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Philosoph: Gesellschaft kommt mit Freiheit nicht zurecht

25. Mai 2015 in Aktuelles, 2 Lesermeinungen
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Prof. Schmid: Viele Menschen sind orientierungslos.


Würzburg (kath.net/ idea)
Die Gesellschaft hat im Zuge der Aufklärung Befreiung erreicht, kommt damit aber nicht zurecht. Diese Ansicht vertrat der Philosoph Prof. Wilhelm Schmid (Berlin) beim 8. Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge. Dieser findet vom 20. bis 23. Mai in Würzburg zum Thema „Das gute Leben“ statt. Schmid zufolge will das „moderne Erlösungsprojekt“ von allem Bösen befreien. So habe sich der Mensch von einer normativen Religion (gemeint ist das Christentum) gelöst, die versucht habe, ihn „auf den einzigen richtigen Weg zu predigen und manchmal auch zu prügeln“.

Der Mensch sei heute frei, sich von allen belastenden Beziehungen zu lösen. So sei es heute nicht mehr sozial geächtet, den Ehepartner loszuwerden. Beziehungen litten darunter, dass die Partner einerseits Bindung und andererseits völlige Freiheit wollten. Beides zugleich sei jedoch nicht möglich. Schmid: „Wir sind immer noch davon benebelt, frei zu werden, wissen aber nicht wozu.“ Schmid beobachtet bei vielen Menschen Orientierungslosigkeit: „Da ist keine Spur, kein Weg, keine Straße – wir müssen diesen Weg erst selber finden.“


An das Leben nicht zu hohe Erwartungen stellen

Als philosophischer Seelsorger habe er seine Klienten oft gefragt: „Was ist für sie schön?“ Häufig habe die Antwort gelautet: „Ich weiß es nicht.“ Die meisten Menschen machten sich keine Gedanken, was ein gutes Leben ausmache. Es komme jedoch darauf an, der Freiheit Formen zu geben und Schönheit im Leben zu entdecken. Schmid warnte davor, an das Leben zu hohe Erwartungen zu stellen. Die Hoffnung auf ein glückliches, gelingendes und spektakuläres Leben könne nur enttäuscht werden. Die Lebenserfahrung zeige, dass dies nur selten eintreffe und zudem dauerhaft kaum durchzuhalten sei. Ein Leben in Fülle bestehe sowohl aus Glück und Unglück, Freude und Ärger, Lust und Schmerz.

Psychiater: „Auch Seelsorger brauchen Seelsorge“

Der Vorsitzende des Kongresses, der Psychiater und Psychotherapeut Martin Grabe (Oberursel bei Frankfurt am Main), sagte gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, die Tagung solle Lebenshilfe für Seelsorger und Therapeuten bieten: „Auch Seelsorger brauchen Seelsorge.“ Statistisch seien Seelsorger eine eher unglückliche Berufsgruppe, Psychotherapeuten sogar hoch suizidgefährdet. Sie seien gut darin, für andere zu sorgen, vernachlässigten aber sich selbst. Sie müssten sich mehr Zeit nehmen, um sich selbst und das eigene Handwerkszeug zu pflegen. Grabe: „Seelsorger können erstaunlich blind gegenüber sich selbst sein.“


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