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| ![]() Das Ziel, für das der Mensch bestimmt ist. Die Aufnahme Mariens als Verheißung des ewigen Lebensvor 4 Stunden in Aktuelles, keine Lesermeinung Leo XIV.: Zwei ikonografische Modelle. Die Entschlafung Mariens und ihre Verherrlichung. Die Auferstehung des Leibes als endgültige Bestimmung des Menschen. Von Armin Schwibach Castel Gandolfo (kath.net/as) Beim Angelus am Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel richtete Papst Leo XIV. auf der Piazza della Libertà vor dem Apostolischen Palast in Castel Gandolfo den Blick auf ein Geheimnis, das sowohl in der katholischen Theologie als auch in der Volksfrömmigkeit seinen festen Platz hatte. Das Fest sei in vielen Gemeinden von besonderer Bedeutung gewesen, insbesondere dort, wo die Kathedrale oder die Pfarrkirche der Aufnahme Mariens in den Himmel geweiht sei. Um sich diesem Geheimnis des Glaubens zu nähern, verwies der Papst auf zwei ikonografische Modelle, mit denen Künstler im Lauf der Jahrhunderte die Aufnahme der Gottesmutter in die Herrlichkeit dargestellt hätten. Das ältere dieser beiden Modelle sei fast ein Jahrtausend lang die vorherrschende Darstellung gewesen. Es zeigte die „Entschlafung“ der Muttergottes. Maria wurde auf einem Katafalk liegend dargestellt, im Tod entschlafen, während die Apostel sie umgaben und im Gebet verehrten. In der Mitte stand der auferstandene Christus, der die Seele Mariens wie ein neugeborenes Kind in seinen Armen hielt. Christus sei gekommen, um sie zu sich zu holen und mit sich in die Herrlichkeit Gottes zu nehmen, „in den Himmel“, wie es der Papst sinnbildlich formulierte. In dieser Darstellung werde sichtbar, dass der Herr für seine Mutter das verwirklicht habe, was er allen seinen Freunden verheißen habe: „Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin“ (Joh 14,3). Gerade darin liege die zentrale Wahrheit, die diese ältere Ikonografie hervorhebe: Nicht Maria selbst, sondern der gestorbene und auferstandene Christus führe den Menschen zu jenem Ziel, für das er seit jeher bestimmt sei, zum ewigen Leben. Unzählige Generationen von Gläubigen hätten diese Wahrheit beim Gebet vor den Ikonen der Entschlafung betrachtet. Auch in Rom könne sie im großen Apsismosaik der Basilika Santa Maria Maggiore betrachtet werden. Eine jüngere Ikonografie, die sich später im Westen entwickelt habe, habe dagegen einen anderen Akzent gesetzt. Sie zeige die Jungfrau Maria in voller Gestalt im Himmel, in Licht gehüllt und häufig von Engeln und Heiligen umgeben. Im Mittelpunkt stehe hier der verherrlichte Leib der Gottesmutter. Damit stehe diese Darstellung in Übereinstimmung mit dem Bild aus der Offenbarung des Johannes: „Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt“ (Offb 12,1). Einige Künstler hätten beide Darstellungsweisen miteinander verbunden. Oben hätten sie die verherrlichte Jungfrau gezeigt, während darunter das leere, häufig mit Blumen geschmückte Grab und die Apostel dargestellt worden seien, deren Blicke zu Maria im Himmel aufstiegen. Auf diese Weise seien Tod und Verherrlichung, Grab und Himmel in einer einzigen Bildkomposition miteinander verbunden worden. Dieses zweite Modell habe nach den Worten des Papstes jene Wahrheit hervorgehoben, dass Maria „mit Leib und Seele, also mit ihrer ganzen Person, in den Himmel aufgenommen wurde“. Die Gottesmutter sei jene Frau, die auf Erden „dem fleischgewordenen Wort Leib und Blut geschenkt und ihm bis zur vollkommenen Einheit im Opfer der Liebe gefolgt“ sei. Eben diese Frau sei „von ihm für immer in die Herrlichkeit aufgenommen worden“. Von der Gestalt Mariens führte Leo XIV. den Blick auf die letzte Bestimmung des Menschen. Auch diese Ikonografie ermögliche es, über das eigene Ziel nachzudenken. Die Fülle des Lebens, die in Maria sichtbar werde, erwarte nach den Worten des Papstes auch den Menschen am Ende der Zeiten. Dann werde sich erfüllen, was der heilige Paulus verheißen habe: Christus werde „unseren armseligen Leib verwandeln […] in die Gestalt seines verherrlichten Leibes“ (Phil 3,21). Das Verwesliche werde mit Unverweslichkeit und das Sterbliche mit Unsterblichkeit bekleidet werden (vgl. 1 Kor 15,54). Damit weise das Hochfest über die Person Mariens hinaus auf die Hoffnung der Auferstehung des Menschen. Maria sei in ihrer ganzen Person in die Herrlichkeit aufgenommen worden; in ihr werde daher bereits sichtbar, was am Ende der Zeiten auch den Erlösten zuteilwerde. Der Leib gehöre dabei nicht zu einer vergangenen oder abzulegenden Wirklichkeit des Menschen, sondern zur Ganzheit der Person, die Christus erlöse und zur Vollendung führe. Der Papst führte diesen Gedanken bis zur endgültigen Gemeinschaft mit Gott weiter. Der Mensch werde mit seinem durch die Liebe des Erlösers verwandelten Leib „in Ewigkeit leben und teilhaben an jenem Fest ohne Ende“. Die Aufnahme Mariens in den Himmel verweise damit auf das Ziel der menschlichen Existenz: nicht auf eine Auflösung der Person, sondern auf ihre Verwandlung und Vollendung in der Herrlichkeit Gottes. Zum Abschluss seiner Katechese richtete Leo XIV. den Lobpreis auf Gott, von dem dieses Heil ausgehe: „Preisen wir den Herrn, der an seiner und unserer heiligsten Mutter Großes getan hat!“. Die Aufnahme Mariens in den Himmel erschien damit als Werk Christi an seiner Mutter und zugleich als Zeichen für jene Vollendung, zu der der Mensch durch die Auferstehung und die Erlösung berufen war.
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