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| ![]() Sieben Pfarreien sind viel zu viel für ein Bistumvor 2 Stunden in Kommentar, 1 Lesermeinung Die deutschen Bistümer überholen sich gegenseitig in der Radikalität ihrer Reformen. Wer hat die wenigsten Pfarreien. Die Rückzugsgefechte sind weltlich und finanzgetrieben - Der Montagskick von Peter Winnemöller Linz (kath.net) Das Bistum Speyer wandelt nun seine sieben Dekanate in sieben Pfarreien um. Damit folgt das Bistum einem allgemeinen Trend. Bisherige Bistumsreformen hatten aus Respekt vor den über Jahrhunderte gewachsenen Pfarreistrukturen diese Ebene des Kirchenaufbaus nicht angerührt, sondern bestehende Pfarreien in große Räume, manche sprachen von Pastoralkolchosen, zusammengefasst. Jenseits aller Polemik hat die Rede von der Kolchose eine tiefe Sinnhaftigkeit. Steht sie doch für eine Form der Arbeit, die den arbeitenden Menschen in seinem Betrieb weiter von seinem Tun entfremdet, als es jedes noch so große kapitalistische Konzerngebilde tun kann. Während der Konzern auf jeder Ebene seiner Existenz die Fruchtbarkeit seines Tuns in Form von Unternehmensgewinnen anstrebt, ist die Arbeit auf einer Kolchose ein stumpfes sinnentleertes Vor-sich-hin-schaffen, dem jeglicher Sinn und jegliches Ziel abgeht. Eine Kolchose braucht keine Erfolge und keine Gewinne, sie muss nur dafür sorgen, dass sie auf dem Papier ihren Plan erfüllt. Die Planerfüllung in Pastoralkolchosen bemisst sich nicht selten in der Anzahl abgehaltener Sitzungen. Nun ist Erfolg, das weiß man, keiner der Namen Gottes, und die Kirche ist kein Gewerbe, sie arbeitet nicht um der materiellen Gewinne willen. Da aber die Welt von Gott geschaffen ist und das Geschöpf an seinem Schöpfer Anteil hat, ist ökonomisches Handeln in seiner erfolgsorientierten Struktur näher am Auftrag der Kirche, als es viele wahrhaben wollen. Nicht der Gewinn in Euro oder Dollar ist das Ziel, sondern die Fruchtbarkeit im Sinne des Gewinnens, mithin des Rettens, von Seelen. Das ist das Geschäft der Kirche. Der Weg ist hier zugleich die Wahrheit und das Leben und sein Name ist Jesus Christus und die Kirche hält ihn durch ihre Existenz in der Welt. Der Umkehrschluss gilt allerdings nicht. Wo die Kirche sich zurückzieht, ist der Gute Geist Gottes immer noch in der Welt und Jesus versteht es unter absurden Bedingungen in die Herzen der Menschen zu sprechen. Die 13.000 Taufen junger Männer und Frauen in Frankreich allein in der Osternacht in diesem Jahr sprechen eine deutliche Sprache. Der Treppenwitz an dieser Geschichte ist, dass kein Land in Europa so radikal säkular ist wie Frankreich. Ist also die pastorale Abrissbirne das Zukunftsmodell der Kirche? Was die deutschen Bischöfe – neben dem Sitzen in mehr oder weniger synodalen Stuhlkreisen – zurzeit tun, ist eine radikale Abkehr der Kirche von der Gesellschaft. Nimmt man einmal den Sozialkonzern Caritas und das Beerdigungsunternehmen Kirche aus, war der Abstand, vor allem der des Klerus, zu den Menschen noch nie so groß. Strukturreformen, das ist jetzt neu, greifen tief in historisch gewachsene Strukturen ein und zerschlagen diese. Allem Vorgaukeln auf Hochglanzfolien und digitalen Präsentationen zum Trotz findet hier kein Aufbau statt und die Aufbruchsrhetorik folgt der Sprache der Werbeagenturen. Man folgt, begleitet von diesem PR-Getöse, ganz schlicht dem Diktat des Stellenschlüssels der hauptamtlichen Angestellten und der Kleriker, um qua Hochrechnung festzulegen, welche Struktur man bis zur nächsten Runde aufrecht erhalten kann. Im Bistum Speyer sind es nun sieben Pfarreien. Wie groß diese Pfarreien dann sein werden, mag man sich gar nicht ausdenken. Pfarreien von einer mehrfachen Größe eines italienischen Bistums werden – nicht nur in Speyer – bald die Regel sein. Im Erzbistum Paderborn sind Pfarreien von 60.000 und mehr Menschen möglich, wenn die nächste Stufe der Reformen abgeschlossen ist. Das Zerschlagen historischer Strukturen hat den ganz großen Vorteil, dass man einmal am Reißbrett aufräumen kann. Finanzen und Liegenschaften von aufgelösten Pfarreien bekommt man so in der Zentrale nun in die Finger und kann, wo man es für nötig erachtet, neu ordnen. So fasst das Erzbistum Paderborn alle Kindertageseinrichtungen in eine zentrale gGmbH zusammen. Sie sind damit aus den Pfarreistrukturen heraus und auch dem Zugriff der Pfarrer in Sachen Personal und Ausstattung entzogen. Diese Firma, die dort gerade aufgebaut wird, wird in Sachen Kinderbetreuung/ Kindererziehung und nicht zuletzt frühkindlicher Bildung einer der deutschlandweit größten Player werden. Das alles kann man machen, wenn man ohnehin gerade komplett umbaut. Gleiches gilt für Immobilienkonzepte. Von oben dekretiert müssen die Gemeinden/Verbünde/Wasauchimmer entscheiden, welche Immobilien sollen gehalten werden: Welche werden verkauft? Welcher werden vermietet? Vor den Gebäuden mit den Türmen dran und dem Tabernakel drin machen diese Konzepte nicht halt. Es ist einsichtig: Was soll eine Gemeinde mit einer Kirche, die sechshundert Besucher fasst, wenn diese alle zwei Wochen 20 Besucher in die Heilige Messe bringt. Kann das weg? Kann das umgebaut werden? Ein kleiner Versammlungsraum in einem Ensemble von verschiedenen Angeboten kann eine gute Lösung sein. Auch diese kann zum Gebet den Tag über offen sein. Gemeinden tun sich schwer, wenn Generationen zuvor, teils gegen Widerstände, aus eigenen Mitteln eine Kirche gebaut haben. Die Bistümer sollten mit diesen Gemeinden ehrlich umgehen und ihnen die Gebäude dann – aber nur dann – lassen, wenn sie eine Trägerstruktur mit hinreichend großer Finanzkraft haben. Ruinen, die vor sich hin verfallen, brauchen weder die Dörfer noch die Bistümer. Personal ist nicht nur im Handwerk Mangelware. Pastorales Personal mit und ohne Weihe werden in einem Maße knapp, dass den Personalchefs schon heute die Augen tränen. Die Priesterausbildung hat die Nulllinie erreicht. Und der Beruf des Pastoral- oder Gemeindereferenten ist derartig unattraktiv, dass man von einem sterbenden Beruf sprechen kann. Die Tränen der Personalverantwortlichen sind es am Ende, die die Strukturreformen antreiben. Die Frage des Bischofs an den Personalverantwortlichen, wie viel zur Leitung befähigter Personen er mittelfristig hat, bestimmt die Anzahl der Einheiten. Noch reden wir nicht über Bistumsfusionen. Kooperationen gibt es bereits. An der Grenze zwischen dem Bistum Münster und dem Erzbistum Paderborn, nämlich um Herzfeld herum, arbeitet ein bistumsübergreifendes Pastoralteam zusammen. Solche Kooperationen an den Grenzen werden zunehmen. Das Ziel ist erreicht, wenn der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz nicht nur Bischof von Deutschland, sondern auch einziger Pfarrer der die Bundesrepublik umfassende Pfarrei St. Michael ist. Sorry to say, aber das logische Ende liegt dort und nirgendwo anders. Die Dynamik geht in diese Richtung und wird dort ihr natürliches Ende finden. Blende … Jeder kann spätestens hier erkennen, dass der Weg der Bistümer ein Irrweg ist. Innerhalb der vorhandenen Strukturen und den teils beeindruckenden Vermögen einzelner Diözesen ist er andersherum auch wieder evident. Aber auch in Deutschland wachsen zarte Pflänzchen von jungen Menschen, die sich für den Glauben der Kirche interessieren. Diese sind weder an Bistumsprozessen, an synodalen Wegen, Räten und Konferenzen interessiert. Die wollen Jesus Christus und die wollen das Evangelium, die wollen den Katechismus. Religionssoziologen streiten sich aktuell darüber, ob es ein Rand- oder Massenphänomen ist. Das ist egal. Es ist ein Phänomen, das so groß wird, wie der Herr es möchte. Da zeigt sich etwas Wesentliches. Während diese ganzen Bistumsprozesse natürliche Phänomene sind, die von der Natur des Menschen nach ökonomischen, ökologischen, pastoralen, psychologischen und weiteren Kriterien gestaltet werden, wurzelt das Zugehen junger Menschen auf die Kirche in der Übernatur. Sie folgen dem Ruf Gottes. Wir können es bestenfalls beschreiben, und auch dann greifen wir immer noch zu kurz. Wir sollten hören, was der Geist den Gemeinden sagt – aber wollen das die Bischöfe überhaupt? Mehr noch, es wird jeden Pastoralstrategen in den Wahnsinn treiben, denn wir können nicht steuern, was hier passiert. Bestenfalls können wir uns darauf vorbereiten und die Türen öffnen. Die Kirche in Frankreich tut seit vielen Jahren nichts anderes mit ihren Missionskongressen. Doch selbst dort sagen die Bischöfe, wir haben die Türen geöffnet und sie kommen zum Fenster herein. Das sind die Grenzen, an die wir stoßen. Der Geist weht, wo und wie er will. So sind für uns oder für die Hirten derzeit weder die Dimensionen noch die Folgen der Bekehrungen junger Menschen vorhersehbar. Eines können wir sicher sagen, die kirchliche Landschaft wird in zehn Jahren nicht mehr die sein, die wir heute kennen. Eine solche Dynamik in Richtung Abbruch alter Strukturen und Aufbruch zu neuen Bekehrungen haben wir schon lange nicht mehr gehabt. Es ist auch nicht einfach eine Wiederholung von Cluny. Aber es hat einen ähnlichen Charme, und es kommt auch aus Frankreich, der ältesten Tochter von Mutter Kirche. Es ist keinesfalls so, als könnten die Neuaufbrüche, die wir erleben, mit den überkommenen volkskirchlichen Strukturen etwas anfangen. Ja, mehr noch, es gibt da kaum Berührungen. Auch vor dieser Folie ist es kein Fehler, sich den Prozessen in den Bistümern nicht komplett entgegenzustellen. Wir müssen nicht alles mitmachen. Denn letztendlich leben die Verfahren des Rückzugs auch nur in Gremien, Räten und Arbeitskreisen auf allen Ebenen weiter innerhalb des alten volkskirchlichen Musters. Die Volkskirche, das ist das Prinzip, wird aller gegenteiligen Behauptungen zum Trotz einfach verdünnt und verdünnt und verdünnt, bis so gut wie nichts mehr übrig ist. Evangelisierung ist das aller Synodallyrik zum Trotz immer noch nicht. Die wird uns auf anderen Wegen erreichen.
Bild oben: Man könnte meinen, die Zahl der Pfarreien eines Bistums würden beim Würfelspiel ermittelt. Foto: Peter Winnemöller mit AI erstellt. Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() Lesermeinungen
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