische Nationalspieler Rüdiger wegen einer Geste, die viele als islamische Machtgeste verstehen, kritisiert wurde, lud die Tagesschau gleich einen Experten ein, der erklärte, dass Rüdiger bestimmt nicht radikal sei und man das richtig einordnen müsse, damit das Thema nicht von rechter Seite missbraucht wird. Da wird offensichtlich nicht mit der gleichen Sensibilität mit religiösen Themen umgegangen.“

Auch auf der politischen Ebene zeigt sich Tang besorgt. Es werde meist problematisiert, „wenn sich jemand aus einer traditionell christlichen Weltanschauung heraus politisch engagieren möchte, … Aber dass sich jemand beispielsweise aus seiner linken Weltsicht heraus politisch engagiert, wird das hingegen überhaupt nicht thematisiert“.

Überhaupt sehe man, „was das politisch linke Spektrum betrifft“, „gerade in den vergangenen zehn Jahren eine zunehmende Aggression politischer Aktivisten, insbesondere gegen Christen, die wertekonservative Weltanschauungen vertreten“. Tang weist beispielhaft auf das christliche Cafés „Stay“ in Leipzig hin. Dort habe es „inzwischen 24 linksextreme Anschläge unter anderem mit Buttersäure“ gegeben und es sei „kein Ende in Sicht. Die Mitarbeiter haben mittlerweile Angst um ihre Sicherheit.“

Es werde, erläutert sie, zwar „auf der linken Seite … gerne behauptet, gegen Dogmen zu kämpfen, man ist aber selbst dogmatisch bis hin zum Gewaltbereich gegen jeden, der nicht dasselbe glaubt.“ Als Beispiel führt sie an, wenn jemand aus einer Gemeinde sage, „dass die Ehe nur zwischen Mann und Frau gilt, ist das für sie inakzeptabel und muss bekämpft werden. Wir sehen diese wachsende Intoleranz auch an den Universitäten, wo christliche Redner ausgeladen oder gecancelt werden.“

 


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