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„Es ist verlockend aber zweifelhaft zu glauben, wir müssten mit den Moden der Welt Schritt halten“

vor 3 Stunden in Spirituelles, keine Lesermeinung
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Bischof Erik Varden bei Fastenexerzitien im Vatikan: „War nicht der universelle Aufruf zur Heiligkeit, der Aufruf, die Wahrheit zu verkörpern, der stärkste Ton des Zweiten Vatikanischen Konzils?“


Vatikan (kath.net/pl) „Glanz der Wahrheit“, darüber sprach Bischof Erik Varden OCSO im Vatikan in seiner fünften Meditation bei den Fastenexerzitien von Papst Leo XIV. und der Kurie am Dienstagnachmittag. Varden leitet die diesjährigen Fastenexerzitien auf persönliche Einladung von Papst Leo. Der Prälat von Trondheim und Apostolischer Administrator von Tromsø ist auch der aktuelle Präsident der Skandinavischen Bischofskonferenz. Der Trappistenmönch, ein Konvertit aus dem lutherisch geprägten Christentum, ist ein gesuchter geistlicher Lehrer und Autor vieler spiritueller Bücher. Bischof Varden veröffentlichte einen Ausschnitt aus seinen Gedanken auf seinem Blog.

kath.net dokumentiert diesen Ausschnitt „Glanz der Wahrheit“ vom 24. Februar 2026 in eigener Arbeitsübersetzung:

Bernhard mahnt uns zur Wachsamkeit. Er sagt: „Ich möchte euch warnen: Niemand lebt auf Erden ohne Versuchung; wer von der einen befreit wird, muss mit der nächsten rechnen.“ Wir müssen das richtige Gleichgewicht bewahren zwischen dem Vertrauen auf Gottes Hilfe und dem Misstrauen gegenüber unserer eigenen Schwäche. Wir müssen Versuchungen fürchten, aber gleichzeitig ihre Unvermeidbarkeit akzeptieren und uns daran erinnern, dass Gott uns ihnen aussetzt, weil sie nützlich sind.


Nützlich in welchem Sinne?

Wenn wir den Pfeilen des Vaters der Lüge widerstehen, wird unser Bekenntnis zur Wahrheit gestärkt. Wir werden, nachdem wir uns von der schwächenden Lüge abgewandt haben, fähig sein, unsere Geschwister zu stärken.

Ehrgeiz ist eine besondere Form der Kapitulation vor der Unwahrheit. Ehrgeiz ist eine kaum verhüllte Form der Habgier. Bernhard, stets wortgewandt, übertrifft sich in dessen Beschreibung selbst. Ehrgeiz, so sagt er, ist „eine subtile Krankheit, ein heimtückischer Virus, ein okkulter Schädling, ein Meister der Täuschung; er ist die Mutter der Heuchelei, der Ursprung des Neids, der Ursprung der Laster; er ist der Zündstoff für Verbrechen, lässt Tugenden rosten, Heiligkeit verfaulen und Herzen verblenden. Heilmittel verwandelt er in Krankheiten. Aus der Medizin gewinnt er Apathie.“ Ehrgeiz entspringt einer „Entfremdung des Geistes“. Er ist ein Wahnsinn, der entsteht, wenn die Wahrheit vergessen wird. Die Tatsache, dass Ehrgeiz eine Form des Wahnsinns ist, macht ihn in jeder Ausprägung lächerlich, besonders aber, wenn er bei Menschen auftritt, die sich dem selbstlosen Dienst verschrieben haben. Nicht umsonst taucht die Figur des ehrgeizigen Geistlichen in Literatur und Film als komisches, aber nicht sehr lustiges Klischee auf – von den kriecherischen Pfarrern bei Jane Austen bis zum bissigen priesterlichen Schleimer in Patrice Lecontes bemerkenswertem Film „Ridicule“.

„Was ist Wahrheit?“

Die Menschen unserer Zeit stellen diese Frage ernsthaft, oft mit bemerkenswertem Wohlwollen, trotz ihrer Verwirrung, Angst und der ständigen Hektik. Wir dürfen sie nicht unbeantwortet lassen. Wir haben keine Energie, die wir an die törichten Versuchungen von Angst, Eitelkeit und Ehrgeiz verschwenden dürfen. Wir brauchen unsere besten Kräfte, um die substanzielle, essentielle und befreiende Wahrheit gegen mehr oder weniger plausibel erscheinende, mehr oder weniger teuflische Ersatzlösungen zu verteidigen.

In unserer Lage voller Möglichkeiten ist es unerlässlich, die Welt im Licht Christi zu sehen und zu beschreiben. Christus, der die Wahrheit ist, schützt uns nicht nur, er erneuert uns auch und drängt darauf, sich durch uns einer Schöpfung zu offenbaren, die sich zunehmend ihrer Vergänglichkeit bewusst wird.

Es ist verlockend zu glauben, wir müssten mit den Moden der Welt Schritt halten. Ich würde sagen, das ist ein zweifelhaftes Unterfangen. Die Kirche, ein sich gemächlich bewegender Leib, läuft immer Gefahr, altmodisch zu wirken. Doch wenn sie ihre eigene Sprache, die Sprache der Heiligen Schrift und der Liturgie, ihrer Vorfahren, Dichter und Heiligen, beherrscht, wird sie originell und erfrischend sein, bereit, uralte Wahrheiten neu auszudrücken und, wie schon zuvor, die Kultur neu zu prägen.

Diese Arbeit besitzt eine wichtige intellektuelle Dimension. Sie hat aber auch eine existenzielle. Wie Kardinal Schuster auf dem Sterbebett sagte: „Es scheint, als ließen sich die Menschen nicht mehr von unserer Predigt überzeugen, doch in der Gegenwart der Heiligkeit glauben sie weiterhin, knien sie nieder und beten.“

War nicht der universelle Aufruf zur Heiligkeit, der Aufruf, die Wahrheit zu verkörpern, der stärkste Ton des Zweiten Vatikanischen Konzils? Er hallte wie ein Gongschlag durch die Beratungen. Der christliche Anspruch auf Wahrheit wird überzeugend, wenn seine Pracht in aufopfernder Liebe in Heiligkeit, frei von der Versuchung zur Zögerlichkeit, persönlich sichtbar wird.

Vergl. dazu auch den kath.net-Artikel: Wohltuende Überraschung: Papst beruft norwegischen Bischof Erik Varden OCSO zu seinem Fastenprediger
Weitere kath.net-Artikel über Bischof Varden: siehe Link.

Foto aus diesen Fastenexerzitien (c) Vatican Media


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