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Der Märtyrertod in der Oper des 20. Jahrhunderts

1. Juni 2018 in Kultur, 6 Lesermeinungen
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Die „Dialoge der Karmelitinnen“ - Die neue monatliche kath.net-Kulturkolumne DIO von Anna Diouf


Linz (kath.net)
Gegen moderne oder zeitgenössische klassische Musik gibt es von konservativer, zum Teil sogar von religiöser Seite einige Vorbehalte, von denen manche legitim, andere aber auch vorurteilsbehaftet sind oder einem Mangel an Wissen geschuldet. Gerade unter den modernen Opern gibt es einige, der Allgemeinheit eher unbekannte, unter Bühnenschaffenden und Theatergängern aber beliebte Kleinode. Dass ihr Bekanntheitsgrad nicht so hoch ist, hat ganz unterschiedliche Gründe.

Im Fall der „Dialoge der Karmelitinnen“ besteht da erst einmal die altbekannte Hürde, dass französische und deutsche Ansprüche an das Musiktheater seit jeher selten kompatibel waren, und französische Opern generell in Deutschland nicht unbedingt zu den meistaufgeführten zählen. Francis Poulencs (1899-1963) Oper Dialogues des Carmélites basiert auf einer Novelle Gertrud von Le Forts, die wiederum auf ein historisches Ereignis Bezug nimmt: 1794 wurden die Schwestern des Karmel von Compiègne guillotiniert, da sie ihre Gelübde nicht brechen wollten.


Die Oper erzählt von einer Novizin, die, gleich Petrus, vor der Gefahr zuerst flieht, schließlich aber, als sie von der bevorstehenden Hinrichtung der Nonnen erfährt, ihren Gefährtinnen folgt und zuletzt auf dem Schafott stirbt. Zu den bewegendsten Szenen der Operngeschichte gehört diese Hinrichtungsszene. Das Salve Regina singend treten die Karmelitinnen nacheinander aufs Schafott – eine nach der anderen verstummt abrupt, wenn das Fallbeil ihnen das Wort grausam abschneidet. Nach anfänglicher Unsicherheit wird der Gesang aber immer machtvoller, das Marienlob überstrahlt den Tod dieser unbeugsamen Frauen. Als schließlich nur noch die Priorin singt, die bis zuletzt ausgeharrt hatte um den anderen Trost zu spenden, kommt Blanche, die Novizin, auf den Richtplatz. Sie führt das Gebet zu Ende, während auch sie ihrem Tod entgegengeht.

Poulencs Werk erschüttert in seiner Bedingungslosigkeit, aber auch in seiner Schönheit. Ohne einen Funken Sarkasmus oder Verachtung wird in dieser 1957 uraufgeführten Oper die Macht und die Kraft des Glaubens offenbar. Ein Beispiel dafür, dass geistliche Inhalte auch heute ihren Platz auf der Opernbühne haben – insbesondere dann, wenn die Gesamtanlage des Werkes eine Verfremdung verunmöglicht. Eine Oper, die im Kloster spielt, an deren Ende das Salve Regina gesungen wird, lässt sich nicht aus diesem Kontext herausreißen und lässt sich auch ihrer Aussage nicht berauben. Dies ist ein interessanter Aspekt auch in ganz anderer Hinsicht: Immer wieder sind wir als Christen der Frage ausgesetzt, ob wir gegenüber dem Zeitgeist eine Art „Appeasement“ walten lassen dürfen, ob wir uns anpassen und die christliche Botschaft verwässern lassen dürfen. Das Gegenteil aber ist der Fall: In der gelebten Konsequenz ist der christliche Glaube unwiderstehlich, stark, überzeugend und bewegend. Oftmals können dem Christentum entfremdete Menschen erst in den „Extremen“ der christlichen Berufung, hier im streng kontemplativen Leben des Karmel und im Märtyrertod, die tatsächliche Aussagekraft und Gültigkeit des christlichen Bekenntnisses erahnen. Poulencs Werk ist in diesem Sinne eine „Flucht nach vorn“, eine sich auf die Tradition besinnende Antwort auf die Moderne.


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Lesermeinungen

 Diasporakatholik 5. Juni 2018 
 

@Catherine

Auch wir haben diese Opernaufführung in Hamburg gesehen.
Allerdings ist im Vergleich zu ihr, die vor allem die Freundschaft der beiden Nonnen zum Hauptthema hat, die dann die Nachfolge in den Märtyrertod einschließt, mir die Erzählung Gertrud von Le Forts vom christlich-katholischen Standpunkt her wertvoller und kostbarer, weil das darin ausgebreitete Hauptthema das Mysterium des stellvertretenden Leidens für jemand anderen ist.
Bernanos dagegen behandelt in seinem Roman vornehmlich die Angst und deren Überwindung. Ich würde persönlich für mich Bernanos' Roman im Wert zwischen die Werke von Poulenc und Le Fort setzen.
Das ist meine ganz persönlich-subjektive Meinung.


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 Catherine 4. Juni 2018 
 

Diese ergreifende Oper

sahen wir 2003 in Hamburg. Man sollte auf
jeden Fall auch das Buch von Gertrud von Le Fort "Die letzte am Schafott" dazu lesen. Das ist in diesem Zeiten des Glaubensabfall sehr tröstend für jeden Gläubigen.


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 Catherine 4. Juni 2018 
 

In Hamburg


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 Diasporakatholik 2. Juni 2018 
 

Zur Vorbereitung auf den Besuch dieser Oper

empfehle ich die aufmerksame Lektüre neben dem Libretto sowohl des Buches Doe Letzte am Schafott" von Gertrud von Le Fort als auch des Romans "Begnadete Angst" von George Bernanos, wobei m.E. G. von Le Fort's Meisterwerk die kathol. Mystik des stellvertretenden Leidens am besten und treffendsten überzeugend widerspiegelt.


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 ora+labora 1. Juni 2018 
 

Dialoge der Karmelitinnen

Ich kann der Empfehlung zu den Dialogen der Karmelitinnen nur voll zustimmen. Ich hatte das
Glück, diese Oper sowohl in Stuttgart wie auch in
Mainz auf der Bühne zu erleben. Eine mehr zeitgenössische Oper mit tief religiösem Inhalt ist
Olivier Messiaens St. Francois d'Assise von 1983.
Das gesammte Schaffen von Messiaen (der inbesondere Lehrer von Boulez und Stockhausen war) ist von seinem tiefen katholischen Glauben geprägt. In erheblichem Maße gilt dies auch für Krzysztof Penderecki (geb.1933).


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 amor crucificada 1. Juni 2018 
 

MIR

Das MIR in Gelsenkirchen hatte die Oper diese Saison auf dem Spieplan, und es hat sich wirklich gelohnt. Falls sie nicht abgesetzt ist, für Mitleser aus dem Pott: hingehen und anhören


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