Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Fünf weibliche Opfer von Pater Marko Ivan Rupnik schreiben offenen Brief an Papst Leo XIV.
  2. „Der Wahlausgang in Berlin im September 2026 gibt vielen Bevölkerungsgruppen Anlass zur Sorge“
  3. "Marsch für das Leben"-Grußwort des DBK-Vorsitzenden Wilmer verfehlt das Thema
  4. Niederländischer Weihbischof Mutsaerts: „Kirche in der Krise – und wie wir sie nicht retten sollten“
  5. Irreversibel – die Diktatur des Geschehenen. Wenn die Geschichte zum ‚Lehramt‘ wird
  6. BDKJ und eine doch getaufte Kandidatin im Bundesvorstand
  7. Papst Leo singt mit 80.000 Jugendlichen das „Salve Regina“ auf Latein
  8. Salzburg: 1.000 Gläubige bei Adoratio-Kongress zu "Himmlischer Friede"
  9. Bei öffentlichen Anlässen: Kanadas Militärkapläne dürfen nicht über Gott sprechen
  10. Der Katholik Macron wird bei keiner der drei Papstmessen in Frankreich mitfeiern
  11. Wien: Rund 20.000 Teilnehmer bei ökumenischem "Marsch für Jesus"
  12. Tausende Teilnehmer bei Pro-Life-Kundgebungen in Berlin, Köln und Zürich
  13. Gender-Ideologie: Katholische Familie kämpft um ihre Tochter
  14. Fast der gleiche Glaube?
  15. Bemerkenswerte Geste: Wenn Papst Leo nach Frankreich kommt, werden alle Kirchenglocken läuten

Der Fels. Vatileaks und der Angriff auf die Kirche

8. Juni 2012 in Aktuelles, 14 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Ziele eines Vorgangs. Die Kirche ist immer ‚ecclesia militans’ und muss dies sein. Benedikt XVI.: 'Stachel im Fleisch einer postmodernen Welt'. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Gerade in den letzten zwei Wochen, in denen der vatikanische Skandal um Spionage und Dokumentendiebstahl mit der Veröffentlichung des Buches „Sua Santità“ durch den italienschen Journalisten Gianluigi Nuzzi zu seinem vorläufigen Höhepunkt gekommen ist, stellt sich immer dringlicher nicht nur die Frage nach dem „Wer?“, sondern vor allem nach dem „Warum?“ und dem Ziel des Vorganges.

Gewiss: Nuzzi - und nicht nur er - hat mit seinem Buch, das im September in deutscher Sprache herauskommen wird, gutes Geld verdient und wird dies wohl weiter tun. „Vatileaks“ ist nun auch für die Kinos geplant. Der französische Regisseur Laurent Herbie ist bereits an der Arbeit. Die Aufnahmen sollen in einem Jahr beginnen, natürlich mit der Beratung des Oberspezialisten Nuzzi, wie die Produktionsgesellschaft „Loull Production“, die mit der italienischen „Urania Pictures“ zusammenarbeiten wird, in den Medien bekannt gegeben hat. Zur Besetzung werden Kristin Scott Thomas, Andrè Dussollier und Sergi Lopez gehören, zusammen mit einem noch nicht genannten italienischen Schauspieler „erster Kategorie“. Ein „Polit-Thriller“ soll es nach den Worten der Produktion werden, in dessen Mittelpunkt der Vatikan im Moment des Sterbens des Papstes steht: „Wer wird sich des Thrones bemächtigen, über eine der mächtigsten und undurchsichtigsten Finanzinstitutionen herrschen?“: Mit dieser Frage bereitet die Produktion schon jetzt ein Publikum vor, wohl in der Hoffnung, den „Erfolg“ eines Dan Brown zu doppeln.

Dass sich auch der Film auf die Story um Vatileaks stürzen wird, war zu erwarten, scheint doch das, was in der letzten Zeit aus dem Vatikan kommt, nur mehr mit den Mitteln eines Romans, Thrillers oder Krimis erzählbar zu sein. „Der Butler war es“ – ein klassischer Satz, den jeder Krimiliebhaber kennt. Aber: war es der Butler? Wenn er es war: was wollte der Butler? Und vor allem: für wen arbeitete der Butler, da er ja seinen eigentlichen Arbeitgeber verraten hat?

Wenige zweifeln daran, dass es wohl der „Butler“ im konkreten Sinn war, der Dokumente von verschiedensten Schreibtischen des päpstlichen „Appartamento“ im Apostolischen Palast gestohlen, fotografiert oder fotokopiert hat. Trotz allen Schweigens und aller weiteren Dementis um den 47jährigen Kammerdiener Seiner Heiligkeit Paolo – „Paoletto“ – Gabriele ist die Rede von einer Vielzahl von Dokumenten, die die vatikanische Gendarmerie in dessen Wohnung sichergestellt habe. Warum aber hatte er sie in seiner Wohnung aufbewahrt, zusammen mit Adressenlisten? Wie kommt es, dass man so einfältig ist, zwischen den Fingern brennendes Material so unbedacht zu behandeln? Und vor allem: wie geschützt und sicher muss man sich fühlen, wenn man sich als einfacher Butler so naiv verhält?


Die schwierigste Frage von allen ist: wer steht hinter diesen Angriffen auf das Herz der Kirche, auf die Römische Kurie, auf die engsten Mitarbeiter des Papstes und somit nicht zuletzt auf den Papst selbst? Eine Frage, die in ihrer Feinstruktur wohl kaum eine Antwort finden wird. Viel hat die Weltpresse über Vatileaks und vatikanische Interna geschrieben. Von Grabenkämpfen zwischen Fraktionen war die Rede, die „diplomatische Seilschaft“ um das Staatssekretariat „der alten Riege“ herum gegen einen Staatssekretär, der nach dem Motto handelt: „Weniger Diplomatie, mehr Theologie“. Eine schon fast belustigende Interpretation sieht dem „Opus Dei“ nahe stehende Gruppen (ohne „Opus Dei“ scheint für einige der Pfeffer an der Sache zu fehlen) mit jenen von „Comunione e Liberazione“ im Krieg stehen, dies vor allem mit der Absicht, bei einem kommenden Konklave den jeweiligen Wunschkandidaten durchzudrücken. Eine für viele erregende Phantasie, die jedoch eher in andere Jahrhunderte und natürlich ins Reich des Imaginären passt.

Was einer Mainstreampresse fast notwendig entgeht, ist, dass all diese Interpretationsversuche am Kern der Sache vorbeigehen, da sie nicht in der Lage sind, ins „vatikanische Herz“ zu blicken, dieses zu verstehen. So stehen sie diesem immer nur außen vor. Zur echten Kommunikation jedoch gehört, den anderen von Innen her zu kennen oder sich darum zu bemühen statt leicht greifbaren Sensationen hinterher zu jagen.

Für einen vatikanischen Blick dagegen ist klar: Ziel der Vatileaks-Affäre, verbunden mit der sprungbereiten Mitwirkung gewisser Medien, ist es, die wichtigsten und engsten Mitarbeiter des Papstes zu treffen, ins Zwielicht zu zerren, in einen absurden Kontext zu stellen, um den Papst selbst auf diese Weise (wenigstens in der veröffentlichen Meinung) zu isolieren, sein Reformwerk und seinen Regierungsstil zu stören oder zu zerstören und Zwietracht auf allen Ebenen der römischen Kirchenleitung zu säen. Dabei scheint Prinzip zu sein: so nahe wie möglich an den Papst ran, und sei es auch über die mediale Leiche seines Privatsekretärs.

Kurz: je „erfolgreicher“ der Papst bei den Menschen ist (man denke an die wöchentlichen liebevollen Umarmungen bei den Generalaudienzen und zum Angelus-Gebet oder an die großen italienischen und internationalen Ereignisse wie den jüngsten Weltfamilientag oder die großen Auslandsreisen), desto mehr müssen – vielleicht auch objektiv gegebene – Probleme vergrößert oder in einer aufgeblasenen Dimension dargestellt werden. Nicht wenige Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe in der Römischen Kurie sprechen in diesem Zusammenhang offen von satanischem Wirken.

Der Fels jedoch steht fest in der Brandung des Meeres, das sich mit zerstörerischer Wucht auf ihn werfen will. Unbeirrt hält Benedikt XVI. das Steuer des Schiffs der Kirche in der Hand, im Bewusstsein, dass die Kirche immer „ecclesia militans“ ist, „streitende Kirche“, so in seiner Tischrede beim Mittagessen mit den Kardinälen am 21 Mai. Das Böse will die Welt beherrschen. Deshalb ist es für Benedikt XVI. notwendig, „in den Kampf gegen das Böse einzutreten“. Es ist für den Papst klar, dass man in diesem Kampf Freunde braucht. Und es sollte auch klar sein, dass dies wichtiger ist als der Versuch, die Feinde zu verstehen, die das Werk des Papstes verfinstern wollen.

Prälat Georg Gänswein erkannte in seiner Einführung zum Buch „Gesù di Nazaret all’università. Il libro di Joseph Ratzinger – Benedetto XVI letto e commentato negli atenei italiani” (Jesus von Nazareth in der Universität. Das Buch von Joseph Ratzinger – Benedikt XVI., wie es in den italienischen Athenäen gelesen und kommentiert wird; Libreria Editrice Vaticana, Vatikanstadt 2012): Zu seiner Zeit als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre sei Kardinal Ratzinger „zum Stachel im Fleisch einer postmodernen Welt” geworden, „in der die Frage nach der Wahrheit für sinnlos gehalten wird, in einer Wohlstands- und Habsuchtsgesellschaft, die sich mehr und mehr von Gott abzuwenden scheint“. So sei er zu einem unbequemen Mann geworden, der – ohne viel zu diskutieren – ein schweres Joch auf sich genommen habe. Für Gänswein ist die Zeit einer tiefen Revision des Bildes gekommen, das einige Medien vom Ex-Präfekten konstruiert hätten: „dies nicht allein, um einer großen Persönlichkeit gerecht zu werden, sondern auch um vorurteilslos hören zu können, was dieser Mann auf dem Thron Petri zu sagen hat“.

Ziel des Widersachers ist es, das Wort und die Lehre eines großen Papstes, der in vielem nur mit Gregor dem Großen und Leo dem Großen verglichen werden kann, im Lärm, in den Nichtigkeiten der Winzlinge untergehen zu lassen, um es einem kleingeistigen, irrationalen und unmenschlichen Egoismus zu gestatten, sich für eine kleine Weile zu behaupten. Dem ist entgegenzuwirken, cum Petro et sub Petro, als die Kirche der Heiligen Gottes.

Sollte „Vatileaks“ hochrangige Drahtzieher haben, so werden diese dann – wenn sie je bekannt werden – nur mit olympischem Gelächter ob ihres geistigen und geistlichen Zwergentums bedacht werden und in den Abgrund des Irrelevanten und Vergessens gestürzt werden können. Für dämonische Geister die schlimmste Bestrafung.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Benedikt XVI.

  1. "Derselbe Polarstern"
  2. Namhafter anglikanischer Kanoniker wird katholisch, beeinflusst durch Kard. Newman und Benedikt XVI.
  3. Il Giornale: Benedikt XVI. hatte ‚große Besorgnis‘ wegen des Synodalen Wegs
  4. Santo subito? - Vatikan untersucht mögliches Wunder durch Benedikt XVI.!
  5. Santo Subito: Historiker Hesemann plädiert für schnelle Seligsprechung Benedikts XVI.
  6. Kardinal Kasper erinnert sich wertschätzend an Benedikt XVI./Ratzinger - „Kennen uns seit 1963“
  7. „Wenn wir mit Papst Benedikt XVI. diesen tiefen Ernst unserer Taufe realisieren…“
  8. „In seinem Pontifikat war Benedikt XVI. einer der größten Theologen auf der Cathedra Petri“
  9. Papst Leo verlieh Ratzingerpreis an den Stardirigenten Riccardo Muti
  10. "Unsere Liebe Frau von Guadalupe" ist "Mutter und Stern der Evangelisierung in Amerika"







Top-15

meist-gelesen

  1. ‚Trinkt auch ihr aus dieser Quelle!’ Der Durst, den nur Christus stillt
  2. Programm für Lateinamerika-Reise des Papstes veröffentlicht
  3. "Marsch für das Leben"-Grußwort des DBK-Vorsitzenden Wilmer verfehlt das Thema
  4. Präsident Trump nominiert Tochter von Franklin Graham zur Sonderbotschafterin für Religionsfreiheit
  5. Irreversibel – die Diktatur des Geschehenen. Wenn die Geschichte zum ‚Lehramt‘ wird
  6. Fast der gleiche Glaube?
  7. Gender-Ideologie: Katholische Familie kämpft um ihre Tochter
  8. Slowakei: Papst Leo XIV. grüßt die Teilnehmer des Nationalen Marsches für das Leben in Bratislava
  9. Kardinal Koch zu Israel und Gaza: Ehrlich miteinander sprechen
  10. Wenn die Liebe das Gesetz des Kalküls durchbricht…
  11. Stanislaus-Kostka-Wallfahrt von Wien nach Rom erreicht ihr Ziel
  12. Papst: In der Seelsorge auf das Wesentliche konzentrieren
  13. Bruder von Leo XIV.: Papst hilft bei der Steuererklärung
  14. Bischof an Jugend: "Licht des neuen Afrikas liegt in euch"
  15. Wien: Rund 20.000 Teilnehmer bei ökumenischem "Marsch für Jesus"

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz