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Bosnien und Herzegowina: „Katholiken werden in jeder Hinsicht benachteiligt“

30. Oktober 2021 in Weltkirche, 7 Lesermeinungen
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Auch mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem Friedensschluss von Dayton ist das Zusammenleben in Bosnien und Herzegowina von Konflikten geprägt.


Wien-München (kath.net/KIN)

Auch mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem Friedensschluss von Dayton ist das Zusammenleben in Bosnien und Herzegowina von Konflikten geprägt. Die katholische Minderheit des Landes werde nach wie vor diskriminiert, beklagt der Bischof von Banja Luka, Franjo Komarica. Gegenüber dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) monierte er die Tatenlosigkeit der internationalen Staatengemeinschaft. Ein neues Projekt für Frieden und Zusammenarbeit ist für Bischof Komarica ein kleines Hoffnungszeichen in einer verfahrenen Situation. Das Interview führte Volker Niggewöhner.

Volker Niggewöhner: Bischof Komarica, Sie haben kürzlich in einem Interview Bosnien und Herzegowina als „Absurdistan“ bezeichnet, als einen unmöglichen Staat. Warum?

Bischof Franjo Komarica: Daran sind nicht die Einheimischen schuld, die hier nicht erst seit gestern zusammenleben. Die internationale Staatengemeinschaft, insbesondere die Europäer, haben es zugelassen, dass hier von 1992 bis 1995 ein Stellvertreterkrieg geführt wurde. Bosnien und Herzegowina ist seit dem Ende des Krieges noch immer ein Provisorium, es herrscht Stillstand.

Warum ist das so?

Bosnien und Herzegowina wird de facto geführt von einem internationalen Vertreter, dem Hohen Repräsentanten. Obwohl seit 1995 schon der achte Amtsinhaber hier ist, hat diese Präsenz das Land nicht zu einem Rechtsstaat gemacht. Und die einheimischen Politiker haben nicht die notwendigen Voraussetzungen und die Macht, um aus Bosnien und Herzegowina einen funktionierenden Rechtsstaat zu machen.

Bosnien und Herzegowina ist ein Staat mit drei konstitutiven Völkern (Serben, Bosniaken und Kroaten; Anm. d. Red.) und zwei Entitäten (Föderation Bosnien und Herzegowina und Republik Srpska; Anm. d. Red.). Die Republik Srpska steht unter dem Einfluss Russlands, die Föderation unter dem Einfluss der Türkei bzw. der islamischen Welt. Und das dritte Volk, die Kroaten (die mehrheitlich den katholischen Bevölkerungsanteil ausmachen; Anm. d. Red.), geht zugrunde. Wir kommen unter die Räder, wir sind einfach nirgendwo mehr zu Hause.

Inwieweit werden die Katholiken benachteiligt?

In jeder Hinsicht: Politisch, gesellschaftlich und auch wirtschaftlich. Oft haben Katholiken Probleme, wenn sie einen kroatischen Namen tragen. Es ist auch schwierig für sie, Arbeit zu finden. Es gibt noch einen Landesteil, West-Herzegowina, wo sie mehr oder weniger leben können. Aber auch dort wandern die Katholiken aus.

Welche Folgen hat die Auswanderung der Katholiken für das Land?

Die katholischen Kroaten wirken wie „Klebstoff“ zwischen Serben und Bosniaken. Wenn dieser Klebstoff wegfällt, dann werden diese beiden Welten – die islamische und die die orthodoxe – noch weiter auseinanderklaffen. Dann würde es noch mehr Unruhe geben.

Es sind ja auch während des Krieges Katholiken geflüchtet. Verhindert die aktuelle Situation deren Rückkehr?

Der Annex 7 des Abkommens von Dayton, der die Rückkehr aller Flüchtlinge und Vertriebenen regeln sollte, wurde nicht umgesetzt. Der Vertrag legte auch fest, dass Bosnien und Herzegowina und die internationale Staatengemeinschaft den Rückkehren politisch, rechtlich und materiell helfen müssen. Das ist im Falle der Kroaten nicht passiert. Ich habe die Papiere in Händen gehalten, auf denen stand: „So und so viel Millionen für die vertriebenen Serben, so und so viel für Rückkehr der Bosniaken.“ Und dann nur ein Satz: „Die Rückkehr der bosnischen Kroaten existiert nicht“. Also erhalten wir von dieser Seite nichts.

Wie wichtig war und ist Ihnen die Hilfe von „Kirche in Not“?

Wenn es in Europa eine Kirche in Not gibt, dann ist es unsere Kirche. In meinem Bistum Banja Luka wurden 95 Prozent der kirchlichen Gebäude im Krieg zerstört oder schwer beschädigt. Hier hat „Kirche in Not“ besonders beim Wiederaufbau geholfen. Das gilt auch für viele andere Projekte. Wichtig ist aber auch, dass „Kirche in Not“ unsere Probleme versteht, uns zuhört und wir auch in Zukunft mit Verständnis rechnen dürfen. Vergelt‘s Gott an alle Wohltäter, die hier in eine Sache Gottes investieren! „Kirche in Not“ ist nicht die Sache von Bischöfen und Priestern, nicht die Sache einer Gemeinschaft, es ist die Sache Gottes.

Sie haben ein Europa-Zentrum für Frieden und Verständigung gegründet. Was ist der Gedanke dahinter?

Wir wollen das Zentrum im ehemaligen Trappistenkloster „Maria Stern“ (Marija Zvijezda) beheimaten. Es wurde 1869 noch in osmanischer Zeit von Pater Franz Pfranner aus Vorarlberg in Österreich gegründet. Als es Probleme mit Baugenehmigungen gab, reiste Pfranner persönlich nach Konstantinopel, um mit dem Großwesir des Sultans zu verhandeln – mit Erfolg. Dialog ist möglich. In diesem Geist soll das Zentrum ein Ort der Begegnung, Bildung, Versöhnung und der internationalen wie interreligiösen Zusammenarbeit sein. Ich habe für diese Projekte schon wertvolle Mitstreiter gewinnen können. So steht zum Beispiel der ehemalige deutsche Bundespräsident Christian Wulff an der Spitze des Gründungskuratoriums. Wir wollen die Europäisierung Bosniens. Das ist eine großartige Chance.


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Lesermeinungen

 pfaelzer76857 31. Oktober 2021 
 

... und Teil 2!

Was mir aber Hoffnung macht: in genau diesem Land (wie auch Kroatien) finden sich viele junge Menschen, die ihren Lebensweg in der Nachfolge Jesu sehen - als Priester und/oder in Orden wie bei den Franziskanern.

Und, auch wenn es noch keine abschließende Bewertung der Kirche gibt - in Medjugorje, also in der Herzegowina, berühren sich durch die Erscheinungen der Gospa immer wieder Himmel und Erde. Dass dieser Ort, von dem seit vielen Jahren ein gewaltiger Gnadenstrom ausgeht, ausgerechnet dort liegt, lässt mich hoffnungsfroh sein, dass die Herzen unserer Brüdern und Schwestern erfüllt sein werden von der Kraft und Liebe des Herrn.


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 pfaelzer76857 31. Oktober 2021 
 

Katholiken werden benachteiligt... / Teil 1

Das ist sicher richtig, @anna marie!

Man kann sicher, Gott sei es gedankt!, nicht von einer Verfolgung sprechen wie man es aus anderen Ländern kennt. An nicht wenigen Orten gibt es sogar eine gute Verbindung zwischen Katholiken und Muslimen, so kam/kommt mitunter auch der Imam zur Mlada Misa von Neupriestern, um die Glückwünsche zu überbringen.

Bischof Komarica ist einer der profiliertesten Kenner der Situation der kroatischen Bevölkerung in Bosnien-Herzegowina. Ebenso wie Kardinal Puljic von Sarajewo hat er sich im Bosnien-Krieg und darüber hinaus humanitär betätigt und immer wieder alles dafür getan, den Blick des Auslands auf die Kriegsverbrechen und die Situation der Menschen ALLER Volksgruppen zu lenken.

Sie dürfen gerne der Sichtweise sein, dass die Katholiken in Bosnien-Herzegowina nicht benachteiligt würden. Wahr wird es deshalb aber nicht. Die Zahlen sprechen hier eine eindeutige Sprache.


2
 
 Chris2 31. Oktober 2021 
 

@anna marie

Vertreten Sie hier etwa die Kollektivschuldthese, die bekanntlich eine Wurzel der Judenfeindlichkeit ist ("Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!")?


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 Chris2 31. Oktober 2021 
 

Tja, so hat eben jeder seine Lobby,

außer den Katholiken und dem weißen westlichen Bürger: "Und das dritte Volk, die Kroaten (die mehrheitlich den katholischen Bevölkerungsanteil ausmachen; Anm. d. Red.), geht zugrunde. Wir kommen unter die Räder, wir sind einfach nirgendwo mehr zu Hause.". Als Deutscher, gegen den man im eigenen Land ungestraft als "Köterrasse" hetzen darf, kennt man das ja. Nur werden die Probleme in Bosnien noch weitaus größer sein. Im Übrigen gibt es auch unter den bosnischen Muslimen Konflikte zwischen den traditionell liberalen Einheimischen und den radikalisierten, die teils als Kämpfer ins Land gekommen waren.


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 SalvatoreMio 30. Oktober 2021 
 

Ungereimtheiten!

@anna marie: Franjo Komarica ist Bischof von Banja Luka und müsste die Lage kennen. Sie sagen, die Katholiken würden dort nicht benachteiligt! Leben Sie dort oder wie können Sie sagen, das stimme sicher nicht? - Auf jeden Fall passen hier doch nicht Berichte über die Progrome gegen Juden. Dieses traurige Thema ihrer Entwürdigung hat sich in vielen Teilen Europas abgespielt. Warum erwähnen Sie es hier, wo es um Bosnien Herzegowina geht?


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 martin fohl 30. Oktober 2021 
 

Das wäre auch ein

Thema für das Treffen mit President Biden gewesen. Aber das Klimaproblem scheint wichtiger als die Probleme z.B. des Bischofs von dem „unbedeutenden“ Banja Luka. Es wären u.a. auch China und Kuba zu nennen…
Es scheint, dass die Agenda des Papstes zunehmend von außen bestimmt wird!


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 anna marie 30. Oktober 2021 
 

Katholiken werden benachteiligt, das ist sicher nicht richtig. Aber Juden wurden durch uns viele Jahrhunderte viel schlimmer benachteiligt, durften viele Berufe nicht ausüben, mussten entwürdigende Kleidung tragen und in Ghettos leben. Oft gabe es zudem Progromegegen die jüdische Bevölkerung. Eine Weißheit der Indianer sagt, dass alles Schlechte, das man tut, einmal zurück kommt.


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