Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Die Piusbruderschaft und ihre Einheit mit der Kirche
  2. Piusbrüder lehnen Dialog mit Rom ab und beharren auf Bischofsweihe
  3. Der Tod der Theologie in Deutschland
  4. Erzbistum Paderborn: Hunderte Protest-E-Mails gegen ‚Harry Potter Gottesdienst‘
  5. Kirche im Verfall
  6. Die Kardinäle Ghirlanda und Ouellet denken gleich wie die Piusbruderschaft
  7. Kritik an Kanzler Merz nach Ramadan-Grüßen
  8. Offener Brief an Kardinal Marc Ouellet
  9. Donald Trump und Keir Starmer grüßen Christen am Aschermittwoch, Merz und Van der Bellen die Muslime
  10. Zwei (renommierte und namentlich bekannte) Missbrauchsopfer „blitzen mit ihren Protesten ab“
  11. Mein Held des Monats: Marco Rubio – Ein Weckruf für das Abendland
  12. Früherer Bundestagsvizepräsident Kubicki: „Der ZDF-Skandal muss politische Konsequenzen haben“
  13. THESE: Warum die UNO weg muss!
  14. 'Man kann mit der Begründung, man verteidige die Demokratie, die Demokratie nämlich auch abschaffen'
  15. „Warum bin ich noch in der Kirche?“, fragte der Theologe Joseph Ratzinger bereits 1970

'Benedikts große Einsicht'

4. August 2016 in Interview, 1 Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Ein Gespräch zehn Jahre nach der «Regensburger Rede» des Papstes Von Christoph Renzikowski (KNA)


Regensburg (kath.net/KNA) Bei seinem Besuch in der bayerischen Heimat hielt Papst Benedikt XVI. vor zehn Jahren nur eine große Rede, die über den Tag hinaus nachhallte, und zwar in der Regensburger Universitätsaula. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) befragte den heutigen Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer zu seinen damaligen Wahrnehmungen und der Aktualität dieser Ansprache.

KNA: Herr Bischof, wo waren Sie am 12. September 2006?

Voderholzer: In München. Mit einem Freund habe ich ein Buch über unseren gemeinsamen Religionslehrer vorbereitet. Wir saßen im Pfarrhaus von Sankt Peter und arbeiteten letzte Korrekturen ein, der Fernseher lief. Nebenher verfolgten wir mit halbem Ohr, was da in Regensburg geschah.

KNA: Wann haben Sie die Brisanz der Aussagen des Papstes erfasst?

Voderholzer: Ich erinnere mich, dass das umstrittene, gut 500 Jahre alte Zitat der Aussage eines oströmischen Kaisers über den Propheten Mohammed noch zwei Tage später in Freising überhaupt kein Thema war. Abends habe ich dann den Medien entnommen, dass es in Ägypten und einigen arabischen Ländern Proteste, sogar gewalttätige Ausschreitungen gab. Beim nochmaligen Lesen ist mir schon aufgegangen, dass man das Zitat missverstehen kann, wenn man will.

KNA: Eigentlich ging es in der Ansprache um Benedikts Lebensthema, das Verhältnis von Glaube und Vernunft.


Voderholzer: Ja, und man kann das Zitat auch gar nicht einordnen ohne diesen Kontext. Benedikts große Einsicht besteht darin, dass Glaube und Vernunft aufeinander angewiesen sind. Ich finde, sie wird von Jahr zu Jahr aktueller. Ohne Vernunft droht der Glaube fanatisch zu werden, und ohne Glauben schrumpft die Vernunft, legt sie sich Fesseln an und beraubt sie sich ihrer eigenen Würde.

KNA: Trotzdem verfestigte sich der Eindruck, der Papst habe vor allem
das Thema Islam und Gewalt ansprechen wollen.

Voderholzer: So sind eben die Gesetzmäßigkeiten öffentlicher Kommunikation. Wenn sich irgendwo etwas Konfliktives zeigt und das dann auch noch zu Konflikten führt, engt das die Wahrnehmung ein. Das ist nur schwer zu verhindern, hat der Gesamtrezeption der Rede aber nicht gut getan.

KNA: In der islamischen Welt war zunächst die Empörung groß. Der Papst wurde zu einer Korrektur, mindestens zu einer Entschuldigung aufgefordert. Kirchenintern war immerhin von einer vermeidbaren diplomatischen Ungeschicklichkeit die Rede.

Voderholzer: Ich finde all diese Reaktionen nicht gerecht. Natürlich hat der Papst ein Zitat mit einer gewissen provokativen Kraft gewählt, aber er hat es sich in keiner Weise zu eigen gemacht. Von gebildeten Leuten muss man erwarten, dass sie eine solche Verwendung richtig einordnen und wiedergeben.

KNA: Wenn man sich die heute vom Vatikan zur Verfügung gestellte Fassung ansieht, zeigt sich, dass Benedikt XVI. nachträglich in zwei Fußnoten Verdeutlichungen eingefügt hat.

Voderholzer: Aber wer sein Gesamtwerk kennt, weiß auch, dass Joseph Ratzinger mit Blick auf die geistige Identität Europas eine Gemeinsamkeit von Christen und Muslimen formulieren konnte, nämlich den Respekt vor dem Heiligen. Nur wer das ausgeblendet hat oder es einfach nicht anders wusste, konnte das Zitat als eine aggressive Note gegen den Islam werten.

KNA: Einige Zeit später meldeten sich mehr als 100 muslimische Gelehrte zu Wort - es kam zu einer neuen katholisch-islamischen Gesprächsinitiative. Was ist daraus geworden?

Voderholzer: Ich weiß aus dem Vatikan, dass da sehr viel im Verborgenen geschieht. Aber wie im christlich-islamischen Dialog stellt sich auch da die Frage nach repräsentativen Gesprächspartnern. Wie lassen sich die großen geistlichen Autoritäten, die Universitäten einbeziehen? Und es zeigt sich, dass der innerislamische Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten wesentlich dramatischer ist als die Spannungen zwischen Christen und Muslimen. Es wäre schön, könnten die christlichen Kirchen auf der Basis ihrer gemeinsamen historischen Erfahrung miteinander eine Hilfestellung für die innerislamische «Ökumene» leisten.

KNA: Terroristische Gewalt im Namen Allahs erschüttert nicht mehr nur den Orient und Nordafrika. Sie wird in Europa verübt, von jungen Menschen, die hier aufgewachsen oder als Flüchtlinge zu uns gekommen sind. Welche Fingerzeige lassen sich der zehn Jahre alten Ansprache des einstigen Kirchenoberhaupts für die heutigen Probleme entnehmen?

Voderholzer: Ich wünschte mir zunächst, dass islamische Autoritäten sich noch deutlicher als ich das bisher wahrnehme distanzieren und eine spirituelle Deutung der entsprechenden Koranverse als verbindlich vortragen, die häufig zur Legitimation terroristischer Gewalt benutzt werden. Für mich stellt sich die Frage, wie sich der Koran selbst versteht, woher er seine Autorität bezieht. Und auch wir Christen sind herausgefordert, zu klären, wie wir unsere Heilige Schrift verstehen. Unser Glaube stützt sich nicht zuerst auf ein Buch oder eine abstrakte Idee, sondern auf eine Person, die sich in einem geschichtlichen Ereignis geoffenbart hat. Darüber, auch über das Gottesbild, sollten wir einen fundamentalen Religionsdialog führen.

(C) 2016 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.
Jegliche mediale Nutzung und Weiterleitung nur im Rahmen


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Voderholzer

  1. Papst Leo XIV. bestärkt Bischof Voderholzer auf dem Weg der Neuevangelisierung
  2. Regensburger Bischof Voderholzer beim Papst
  3. Warum wir gerade jetzt Quellen der Zuversicht, Stärkung und Solidarität brauchen
  4. Ukraine erlebt nicht enden wollenden Karfreitag
  5. Bischof von Regensburg: Corona-Beschränkungen nicht antikirchlich motiviert
  6. Öffne uns die Augen für die Lehren, die wir aus der Krise ziehen müssen
  7. 'Lassen wir uns trösten vom Zeugnis des Vertrauens'
  8. Voderholzer: „Die Kirche leidet in allen ihren Gliedern“
  9. „Verzicht auf leibhaftige Gemeinschaft für uns alle ein großes Opfer!“
  10. "Das von den Aposteln überlieferte Glaubensgut unverkürzt weitergeben"







Top-15

meist-gelesen

  1. Einmal im Leben nach ISLAND - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. Oktober 2026 - Wunderbares SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  3. Die Piusbruderschaft und ihre Einheit mit der Kirche
  4. Piusbrüder lehnen Dialog mit Rom ab und beharren auf Bischofsweihe
  5. Der Tod der Theologie in Deutschland
  6. Zwei (renommierte und namentlich bekannte) Missbrauchsopfer „blitzen mit ihren Protesten ab“
  7. Offener Brief an Kardinal Marc Ouellet
  8. Kirche im Verfall
  9. Erzbistum Paderborn: Hunderte Protest-E-Mails gegen ‚Harry Potter Gottesdienst‘
  10. Mein Held des Monats: Marco Rubio – Ein Weckruf für das Abendland
  11. „In unendlicher Liebe durch das Leben geführt“
  12. Donald Trump und Keir Starmer grüßen Christen am Aschermittwoch, Merz und Van der Bellen die Muslime
  13. 'Man kann mit der Begründung, man verteidige die Demokratie, die Demokratie nämlich auch abschaffen'
  14. 'Reiner Bullshit': Macron sorgt mit Attacke auf Meinungsfreiheit für Entsetzen
  15. „Warum bin ich noch in der Kirche?“, fragte der Theologe Joseph Ratzinger bereits 1970

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz