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Ideal einer missionarischen und armen Kirche mehr denn je gültig!

1. Oktober 2013 in Aktuelles, 75 Lesermeinungen
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Neues Interview mit Franziskus: Der Kurienapparat "zu vatikanzentriert" ACHTUNG: Komplette Neufassung und gesamtes Interview jetzt in englischer Sprache!


Vatikanstadt (kath.net/KNA)
Papst Franziskus will die vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) eingeleitete Öffnung der Kirche zur modernen Kultur entschiedener voranbringen. Dazu gehöre eine religiöse Ökumene und ein Dialog mit den Nichtglaubenden, sagte er in einem Interview mit dem italienischen Journalisten Eugenio Scalfari. Das Konzil habe diese Richtung eingeschlagen, danach aber sei sehr wenig in diese Richtung geschehen. «Ich habe die Demut und die Entschlossenheit, das tun zu wollen», sagte er in dem in der Zeitung «La Repubblica» (Dienstag) wiedergegebenen Gespräch.

Der Kirche dürfe es nicht um Proselytismus gehen, um unlautere Mitgliederwerbung, sondern um den Einsatz für die Bedürfnisse, die Wünsche und Hoffnungen der Menschen. Proselytismus sei ein «Irrsinn». «Wir müssen den Jugendlichen Hoffnung geben und müssen den Alten helfen, sich der Zukunft zu öffnen, müssen Liebe verbreiten. Wir müssen Arme unter den Armen sein», sagte Franziskus in dem Gespräch. Zu den schlimmsten Übeln heute gehörten die Jugendarbeitslosigkeit und die Einsamkeit der Alten. Das seien für ihn «die dringendsten Probleme», vor denen die Kirche stehe, denn die Kirche müsse sich für die Seele wie für den Leib der Menschen verantwortlich fühlen.


Daher sei es nötig, kirchliche Strukturen zu ändern, betonte der Papst. Er habe die Gruppe von acht Kardinälen als Berater ausgewählt - «nicht Höflinge, sondern kluge Persönlichkeiten, die meine Vorstellungen teilen». Die Kirche dürfe nicht nur vertikal organisiert, sondern müsse auch horizontal ausgerichtet sein. Der Weg dahin, mit einen besonderen Akzent auf Konzilien und Synoden, sei lang und schwierig. Franziskus räumte ein, dass es in der Kurie Höflinge gebe und manche Leiter von ihren Mitarbeitern umschmeicheltund falsch informiert würden. Diese Mentalität sei «die Lepra des Papsttums».

Franziskus beklagte weiter, dass der Kurienapparat sei «zu vatikanzentriert». Er kümmere sich um die Interessen des Vatikan und vernachlässige die ihn umgebende Welt. «Ich teile diese Sicht nicht und werde alles tun, um sie zu ändern», betonte der Papst. Das Ideal des heiligen Franz von Assisi, der eine missionarische und arme Kirche wollte, sei heute aktueller denn je.

Die Kirche müsse wieder eine «Gemeinschaft des Volkes Gottes» werden, sagte der Papst. Die Kleriker seien Diener des Volkes Gottes, und der Heilige Stuhl müsse, ungeachtet seiner wichtigen Funktion, der Kirche dienen.

Der Klerikalismus, so der Papst, dürfe nichts mit dem Christentum zu tun haben. Dies habe schon der Heilige Paulus gezeigt, der als erster mit Heiden, Ungläubigen und Anhängern anderer Religionen gesprochen. Es sei wichtig, dem anderen zuzuhören und seine Umwelt und seine Gedanken kennenzulernen.

Als seine Lieblingsheiligen bezeichnete der Papst in dem Interview den Apostel Paulus, Augustinus, Benedikt, Thomas von Aquin, den Jesuiten-Ordensgründer Ignatius und Franziskus. Letzterer sei ein Mann der Tat gewesen, ein Missionar, ein Dichter, ein Prophet, ein Mystiker. «Er träumte von einer armen Kirche, die sich um die anderen kümmern würde, ohne an sich selbst zu denken. Seither sind 800 Jahre vergangen, und die Zeiten haben sich sehr geändert, aber das Ideal einer missionarischen und armen Kirche bleibt mehr denn je gültig», sagte der Papst.

Das Gespräch des Kirchenoberhauptes mit dem Gründungsherausgeber der Zeitung «La Repubblica» fand vergangene Woche im vatikanischen Gästehaus statt und wurde von der Zeitung am Dienstagmorgen im Wortlaut veröffentlicht. Vor einigen Wochen hatten der Papst und Scalfari bereits längere öffentliche Briefe miteinander ausgetauscht.

LINKTIPPS:

Das Interview in einer englischen Übersetzung

Einige Auszüge aus dem Interview bei Radio Vatikan


(C) 2013 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.
Foto (c) Osservatore Romano


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