Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. US-Vizepräsident JD Vance legt Papst Leo XIV. nahe, sich aus der US-Politik herauszuhalten
  2. George Weigel an Kardinal Hollerich: Hat die Kirche Christus zweitausend Jahre lang missverstanden?
  3. Kard. Müller: „Niemand hat das Recht den Papst zu kritisieren, wenn er treu seinem Auftrag folgt“
  4. Phil Lawler: Die Kontroverse zwischen Trump und Papst Leo ging von Washington aus
  5. Schwedischer Kirchenhistoriker: Viele junge Menschen wollen katholisch werden, besonders Männer
  6. Marsch für das Leben München – Unterstützung von Bischof Barron, Schweigen von Marx und Wilmer
  7. Trump gegen Papst Leo: Wenn Weltpolitik auf das „Heilige“ trifft
  8. Gericht verhandelt über Diskriminierung einer Lebensschutzgruppe an der Uni Heidelberg
  9. Setzt euer Vertrauen nicht in Prinzen!
  10. Kardinal Koch betont den zutiefst christozentrischen Charakter des Pontifikats von Papst Leo XIV.
  11. Viel Lärm um nichts?
  12. Ein Brief vom Papst an die Kardinäle und der Stilwechsel in Rom
  13. Papst Leo gegen Präsident Trump – Was steckt dahinter?
  14. "Derselbe Polarstern"
  15. Kardinal Fernández: Es laufen keine dezidierten päpstlichen Großaufträge am Glaubensdikasterium

Psychiater: Kontemplation ist 'Psychohygiene in Reinkultur'

11. November 2014 in Spirituelles, 7 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Neurowissenschaftler Bonelli: Betrachtendes Gebet ist "Angebot der Zukunft" für die Kirche - Fachtagung über Kontemplation und Multitasking am 22. November in Heiligenkreuz


Wien (kath.net/KAP) Kontemplation ist nach Ansicht des Wiener Neurowissenschaftlers Raphael Bonelli (Foto) ein Zukunftsgebiet für die katholische Kirche. Die betrachtende, anschauende Form des Gebets habe aus therapeutischer Sicht enorme positive Auswirkungen auf den Menschen - als "Psychohygiene in Reinkultur", wie der Leiter des Wiener Instituts für Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie am Montag im Interview mit "Kathpress" darlegte. Kontemplative Menschen zeigten oft "beeindruckenden Tiefgang und Stabilität", womit es ihnen besser gelinge, "Krisen zu bewältigen, ganz in der Gegenwart zu leben und anderen Menschen intensiv zu begegnen", so Bonelli.

Den Menschen misslinge es heute zunehmend, Ruhe zu finden oder sich zu konzentrieren, berichtete Bonelli aus der psychiatrischen Praxis: Oft verspürten Patienten wegen ständiger Aktivität innere Unordnung, bei der das eigene Leben nicht mehr nach Prioritäten geordnet werden kann. Heutige Formen der Mediennutzung verstärkten dies: "Viele fühlen sich gedrängt, immer online und erreichbar zu sein oder ständig E-Mails oder Facebook-Updates abzurufen", so der Psychotherapeut. Betroffenen falle ein Aufblicken, Rezipieren und Wahrnehmen der Realität schwer, und selbst Beziehungen würden durch das Smartphone und die Angst, etwas zu versäumen, oft gestört.


Diesem "Aktivismus-Modus" genau entgegengesetzt ist laut Bonelli die Kontemplation, das er als "Sehen, wie die Dinge wirklich sind" bezeichnete. Nicht unbedingt sei dieser Vorgang religiös, finde er doch auch bei Bergsteigern statt, die von ihren Erlebnisse mitunter als "religiöse Erfahrung" sprechen, auch ohne selbst religiös zu sein. Was hier passiere, sei ein Aufnehmen und Bewahren von Eindrücken, Reflexion statt sofortiger Reaktion, sowie Schweigen und Warten auf das Kommende - ein vor allem passiver Vorgang.

Das kontemplative Gebet trage dazu bei, dass statt dem "Ich" Gott zum Referenzpunkt werde, was eigene Probleme in neuem Licht sehen lasse. Bonelli: "Wer sich vor Gott als Geschöpf erlebt und sich in ihm geborgen erfährt, kann die neurotische Angst ablegen, die viele Menschen eine dicke, undurchdringliche Maske tragen lässt." Psychodynamisch sei die Anbetung "stimmig", zudem bewirke sie Veränderungen für den Blick auf die Welt und die Beziehungen, sowie in Folge für den Umgang mit Menschen.

Alleinstellungsmerkmal „Anbetung“

Die Gebetsform der Anbetung, bei der Menschen vor dem Allerheiligsten zu Ruhe kommen können, bezeichnete Bonelli als "Angebot der Zukunft" für die katholische Kirche und Alleinstellungsmerkmal. "Ihr 'unique selling point' ist die Eucharistie, nicht der Aktivismus. Die Kirche steht in Gefahr, dass sie mit dem Zeitgeist mitschwimmt, der glaubt, möglichst viel Programm in möglichst kurzer Zeit mit möglichst viel Spaß bieten zu müssen, wozu es jedoch ohnehin ein Überangebot gibt. Aktivismus zu bieten wäre hier zwar dieselbe Sprache, doch auch dieselbe Krankheit", so der Neurowissenschaftler.

Um Kontemplation im Alltag zu praktizieren, sei es laut Bonelli nötig, sich bewusst Zeit zu nehmen und dabei konsequent zu sein, "denn sie drängt sich nicht gewaltsam auf wie etwa das summende oder piepsende Handy". Als Schlüssel für einen kontemplativen Lebensstil bezeichnete der Neurowissenschaftler das Ordnen der Aufgaben und Lebensinhalte nach Prioritäten, das in dem Satz "Tu, was du sollst, und sei ganz in dem, was du tust" - ein Ausspruch des heiligen Josemaria Escriva - gut zusammengefasst sei.

Tagung in Heiligenkreuz

Bonelli äußerte sich im Vorfeld zur Fachtagung "Kontemplation & Multitasking", die am 22. November in der Hochschule Heiligenkreuz stattfindet. Weitere Vortragende sind u.a. die Psychotherapeutin Rotraud Perner über Arbeitssucht, der Psychiater Samuel Pfeifer über die Wechselwirkung zwischen Medien und Psyche sowie der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng, die Philosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz und der Prior der Johannesbrüder von Marchegg, Luc Emmerich, über das kontemplative Gebet.

Prof. Raphael M. Bonelli und Martin Lohmann. Tischgespräche, Teil 1


Teil 2


Copyright 2014 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten.
Foto Bonelli (c) Raphael Bonelli


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Raphael Bonelli

  1. Bonelli warnt vor zunehmendem Narzissmus in der Gesellschaft
  2. Psychiater: Glaube hat positive Wirkung bei psychischen Störungen
  3. Wenn PERFEKT nicht gut genug ist
  4. Sigmund Freud: Psychiater Bonelli für 'Entmythologisierung'
  5. Das Schuldbekenntnis
  6. Seine Frau hält ihn für sexsüchtig
  7. Faust baut Mist
  8. Die Unschuld auf der Couch
  9. 'Das Fehlen von Schuldgefühlen macht uns zum Monster'
  10. Studie: Religion fördert die psychische Gesundheit







Top-15

meist-gelesen

  1. Große SIZILIEN-Rundreise mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  2. Kard. Müller: „Niemand hat das Recht den Papst zu kritisieren, wenn er treu seinem Auftrag folgt“
  3. US-Vizepräsident JD Vance legt Papst Leo XIV. nahe, sich aus der US-Politik herauszuhalten
  4. "Derselbe Polarstern"
  5. Der unerklärte Formatwechsel beim Konsistorium der Kardinäle im Januar
  6. Ein Brief vom Papst an die Kardinäle und der Stilwechsel in Rom
  7. George Weigel an Kardinal Hollerich: Hat die Kirche Christus zweitausend Jahre lang missverstanden?
  8. „Wenn man der Wahrheit einen Namen geben möchte, ist das sicher Gott“
  9. Phil Lawler: Die Kontroverse zwischen Trump und Papst Leo ging von Washington aus
  10. Nach Extremerfahrung des Mondflugs: Artemis-Kommandant Wiseman fragte nach christlichem Seelsorger
  11. Papst Leo gegen Präsident Trump – Was steckt dahinter?
  12. Marsch für das Leben München – Unterstützung von Bischof Barron, Schweigen von Marx und Wilmer
  13. Schwedischer Kirchenhistoriker: Viele junge Menschen wollen katholisch werden, besonders Männer
  14. Kardinal Fernández: Es laufen keine dezidierten päpstlichen Großaufträge am Glaubensdikasterium
  15. Setzt euer Vertrauen nicht in Prinzen!

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz