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Evangelische Allianz Deutschland: Impfpflicht ist „wenig zielführend“

11. Jänner 2022 in Deutschland, 4 Lesermeinungen
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"Wir wenden uns gegen die pauschale Diffamierung von Nichtgeimpften als 'Pandemietreiber', 'Verschwörungstheoretiker' oder 'Querdenker'"


Bad Blankenburg (kath.net/EAD) Seit ihrer Gründung im Jahr 1846 setzt sich die Evangelische Allianz für Freiheitsrechte ein. Neben dem Kampf gegen Sklaverei war es vor allem der Einsatz für Religions- und Gewissensfreit des Einzelnen.

Als im Zuge der Corona Pandemie 2020 über Einschränkungen von Gottesdiensten debattiert wurde, hat die Evangelische Allianz im politischen Berlin dafür plädiert, dass weiterhin Präsenz-Gottesdienste stattfinden durften. Hygienekonzepte einzuhalten, ist eine Selbstverständlichkeit. Aufeinander achthaben und rücksichtsvoll miteinander umzugehen, ist gelebte  Nächstenliebe. 3G Regeln sind dann akzeptabel, wenn die Testmöglichkeit für alle besteht und niemand aus sozialen oder wirtschaftlichen Gründen vom Gottesdienst ausgeschlossen wird.

Zum Thema Impfen hat sich die Evangelische Allianz in Deutschland sehr zurückhaltend geäußert. Hier sind medizinische Experten, der gesunde Menschenverstand und die persönliche Abwägung jedes Einzelnen gefragt. Wir ermutigen Menschen aber, alles zu tun, um die Pandemie zu bekämpfen und sich freiwillig impfen zu lassen.


Geistlich liegt der Evangelischen Allianz seit ihrer Gründung neben der Freiheit und der damit verbundenen Verantwortung, die Einheit am Herzen. Wir sprechen uns deutlich dagegen aus, die Impffrage zu einer Bekenntnisfrage zu machen. Christ ist ein Mensch wegen seiner Beziehung zu Jesus Christus, nicht wegen seines Impfstatus. Auch einer theologisch-endzeitliche Überhöhung der Impfdebatte bitten wir mit geistlicher Nüchternheit zu begegnen.

Wir wenden uns gegen die pauschale Diffamierung von Nichtgeimpften als „Pandemietreiber“, „Verschwörungstheoretiker“ oder „Querdenker“. Die Gründe, sich nicht impfen zu lassen, sind vielfältig und die Entscheidung für oder gegen die Impfung liegt in der Freiheit des Einzelnen. Nichtgeimpfte dürfen nicht pauschal vom öffentlichen und kirchlichen Leben ausgeschlossen werden.

Gleichzeitig gilt, dass jeder für seine Entscheidungen und sein Handeln die Verantwortung übernehmen muss. Jede Entscheidung hat Konsequenzen, die auch persönlich zu tragen sind. Wer sich impfen lässt, muss mit möglichen Nebenwirkungen rechnen. Wer sich gegen eine Impfung entscheidet, muss dazu bereit sein, dass zusätzliche Tests oder andere Regelungen seinen Alltag erschweren. Weder dürfen negative Auswirkungen einer persönlichen Entscheidung automatisch auf die Allgemeinheit abgewälzt werden, noch darf die Allgemeinheit ein Individuum aufgrund einer legitimen persönlichen Entscheidung stigmatisieren oder vom gesellschaftlichen Leben ausschließen.

Sehr deutlich verurteilen wir den Missbrauch der Impfdebatte durch Kräfte, die die Institutionen des Rechtsstaates grundsätzlich in Frage stellen. Wir rufen Christen dazu auf, den Glauben nicht zu instrumentalisieren und sich selbst nicht vor den Karren anderer Interessen spannen zu lassen. Der Diffamierung unserer Demokratie treten wir entgegen und gewaltbereiten Radikalen widerstehen wir. Beides entspricht nicht dem Wesen Christi. Wir beteiligen uns an der gesellschaftlichen und politischen Meinungsfindung. Unterschiedliche Meinungen halten wir aus. Diese sind kein Hindernis für unsere Einheit in Christus.    

Ekkehart Vetter, erster Vorsitzender der Evangelischen Allianz in Deutschland
Siegfried Winkler, zweiter Vorsitzender der Evangelischen Allianz in Deutschland
Dr. Reinhardt Schink, Generalsekretär der Evangelischen Allianz in Deutschland
Uwe Heimowski, Beauftragter der Evangelischen Allianz in Deutschland am Sitz des Deutschen Bundestages und der Bundesregierung

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