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Psychiater: Glaube hat positive Wirkung bei psychischen Störungen

30. August 2015 in Österreich, 3 Lesermeinungen
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Wiener Psychiater Bonelli sprach bei einem Wiener Kongress über das Verhältnis zwischen psychischen Störungen, Religion und Spiritualität.


Wien (kath.net/ KAP)
Religiosität kann bei einer Reihe von psychischen Erkrankungen einen positiven Effekt auf die Patienten haben. Zu diesem Schluss kam der Wiener Psychiater und Neurowissenschaftler Raphael Bonelli in seinem Vortrag zum Thema "Psychische Störungen, Religion und Spiritualität" am Samstagmorgen in der Sigmund Freud Universität in Wien. Der Vortrag fand im Rahmen eines internationalen Kongresses statt, der das Verhältnis von moderner Wissenschaft und Religion und deren Einfluss auf die Entwicklung von Gesellschaft und Individuum zum Thema hatte.

Bonelli stützte seine These auf die Untersuchung von über 100 wissenschaftlichen Artikeln, die sich mit dem Verhältnis zwischen Religiosität und psychischen Krankheiten beschäftigen. Demnach unterstrichen über 70 Prozent der analysierten Artikel die positive Wirkung von Religiosität bei verschiedenen psychischen Störungen. So sei insbesondere bei Demenz, Depressionen oder Schizophrenie, aber auch bei posttraumatischen Belastungsstörungen oder Drogen- und Alkoholabhängigkeiten ein größtenteils positiver Zusammenhang in den Artikeln zu erkennen, so Bonelli. Dadurch ließe sich Sigmund Freuds These, dass Religiosität an sich schon eine psychische Störung darstelle, klar widerlegen. Lediglich fünf Prozent der untersuchten Artikel stellten einen negativen Bezug zwischen Religiosität und psychischen Krankheiten dar.


Grundsätzlich sei zu beobachten, dass das Interesse der Neurowissenschaft an der Komponente Religion in den letzten Jahren deutlich zugenommen habe. Wurde Religiosität lange Zeit als "vergessener Faktor" bezeichnet, sei die Anzahl der Artikel, die sich mit Religion und Neurowissenschaft befassen, in der jüngeren Vergangenheit um über 50 Prozent gestiegen. Grundsätzlich könne man heute sagen, dass Lebensqualität und Religiosität eine grundlegend positive Korrelation aufweisen. Dies gelte besonders für ältere Menschen, so der Psychiater.

"Glaube und Wissenschaft korrigieren einander"

Eine "sich gegenseitig bedingende Beziehung" zwischen Glaube und Wissenschaft postulierte der Wiener Pater und Hausoberer der Niederlassung der Legionäre Christi in Wien, George Elsbett. Er sprach in Vertretung des Salzburger Diözesanbischofs Franz Lackner, der sich entschuldigen ließ. "Glaube und Wissenschaft sind wie zwei Flügel eines Flugzeugs: Fehlt einer, wird das Flugzeug Probleme bekommen", so Elsbett. Der Glaube könne durch seinen moralischen Anspruch in der modernen Wissenschaft einen Beitrag leisten. Außerdem würden religiöse Werte dabei helfen, Dinge noch einmal zu überdenken und den größeren Zusammenhang zu erkennen.

Auf der anderen Seite sei auch Wissenschaft für die Religion unverzichtbar. Insbesondere in Situationen, in denen die Religion den Blick auf die realen Gegebenheiten verliere und in einen "vagen Mystizismus" abgleite, könne Wissenschaft der Religion helfen, wieder in die Realität zurückzufinden, so Pater George Eslbett.

Der Kongress fand vom 27. bis 29. August in Wien statt und behandelte die Herausforderungen, die sich an der Schnittstelle zwischen Religion und Wissenschaft im 21. Jahrhundert ergeben. Auf Einladung der Sigmund-Freud-Privatuniversität diskutierten Wissenschaftler aus sieben Ländern - darunter Fraser Watts von der Cambridge University in England und Sayyed Mohsen Fatemi von der Havard University in den USA. "Neue, von Wissenschaft und Technologie generierte Einsichten in die Natur des Universums und des menschlichen Wesens beeinflussen traditionelle religiöse Glaubenswelten und Sichtweisen", hieß es von Seiten der Universität.

Copyright 2015 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich(www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten


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