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Solo dios basta!

8. Mai 2020 in Kommentar, 8 Lesermeinungen
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Wir wollen uns, von der Liebe geleitet, an die Wahrheit halten und in allem wachsen, bis wir ihn erreicht haben. Er, Christus, ist das Haupt.“ - BeneDicta am Freitag von Linda Noé


Linz (kath.net)
Auf dem Bleistift kauend sitze ich auf der gewebten, bunt gemusterten Überdecke, der Lattenrost meines Yoka Betts gibt quietschende Geräusche von sich, während ich oben auf der Ablage nach dem Textmarker angle. Der klobige Stand-PC in meinem Zimmer hat über die Universität unbegrenzten Internetzugang, die Studenten hängen begeistert Tag und Nacht in Napster und ICQ („ou-ou!“). Draußen vor der Türe unterhalten sich zwei meiner sechs Mitbewohnerinnen auf der Couch, Zigarettenrauch, leises Gelächter.

Meine Studentenzeit scheint bereits Lichtjahre her zu sein- eine, wie wohl für viele von uns, verrückte und auf vielen Ebenen freie Zeit. Auch die Zeit, in der ich zum Glauben an Jesus gefunden habe, Welten auf einander prallten, Freundschaften auseinandergingen und neu gefunden wurden, zwei meiner Geschwister geboren wurden- und meine ersten Gehversuche außerhalb der Herkunftsfamilie auf der Suche nach dem eigenen Weg.

Die Entwicklungspsychologie war sowohl auf der Uni als auch auf der Pädagogischen Akademie eines der Lernfelder die ich mochte, Erik Erikson einer der wenigen Namen, die den Weg in mein Langzeitgedächtnis gefunden haben. Das Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung nach Erikson, Ur-Vertrauen vs. Ur-Misstrauen (1. Lebensjahr) bis Ich-Integrität vs. Verzweiflung (reifes Erwachsenenalter) ist wahrscheinlich vielen Lesern ein Begriff.

Ja, das Erwachsenenalter, was für ein langer Weg. Der Punkt scheint sich nicht einzustellen, auf den ich früher immer glaubte warten zu müssen: dieses Gefühl „JETZT bin ich erwachsen.“ Was bedeutet das überhaupt? „Die vier Arten des Erwachsenenseins“ titelt die „Welt“ auf meine google-Suche hin und unterscheidet: gesellschaftliches, rechtliches und politisches, soziales, psychisches und physisches Erwachsensein. Nach weltlichen Maßstäben bin ich das alles schon als Studentin gewesen. Aber wie sehr habe ich mich verändert, seit damals? Wie anders ist mein Leben heute, als Ehefrau und Mutter dreier Kinder? Rund 20 Jahre her ist es auch, dass ich gläubig geworden bin. Wie sieht das eigentlich mit einem „geistlichen Erwachsenwerden“ aus? Ich bin mir bewusst, dass es zu diesem Thema mindestens eine BeneDicta in Doktorarbeitslänge geben müsste, um dem Thema auch nur annähernd gerecht zu werden. Und trotzdem möchte ich es heute in zwei mir wichtig gewordenen Punkten anreißen, um es in unser Bewusstsein zu rücken. Bin ich auf dem Weg eines geistlichen Erwachsenwerdens? Oder habe ich es mir statisch und gemütlich eingerichtet und verbringe die Zeit vielleicht eher damit, andere zu beurteilen?


Auf keinen Fall wollte ich auch nur ein Wort über Corona verlieren, Ehrenwort! Und trotzdem muss ich sagen: ein Punkt des geistlichen Erwachsenwerdens ist in Zeiten wie diesen bereits zum Knackpunkt geworden. Es gilt, selbstständig, auch wenn ich vielleicht von anderen Menschen eher abgeschnitten bin, an geistliche Nahrung zu kommen. Als Christen sind wir keine voneinander unabhängigen Individualisten, sondern gehören zu einem Leib, brauchen einander. Zum Erwachsenwerden im Glauben gehört aber, dass ich mich, gerade in Notzeiten, anstatt mich zu beklagen, auf die Verantwortungsträger zu schielen und passiv darauf zu warten, dass mich jemand an der Hand nimmt, selbstständig darum kümmern kann, dass ich so lebe, dass ich mit dem Herrn verbunden bin und bleibe.

“Solo dios basta! Gott allein genügt!“ Die Möglichkeiten sind vielfältig, aber immer bleibe ich es am Ende selbst, der sich aufmachen und selbst motivieren muss, der auch ohne Events, Gebetskreise und andere (wunderbare, wichtige!) Hilfen im Gebet dem Herrn nahe bleiben kann. (Die Sehnsucht nach der Feier der Eucharistie ist ein anderes Thema, das an dieser Stelle nicht behandelt wird). In der Elberfelder Übersetzung heißt es in 1 Samuel 30,6 so sprechend: „Und David war in großer Bedrängnis, denn das Volk sprach davon, ihn zu steinigen. Denn die Seele des ganzen Volkes war erbittert, jeder war erbittert wegen seiner Söhne und wegen seiner Töchter. Aber David stärkte sich in dem HERRN, seinem Gott.“ In der Folge findet David faszinierenderweise nicht nur selbst aus einem Tiefpunkt heraus, der größer fast nicht sein könnte, sondern führt auch noch seine Begleiter in den Sieg, und der Durchbruch ist nahe, dass er bald darauf endlich den Thron besteigen kann. Meine erste Frage, zu der ich jeden einlade, sie sich selbst zu stellen und mindestens zwei konkret umsetzbare Antworten zu finden (gerne auch in den Leserkommentaren!) : wie stärke ich mich selbst im Herrn? Denn das Wort zeigt für mich deutlich, dass es meine eigene Verantwortung ist, die ich auf niemand anderen abschieben kann, auch wenn es bequemer ist (und manchmal wohl verständlich) über die Umstände zu jammern. Dieses „sich im Herrn stärken“ sehe ich bei den Heiligen, bei einem Maximilian Kolbe noch im Konzentrationslager- was ist meine Ausrede?

Mein zweiter und (zumindest für heute auch schon letzter) Punkt auf einem guten Weg des geistlichen Erwachsenwerdens ist die immer gefestigtere Identität. Die eigene Identität zu finden und in der Folge zu stärken ist nicht nur laut Erikson eine Aufgabe ab dem Jugendalter. Unsere wahre Identität ist nur in Jesus Christus zu finden- ein großes Thema der Jüngerschaft. Ich empfinde, dass sich uns diese Identitätsfrage als Christen in diesen Zeiten massiv als wichtig zeigt- sei es durch offensichtlich notwendige klare Positionierung gegenüber Esoterik sowie anderen Religionen, bis dorthin, dass christliche Popsongs mit diesem Thema, wie „You say“ von Lauren Daigle, durch die Decke gehen und sogar kommerziellen weltweiten Erfolg erlangen. Der Heilige Geist spricht zu uns Christen auch auf diesem Weg und ruft: „Komm, es ist Zeit, die Milchnahrung beiseite zu legen, Verantwortung zu übernehmen, geistliche Mütter und Väter für die Welt zu werden, nach der sie sich sehnt.“. Dazu müssen wir wissen, wer wir sind, und das nicht nur mit dem Kopf, sondern fleischgeworden, mit unserem Leben. Ein geistlich Erwachsener, der weiß wer er ist (darin in die Tiefe zu wachsen bleibt immer weiterhin möglich und notwendig), muss niemand anderen niedermachen um sich selbst zu erbauen. Er bezieht sein Selbstverständnis nicht aus dem Vergleich mit anderen Menschen, sondern aus dem Blick auf Gott- und für diese Sicht ist es notwendig, Zeit zu investieren im Gebet, im Wort Gottes. Ein kurzer ehrlicher Selbsttest zum Thema Identität ist z.B. die Frage: „Bin ich neidisch auf andere Menschen? Was passiert mit mir, wenn ich von anderen nicht das Lob und die Anerkennung bekomme, die ich zu verdienen meine?“

Erstens, uns in Gott stärken zu können, und zweitens, unsere Identität immer tiefer in Christus zu finden und festzumachen: das waren heute meine zwei Punkte im Bezug auf das geistliche Erwachsenwerden. Dazu bin ich mit allen Lesern im Gebet verbunden.

Epheser 4,14-15: „Wir sollen nicht mehr unmündige Kinder sein, ein Spiel der Wellen, hin und her getrieben von jedem Widerstreit der Meinungen, dem Betrug der Menschen ausgeliefert, der Verschlagenheit, die in die Irre führt. Wir wollen uns, von der Liebe geleitet, an die Wahrheit halten und in allem wachsen, bis wir ihn erreicht haben. Er, Christus, ist das Haupt.“


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