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Kardinal Pell: Brauchen keine zweite protestantische Kirche

8. Juni 2021 in Weltkirche, 4 Lesermeinungen
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Füherer Kurienkardinal im Kathpress-Interview: "Liberale Protestanten verlieren noch viel schneller und mehr Mitglieder als wir"


Rom (kath.net/KAP) Der kirchliche Missbrauchsskandal muss nach Ansicht des australischen Kardinals George Pell zwar aufgearbeitet werden, sei aber kein Anlass, wesentliche Lehraussagen der katholischen Kirche aufzugeben. Es sei "eine totale Fehlinterpretation zu meinen, diese furchtbare Krise verlange ein völliges Umdenken bei unseren Strukturen oder der Art, wie wir leben", sagte Pell in einem Interview mit Kathpress anlässlich seines 80. Geburtstags am Dienstag. Er bezog sich auf Reformdebatten wie beim Synodalen Weg in Deutschland oder in Australien.

"Wir brauchen keine weitere protestantische Kirche; liberale Protestanten verlieren noch viel schneller und mehr Mitglieder als wir", sagte der frühere Kurienkardinal. Eine entscheidende Frage, der sich Katholiken in Australien wie in Europa stellen müssten, laute: "Sind wir Diener und Verteidiger der apostolischen Tradition, des Glaubens, der Offenbarung - oder deren Herren, so dass wir sie grundlegend ändern könnten?"


Menschen in der Kirche hätten nicht gesündigt oder große Fehler begangen, indem sie kirchlicher Lehre folgten, betonte Pell. "Jemand, der sich an die Lehre hält, begeht keinen Missbrauch." Auf den Vorwurf, die Kirche sei nicht glaubwürdig, solange sie Frauen nicht völlig gleichberechtigt behandele oder homosexuelle Partnerschaften nicht segnen wolle, antwortete er: "Das tut mir leid, aber es ist nicht meine Lehre; ich folge Jesus Christus. Was er lehrte, hat 2.000 Jahre überdauert; heute hat er 1,3 Milliarden katholische Anhänger."

Der christliche Glaube funktioniere, wenn er für das stehe, was Jesus Christus gelehrt habe, so Pell. Das zeige sich auch soziologisch: "Religiöse Gruppen, die eine feste, klare Lehre haben, überleben besser als liberale. Die Kinder liberaler Christen werden Agnostiker."

Pell war ab Mitte der 1990er Jahre zunächst Erzbischof von Melbourne und danach Erzbischof von Sydney. 2014 ernannte ihn Papst Franziskus zum Präfekten des damals neu geschaffenen Wirtschaftssekretariats der Römischen Kurie. Im Sommer 2017 musste der Kardinal in seine Heimat Australien reisen, um sich gerichtlich wegen Missbrauchsvorwürfen zu verantworten. Nachdem er aufgrund erster Urteile ein gutes Jahr in Haft war, wurde er im April 2020 vom Obersten Gerichtshof Australiens wegen mangelnder Beweislage endgültig freigesprochen.

Copyright 2021 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
 Alle Rechte vorbehalten


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