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Woelki: „Es braucht unser Vertrauen in Gott, dass wir Seinem Wort nichts hinzufügen“

23. September 2020 in Deutschland, 5 Lesermeinungen
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Kölner Kardinal bei DBK-Versammlung: „Auch heute werden wir nicht überall freudig aufgenommen, wenn wir das Wort Gottes verkünden. Auch heute ist es ein Wagnis, das Evangelium zu verkünden, ein Wagnis allerdings, das sich lohnt einzugehen.“


Fulda (kath.net/DBK) kath.net dokumentiert die Predigt von Kardinal Rainer Maria Woelki (Köln) in der Eucharistiefeier zur Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 23. September 2020 in Fulda in voller Länge. Lesung: Spr 30,5–9, Evangelium: Lk 9,1–6

Liebe Schwestern, liebe Brüder, wir alle sind viel unterwegs. Heute bin ich in Fulda, gestern war ich in Köln, morgen geht’s weiter nach Frankfurt und Rom. Vielen von Ihnen wird es ähnlich ergehen. Manchmal denke ich: mein Leben, das ist gar nicht so weit weg von dem der Apostel. Ich ziehe in der Welt umher und verkünde das Evangelium – in kleinen Dörfern wie Düsseldorf und in großen Städten wie Bonn, Unkel oder Wipperfürth, manchmal auch in Frankfurt und in Rom. Und nun eben in Fulda. Bei aller Routine gibt es immer neue spannende Begegnungen und Erlebnisse. Einen Wanderstab habe ich nicht dabei. Ich nehme auch keine Vorratstasche und kein Brot mit. Aber ohne Geld und zweites Hemd bin auch ich nicht hierher nach Fulda gekommen.

Wenn man also die Anweisungen Jesu aus dem Evangelium des Lukas betrachtet und wortwörtlich nimmt, dann ist bei mir noch Luft nach oben. Gehen wir diesem Gedanken einmal nach: Nehmen wir an, wir würden die Anweisungen wirklich wortwörtlich nehmen. Mal abgesehen von einer gesunden Entschleunigung und der gesunden Bewegung durch das Wandern von Ort zu Ort – haben Sie nicht auch den Eindruck, dass das Leben eine ganz andere existenzielle Spannung erhalten würde? Wenn ich mir das vorstelle: ganz ohne Geld, ohne Vorratstasche, ohne alles loszulaufen. Wir sind dann völlig davon abhängig, wie wir und das Wort Gottes, das wir verkünden, aufgenommen werden. Da braucht es ein großes Vertrauen in Gott und Seine Vorsehung, dass man abends auch ein Dach über dem Kopf hat und nicht verhungert. Es heißt im Evangelium schließlich: „Wenn euch aber die Leute nicht aufnehmen, dann geht weg aus jener Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen, zum Zeugnis gegen sie!“ Das macht deutlich: Es kann passieren, dass das Wort Gottes nicht angenommen wird. Da ist dann unter Umständen die Versuchung groß, dem Wort Gottes etwas hinzuzufügen, um es angenehmer zu machen. Dass das nicht ohne ist, darauf weist heute ausdrücklich die Lesung aus dem Buch der Sprichwörter hin. „Füg seinen (Gottes) Worten nichts hinzu, sonst überführt er dich und du stehst als Lügner da“ (Spr 30,6), heißt es da, und der Text fährt fort mit einem kleinen Gebet: „Gib mir weder Armut noch Reichtum, nähr mich mit dem Brot, das mir nötig ist“ (Spr 30,8). Mich erinnert das an das Gebet Jesu, das „Vaterunser“. Dass wir uns keine Armut wünschen, das ist doch ziemlich klar. Das ist zutiefst menschlich.


Und der Verfasser des Gebetes begründet es auch für sich: „Damit ich nicht zum Dieb werde“ (Spr 30,9). Allerdings weist dieses Gebet auf eine noch tiefere psychologische Gegebenheit hin: Jemand, der wirklich Hunger hat, dessen primäres Ziel wird es sein, diesen zu stillen. Er wird – vor lauter Hunger – nicht wirklich dafür offen sein, das Wort Gottes zu hören oder es zu verkünden. Nicht nur deswegen, aber auch deswegen, gehört zur Verkündigung des Wortes immer auch das karitative Handeln. Hungernde speisen, Kranke heilen usw. So weit, so menschlich. Aber wer würde sich denn dann auch gegen Reichtum wehren?

Warum betet da jemand, dass der Herr ihn davor bewahren möge und erbittet sich nur das Brot, das nötig ist? Auch aus dieser Bitte, liebe Schwestern, liebe Brüder, spricht eine tiefe psychologische Erkenntnis: wer reich ist, wer viel hat, der kann auch viel verlieren. Die Angst vor dem Verlust kann so stark werden, dass man am Ende den Herrn verleugnet. Dabei ist Reichtum sicherlich relativ. Reichtum wird vielleicht sogar erst dann wirklich zu Reichtum, wenn wir vergessen, dass es sich bei allem um ein Geschenk Gottes handelt. Wir hängen in allem von Ihm ab. Vergessen wir also nicht: Es braucht unser Vertrauen in Gott, dass Er für uns und unser Dasein sorgt – unabhängig davon, ob wir mit Vorratstasche und Geld reisen oder nicht. Genauso braucht es unser Vertrauen in Gott, dass wir Seinem Wort nichts hinzufügen. Denn auch heute werden wir nicht überall freudig aufgenommen, wenn wir das Wort Gottes verkünden. Auch heute ist es ein Wagnis, das Evangelium zu verkünden, ein Wagnis allerdings, das sich lohnt einzugehen. Einfach deshalb, weil es Gottes Wort ist. Amen.

Pressefoto Kardinal Woelki (c) Erzbistum Köln


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Lesermeinungen

 Adamo 23. September 2020 
 

Ein Wagnis (?) das Evangelium zu verkünden,

NEIN, es ist ein MUSS, das Evangelium klar und deutlich zu verkünden. Ansonsten laufen die Christen wie eine Hammelherde in ihrem Pferch führungslos durcheinander im Kreis herum.


4
 
 Lilia 23. September 2020 
 

Genau darin liegt die Crux der Sache:

"Wenn man euch nicht anhören will, dann geht weg aus jener Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen!"

"Staub von den Füßen schütteln" bedeutet aber nicht, sich mit Ignoranten und Querulanten an einen Tisch zu setzen, um nach neuen Synodalen Wegen zu suchen...

Würden die Bischöfe über weniger finanzielle Mittel verfügen, würden Ihnen die Flausen von alleine vergehen. Deshalb wäre eine Entschlackung des Kirchensteuer-Apparates gar nicht so schlecht.


3
 
 topi 23. September 2020 

@Markus1980

Das genau ist der Punkt: Die Kirche ist eben nicht mit dem Staat zu vergleichen. Jeder Katholike ist nach dem Kirchenrecht (CIC) verpflichtet dazu beizutragen, dass die materiellen Bedürfnisse der Kirche befriedigt werden. Dies soll aber freiwillig geschehen. Nur in Notfällen kann eine Steuer erhoben werden. In Deutschland basiert die Kirchensteuer aber auf der Säkularisation bzw. der entsprechenden Kompensation. Das Geld der Kirche in Deutschland wirkt kontrakproduktiv, weil sie die Kirche immer mehr dem weltlichen Staat ähnlich macht. Menschen treten wegen der Kirchenesteuer aus der Kirche aus bzw. entfernen sich von ihr.


8
 
 Markus1980 23. September 2020 
 

@topi

Dieses ständige Geschwätz von der Kirchensteuer abschaffen...
Dann bitte jede Steuer abschaffen.
Und die Einkünfte Ihres Arbeitgebers gleich mitabschaffen... und Sie können dann sehen, wer Sie trotz Arbeitsleistung bezahlt


1
 
 topi 23. September 2020 

Kirchensteuer

Vielleicht wäre es gut mal damit anzufangen die Kirchensteuer abzuschaffen. Ich glaube dass es dem Evagelisten (und auch Jesus?)im Traum nicht eingefallen wäre, dass ein Verkündiger des Evageliums - ein Apostel - eine eigene Steuer von den Menschen eintreiben würde. Klar, dass es als Steuereintreiber nicht einfach ist das Evangelium und die Liebe Gottes, der den Vögel zu Essen gibt wenn sie Hunger haben(Bergpredigt), zu verkündigen. Ja, es wäre wichtig dieses Wort mal wörtlich zu nehmen, zumal was die Kichensteuer betrifft.
Das mit dem zweiten Hemd kann man dann im Fortgeschrittenenkurs praktizieren.


9
 

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